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Veröffentlicht am 11.10.2024

Sag zum Abschied leise Blödmann

Sag beim Abschied leise Blödmann
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Auf der Rückseite des Buches steht: Charlotte wirft ihren Mann raus, weil der sie zum x-ten Mal betrogen hat. Beim Leerräumen des gemeinsamen Hauses stolpert sie über ein altes Handy. Und über eine uralte ...

Auf der Rückseite des Buches steht: Charlotte wirft ihren Mann raus, weil der sie zum x-ten Mal betrogen hat. Beim Leerräumen des gemeinsamen Hauses stolpert sie über ein altes Handy. Und über eine uralte Mailboxnachricht von Doro. Das verrücke Huhn ist schon seit Jahren untergetaucht, doch plötzlich hat Charlotte Sehnsucht nach ihrer unsteten Schwester. Charlotte macht sich auf die Suche. Ihre heißeste Spur: Doros ehemalige Liebhaber. Und jeder Mann bringt sie ihrer Schwester näher – und einem bunten Leben, das sie sich an der Seite ihres Exmannes nie hat träumen lassen.
Dieser Text fasst den Buchinhalt so treffend zusammen, dass man ihn nicht ergänzen muss.
Was auf den ersten Blick wie ein übliches Trennungsbuch mit sofort neuer Liebe und viel Kitsch aussieht, entpuppt sich als eine – oft witzige – Suche nach einem neuen Leben und nach der Schwester, die in Jugendzeiten zwar so herrlich schräg war, die aber – wie sich auch herausstellt – die oft normale Schwester so beneidet hat. Und so wird die Suche auf einmal eine Suche nach den eigenen Ansprüchen an das Leben, nach mehr Veränderung und nach der Möglichkeit, diese Veränderungen auch zu tun. Auch danach, dass die oft eigentümlichen Ex-Freunde der Schwester auch irgendwie immer liebenswert sind – jeder auf seine Art. Mich hat das Buch wirklich positiv überrascht, denn obwohl ich es quasi in einem Rutsch gelesen habe und mich herrlich dabei unterhalten fühlte, war es bei aller Leichtigkeit nicht einfach nur flach, sondern regte auch zum Nachdenken über die Nutzung der Möglichkeiten im Leben an – ohne erhobenen Zeigefinger. Ein schönes Sommerbuch – und doch nicht nur.

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Bretonische Verhältnisse

Bretonische Verhältnisse
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Kommissar Dupin ist Pariser und hat so seine eigenen Ermittlungsmethoden, mit denen er oft bei seinem Chef oder der Stadtverwaltung anstößt. Deshalb wurde er in die Bretagne – für einen Pariser die tiefste ...

Kommissar Dupin ist Pariser und hat so seine eigenen Ermittlungsmethoden, mit denen er oft bei seinem Chef oder der Stadtverwaltung anstößt. Deshalb wurde er in die Bretagne – für einen Pariser die tiefste Provinz – versetzt. Nach 3 Jahren ist er dort immer noch der „Neue“ und auch seine Ermittlungsmethoden – obwohl erfolgreich – wecken nicht gerade Begeisterung. Als der 91-jährige Hotelbesitzer ermordet wird, scheint es gar keine Spur zu geben. Dann stirbt auch noch dessen Sohn und Dupin hat alle Hände voll zu tun …

Das Buch ist für mich ein solider Krimi. Gut geschrieben, wunderbar flüssig zu lesen. Es fehlt ihm ein bißchen an Spannung. Obwohl ich zwar lange nicht auf den Täter gekommen bin, hat es mich auch nicht so brennend interessiert. Nicht um den Täter zu erfahren, habe ich Seite um Seite lesen „müssen“. Aber die wunderbare Beschreibung der Bretagne, der Menschen und der Sitten dort – darüber habe ich mich einesteils sehr amüsiert, andererseits hatte ich das Gefühl, schon dort gewesen zu sein. Das macht einen großen Reiz des Buches aus. Der Kriminalfall wird damit fast zur Nebensache. Trotzdem würde ich das Buch jederzeit empfehlen.

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Shotgun Lovesongs

Shotgun Lovesongs
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Ein kleiner Ort in Wisconsin, wenige Geschäfte, ein Restaurant, viele Farmer – nichts los, sozusagen „tote Hose“. Dort wachsen 4 Freunde auf –Lee wird ein berühmter Musiker, Ronny ein Rodeostar, Kip ein ...

Ein kleiner Ort in Wisconsin, wenige Geschäfte, ein Restaurant, viele Farmer – nichts los, sozusagen „tote Hose“. Dort wachsen 4 Freunde auf –Lee wird ein berühmter Musiker, Ronny ein Rodeostar, Kip ein reicher Broker, Henry heiratet seine Jugendliebe Beth und wird Farmer. Trotz dieser so unterschiedlichen Lebenswege pflegen sie eine teilweise innige Freundschaft und kommen immer wieder in diesen kleinen Ort zurück. Ihre Lebenswege verbinden sich, trennen sich aber auch – vieles wird komplett anders als gedacht.
Das Buch hat mich sehr überrascht. Es ist eigentlich fast komplett ohne jegliche Spannung und erzählt im ruhigen Ton aus Sicht der 5 Leute verschiedene Situationen und Lebensabschnitte: Hochzeit, Scheidungen, Treffen, Freundschaft, Liebe und auch Verrat, Verzeihen und alltägliche Situationen. Aber es weist auch immer wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben hin – komplett ohne erhobenen Zeigefinger. Ohne Kitsch und Pathos und trotzdem mit so viel Überzeugung. Dabei geht es doch nur um alltägliche Dinge und trotzdem ist es sehr interessant und ich konnte es nicht aus der Hand legen. Es ist mit unheimlich viel Wärme geschrieben und auch mit viel Mitgefühl. Das spürt man in jeder Zeile. Man kann sich das Leben in diesem kleinen Ort am Ende der Welt sehr gut vorstellen.
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Veröffentlicht am 11.10.2024

Allerheiligen

Allerheiligen
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Im beschaulichen Landshut wird ein Liebespaar überfallen. In München gibt es bei einer Geiselnahme einen Toten. Was hat beides miteinander zu tun. Während in Landshut die Kommissare Peter Bernward und ...

Im beschaulichen Landshut wird ein Liebespaar überfallen. In München gibt es bei einer Geiselnahme einen Toten. Was hat beides miteinander zu tun. Während in Landshut die Kommissare Peter Bernward und Flora Sander ermitteln, tut dies in München als Leiter einer Soko Harald Sander. Und bald weitet er seine Ermittlungen auf Landshut aus. Neben dem Kompetenzgerangel der beiden Ermittler kommt erschwerend hinzu, das Peter Flora liebt, aber Harald deren Ex-Mann und außerdem Landshuter Ex-Polizist ist. Doch dann gibt es wieder Tote – und nun in Landshut
Ich kenne Richard Dübell bisher nur als Autor historischer Romane. Dies merkt man seinem ersten Krimi an, denn er vermischt hier den Krimi der Gegenwart mit Geschehen (wie weit das wahr ist, erklärt er ihm Anhang) aus der Geschichte. Und das nicht schlecht, mir hat es gefallen. Insgesamt war das Buch für mich schlüssig, wenn auch die große Spannung etwas fehlte. Auch waren die Hauptfiguren ein wenig zu schwarz/weiß gezeichnet, aber abgesehen davon, konnte man viel Sympathie aufbringen und die Ermittlungen nachvollziehen. Furchtbar gestört hat mich allerdings die unbedingt vorkommende Dame aus Wittenberg, die nicht wirklich viel zum Fortgang der Geschichte beigetragen hat, dafür aber ein so schreckliches Sächsisch „sprechen“ musste, das mir so noch nie untergekommen ist und das kein Sachse (mal ganz davon abgesehen, dass Wittenberg in Sachsen-Anhalt liegt), noch dazu im Alter der Figur, jemals sprechen würde. Das war total überflüssig, zumal alle anderen Personen – auch die Bayern und Schotten – lupenreines Hochdeutsch „sprechen“ durften. Aber abgesehen davon ist es ein guter solider Krimi, den ich auch weiterempfehlen würde. Und Leute aus der Landshuter Gegend entdecken bestimmt noch viel mehr lokales.

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Schamland

Schamland
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Schamland“ ist ein Buch, bei dem es um die derzeitigen Zustände in der Gesellschaft bei der Behandlung von Armen und sozial Schwachen und um die Situation der Tafeln im besonderen geht. Dabei sieht der ...

Schamland“ ist ein Buch, bei dem es um die derzeitigen Zustände in der Gesellschaft bei der Behandlung von Armen und sozial Schwachen und um die Situation der Tafeln im besonderen geht. Dabei sieht der Autor die Situation einseitig mit den Augen der Betroffenen und macht sich zu deren Sprachrohr. Dies war so beabsichtigt und ist in meinen Augen auch völlig in Ordnung, denn diese Menschen haben kaum bis keine Lobby und damit auch keine Stimme, die gehört wird. Der Autor hat mit vielen Betroffenen gesprochen und man merkt ihm an, wie ihn das Ganze aufgerührt hat. Es ist ein sehr persönliches Buch und es ist auch eine Kritik am System der Tafeln und an deren Marktmechanismen. Dem kann ich in großen Teilen zustimmen. Es hat sich mittlerweile eine regelrechte Industrie in diesem Bereich entwickelt wie eine Parallelgesellschaft. Man kann dem Buch nur wünschen, dass es die richtigen Leute vor allem in der Politik lesen. Aber selbst, wenn das passiert, mache ich mir wenig Hoffnung auf eine Änderung. Das System funktioniert für die Verantwortlichen so gut, dass sie keine Änderungen wünschen werden.
In einem kann ich mit dem Autor nicht übereinstimmen. Für ihn sind pauschal alle in Not geratenen Menschen an der Situation schuldlos. Das trifft sicher für viele, aber in meinen Augen nicht für alle zu – selbst die von ihm gewählten Beispiele drücken das für mich aus. Wer sich vor Jahren seine Rente hat auszahlen lassen für diversen Konsum ist in meinen Augen nicht schuldlos daran, dass er jetzt in Not gerät. Unabhängig davon steht ihm natürlich aber Hilfe zu. Nur jegliche Eigenverantwortung oder –initiative außen vor zu lassen, ist für mich nicht richtig. Aber dies ist sicher einer der Punkte, bei dem der Autor eine Diskussion erwartet und auch wünscht.
Generell jedenfalls ist es für mich ein gutes Buch – ein Buch, das wichtig ist und vielleicht schon fast zu spät geschrieben wurde. Positiv ist außerdem, dass es direkt und allgemein verständlich geschrieben wurde. Man kann es gut lesen, ohne mit einem Fremdwörterbuch arbeiten zu müssen. Dadurch ist es auch gut verständlich, was bei einem Sachbuch nicht immer selbstverständlich ist. Leider werden es die direkt Betroffenen kaum lesen – sie können es sich nicht leisten. Dabei wäre es gerade auch für sie wichtig zu wissen, dass jemand da ist, der sie gut versteht und der für sie Verbesserungen erreichen will.

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