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Veröffentlicht am 12.02.2025

Die Komplexität von Schwesternschaft

Wenn wir lächeln
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Immer mehr Verlage bemühen sich um ein ausdrucksstarkes Cover, welches allein durch seine Intensität die geneigte Leserschaft anzuziehen vermag. So ist es auch bei dem Debütroman von Mascha Unterlehberg ...

Immer mehr Verlage bemühen sich um ein ausdrucksstarkes Cover, welches allein durch seine Intensität die geneigte Leserschaft anzuziehen vermag. So ist es auch bei dem Debütroman von Mascha Unterlehberg „Wenn wir lächeln“.

In „Wenn wir lächeln“ geht es um eine intensive, stellenweise schon toxisch-abhängige Freundschaft zwischen Jara und Anto. Die Autorin flechtet dabei gekonnt Themen wie patriarchale Gewalt, Klassenunterschiede, Sexismus und die eigene Identitätssuche ein. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Jugendlichen Jara und Anto, die sich anfreunden und versuchen, gemeinsam ihre eigene Identität zu finden. Es handelt sich um eine Freundschaft, die über das Gewöhnliche hinausgeht . Manche Leserin wird sich vielleicht erinnert fühlen und wiedererkennen: Es gab in der Jugend diese eine Freundin, die man so sehr mochte, dass man sich eher als Schwestern fühlte. Nichts war tabu, alles wurde geteilt. Doch auch diese ersten Beziehungen im Leben durchlaufen einen Wandel, besonders wenn vieles ungesagt bleibt.

Für mich blieben Anto und Jara schwer greifbar. Vieles fühlte sich so nah an: das Aufwachsen mit Popmusik, Filmen und Serien aus den 2000er Jahren, Cherry Cola und Lipgloss, der erste Alkohol, das Verschweigen, wo man sich aufhält vor den Eltern und über all dem diese verschlungene Schwesternschaft. Doch dann verlor mich das Buch wieder. Vieles blieb für mich nicht nachvollziehbar. Stellenweise fühlte ich mich durch den Text gehetzt. Insbesondere durch die verschiedenen Zeitebenen. So musste ich mich immer wieder neu orientieren. Dabei blieben mir die eigentlich sehr interessanten Figuren Jara und Anto viel zu oberflächlich und in sich gefangen um eine emotionale Verbindung herzustellen.

Insgesamt hatte das Buch für mich einige starke Ideen, leider hat es jedoch unter seiner eigenen Komplexität zu leiden. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Autorin den Charakteren mehr Tiefe verliehen hätte, um die emotionale Resonanz der Geschichte zu verstärken.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Der äußere Schein kann trügen.

A Song to Drown Rivers
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Ann Laing gibt einer alten Legende mit „A Song to drown Rivers“ ein neues Gewand und erweckt die Geschichte rund um das junge Mädchen Xishi zum neuen Leben.
Aufgewachsen ist Xishi im ärmlichen, vom Krieg ...

Ann Laing gibt einer alten Legende mit „A Song to drown Rivers“ ein neues Gewand und erweckt die Geschichte rund um das junge Mädchen Xishi zum neuen Leben.
Aufgewachsen ist Xishi im ärmlichen, vom Krieg zerrütten Yue, einem Staat im damaligen China. Als eines Tages Fanil, der Minister von Yues König Goujian in ihr Dorf kommt, ändert sich ihr Leben schlagartig.
Es wurde ein Plan geschmiedet, dass sie durch ihre übernatürliche Schönheit den feindlichen König Fuchai ablenkt und schwächt, so dass Yue sich gegen das feindliche Königreich zur Wehr setzen kann.

Was als allererstes bei diesem Buch auffällt, ist die unglaublich stimmige Covergestaltung, welche es in der Erstauflage mit einem aktuell so begehrten farbigen Buchschnitt gibt. Das macht dieses Buch natürlich zu einem Blickfang in jedem Regal!
Durch die poetische Sprache, welche sehr gut das Setting der Geschichte aufnimmt, entstehen eindrückliche Bilder. Es ist ein leichtes in die Erzählung abzutauschen und ihr zu folgen.
Dabei scheut die Autorin nicht davor zurück immer wieder zu moralisieren, wenn es um Krieg und dessen Folgen für beide Seiten geht. Das lässt sie allerdings so geschickt einfließen, dass es den Lesefluss niemals stört.

Leider gab es einige Kritikpunkte für mich an diesem Buch.
Zunächst einmal fand ich, dass die meisten Figuren, allen voran die Protagonistin Xishi, leider sehr schablonenhafte Charaktere sind, ohne Tiefgang oder Entwicklungspotenzial neben ihren fest definierten Rollen.

Auch geht Frau Laing nicht genauer auf die Gebräuche oder den eigentlichen Palastalltag genauer ein. Viele Nebenfiguren werden nur einmalig erwähnt, bekommen aber selbst überhaupt keine Chance das Buch zu bereichern. So verschenkt sie sehr viel Potenzial die Geschichte weiter auszuschmücken und ihr einen verständlicheren Rahmen zu geben.

Am meisten hat mich allerdings folgender Aspekt gestört:
„A Song to drown Rivers“ wirbt damit, dass es eine feministische Neuinterpretation einer alten Legende ist. Meiner Meinung nach ist das allerdings nicht der Fall. Die Protagonistin ordnet sich deutlich in das vorherrschende patriarchale System unter. Die tragisch sehnsuchtsvolle Liebesgeschichte rund um Xishi spielt sich dabei immer wieder in den Vordergrund, lässt sie allerdings wenig eigenständig wirken. Eher wie die Jungfer in Nöten, die immer auf die Rettung durch ihren strahlenden Helden wartet. So bleibt sie bis zum Ende ein Spielball der Männer in ihrem Leben.

Für mich blieb „A Song to drown Rivers“ hinter den Erwartungen zurück. Wer hier Tiefgang oder gar eine überraschende Neuinterpretation sucht, ist hier falsch. Was nicht bedeutet, dass es ein schlechtes Buch ist. Es ist eine leichte Liebesgeschichte, eingebettet in einer Legende aus alten Zeiten. Mehr leider auch nicht.

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Veröffentlicht am 06.06.2024

Grenzüberschreitungen -

Ich stelle mich schlafend
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Deniz Ohde erlangte große Bekanntheit durch ihren vielfach gelobten Debütroman „Streulicht“. In ihren zweiten Roman „Ich stelle mich schlafend“ wird sie nicht minder gesellschaftskritisch.

Die Geschichte ...

Deniz Ohde erlangte große Bekanntheit durch ihren vielfach gelobten Debütroman „Streulicht“. In ihren zweiten Roman „Ich stelle mich schlafend“ wird sie nicht minder gesellschaftskritisch.

Die Geschichte begleitet Yasemin, genannt Yase, die bereits seit frühster Kindheit gelernt hat das ihr Körper nicht gut genug ist. Erst durch ihre Mutter, die ihre Haltung kritisiert, später durch Ärzte und Physiotherapeuten, die ihre Skoliose behandeln und sie nur auf ihre Erkrankung beschränken, ohne dabei an ihre Psyche zu denken.
Yase beginnt in allen die Schuld bei sich zu suchen und kapselt sich innerlich selbst ab. Auch ihre erste große Liebe zu Vito scheitert an der Behandlung ihrer Skoliose und den damit verbundenen Veränderungen ihres Körpers.
Jahre später scheint Yasemin bei sich angekommen zu sein, wenn sie sich auch nicht wirklich aus ihrer Vergangenheit emanzipiert hat, so kann sie doch für sich selbst sorgen und ist sie in einer stabilen Beziehung.
Trotz dieser Stabilität in ihrem Leben sabotiert sie sich immer weiter, hinterfragt ihre immer aufs neue verlorene Unschuld und vergräbt sich tief in ihrem eigenen Schuldbewusstsein.
Als sie Jahre später erneut auf Vito trifft, entwickelt sich daraus schnell ein toxisches Beziehungskonstrukt, mit tragischem Ende.


„Ich stelle mich schlafend“ ist ein wütender Aufschrei so vieler Frauen unserer Gesellschaft.

Welche Frau kennt es nicht, dass ein „Nein“ nur zu leicht überhört wird. Man wird überredet und bedrängt, bis man nachgibt. Die Angst nachts allein nach Hause zu gehen, die Panik vor jedem Schatten, der sich als Ungeheuer entpuppen kann.
Die Gefahr lauert aber nicht nur außen, sondern auch in Beziehungen und Familien ist sie allgegenwärtig leider allzu häufig vorhanden.

Aber warum glauben so viele Frauen, dass sie diese Willensbeugung, diese Gewalt und schlechte Behandlungen verdient zu haben?

All das schafft die Autorin sehr gut einzufangen und hält uns Lesenden dazu an unsere Verhaltensweisen zu reflektieren.


Leider blieben für mich die Figuren, allen voran Yase und Vito, zu sehr in einem schwarz-weiß Schema hängen. Ihnen fehlte es an der ganz eigenen Lebendigkeit und Tiefgründigkeit. Auch wenn es Entwicklungsmöglichkeiten gab, entweder zum positiven oder negativen, wurden meiner Meinung nach diese nicht ausgeschöpft. Dadurch fühlte sich das Lesen schnell nach Stagnation an.

An einigen Stellen war mir der Text einfach zu auserzählt, dafür an anderen einfach zu dürftig und man musste es ein zweites Mal lesen, um den Inhalt zu verstehen.

Grundsätzlich hatte ich einfach etwas mehr erwartet und hoffe einfach auf den nächsten Roman dieser Autorin.

Es ist definitiv keine leichte Lektüre für zwischendurch, die so manchen in seiner Meinung spalten wird. Trotz meiner Kritikpunkte hat, die Autorin das alles beherrschende Grundthema trotzdem gut vermitteln können, auch wenn es aufgrund der blassen Figuren leider nicht lange in mir nachwirken wird.

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Veröffentlicht am 23.01.2021

Moderne und doch irgendwie kalte On/Off-Liebesgeschichte

Normale Menschen
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Im zweiten Roman von Sally Rooney „Normale Menschen“ geht es um die intensive On/Off-Liebesgeschichte von dem ungleichen Paar Marianne und Connell.
Beide leben in derselben Kleinstadt in Irland. Wachsen ...

Im zweiten Roman von Sally Rooney „Normale Menschen“ geht es um die intensive On/Off-Liebesgeschichte von dem ungleichen Paar Marianne und Connell.
Beide leben in derselben Kleinstadt in Irland. Wachsen allerdings in sehr verschiedenen Verhältnissen auf. Marianne kommt aus einer wohlhabenden, aber wenig liebevollen Familie. In der Schule ist sie eine seltsame Außenseiterin, wird von ihren Mitschülern gemobbt und findet keinen Anschluss. Connell hingegen, ist sehr beliebt in der Schule, lebt aber in eher bescheideneren Verhältnissen bei seiner jungen alleinerziehenden Mutter.
Als sie gemeinsam an die Universität wechseln ändern sich die Verhältnisse, plötzlich ist Marianne die schöne, beliebte Studentin, die es leicht hat und Connell wird zum Außenseiter.
Was bleibt sind trotz der großen Machtgefälle und des nicht enden wollenden Beziehungschaos, eine nicht immer einfache, aber innige Freundschaft.

Die Geschichte wird über mehrere Jahre in verschiedenen Zeitsprüngen erzählt. Man erlebt sie abwechselnd aus Marianne‘s bzw. Connell‘s Perspektive.
Am Anfang fand ich das Buch etwas fade, im mittleren Teil nahm es dann an Fahrt auf, was sich aber für mich am Ende wieder etwas verloren hat. Die Autorin verläuft sich etwas in dem auf und ab der asymmetrischen Beziehung der Protagonisten. Stattdessen hätte sie meines Erachtens die wirklich spannenderen Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Gewalt in Familien und Beziehungen oder psychische Probleme stärker ausarbeiten können. Diese Themen reißt sie nur an, dadurch bleiben alle Figuren insgesamt in ihrer Entwicklung eingeschränkt.
Die Darstellung der Gefühlswelten wirken allerdings nicht überzogen. Nur die Beweggründe und Kommunikationsprobleme hätten für mich einfach besser herausgearbeitet werden können.
Ich glaube ein paar mehr Seiten hätten einfach der Geschichte besser getan um sie genauer zu beleuchten und auszuarbeiten. Die Autorin hat einen einfachen, schnörkellosen Schreibstil, der sich leicht und flüssig liest, ohne dabei allerdings herauszustechen.
Allerdings muss man sich sicherlich an das wirklich ungewöhnlichste Element in diesem Buch gewöhnen. Sämtliche Dialoge fließen einfach im Text ein, das heißt sie werden nicht mit Anführungseichen oder anderweitig gekennzeichnet.

Abschließend ist der Roman „Normale Menschen“ sicherlich ein moderner Liebesroman ohne ins kitschige abzugleiten, bleibt aber einfach zu oberflächlich um mich zu berühren.

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Veröffentlicht am 01.05.2022

Kein typischer Krimi, eher ein ruhiges Buch mit einem anspruchsvollen Schreibstil.

Der große Fehler
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Im Roman „Der große Fehler“ von Jonathan Lee geht es um das Leben und Wirken von Andrew Haswell Green, welcher sich unter anderem für die Gestaltung des Central Park, Bronx Zoo und der New York Public ...

Im Roman „Der große Fehler“ von Jonathan Lee geht es um das Leben und Wirken von Andrew Haswell Green, welcher sich unter anderem für die Gestaltung des Central Park, Bronx Zoo und der New York Public Library hervorgetan hat.
Die Erzählung beginnt mit der Ermordung von Green auf offener Straße. Danach wechseln sich regelmäßig die Erzählstränge zwischen den Ermittlungen von Inspector McClusky über den Mordfall und der Biographie von Greens Leben seit seiner frühsten Kindheit bis ins hohe Alter ab.
Man darf, auch wenn man es auf den ersten Blick vermuten würde, nicht von einem typischen Krimi ausgehen. Der „große Fehler“ ist ein ruhiges Buch, welches einzelne Figuren immer hervorzieht und beleuchtet.
Leider hat sich das Lesen für mich als unglaublich zäh und zermürbend herausgestellt. Der Kriminalanteil und die weitere Aufklärung des Mordes fand ich weder interessant noch spannend genug um mit Freude weiterzulesen.
Sicherlich ist das Buch gut recherchiert wurden von Herrn Lee und man konnte über viele interessante Persönlichkeiten wie Samuel J. Tilden, Bessie Davis und allen voran natürlich Andrew H. Green erfahren, aber seine Figuren blieben mir zu blass. Durch den Schreibstil kam eine zu große Distanz auf, so dass ein mitfühlen und miterleben dieser Zeit einfach nicht möglich war. Interessant waren kleiner Nebengeschichten, die sich auch tatsächlich so zu dieser Zeit zu getragen haben, wie zum Beispiel der weibliche Zirkuselefant Topsy und ihre kurz angerissene Geschichte. Will man das aber genauer verstehen, bleibt den Lesenden nur eine weitere Recherche auf eigene Faust.
Den anspruchsvollen Schreibstil empfand ich als eher langweilig und ohne Esprit, die Dialoge wirkten dadurch einfach zu gestelzt, fast schon umständlich.
Sicherlich muss man wirklich existierenden Figuren natürliche Gedanken und Sätze geben, aber es wirkte auf mich zu gewollt und konstruiert.

Ich für meinen Teil werde Andrew Green und seinen Werken gedenken, wenn ich New York einen Besuch abstatte, dass Buch hat für mich nur in wenigen Teilen dazu beitragen können. Dennoch war es ein Anfang um in die Historie und ihre Persönlichkeiten einzutauchen.

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