Bewegender Roman mit Abstrichen
Bis ans MeerPeggy Patzschke hat einen bewegenden Roman geschrieben, der eine Hommage an ihre Familie ist. Leider konnte das Buch mich nicht vollends begeistern, was aber nicht die immens wichtige Botschaft schmälert. ...
Peggy Patzschke hat einen bewegenden Roman geschrieben, der eine Hommage an ihre Familie ist. Leider konnte das Buch mich nicht vollends begeistern, was aber nicht die immens wichtige Botschaft schmälert.
Der Roman beginnt 1945, befinden uns in den letzten Kriegstagen in Schlesien. Frieda ist allein mit ihrer kleinen Tochter Erika, ihr Mann Karl und der Sohn Horst sind an der Front. Die Rote Armee rückt von Tag zu Tag näher, bald müssen Mutter und Tochter fliehen., Eine wahre Odyssee beginnt, di den beiden Frauen alles abverlangt.
Der Erzählstrang der Gegenwart wird aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin geschildert. Sie ist die Enkeltochter von Frieda. Sie hat Angst vor Nähe und kann sich nicht auf einen Partner einlassen, von ihrer On-Off-Beziehung ist sie nun schwanger und sie weiß nicht, was sie tun soll. Sie sucht in dem Nachlass ihrer Großmutter nach dem “Rezept für die Liebe”, was diese einst für ihre Tochter Erika verfasst hat. Doch ihrer Mutter Erika mauert und will ihrer Tochter nicht so richtig erzählen, was damals wirklich passiert ist.
Zeitweise kommt noch eine dritte Zeitebene hinzu und wir befinden uns in den 30er Jahren. Zudem finden die Zeitwechsel sehr oft, schnell und unvermittelt statt, was es mir schwer gemacht hat. Zwar werden die Zeitwechsel durch eine Datumangabe angekündigt, dennoch haben die Figuren auch viele Erinnerungen und Flashbacks sodass dies manchmal etwas verwirrend war.
Es geht um den zweiten Weltkrieg, die Vertreibung und die damit verbundenen Traumata. Diese Traumata wirken generationenübergreifend, denn es gibt immer das Ungesagte, das worüber niemand redet und doch jeder kennt die Lücke, zudem ist die Angst immer vorhanden.
Ein bewegender Roman über eine Familie, die lernen muss über das Ungesagte zu sprechen, um einen wirklichen Neuanfang zu ermöglichen. Eine Familiengeschichte, die beispielhaft für viele Vertriebene nach dem zweiten Weltkrieg steht, deren Wirkung viele Enkel und Urenkel heute noch spüren.