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Veröffentlicht am 10.12.2024

Atmosphärischer Kriminalroman mit herausregender Figurenzeichnung

Der echte Krampus
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Buchmeinung zu Uta Seeburg – »Der echte Krampus«

»Der echte Krampus« ist ein historischer Kriminalroman von Uta Seeburg, der 2024 bei Harper Collins erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Gryszinski-Reihe.

Zum ...

Buchmeinung zu Uta Seeburg – »Der echte Krampus«

»Der echte Krampus« ist ein historischer Kriminalroman von Uta Seeburg, der 2024 bei Harper Collins erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Gryszinski-Reihe.

Zum Autor:
Uta Seeburg ist Berlinerin und lebt in München. Sie arbeitete bereits als Werbetexterin, Drehbuchautorin und Redakteurin, widmet sich aber heute ausschließlich der Schriftstellerei. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin wohnt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Haidhausen.

Zum Inhalt:
Gryszinski verbringt mit seiner Familie samt Köchin die Weihnachtszeit in einem Dorf auf dem oberbayerischen Land. Während des traditionellen Krampuslaufs kommt es zu einer Messerstecherei und am Folgetag wird eine Leiche aufgefunden.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich durch die atmosphärische Schilderung der Region und der vorweihnachtlichen Gebräuche im Voralpenland überzeugt. Major Gryszinski ist ein Familien- und gleichzeitig ein Genussmensch. Er ist Vorreiter bei modernen Ermittlungsmethoden bei der Münchener Polizei. Seine aufgeschlossene Art macht ihn zu einer außergewöhnlichen Sympathiefigur. Seine beiden Assistenten werden nach dem Leichenfund zur Hilfe gerufen und sind ein eingespieltes Team. Die Geschichte entwickelt sich langsam und bietet anfänglich reichlich Raum für Nebenhandlungen. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, auch weil die Dorfbewohner gegenüber der Staatsmacht lieber schweigen. Etliche falsche Spuren und unerwartete Wendungen machen es Gryszinski schwer, den Fall zu lösen. Das liebevoll gezeichnete Beziehungsgeflecht zwischen den Dorfbewohner muss entwirrt werden. Einige Male zieht das Tempo deutlich an und man muss um das Leben des Majors bangen. Nach einem passenden Showdown ist der Fall nachvollziehbar gelöst. Passend zur Weihnachtszeit gibt es ein schönes Happy-End.
Der Schreibstil ist empathisch, ruhig, humorvoll und leicht verdaulich. Die Figurenzeichnung gefällt mir mit ihren vielen Grautönen ausgezeichnet. Trotz der umfangreichen Nebenhandlungen liegt der Fokus auf dem Kriminalfall und die Spannung ist jederzeit gegeben. Gerade dank der fesselnden Nebenhandlungen habe ich mich prächtig unterhalten.

Fazit:
Ein wunderbarer weihnachtlicher Kriminalroman, der mich in allen Bereichen überzeugt hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde eher leiser, aber atmosphärischer Krimis aus.

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Veröffentlicht am 05.12.2024

Eine Zeitreise durch die Welt der Glasmacher

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Buchmeinung zu Tracy Chevalier – »Das Geheimnis der Glasmacherin«

»Das Geheimnis der Glasmacherin« ist ein Roman von Tracy Chevalier, der 2024 bei Atlantik in der Übersetzung von Claudia Feldmann erschienen ...

Buchmeinung zu Tracy Chevalier – »Das Geheimnis der Glasmacherin«

»Das Geheimnis der Glasmacherin« ist ein Roman von Tracy Chevalier, der 2024 bei Atlantik in der Übersetzung von Claudia Feldmann erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet »The Glassmaker« und ist 2024 erschienen.

Zum Autor:
Tracy Chevalier, geboren 1962, ist Autorin von elf Romanen. Ihr internationaler Bestseller Das Mädchen mit dem Perlenohrring wurde über fünf Millionen mal verkauft, in fünfundvierzig Sprachen übersetzt und als Film, Theaterstück und Oper adaptiert. Aufgewachsen in Washington DC, zog sie 1986 ins Vereinigte Königreich und lebt dort heute mit ihrem Ehemann in London.

Zum Inhalt:
Auf der Insel Murano vor den Kanälen Venedigs liegt die Wiege der Glaskunst. Wir begleiten Orsola Rosso und ihre Familie durch die Zeit und erfahren, wie es ihr, ihrer Familie, Murano und Venedig durch die Jahrhunderte von 1468 bis heute ergangen ist. Während in der umgebenden Welt Jahrhunderte vergehen, sind es für Orsola und die sie begleitenden Figuren nur Jahrzehnte.

Meine Meinung:
Die Hauptfigur Orsola Rosso ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, aber sie ist auch eine Kämpfernatur und wirkt sympathisch. Sie geniest keine gute Schulbildung, lernt aber die Herstellung von Glasperlen. Diese Fähigkeit wird von den Glaskünstlern als geringwertig eingestuft, aber Orsola sichert in schwierigen Zeiten damit das Überleben der Familie.
Während des Romans erfahren wir viel über die Glaskunst und die Glasperlenherstellung und über das Leben in einer kleinen abgeschotteten Gemeinschaft. Der Leser erlebt den langsamen Wandel der Frauenrolle und die gravierenden Änderungen der Umwelt und der politischen Verhältnisse. Katastrophen wie Pest, Überschwemmungen, Corona und feindliche Herrscher in Venedig beeinflussen das Leben der Glasmacher massiv. Auch Orsolas Beziehungen sind von Komplikationen geprägt, aber sie geht ihren Weg, wenn auch nicht immer mit Freuden. Der Niedergang der Wirtschaftsmacht Venedig macht es auch für die Glasmacher schwieriger. All dies und noch einiges mehr zeigt die Autorin am Beispiel der Rossos. Man spürt die Liebe der Autorin zur Stadt und zur Glasmacherei. Einfühlsam und atmosphärisch sind die Beschreibungen der Stadt und ihrer Bewohner. Oft habe ich die Schönheit des alten Venedigs gesehen und mit Orsola gelitten, wenn sie wieder eine Krise meistern musste.

Fazit:
Der Zeitreiseroman über Murano, Venedig und die Glasmacherkunst hat mich sehr gut unterhalten. Die Hauptfigur Orsola Rosso ist ein Meisterstück und ein Symbol für die wachsende Rolle von Frauen in der Gesellschaft. Den Titel bewerte ich mit mit knappen fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und gebe eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Ein toller Kriminalroman, der ohne detaillierte Gewaltbeschreibung auskommt

Das Dickicht
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Buchmeinung zu Nikolas Kuhl & Stefan Sandrock – »Das Dickicht«

»Das Dickicht« ist ein Kriminalroman von Nikolas Kuhl & Stefan Sandrock, der 2024 bei Rowohlt erschienen ist.

Zum Autor:
Stefan Sandrock, ...

Buchmeinung zu Nikolas Kuhl & Stefan Sandrock – »Das Dickicht«

»Das Dickicht« ist ein Kriminalroman von Nikolas Kuhl & Stefan Sandrock, der 2024 bei Rowohlt erschienen ist.

Zum Autor:
Stefan Sandrock, geb. 1976 in Bilbao, arbeitet für den NDR und kuratiert Ausstellungen.
Nikolas Kuhl, geb. 1986 in Münster, schreibt Drehbücher und ist Kopf der Musikband Giant Crow.

Zum Inhalt:
Der erfahrene Ermittler Juha Karhonen vom LKA Hamburg wird mit seinem jungen Kollegen Lucas Adisa zu einem Entführungsfall hinzugezogen, der ihn stark an seinen ersten Fall erinnert. Damals konnte das Entführungsopfer nur noch tot aufgefunden werden. Diesmal geht es gut aus, aber der alte Fall löst Beklemmungen aus. Zudem fallen jungen Ermittlern Ungereimtheiten in den Akten auf. Karhonen und Adisa starten mit einer Überprüfung.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich von Beginn an gefesselt. Der erfahrene Ermittler Juha Karhonen und sein jungen Kollegen Lucas Adisa wirken kompetent und sind sympathisch. Das Aufrollen des alten Falles reißt Wunden auf und belastet Juha Karhonen stark. Karhonen hat auch private Probleme und die Zusammenarbeit mit Lucas Adisa verbessert sich erst im Laufe der Ermittlungen.
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und gibt dadurch auch einen Einblick in das Gefühlsleben der beteiligten Personen. Karhonen und Adisa fassen spürbar Vertrauen zueinander und ihre Kommunikation ist von einer angenehmen Prise Humor geprägt, die den harten Hintergrund erträglicher gestalten. Die Figurenzeichnung, auch die der Nichtermittler, empfand ich als sehr gelungen. Das Beste ist aber der Plot, der sich langsam entwickelt und jede Menge überraschende Wendungen beinhaltet. Immer wieder müssen die Ermittlungsergebnisse neu bewertet werden und ich habe mich gefragt, was damals wirklich geschehen ist. Es ist jederzeit spannend und zum Abschluss gibt es einen soliden und passenden Showdown. Alle fragen werden vollständig und nachvollziehbar geklärt. Es zeigt sich, dass auch Täter Opfer sein können.
Ich habe mich ausgezeichnet unterhalten gefühlt und erfreut festgestellt, dass es keine detaillierten und blutigen Gewaltbeschreibungen gegeben hat.

Fazit:
Mich hat dieser Titel in jeder Hinsicht begeistert und deshalb gebe ich die Höchstbewertung von fünf Sternen und 100 Punkten. Ich kann dieses Buch allen Krimifreunden wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.09.2024

Ruhig, atmosphärisch und spannend

Glutmoor (Janosch Janssen ermittelt 2)
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Buchmeinung zu Lars Engels – »Glutmoor«

»Glutmoor« ist ein Kriminalroman von Lars Engels, der 2024 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Lars Engels, Jahrgang 1992, ist Werbetexter und Autor. So oft ...

Buchmeinung zu Lars Engels – »Glutmoor«

»Glutmoor« ist ein Kriminalroman von Lars Engels, der 2024 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Lars Engels, Jahrgang 1992, ist Werbetexter und Autor. So oft wie möglich zieht es ihn vom Schreibtisch weg in die Natur, um neue Inspiration zu sammeln. Er lebt in Neuss, doch die Geschichten von der Moorlandschaft an der Rhön haben ihn schon immer fasziniert.

Zum Inhalt:
In einer Einfamilienhaus-Siedlung am Rande des Moors ist ein Vierfachmord geschehen. Kriminalhauptkommissar Janosch Janssen und Kriminaloberrätin Diana Quester nehmen die Ermittlungen auf.

Meine Meinung:
Trotz des Vierfachmordes ist es eher ein ruhiges Werk ohne unnötige Schilderung von Gewalt. Janosch Janssen ist gewohnt empathisch und fiebert zusammen mit seiner Frau Helen der baldigen Geburt ihres ersten Kindes entgegen. Während seine Chefin und Schwiegermutter eher für die rasanten Momente steht, hat mich die ruhige und nachdenkliche Art von Janosch Janssen mehr mitgenommen. Die wechselnde Perspektiven sorgen für ein umfassendes Bild der Ermittlungen und geben Einblick in die jeweiligen Gedanken der handelnden Personen. Manchmal liefern Rückblicke ergänzende Informationen zu den Figuren und deren Taten. Janosch Janssen hat seine eigene Sicht auf die Dinge und interpretiert Fakten und Ermittlungsergebnisse anders als seine Kollegen. Er wirkt sympathisch, vielleicht auch weil Diana Quester ihn immer noch nicht vollständig akzeptiert.
Der Fall erweist sich als komplex und vielschichtig, auch eine politische Tat ist denkbar. Immer wieder ist es die Intuition Janssens, die zu neuen Ermittlungsansätzen führt. Die Spannung ist jederzeit gegeben und steigt bis zum abschließenden Showdown deutlich an. Am Ende steht ein vollständig und nachvollziehbar gelöster Fall, der aber Narben bei den Ermittlern hinterlassen wird.
Der atmosphärische Charakter der Erzählung wird schon durch das überaus gelungene Cover geprägt. Das kleine Haus am Rande eines Holzbretterpfades inmitten einer Moorlandschaft ist typisch für die Region. Jannsens Art ist es auch passt hervorragend dazu.

Fazit:
Ein eher ruhiger und atmosphärischer Krimi, der mich dennoch fesseln konnte und sehr gut unterhalten hat. Deshalb bewerte ich den Titel mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde dieses Genres aus.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Ein historischer Kriminalroman, der mich begeistern konnte

Maybrick und die Toten vom East End
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Buchmeinung zu Vanessa Glas – »Maybrick und die Toten vom East End«

»Maybrick und die Toten vom East End« ist ein historischer Kriminalroman von Vanessa Glas, der 2024 bei between pages by Piper erschienen ...

Buchmeinung zu Vanessa Glas – »Maybrick und die Toten vom East End«

»Maybrick und die Toten vom East End« ist ein historischer Kriminalroman von Vanessa Glas, der 2024 bei between pages by Piper erschienen ist. Dies ist der Debütroman der Autorin.

Zum Autor:
Vanessa Glas wurde 1993 in Schleswig-Holstein geboren und ist im Umland von Hamburg zwischen Hafen und Meer aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität Hamburg Geschichte und Biologie fürs gymnasiale Lehramt.

Zum Inhalt:
London 1910: Joseph Maybrick ist zum Leiter der H-Division im Londoner East End ernannt worden. Gleich am ersten Tag wird ein grausam getöteter Junge gefunden und gemeinsam mit Doktor Dave Roberts beginnt Maybrick zu ermitteln.

Meine Meinung:
Das Londoner East End ist um 1910 ein Ort voller Schmutz, Elend und Gewalt. Die dort lebenden Menschen versuchen irgendwie zu überleben und ihr Dasein zu verbessern. Joseph Maybrick stammt von hier und er will als neuer Polizeichef Zeichen setzen. Aber brutal getötete Kinder und Kinderbordelle setzen ihm und Doktor Roberts schwer zu. Auch Hester Jaager und Heath Ellis sind hier aufgewachsen und leiten ein Hehler- und Schmugglerbande mit vielen jungen Bandenmitgliedern. Diese vier Hauptfiguren sind alle auf ihre Art sympathisch, auch weil sie Kämpfernaturen sind und vielschichtig angelegt sind. Weitere interessante Figuren wie die Kinder Jorma und Gwen oder Maybricks Ehefrau Sue bereichern die Geschichte und sorgen mit ihrem Verhalten und ihrer Geschichte für Atmosphäre. Es werden unzählbare Missstände aufgedeckt und doch durchdringt ein wenig Optimismus die düstere Atmosphäre. Auch wenn auf die Schilderung allzu blutiger und brutaler Details verzichtet wird, isi diese Gewalt allzeit spürbar und gegenwärtig. Den Schreibstil empfand ich als fesselnd und eindringlich. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und so kommt man den einzelnen Figuren näher. Die Handlung ist komplex mit etlichen Überraschungen und die Spannung ist jederzeit gegeben. Mehrere Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Am Ende steht ein nachvollziehbar gelöster Fall, aber kein Happy End. Das wäre auch nicht passend gewesen.

Fazit:
Ein wunderbarer historischer Kriminalroman, der mich in jeder Hinsicht überzeugt hat. Atmosphäre, Figurenzeichnung, Handlung und Schreibstil ergänzen sich prächtig. Deshalb bewerte ich den Titel mit der Höchstwertung von fünf Sternen und 100 Punkten und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

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