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Veröffentlicht am 20.01.2025

Neuer Lebensmut

Von hier aus weiter
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Marlenes langjähriger Ehemann Rolf hat sein Leben beendet, bevor das der Tumor mit viel mehr Leid getan hätte. Marlene trauert nicht, sie ist extrem wütend seit Rolfs selbstbestimmtem Tod. Sie ist entschlossen, ...

Marlenes langjähriger Ehemann Rolf hat sein Leben beendet, bevor das der Tumor mit viel mehr Leid getan hätte. Marlene trauert nicht, sie ist extrem wütend seit Rolfs selbstbestimmtem Tod. Sie ist entschlossen, ihrem eigenen Leben ein Ende zu setzen, kann aber durch Medikamente und Alkohol betäubt, keine Entscheidung fällen. Sie verweigert jegliche Unterstützung, lässt weder Familie noch Freunde ins Haus und an sich ran, bis sie einen Klempner braucht. Jack war in der Grundschule ihr Schüler und er ist ihr immer noch dankbar für ihr damaliges Engagement. Jack, im Moment wohnungslos, zieht ins Gästezimmer und räumt auf, kauft ein und kocht für Marlene und findet ganz langsam Zugang zu ihr.

Susann Pásztor schafft Figuren, die berühren und beschreibt die Entwicklung von Marlenes Empfindungen von Wut und Enttäuschung, bis sie schließlich trauern kann, sehr einfühlsam und glaubhaft. Der fürsorgliche Jack, der Marlene respektiert, Geduld mit ihr hat und sie nicht bewertet, ist ein ausgesprochen liebenswerter Charakter und ich freue mich für ihn über die aufkeimende Liebe zu Ida, Marlenes zugewandter Ärztin. Die drei machen sich auf den Weg nach Wien, wo Marlene bei einer früheren Freundin, zu der der Kontakt vor Jahren abgerissen ist, einen Brief von Rolf an sie, persönlich abholen muss. Unterwegs kommt es wie auch schon zuvor in Marlenes Haus, zu merkwürdigen Ereignissen und skurrilen Begegnungen voller Situationskomik. Marlene hinterfragt das alles nicht, da sie Erklärungen nicht mehr interessieren und sie keinerlei Erwartungen mehr hat. Als Leserin habe ich einige rätselhafte Geschehnisse wie Marlene einfach akzeptiert. Das Ende der Geschichte empfand ich als etwas zu abrupt.
Dennoch hat mir 'Von hier aus weiter' mit dem passenden Cover, auf dem dunkle Wolken vorüber ziehen, gut gefallen. Die Autorin schreibt mit leisem Humor über ernste Themen, emotional und dennoch mit bewundernswerter Leichtigkeit, und sie vermittelt Zuversicht.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Von Beginn an spannender, rasanter Krimi

Der Seher
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Kriminaloberkommissar Arne Stiller mit dem Schwerpunkt Kryptologie hat zunächst keine Anhaltspunkte, um das Rätsel von geheimnisvollen Zeichen auf einer Zeitkapsel, die den Leichnam eines Säuglings enthält, ...

Kriminaloberkommissar Arne Stiller mit dem Schwerpunkt Kryptologie hat zunächst keine Anhaltspunkte, um das Rätsel von geheimnisvollen Zeichen auf einer Zeitkapsel, die den Leichnam eines Säuglings enthält, zu lösen. Untersuchungen ergeben, dass es sich um den vor 17 Jahren verschwundenen Jan Köpke handelt, für den damals eine ebenfalls verschlüsselte Todesanzeige auftauchte. Stiller hat den Code noch nicht entschlüsselt, als ein weiterer Säugling entführt wird und es wieder eine codierte Todesanzeige gibt.
Stiller steht unter Zeitdruck und zu allem Überfluss wird er wiederholt von einem sehr von sich überzeugten Seher kontaktiert, der seine Hilfe aufdrängt.

Ich hatte keine Probleme, auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände in Stillers siebten Fall einzusteigen. Arnes Kollegin Inge ist in den Ruhestand getreten und die zukünftige Kommissaranwärterin Sandy Rosenberg wird Stiller als Praktikantin zur Seite gestellt. Mit Sandy zusammen lerne ich den grantigen und eigenwilligen Kryptologen kennen. Anders als von Stiller befürchtet erweist sich Sandy als hilfreich, sie ist geübt im Recherchieren und hat gute Ideen.
Die mühsamen Ermittlungen erscheinen mir authentisch, hier macht sich die berufliche Erfahrung des Autors bemerkbar.
Die in den Fokus der polizeilichen Untersuchung geratenen Figuren sind interessante, auch skurrile Charaktere, die einfallsreich und unterhaltsam beschrieben werden, bei den Ermittlern hätte ich mir mehr Informationen aus dem Privatleben, eine detailliertere Figurenzeichnung, insgesamt mehr Tiefe gewünscht. Hier fehlen mir vielleicht Kenntnisse aus den Vorgängerbänden.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven und auch mit Rückblicken, die Geschichte ist von Beginn an und durchgehend spannend, kurzweilig, rasant und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Elias Hallers Schreibstil ist klar und angenehm zu lesen und lässt bei manchen Gedanken oder Gesprächen Stillers auch schmunzeln. Auch das Dresdner Lokalkolorit hat mir gefallen.
Ich habe 'Der Seher' gern gelesen, mich hat der Krimi mit seinem farblich und gestalterisch zur Reihe passenden Cover gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Ungewöhnlich, komplex und spannend

Eisiges Glas
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Nach Abschluss des ersten Falls bleibt Kommissarin Leonore Asker lieber Leiterin der Abteilung für hoffnungslose Fälle als unter dem neuen Chef zu arbeiten. Kaum hat sie sich dort eingerichtet, meldet ...

Nach Abschluss des ersten Falls bleibt Kommissarin Leonore Asker lieber Leiterin der Abteilung für hoffnungslose Fälle als unter dem neuen Chef zu arbeiten. Kaum hat sie sich dort eingerichtet, meldet sich ihr Vater bei ihr, von dem sie 15 Jahre lang nicht gehört hat. Er verlangt, dass sie einen Mord aufklärt, für den er verdächtigt werden wird.
Gleichzeitig bietet sich ihrem Jugendfreund Martin Hill, Dozent über die Architektur des Verfalls und Autor eines Buchs über Urban Exploration, eine großartige Gelegenheit. Er soll über eine erfolgreiche Medizintechnik-Firma schreiben, der eine geheimnisumwitterte verlassene Insel gehört, die ihn als Urbexer seit seiner Jugend fasziniert.

Leo Asker ermittelt inoffiziell im Fall des Toten an der Farm ihres Vaters und verfügt kaum über Ressourcen, kann sich jedoch auf ihre skurrilen Mitarbeiter in der Kellerabteilung verlassen, die ihr erstaunlich effizient zuarbeiten. Über deren Hintergründe gibt es leider keine neuen Informationen, was ich schade fand. Leo wendet bei ihren komplexen Recherchen Methoden ihres Vaters an, die ihr seit der Jugend vertraut sind, als sie bei dem manipulativen Prepper lebte, bis sie ihm entkommen konnte.
Leos Perspektive wechselt sich mit der von Martin Hill ab, der auf dem abgeschiedenen und überwachten Anwesen der Industriellenfamilie für sein Buch recherchiert. Trotz der zunehmend düsteren Atmosphäre dort entwickelte diese Handlungsebene für mich einige Längen. Eine dritte, unheimliche Erzählperspektive steuert der 'gläserne Mann' bei, hier habe ich lange gerätselt, wer das ist.

Anders de la Mottes Schreibstil ist lebendig und bildhaft, bei der Figurenzeichnung blitzt gelegentlich leiser Humor auf und die Charakterentwicklung ist glaubwürdig.
Dieser zweite Band der Reihe ist auch ohne Vorkenntnisse gut lesbar, Ereignisse des ersten Buchs werden geschickt in die Geschichte eingeflochten. 'Eisiges Glas' ist spannend durch kurze Kapitel, verschiedene Perspektiven und Zeitebenen und Leos kluge Ermittlungen, auch durch Mutmaßungen zum gläsernen Mann und die Frage, wie die verschiedenen Erzählstränge zusammenhängen. Mir hat der Krimi mit seiner vielschichtigen Handlung gut gefallen.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Temporeiche Spannung

Nachtfahrt
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Nur gezwungenermaßen kehrt Katha in ihren Heimatort zurück, um sich um die Fahrschule und andere Angelegenheiten ihres tödlich verunglückten Vaters zu kümmern. Katha hat ihre Mutter mit 12 verloren, Schwester ...

Nur gezwungenermaßen kehrt Katha in ihren Heimatort zurück, um sich um die Fahrschule und andere Angelegenheiten ihres tödlich verunglückten Vaters zu kümmern. Katha hat ihre Mutter mit 12 verloren, Schwester und Schwager starben vor einem Jahr und jetzt gibt es nur noch Ronya, ihre Nichte, die bei Kathas Vater lebte und es ihrer Tante übel nimmt, dass sie seit einem Jahr nicht mehr zu Hause war. Bevor Katha sich mit ihrer Nichte aussprechen kann, wird Ronya entführt. Der Entführer gibt Katha 48 Stunden Zeit, ein Familiengeheimnis zu lüften, andernfalls wird die 13jährige sterben.

Mit hohem Tempo entwickelt sich eine fesselnde Geschichte. Kurze Kapitel, wechselnde Erzählperspektiven und überraschende Wendungen sorgen ebenso für Spannung wie das auch Katha unbekannte Familiengeheimnis und ebenfalls der lange nur angedeutete Grund für ihr Weggehen vor drei Jahren. Am Ende fügen sich alle Puzzleteile zu einem erschreckenden Bild zusammen, es bleiben keine offenen Fragen.

Annika Strauss' Schreibstil ist einfach und nüchtern, was zur Figurenzeichnung der Protagonistin passt, Katha blieb für mich auf Distanz, andere Charaktere haben mich mehr beeindruckt. Dennoch ist die Handlung mit einem (fast zu) dramatischen Finale von Anfang bis Ende ausgesprochen packend und das Setting für den Thriller perfekt gewählt. Strauss' Debüt ist gelungen und ich würde gern mehr von der Autorin lesen.

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Veröffentlicht am 21.11.2024

Kurzweilig, rasant und humorvoll

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Die toughe Amy Wheeler ist Personenschützerin, nimmt aber Ermittlungen auf, als auf sie geschossen wird und in ihrer Umgebung drei Influencer ermordet werden, die bei ihrem Arbeitgeber, einer Agentur, ...

Die toughe Amy Wheeler ist Personenschützerin, nimmt aber Ermittlungen auf, als auf sie geschossen wird und in ihrer Umgebung drei Influencer ermordet werden, die bei ihrem Arbeitgeber, einer Agentur, unter Vertrag standen. Unterstützt wird Amy von ihrem Schwiegervater Steve, einem ehemaligen Kriminalkommissar und auch ihren aktuellen Schützling, die erfolgreiche Thrillerautorin Rosie D'Antonio kann sie nicht einfach allein lassen, so dass Rosie mit von der Partie ist.

Beim komplexen Krimifall geht es um das Schmuggeln von Bargeld und es sind viele skrupellose Figuren involviert, hier hat Richard Osman einige abstoßende Charaktere geschaffen, geld- und machtgierig und selbstverliebt. Im Gegensatz dazu sind Amy, Steve und Rosie liebenswerte Protagonisten und zusammen ein tolles Trio, das ich schnell ins Herz geschlossen habe. Rosie ist eine extravagante ältere Dame und Steve ein einsamer Witwer, der um seine verstorbene Frau trauert und dessen Welt klein geworden ist, mit festen Routinen im idyllischen Axley im New Forest. Zu seiner Schwiegertochter Amy hat er ein enges Verhältnis, zum Sohn ein eher distanziertes, sprachloses. Der Grund dafür wird in diesem ersten Band der neuen Krimiserie nicht aufgedeckt, genau wie Amys wiederholt angedeutete traumatische Kindheit, die sie zu der gemacht hat, die sie ist. Die Figurenzeichnung ist Osman bei den Protagonisten wie bei den zahlreichen und mitunter skurrilen Nebencharakteren gut gelungen.
Osman schreibt wie gewohnt mit viel schwarzem Humor und Ironie, er macht sich über kurzlebige Internet-Hypes lustig und baut ChatGPT geschickt in die Handlung ein. Komik entsteht vor allem durch witzige Dialoge und Gedankengänge der Charaktere. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Tempo und Spannung.

Im Nachwort schreibt Richard Osman, dass sein nächstes Buch sich wieder um den Donnerstagsmordclub drehen wird, meine Lieblingsserie des Autors. Die moderne und actionreiche Geschichte von 'Wir finden Mörder' hat mich auch gut unterhalten, aber die Serie um Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim gefällt mir noch besser.

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