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Veröffentlicht am 21.03.2025

Starker Anfang, mit einer dann leider immer mehr enttäuschenden Geschichte im Anschluss

Enders Spiel
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Dieses Buch hat in meinen Augen relativ stark angefangen, und ich fand es durchaus interessant zu lesen, aber umso weiter ich kam, umso mehr hat es nachgelassen. Der Plot wurde immer langgezogener, ich ...

Dieses Buch hat in meinen Augen relativ stark angefangen, und ich fand es durchaus interessant zu lesen, aber umso weiter ich kam, umso mehr hat es nachgelassen. Der Plot wurde immer langgezogener, ich hatte irgendwann die Erkenntnis, dass eigentlich nie etwas erklärt wird, viele Erklärungen wiederholen sich in bestimmten Action-Sequenzen, die selbst fand ich manchmal in Ordnung, manchmal waren es viel zu lange Beschreibungen für Geschehnisse, wodurch jegliche Spannung für mich verloren ging, und nach und nach wurde die Kindermisshandlung im Buch immer schlimmer und schlimmer, und beim Höhepunkt der Geschichte war ich dann einfach nur noch komplett raus und habe die ganze Zeit darauf gehofft, dass es doch bitte einfach vorbei sein soll.
Leider hat die Länge der Kapitel dabei auch nicht geholfen, weil 70 Seiten einfach zu viel sind, und sich dadurch alles noch einmal mehr gezogen hat, und statt Action und Spannung fühlte es sich dann mehr an wie unendlich viele Erklärungen, und Beschreibungen, und das Tempo aus allem war extrem rausgenommen, und ab und an gab es ein paar Seiten, die ich relativ spannend fand, aber abgesehen davon habe ich mich im gesamten Buch erstaunlich schnell gelangweilt.

Was die Figuren angeht, so glaube ich, dass ich Ender irgendwann am Anfang mochte, bin inzwischen aber nicht mehr sicher, und das Alter aller Kinder ist einfach zu jung gewesen, für meinen Geschmack. Das Buch liest sich wie ein Jugendbuch, und Protagonisten in solchen Büchern sollten eigentlich Jugendliche sein, aber stattdessen ist Ender den Großteil der Geschichte über sechs, und auch danach nie so viel älter. Und andere Kinder sind unter 13 und auch schon fleißig dabei, die Welt zu verändern, aus einer Laune heraus, was für mich auch nicht geklappt hat. Kinder identifizieren sich üblicherweise mit Protagonisten, die etwas älter sind, als sie selbst, was mit diesem Buch überhaupt nicht funktioniert, und dass Ender in seinem Alter alles immer kann, und in allem perfekt ist, und ihm ständig mehr Lösungen für alles einfallen, und er nie scheitert, weil er nicht darf, und weil er es darum auch nicht tut, ging mir irgendwann unglaublich auf die Nerven.
Ich kann in Ansätzen etwas erkennen, von dem ich sagen würde, dass die Ideen interessant sein könnten, und auch die Auflösung des Buches am Ende ist eine durchaus interessante Idee, nur leider funktioniert es für mich wirklich gar nicht. Hauptsächlich, weil viel zu viele Leute mit allem davonkommen, was sie getan haben, und dann nie wirklich die Folgen von etwas gezeigt werden, was passiert. Das Buch kann nicht wirklich zum Nachdenken anregen, wenn alles in wenigen Seiten abgehakt wird und dann eigentlich keine wirkliche Rolle mehr zu spielen scheint. (Oder auf jeden Fall hatte ich das Gefühl, dass es Card dann nicht mehr wichtig war, und es ihn in der Geschichte eher gestört hat.) Weiterhin spielt hinein, dass das der ganze Aufbau der Geschichte für mich mit der Auflösung nicht mehr funktioniert. Es ist eigentlich alles an dem Buch nur eine Einleitung. Und dann plötzlich bekommst du gesagt, dass das eigentlich schon alles war. Was mich beim Lesen vom Tempo her so aus der Geschichte heraus reißt, dass es mich wirklich unglücklich macht. Außerdem bekommen zwar durchaus einige Leute das, was sie verdient haben, aber die schlimmsten kommen mit keinerlei Problemen davon, was aber auch nie wirklich wichtig erscheint, und ... es wird einfach nichts aufgegriffen am Ende.

Das komplette Ende, also die letzten paar Seiten, hat mir wieder minimal etwas besser gefallen, aber gleichzeitig macht mich trotzdem der gesamte Aufbau wirklich unglücklich, ich habe keine Ahnung, was genau ich vom Buch halten soll, oder wie ich es einordnen sollte, und dann wird bis zum letzten Kapitel extrem penetrant erwähnt, wie unglaublich jung alle Figuren sind, was mich bei jeder Erwähnung wieder komplett rausgerissen hat.
Alles in allem hat das Buch durchaus interessante Ansätze, aber leider wird für mich nie etwas zufriedenstellendes daraus gemacht, weil alles eigentlich abgebrochen wird oder unvollendet bleibt, bevor es an einen Ort kommt, an dem wirklich etwas daraus wird, und dass es gefühlt keinerlei Konsequenzen für egal wen gibt (besonders nicht für die, die es bräuchten), und auch der Blick von anderen Leuten auf Personen sich eigentlich echt selten ändert, obwohl das als Konsequenz wirklich mal etwas gewesen wäre, bei dem es sich gelohnt hätte, mehr darauf einzugehen, weil nach so vielen Geschehnissen können Dinge nicht so ähnlich bleiben, und dann wird Leuten ihre Erfahrung oder Sorge regelmäßig von allen Seiten abgesprochen, und ... ich weiß auch nicht.
Alles in allem bin ich einfach nur extrem unzufrieden damit, dass aus einem relativ "okayen" Anfang und an sich starken Ideen am Ende dann das geworden ist. Hat mich leider doch ziemlich enttäuscht, das Buch.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Leider extrem abschreckend und eher verstörend für mich

Die Legende von Shikanoko – Herrscher der acht Inseln
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Ich habe das Buch für eine Challenge gelesen, und ich bin ehrlich: Ohne Challenge hätte ich es vermutlich abgebrochen. So habe ich es bis zum Ende durchgehalten, und mich die meiste Zeit leider eher durch ...

Ich habe das Buch für eine Challenge gelesen, und ich bin ehrlich: Ohne Challenge hätte ich es vermutlich abgebrochen. So habe ich es bis zum Ende durchgehalten, und mich die meiste Zeit leider eher durch die Zeilen gequält, als irgendetwas anderes.
Das Buch ist sehr verwirrend geschrieben, mit eher flachen und einseitigen Figuren, von denen es aber so viele gibt, auch mit so vielen unterschiedlichen Perspektiven, dass man wirklich leicht den Überblick verliert. Auch sind die Kapitel zwar immer mit dem Namen der Person benannt, aus deren Perspektive geschrieben wird, die Perspektiven ändern sich aber auch gerne mal im Kapitel nach ein paar Absätzen oder Seiten, sodass man sich nicht wirklich auf die Angaben verlassen kann.
Tatsächlich könnte ich darüber aber hinwegsehen, und würde vermutlich die Welt positiv hervorheben, und die Gedanken hinter dem Plot zumindest teilweise loben, sodass das Buch dann relativ mittelmäßig in meinen Augen wäre, allerdings gibt es ein für mich wesentlich größeres Problem, und das sind die wirklich heftigen Themen, die praktisch ununterbrochen angesprochen und behandelt werden, zu denen aber jegliche Aufarbeitung fehlt. In einem Buch für Erwachsene könnte ich mit der Herangehensweise leben (auch da hätte es mir nicht gefallen, aber die meisten Erwachsenen sollten ein gewisses Allgemeinwissen und gesunden Menschenverstand mitbringen, um auch düsterere Dinge einzuordnen), in einem Jugendbuch (das mich vom Schreibstil her aber eher an ein Kinderbuch hat denken lassen) hatte all das aber überhaupt nichts zu suchen, wenn man mich fragt.
Es gibt sehr viele sexuell übergriffige Szenen, sowohl zwischen Erwachsenen als auch zwischen Erwachsenen und Kindern, das ganze wird praktisch ständig irgendwie erwähnt oder irgendwer denkt drüber nach, und das ganze hat einen sehr abschreckenden alltäglichen Ton gehabt, fand ich. In einem Fantasybuch für Erwachsene könnte ich wie gesagt damit leben, wenn ich müsste, weil ich weiß, dass Leute davon ausgehen, dass das irgendwie dazugehört, aber für Kinder? Wirklich? Und dann denkt ein Mädchen (und ich meine Mädchen, nicht Frau) auch noch darüber nach, dass der Gedanke sie irgendwie doch anmacht, dass irgendwelche Männer einbrechen und über sie herfallen könnten? Ähm ... was bitte? Und irgendein Mann nimmt ein Mädchen bei sich auf, und denkt drüber nach, dass er schon immer eins als Tochter großziehen und später heiraten wollte? Und wer anderes kriegt das raus und kommt allen ernstes mit "Viele Väter haben irgendwann was mit ihren Töchtern" (kein wortwörtliches Zitat, aber inhaltlich war es ziemlich genau das) um die Ecke? Ich fand das alles wirklich verstörend, und in meinen Augen ging das alles leider gar nicht.
Und es hat auch nicht geholfen, dass praktisch alle Figuren das Gefühl haben, dass das alles schon irgendwie heiß wäre, selbst wenn ihnen mal in einem Nebensatz auffällt, dass sexuelle Übergriffigkeit vielleicht nicht ganz das richtige wäre, und dass auch keine einzige Figur mir irgendwie sympathisch war, und hätte der Fokus rein auf dem Plot von politischen Intrigen und Magie und all dem gelegen, hätte mich das Buch vermutlich ansprechen können, besonders weil ich es auch so unglaublich schön finde, aber der sexuelle Unterton war wirklich eine absolute Katastrophe, und ich bin so froh, dass es jetzt vorbei ist und ich die Reihe hiermit abbrechen kann.

Veröffentlicht am 18.04.2025

0/5 Sternen, selbst geschenkt hätte das Buch noch zu viel gekostet

Mein Bruder heißt Jessica
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Ich habe schon einige Bücher gelesen, die ich wirklich nicht leiden konnte, und die ich schrecklich fand, und nachdem ich nun dieses hier gelesen habe: die waren alle gar nicht so schlecht, wie ich dachte. ...

Ich habe schon einige Bücher gelesen, die ich wirklich nicht leiden konnte, und die ich schrecklich fand, und nachdem ich nun dieses hier gelesen habe: die waren alle gar nicht so schlecht, wie ich dachte. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich ein Buch jemals so wütend gemacht hätte, wie dieses hier, und ich musste mich beim Lesen wirklich aktiv dagegen entscheiden, Seiten aus dem Buch zu reißen. Und das meine ich nicht als Übertreibung. Vermutlich hätte ich das Buch gleich nach dem ersten Kapitel abbrechen sollen, weil ich da schon gemerkt habe, wie sauer es mich macht, aber ich hatte die Hoffnung, dass es besser werden würde, irgendwann, vielleicht würde das alles ja doch noch richtig ausgearbeitet werden, vielleicht ist da ja noch irgendein Fünkchen gute Geschichte in dem Buch, das alles irgendwie erträglicher macht, und dann war ich bei 50 Seiten, und 80, und 100, und 150, und es kam einfach nichts.
Hat das Buch irgendwelche guten Dinge an sich? Ja. Die letzten 5 Seiten fand ich akzeptabel. Oder vielleicht waren es sogar 10. Wäre das ganze Buch so geschrieben gewesen, wie diese letzten 10 Seiten, dann hätte das Buch vielleicht sogar 3 von 5 Sternen von mir kriegen können. Aber leider gingen den 10 Seiten 240 andere Seiten voraus, die nicht entsprechend geschrieben waren.
Was hat dieses Buch so schwer zu lesen gemacht? Transphobie. Und zwar Unmengen davon, und von jeder einzelnen Person im Buch. Selbst Nebenfiguren, die nur einmal kurz auftauchen, fallen über Jessica her und machen sie runter, und halten ihrer Familie Vorträge, und die Familie macht mit! Die Eltern sind ständig dabei, an Elekrtoschocktherapie zu denken, und ihr Kind irgendwie heilen zu wollen. Und dann gibt es endlich zwei Leute, die halbwegs hinter Jessica stehen (vielleicht eher 1,5), und die misgendern sie auch ununterbrochen und bezeichnen sie als Jungen und all das. Was soll der Mist? Es gibt nach 180 Seiten eine Person, die Jessica endlich ein Mädchen nennt, und von ihr als sie spricht, und die tatsächlich Jessica unterstützt, und oh mein Gott hatte das Buch sojemanden nötig, aber nach allem anderen davor macht es leider auch nichts besser, besonders, weil Sam, aus dessen Sicht wir das ganze ja lesen, es einfach nicht schafft, auch nur einmal zuzuhören. Generell hört niemand in dem Buch zu. Sie behaupten es alle ständig, aber nichts passiert. Die eine der 1,5 Personen nimmt sich sogar raus, Jessica gegenüber zu sagen, dass sie ihren Eltern doch auch mal zuhören sollte. Während die weiterhin ständig an Elektroschocks denken, damit ihr Kind wieder normal wird! WTF?
Und dann nimmt sich das Buch noch raus, dass Jessica ihren Eltern gegenüber nach allem, was passiert ist, sagt, sie seien gute Eltern, trotz allem. Was sie wirklich nicht sind. Also selbst wenn wir die Transphobie und den Rassismus und die Homophobie und all das rausnehmen (ja, die Eltern sind nicht nur transphob, sondern gleich das Komplette Programm), sind die Eltern immer noch egozentrisch, vernachlässigend, haben keinerlei Verständnis dafür, wie man mit Kindern umgehen sollte, nutzen ihre Kinder nur für ihre eigenen Zwecke aus, es gibt keinen einzigen liebevollen Moment mit irgendwem (wenn man mal von dem Gedanken an Elektroschocks absieht, weil sie ihr Kind so lieben und es zurückhaben wollen, merkt man, wie sehr mich das aufgeregt hat?), und dann 10 Seiten vor Ende wird plötzlich ein Schalter umgelegt, den beiden fällt auf, was sie getan haben, und plötzlich ist alles perfekt, Friede Freude Eierkuchen, glückliche Familie, und die Welt ist super in Ordnung. Keinerlei Charakterentwicklung, oder Einsehen der Fehler oder Lernen von irgendwas, es sind einfach alle Figuren mit einem Mal ausgetauscht und darum bessere Menschen und alles ist gut.
Was neben allen anderen Problemen, die ich mit dem Buch hatte, auch für Probleme mit der Geschichte an sich gesorgt hat, weil sie halt einfach wirklich nicht gut geschrieben war, sonst hätten wir Charakterentwicklung oder irgendwas bekommen, das haben wir aber nicht. Stattdessen haben wir 240 Seiten Geschichte, die sich eigentlich nur damit befasst, wie schlecht es der Familie von Jessica geht, und wie Jessica ihnen das antun kann, und Jessica ist so ein schlechter Mensch, keinerlei Aufklärung oder überhaupt der Versuch, irgendwas zu verstehen, sondern Schuldzuweisung bis zum bitteren Ende, der Wunsch, zu dem zurückzukehren, wie es war, egal wie schlecht es Jessica damit geht, weil "sie hat angefangen" (mehr oder weniger ein Zitat, natürlich wird Jessica niemals tatsächlich als Mädchen bezeichnet), es passiert keinerlei Aufklärung an irgendeiner Stelle, und dann soll das ein Buch sein, das für trans Identitäten sensibilisiert? Wie bitte? Ich arbeite mit Kindern, und ja, Kinder sind schlau, aber nicht so schlau, dass sie dieses Buch lesen könnten, und tatsächlich erkennen würden, wie viel hier falsch läuft. Immerhin fällt das Wort transgeschlechtlich zwei oder drei Mal, da lernt man es vielleicht, aber sonst? Es geht ja nicht mal um Jessica, sondern wirklich hauptsächlich um Sam, und wie schlecht es ihm mit Jessicas Entscheidung geht, und dann kriegen wir zwischendurch noch ein paar weirde Romanzen mit Sam und irgendwelchen Mädchen, und Jessica taucht zwischendurch mal richtig lange gar nicht auf, weil warum auch, und ... nein. Einfach nein. Bewegend? Einfühlsam? Wie bitte? Keine Ahnung, wer das auf die Rückseite des Buches geschrieben hat, aber hat die Person irgendeine Ahnung vom Thema?
Und vielleicht, trotz allem, hätte ich diesem Buch noch irgendwie 0,25 Sterne geben können, ganz eventuell (vermutlich nicht), aber dann ist da noch die Übersetzung, in der Jessica sich selbst misgendert. Weil wer auch immer es übersetzt hat immer das "generische Maskulin" genommen hat, wann immer Jessica über sich selbst spricht. Selbst in den Momenten, in denen sie versucht, Leuten klarzumachen, dass sie sich als Mädchen fühlt, nutzt sie immer die männlichen Berufsbezeichnungen für sich selbst. Bitte was? Was soll der Mist? Und ja, vielleicht kommt jetzt irgendwer mit "das passiert halt mal, wenn man es so gewohnt ist": nein. Nein nein nein nein. Okay, vielleicht, vielleicht irgendwem, aber in diesem Buch hätte es nicht passieren dürfen. Wir haben 99% der Figuren im Buch, die Jessica schon misgendern, da hätte sie es nicht selbst auch noch machen dürfen. Und ja, das ist jetzt anekdotische Evidenz, aber: Ich bin mir immer zu jeder Zeit 100% bewusst darüber, welche Berufsbezeichnung ich nehme, wenn ich über mich spreche. Ich gendere teilweise sogar beim Sprechen, also mit einer Lücke zwischen Lehrer:in zum Beispiel, weil ich manchmal eben einfach nicht in eine der Kategorien passe und es keine gute geschlechtsneutrale Bezeichnung gibt. Also dass Jessica nicht auffallen sollte, dass sie sich da selbst misgendert? Ich bezweifle es. Und wie.
Ich habe im Second Hand Handel 1€ für das Buch ausgegeben, und es war ehrlich zu viel. Viel zu viel. Selbst umsonst wäre es noch zu viel Geld gewesen.
Aber ich sehe es mal positiv: Immerhin werden alle zukünftigen Bücher jetzt vermutlich besser sein, denn ich bezweifle, dass es schlechter geht. Und wenn doch, dann will ich's nicht wissen, das hier war schlimm genug. Und damit jetzt genug von meiner Abneigung zu diesem Buch, und ich suche mir irgendwas, was ich damit basteln kann, weil einfach wegwerfen tue ich Büchern nicht an, aber zumindest dieses Exemplar wird auch bestimmt nie wieder von irgendwem gelesen werden, wenn ich es irgendwie verhindern kann.

Veröffentlicht am 21.03.2025

In meinen Augen leider eine absolute Katastrophe

Nacht im Central Park
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Dieses Buch war wirklich, wirklich, wirklich grauenhaft, und ich bereue es, es nicht abgebrochen zu haben. Aber bisher habe ich noch nie ein Buch abgebrochen, und das hier kam mir großteils so vor, als ...

Dieses Buch war wirklich, wirklich, wirklich grauenhaft, und ich bereue es, es nicht abgebrochen zu haben. Aber bisher habe ich noch nie ein Buch abgebrochen, und das hier kam mir großteils so vor, als wäre es nicht schlimmer als all die anderen schrecklichen Bücher, die ich schon gelesen habe, weshalb es sich wie aufgeben angefühlt hätte, jetzt dieses Buch zu meinem ersten DNF zu machen, nur jetzt am Ende bin ich mir nicht so sicher, ob ich wirklich schon schlimmeres gelesen habe, und ich hätte es einfach nicht lesen sollen.

Der Klappentext klang für mich wirklich interessant, und die Geschichte hat mir gerade am Anfang auch gut gefallen. Ich war an der Auflösung wirklich interessiert, der Fall war spannend, und irgendwie hat mich das dazu motiviert, doch immer weiter zu lesen, weil ich das Ende wissen wollte, auch wenn ich es irgendwann mehr überflogen als richtig gelesen habe.
Leider hört alles gute an der Stelle auch schon wieder auf. Der Schreibstil war zwar in Ordnung, aber zwischendurch gab es immer wieder Absätze, in denen plötzlich aus dem Nichts Gedanken von Personen vorkamen, aus deren Sicht das Buch eigentlich nicht geschrieben war, es gibt ein Kapitel aus Sicht einer New Yorker Polizistin, das nie wieder aufgegriffen oder erwähnt wird, und auch überhaupt keine Rolle spielt, und am Ende sind einige Abschnitte des Buches plötzlich in Ich-Perspektive verfasst, obwohl alles andere der personale Erzähler ist.
Und das war für mich noch das akzeptabelste an dem Buch.
Alice ist eine unglaublich unsympathische Hauptfigur, die aus keinem einzigen Fehler lernt, ständig auf ihrem männlichen Begleiter herumhackt, und sehr heuchlerisch sauer auf andere Leute für Dinge ist, die sie selbst teils sogar schlimmer macht. Sie hat vor Jahren einmal einen riesigen Fehler gemacht, der mit ihrem Stolz und Ego zusammenhing, und Leuten das Leben gekostet hat, und jetzt geht sie exakt genauso an den aktuellen Fall heran, was mehr als deutlich macht, dass sie nicht mal versucht, irgendwie besser zu werden.
Und dann die Geschichte an sich ... sie ist eigentlich von Anfang an lächerlich, aber hauptsächlich, weil Alice sich so unglaublich schrecklich verhält, und sie die dämlichsten Entscheidungen trifft (welche Polizistin denkt zuerst daran, ein Handy zu klauen, statt jemanden darum zu bitten, ob man kurz telefonieren kann?), und weil Alice einfach an jeder Stelle die absurdeste Lösung für Dinge findet, und das macht es zwar zu einem schlechten Buch, oder zumindest war es für mich so, aber der Fall an sich war trotz allem interessant genug, dass ich wirklich dran bleiben wollte, und dann kam die Auflösung, und ... oh mein Gott. Alles, was vorher noch irgendwie zusammengehalten hat, war damit absolut hinfällig. Plötzlich sind Alice' Entscheidungen das sinnvollste an der ganzen Geschichte, und schon die sind an absolut jeder Stelle eine reinste Katastrophe, aber irgendwie ist alles andere einfach so viel schlimmer! Und dann kommt nach der Auflösung das Ende, und ich war wirklich SO kurz davor, einfach fünf Seiten vor Ende doch das Buch abzubrechen, weil da wirklich nichts mehr funktioniert hat. Ich hab's nicht getan, weil es sich dann erst recht wie aufgeben angefühlt hätte, aber an dieser Geschichte hat nach dem Ende wirklich nichts mehr gestimmt. Bis zur Hälfte wären es vermutlich noch zwei Sterne gewesen, nach allem anderen ... wirklich nicht mehr. Nicht mal Gabriel ist wirklich okay. Ich kann wirklich so ziemlich nichts positives an dem Buch finden. Außer vielleicht, dass ich noch nie etwas ähnliches gelesen habe, aber ich weiß ehrlich nicht, ob das nicht vielleicht einen Grund hatte.
Ich freue mich wirklich für jede Person, die irgendwas mit dem Buch anfangen konnte, ich wünschte, ich hätte es auch gekonnt.

Veröffentlicht am 22.11.2024

Oberflächlich betrachtet ein Buch über Gleichberechtigung, direkt darunter leider eher Frauenfeindlich

Nicht drücken!
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Am Anfang wusste ich gar nicht so richtig, was mich in diesem Buch erwarten würde, dann gibt es einen Absatz, in dem ein Junge darüber nachdenkt, dass er gerne "Mädchen"-Shows im Fernsehen sieht und ich ...

Am Anfang wusste ich gar nicht so richtig, was mich in diesem Buch erwarten würde, dann gibt es einen Absatz, in dem ein Junge darüber nachdenkt, dass er gerne "Mädchen"-Shows im Fernsehen sieht und ich habe das Ziel erahnen können und war total bereit dafür, besonders weil das Buch sich auch recht amüsant lesen lässt, und dann kam die gesamte restliche Umsetzung und es tut mir wirklich leid, aber die lässt in meinen Augen wirklich extrem stark zu wünschen übrig.
Eigentlich geht es im Buch darum, dass Mädchen und Jungen beide verschiedenste Hobbys haben können, wie Fußball, Shopping, Skaten, ... und als Message fände ich das wirklich gut, aber das Buch setzt diese Message um, indem plötzlich in der kompletten Stadt alle weiblichen Personen sich wie "typisch Mann" verhalten, und alle männlichen wie "typisch Frau" und das wird gar nicht hinterfragt. Also als erwachsene Person verstehe ich die Intention dahinter, oder ich glaube es, und dass es darum geht, die Grenzen etwas verschwimmen zu lassen, das Problem ist, dass die Grenzen nur extrem verschärft werde, aber eben bezogen auf die neue Gruppe, zu der die Fähigkeiten gehören. Außerdem hat das Buch trotz des Themas eigentlich durchgängig einen Unterton, der eher klingt, als wären Mädchen/Frauen schlechter als Jungs. Unter anderem kommt der Satz: "[...] aber die Jungen sind einfach schneller und stärker. Das ist eben so. Selbst die Weltmeisterinnen im Frauenfußball hätten ja keine Chance gegen eine Männerprofimannschaft." Und dieser Satz wird einfach so stehengelassen. An keiner einzigen Stelle im Buch wird er widerlegt oder etwas mehr darüber nachgedacht oder so, sondern es ist einfach ein Fakt, dass die Weltmeisterinnen keine Chance hätten. Und dann nicht mal gegen die Weltmeister (obwohl ich selbst da meine Zweifel hätte, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es eher ausgeglichen wäre), sondern einfach nur irgendeine Profi-Mannschaft. Wie kommt man dazu, so einen Satz in ein Buch einzubringen, in dem es eigentlich darum geht, dass beide Geschlechter vieles können? Ebenfalls wird erwähn, dass ganz vieles, was typisch ist, auch angeboren ist (zum Beispiel eine Vorliebe für Wettkämpfe? Bitte was?), und generell hat das gesamte Buch immer einen schneidenden Unterton in Richtung von allem, was als "typisch Mädchen" wahrgenommen wird. Also auch als die Rollen vertauscht sind, werden dann die Jungs eigentlich ständig in schlechtes Licht gerückt mit ihren neuen Eigenschaften.
Insgesamt hatte ich also durchaus das Gefühl, dass versucht wurde, Gleichberechtigung irgendwie in einer Geschichte auch Kindern näherzubringen und ich konnte wie gesagt an der ein oder anderen Stelle auch schmunzeln weil es durchaus amüsant war, aber wirklich direkt unter der Oberfläche dieses Ziels las sich das Buch für mich ziemlich Mädchen-/Frauenfeindlich, und hat inhaltlich und zwischen den Zeilen leider gar nicht rübergebracht, was es darstellen wollte (oder von dem ich denke, dass es das darstellen wollte).