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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2025

In meinen Augen leider eine absolute Katastrophe

Nacht im Central Park
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Dieses Buch war wirklich, wirklich, wirklich grauenhaft, und ich bereue es, es nicht abgebrochen zu haben. Aber bisher habe ich noch nie ein Buch abgebrochen, und das hier kam mir großteils so vor, als ...

Dieses Buch war wirklich, wirklich, wirklich grauenhaft, und ich bereue es, es nicht abgebrochen zu haben. Aber bisher habe ich noch nie ein Buch abgebrochen, und das hier kam mir großteils so vor, als wäre es nicht schlimmer als all die anderen schrecklichen Bücher, die ich schon gelesen habe, weshalb es sich wie aufgeben angefühlt hätte, jetzt dieses Buch zu meinem ersten DNF zu machen, nur jetzt am Ende bin ich mir nicht so sicher, ob ich wirklich schon schlimmeres gelesen habe, und ich hätte es einfach nicht lesen sollen.

Der Klappentext klang für mich wirklich interessant, und die Geschichte hat mir gerade am Anfang auch gut gefallen. Ich war an der Auflösung wirklich interessiert, der Fall war spannend, und irgendwie hat mich das dazu motiviert, doch immer weiter zu lesen, weil ich das Ende wissen wollte, auch wenn ich es irgendwann mehr überflogen als richtig gelesen habe.
Leider hört alles gute an der Stelle auch schon wieder auf. Der Schreibstil war zwar in Ordnung, aber zwischendurch gab es immer wieder Absätze, in denen plötzlich aus dem Nichts Gedanken von Personen vorkamen, aus deren Sicht das Buch eigentlich nicht geschrieben war, es gibt ein Kapitel aus Sicht einer New Yorker Polizistin, das nie wieder aufgegriffen oder erwähnt wird, und auch überhaupt keine Rolle spielt, und am Ende sind einige Abschnitte des Buches plötzlich in Ich-Perspektive verfasst, obwohl alles andere der personale Erzähler ist.
Und das war für mich noch das akzeptabelste an dem Buch.
Alice ist eine unglaublich unsympathische Hauptfigur, die aus keinem einzigen Fehler lernt, ständig auf ihrem männlichen Begleiter herumhackt, und sehr heuchlerisch sauer auf andere Leute für Dinge ist, die sie selbst teils sogar schlimmer macht. Sie hat vor Jahren einmal einen riesigen Fehler gemacht, der mit ihrem Stolz und Ego zusammenhing, und Leuten das Leben gekostet hat, und jetzt geht sie exakt genauso an den aktuellen Fall heran, was mehr als deutlich macht, dass sie nicht mal versucht, irgendwie besser zu werden.
Und dann die Geschichte an sich ... sie ist eigentlich von Anfang an lächerlich, aber hauptsächlich, weil Alice sich so unglaublich schrecklich verhält, und sie die dämlichsten Entscheidungen trifft (welche Polizistin denkt zuerst daran, ein Handy zu klauen, statt jemanden darum zu bitten, ob man kurz telefonieren kann?), und weil Alice einfach an jeder Stelle die absurdeste Lösung für Dinge findet, und das macht es zwar zu einem schlechten Buch, oder zumindest war es für mich so, aber der Fall an sich war trotz allem interessant genug, dass ich wirklich dran bleiben wollte, und dann kam die Auflösung, und ... oh mein Gott. Alles, was vorher noch irgendwie zusammengehalten hat, war damit absolut hinfällig. Plötzlich sind Alice' Entscheidungen das sinnvollste an der ganzen Geschichte, und schon die sind an absolut jeder Stelle eine reinste Katastrophe, aber irgendwie ist alles andere einfach so viel schlimmer! Und dann kommt nach der Auflösung das Ende, und ich war wirklich SO kurz davor, einfach fünf Seiten vor Ende doch das Buch abzubrechen, weil da wirklich nichts mehr funktioniert hat. Ich hab's nicht getan, weil es sich dann erst recht wie aufgeben angefühlt hätte, aber an dieser Geschichte hat nach dem Ende wirklich nichts mehr gestimmt. Bis zur Hälfte wären es vermutlich noch zwei Sterne gewesen, nach allem anderen ... wirklich nicht mehr. Nicht mal Gabriel ist wirklich okay. Ich kann wirklich so ziemlich nichts positives an dem Buch finden. Außer vielleicht, dass ich noch nie etwas ähnliches gelesen habe, aber ich weiß ehrlich nicht, ob das nicht vielleicht einen Grund hatte.
Ich freue mich wirklich für jede Person, die irgendwas mit dem Buch anfangen konnte, ich wünschte, ich hätte es auch gekonnt.

Veröffentlicht am 22.11.2024

Oberflächlich betrachtet ein Buch über Gleichberechtigung, direkt darunter leider eher Frauenfeindlich

Nicht drücken!
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Am Anfang wusste ich gar nicht so richtig, was mich in diesem Buch erwarten würde, dann gibt es einen Absatz, in dem ein Junge darüber nachdenkt, dass er gerne "Mädchen"-Shows im Fernsehen sieht und ich ...

Am Anfang wusste ich gar nicht so richtig, was mich in diesem Buch erwarten würde, dann gibt es einen Absatz, in dem ein Junge darüber nachdenkt, dass er gerne "Mädchen"-Shows im Fernsehen sieht und ich habe das Ziel erahnen können und war total bereit dafür, besonders weil das Buch sich auch recht amüsant lesen lässt, und dann kam die gesamte restliche Umsetzung und es tut mir wirklich leid, aber die lässt in meinen Augen wirklich extrem stark zu wünschen übrig.
Eigentlich geht es im Buch darum, dass Mädchen und Jungen beide verschiedenste Hobbys haben können, wie Fußball, Shopping, Skaten, ... und als Message fände ich das wirklich gut, aber das Buch setzt diese Message um, indem plötzlich in der kompletten Stadt alle weiblichen Personen sich wie "typisch Mann" verhalten, und alle männlichen wie "typisch Frau" und das wird gar nicht hinterfragt. Also als erwachsene Person verstehe ich die Intention dahinter, oder ich glaube es, und dass es darum geht, die Grenzen etwas verschwimmen zu lassen, das Problem ist, dass die Grenzen nur extrem verschärft werde, aber eben bezogen auf die neue Gruppe, zu der die Fähigkeiten gehören. Außerdem hat das Buch trotz des Themas eigentlich durchgängig einen Unterton, der eher klingt, als wären Mädchen/Frauen schlechter als Jungs. Unter anderem kommt der Satz: "[...] aber die Jungen sind einfach schneller und stärker. Das ist eben so. Selbst die Weltmeisterinnen im Frauenfußball hätten ja keine Chance gegen eine Männerprofimannschaft." Und dieser Satz wird einfach so stehengelassen. An keiner einzigen Stelle im Buch wird er widerlegt oder etwas mehr darüber nachgedacht oder so, sondern es ist einfach ein Fakt, dass die Weltmeisterinnen keine Chance hätten. Und dann nicht mal gegen die Weltmeister (obwohl ich selbst da meine Zweifel hätte, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es eher ausgeglichen wäre), sondern einfach nur irgendeine Profi-Mannschaft. Wie kommt man dazu, so einen Satz in ein Buch einzubringen, in dem es eigentlich darum geht, dass beide Geschlechter vieles können? Ebenfalls wird erwähn, dass ganz vieles, was typisch ist, auch angeboren ist (zum Beispiel eine Vorliebe für Wettkämpfe? Bitte was?), und generell hat das gesamte Buch immer einen schneidenden Unterton in Richtung von allem, was als "typisch Mädchen" wahrgenommen wird. Also auch als die Rollen vertauscht sind, werden dann die Jungs eigentlich ständig in schlechtes Licht gerückt mit ihren neuen Eigenschaften.
Insgesamt hatte ich also durchaus das Gefühl, dass versucht wurde, Gleichberechtigung irgendwie in einer Geschichte auch Kindern näherzubringen und ich konnte wie gesagt an der ein oder anderen Stelle auch schmunzeln weil es durchaus amüsant war, aber wirklich direkt unter der Oberfläche dieses Ziels las sich das Buch für mich ziemlich Mädchen-/Frauenfeindlich, und hat inhaltlich und zwischen den Zeilen leider gar nicht rübergebracht, was es darstellen wollte (oder von dem ich denke, dass es das darstellen wollte).