Zumindest schön anzusehen...
Das Lied der TiefeNemea ist der König eines Reiches, das Sirenen jagt und tötet. Dabei beherbergt er eine von ihnen. Imogen.
Jetzt will er seine „Gefangene“ mit einem Mann verheiraten, der nicht minder von Hass und Grausamkeit ...
Nemea ist der König eines Reiches, das Sirenen jagt und tötet. Dabei beherbergt er eine von ihnen. Imogen.
Jetzt will er seine „Gefangene“ mit einem Mann verheiraten, der nicht minder von Hass und Grausamkeit durchzogen ist wie er selbst.
Plötzlich muss die junge Sirene fliehen – wohlwissend, dass ihr auch König Theodor nicht vollkommen uneigennützig und selbstlos Asyl und Schutz bieten wird …
Ein Blutband, Meeresungeheuer, Kämpfe und alles verändernde Geheimnisse warten in „Das Lied der Tiefe“ – nun, jedenfalls theoretisch.
Kalie Cassidy wirft uns mitten ins Geschehen, was prinzipiell nicht schlecht ist, leider vergeht die gesamte Handlung so rasend schnell und sprunghaft, dass weder Zeit noch Raum für
Informationen
Worldbuilding
Gefühle
Entwicklung
bleibt.
Die Protagonisten, ihre Intentionen und Geschichten erhielten bis zum Ende keine Farbe, nichts, was sich hätte greifen lassen können, was Mitgefühl und/oder Sympathie geweckt hätte. Selbst Imogen, die durchweg im Vordergrund steht, schafft es nicht, Facetten zu zeigen und mit ihrem Verhalten und Entscheidungen zu überzeugen, Verständnis zu erhaschen. Ihre kreisenden Monologe sind es, die vor allem ab der zweiten Hälfte ein Vorankommen aufhalten, während Sprunghaftigkeit und der Verzicht auf nähere Erläuterungen dafür sorgen, dass einige Situationen weit weg scheinen und die Spannung im Keim erstickt wird.
Das ewige Hin und Her in Kombination mit angerissenen, aber nicht ausgeführten, Handlungssträngen, ging mir jedenfalls auf die Nerven. Haben mitten im Verlauf plötzlich Ideen gefehlt? War die Lust weg? Das Papier alle?
Auch die knisternde Romance fand ich nicht. Prickelnde Anziehung? Tiefe Emotionen? Fehlanzeige. Dabei gäbe die Idee einiges her, begegnen wir doch tragischen Schicksalen und Lieben, Vorurteilen und Wut inmitten einer aufrührerischen, düsteren Welt.
Die romantische Komponente beginnt gewissermaßen auf Kontrolle und Zwang, rauscht zu – weder stimmungsvoller noch, gemessen an den Umständen, passender – körperlicher Anziehung. Wo die Verlagsbewertung „3/5 🌶️“ herkommt, kann mensch nur erahnen.
Ich hätte unglaublich gerne mehr über Imogens Volk und andere Wesen, die unter der Wasseroberfläche lauern, gelesen. Über die Götter und die (Zwietracht der) Königreiche. Schade.
Etwas, was mir wichtig ist, ist der Stil. Der war zwar überraschend einfach, gleichzeitig aber auch bildreich. Jedoch blitzten immer wieder Formulierungen auf, die nicht rund oder sinnig waren. Zusätzlich der schnellen und damit nicht in die Tiefe gehenden Erzählweise und der Tatsache, dass das Ende auf einen Mehrteiler hindeutet, etwas, was der Verlag wohl „verpasst hat“, anzugeben, war „Das Lied der Tiefe“ mehr Frust als Genuss.
Statt sich auf eine aufwendige Aufmachung zu konzentrieren, sollte sich auch der Heyne Verlag (wie die gesamte Penguin-Group) ENDLICH wieder mehr auf den Inhalt und dessen Qualität fokussieren.