Als ich den Klappentext zum regionalen Roman „Mein Lover, mein Ex und der Andere“ gelesen habe, habe ich mich auf eine »turbulente Liebeskomödie« gefreut. Leider konnte mich die Geschichte um Henriette, ...
Als ich den Klappentext zum regionalen Roman „Mein Lover, mein Ex und der Andere“ gelesen habe, habe ich mich auf eine »turbulente Liebeskomödie« gefreut. Leider konnte mich die Geschichte um Henriette, die plötzlich Job und Wohnung los ist, nicht erreichen. Dabei sind diese Verluste der Beginn von etwas ganz Neuem …
Die Handlung wird von Ausführungen über das Theater, sowie Erörterungen über Literatur dominiert, während die romantische Inszenierung, nun, mehr schlecht als recht gelungen ist. Obgleich die Charaktere dem Teenageralter längst entwachsen sind, gab es weder Raum für (zwischenmenschliche) Entwicklung, noch für Romantik und Gefühl.
Uli Aechtner erzählt nüchtern und distanziert, die Charaktere blieben blasse Schemen, die Gespräche empfand ich als sehr steif & gestellt und Henni? Deren Auftreten und Verhalten schien mir öfter übertrieben und kindlich. Wenn es jetzt zumindest wirklichen Humor gegeben hätte … Aber auch den fand ich bis zum Ende nicht.
Für zwischendurch sicher gut geeignet: „Mein Lover, mein Ex und der Andere“.
„Feuerlabyrinth“ lockte mich mit einem spannenden Klappentext – doch abgesehen von Elementen, die der altisländischen Sage entsprangen, konnte mich die Urban-Fantasy Geschichte nicht überzeugen.
Was ...
„Feuerlabyrinth“ lockte mich mit einem spannenden Klappentext – doch abgesehen von Elementen, die der altisländischen Sage entsprangen, konnte mich die Urban-Fantasy Geschichte nicht überzeugen.
Was vor allem an einem distanzierten, wenig Abwechslung bietenden Erzählstil lag. Relevanten und interessanten Sequenzen fehlte es an Tiefe und Zeit, Reaktionen und Verhaltensweisen der Charaktere waren platt und der, teilweise brenzligen Situationen, nicht angemessen. Zudem mangelte es an Emotionen und Gefühl.
Wenn auch die „fremde Welt“ vorstellbar beschrieben war, wirkte sie plötzlich zu komplex für die Länge der Story, deren Verlauf grob und überstürzt konzipiert ist. Zu viele Themen und Ereignisse, die sich überschlagen und verknoten. Dabei ist die Idee wirklich interessant und hätte definitiv Potenzial für eine fantastische Reihe.
Nemea ist der König eines Reiches, das Sirenen jagt und tötet. Dabei beherbergt er eine von ihnen. Imogen.
Jetzt will er seine „Gefangene“ mit einem Mann verheiraten, der nicht minder von Hass und Grausamkeit ...
Nemea ist der König eines Reiches, das Sirenen jagt und tötet. Dabei beherbergt er eine von ihnen. Imogen.
Jetzt will er seine „Gefangene“ mit einem Mann verheiraten, der nicht minder von Hass und Grausamkeit durchzogen ist wie er selbst.
Plötzlich muss die junge Sirene fliehen – wohlwissend, dass ihr auch König Theodor nicht vollkommen uneigennützig und selbstlos Asyl und Schutz bieten wird …
Ein Blutband, Meeresungeheuer, Kämpfe und alles verändernde Geheimnisse warten in „Das Lied der Tiefe“ – nun, jedenfalls theoretisch.
Kalie Cassidy wirft uns mitten ins Geschehen, was prinzipiell nicht schlecht ist, leider vergeht die gesamte Handlung so rasend schnell und sprunghaft, dass weder Zeit noch Raum für
Informationen
Worldbuilding
Gefühle
Entwicklung
bleibt.
Die Protagonisten, ihre Intentionen und Geschichten erhielten bis zum Ende keine Farbe, nichts, was sich hätte greifen lassen können, was Mitgefühl und/oder Sympathie geweckt hätte. Selbst Imogen, die durchweg im Vordergrund steht, schafft es nicht, Facetten zu zeigen und mit ihrem Verhalten und Entscheidungen zu überzeugen, Verständnis zu erhaschen. Ihre kreisenden Monologe sind es, die vor allem ab der zweiten Hälfte ein Vorankommen aufhalten, während Sprunghaftigkeit und der Verzicht auf nähere Erläuterungen dafür sorgen, dass einige Situationen weit weg scheinen und die Spannung im Keim erstickt wird.
Das ewige Hin und Her in Kombination mit angerissenen, aber nicht ausgeführten, Handlungssträngen, ging mir jedenfalls auf die Nerven. Haben mitten im Verlauf plötzlich Ideen gefehlt? War die Lust weg? Das Papier alle?
Auch die knisternde Romance fand ich nicht. Prickelnde Anziehung? Tiefe Emotionen? Fehlanzeige. Dabei gäbe die Idee einiges her, begegnen wir doch tragischen Schicksalen und Lieben, Vorurteilen und Wut inmitten einer aufrührerischen, düsteren Welt.
Die romantische Komponente beginnt gewissermaßen auf Kontrolle und Zwang, rauscht zu – weder stimmungsvoller noch, gemessen an den Umständen, passender – körperlicher Anziehung. Wo die Verlagsbewertung „3/5 🌶️“ herkommt, kann mensch nur erahnen.
Ich hätte unglaublich gerne mehr über Imogens Volk und andere Wesen, die unter der Wasseroberfläche lauern, gelesen. Über die Götter und die (Zwietracht der) Königreiche. Schade.
Etwas, was mir wichtig ist, ist der Stil. Der war zwar überraschend einfach, gleichzeitig aber auch bildreich. Jedoch blitzten immer wieder Formulierungen auf, die nicht rund oder sinnig waren. Zusätzlich der schnellen und damit nicht in die Tiefe gehenden Erzählweise und der Tatsache, dass das Ende auf einen Mehrteiler hindeutet, etwas, was der Verlag wohl „verpasst hat“, anzugeben, war „Das Lied der Tiefe“ mehr Frust als Genuss.
Statt sich auf eine aufwendige Aufmachung zu konzentrieren, sollte sich auch der Heyne Verlag (wie die gesamte Penguin-Group) ENDLICH wieder mehr auf den Inhalt und dessen Qualität fokussieren.
Mit „Your eyes on me“ machen Leonie Lastella und Storygeberin Alexa den Anfang des Konzepts von Heartlines – AutorInnen schreiben Romane, die von echten L(i)ebensgeschichten inspiriert sind.
Und tja, ...
Mit „Your eyes on me“ machen Leonie Lastella und Storygeberin Alexa den Anfang des Konzepts von Heartlines – AutorInnen schreiben Romane, die von echten L(i)ebensgeschichten inspiriert sind.
Und tja, bei Body Positivity, Mental Health und Selflove bin ich immer dabei, ist die Repräsentation doch einfach unglaublich wichtig.
Während die Plus-Size-Studentin Alea mit drei FreundInnen in einer Villa, die aktuell ein Makeover erfährt, wohnt und das Leben als Teil der bunten WG liebt, ist bei Titus die Luft raus. Denn obgleich er jeden Tag in eine Designer-Wohnung kommt, ist alles mehr Schein als Sein. Als Fitnessinfluencer ist sein Content makellos und zeigt disziplinierte Perfektion, und steht damit im harten Kontrast zu Aleas Botschaften: Body Positivity. Als Jasper seine MitbewohnerInnen bittet, seinen Kumpel in der Villa aufzunehmen, schwant Alea Böses, immerhin kennt sie Titus’ Partnerin…
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass im Verlauf Bruchstücke der Vergangenheiten, der Ursprung von Wut, Misstrauen und (Selbst)Zweifeln (…) ans Licht kommen. Doch diese Informationen ändern leider nichts daran, dass viele der kontroversen Verhaltensweisen und Aussagen ebenso unglaubwürdig scheinen wie die flache Lovestory.
Alea, die auf ihrem Social-Media-Kanal von Selbstliebe- und akzeptanz predigt, die Schönheit des Einzelnen hervorhebt, wirkt nicht, als würde sie das gegenüber ihrem eigenen Spiegelbild empfinden. Ihre vermeintliche Stärke hält sie dadurch aufrecht, dass sie niemanden nah an sich heranlässt. Dabei bröckelt Aleas selbstbewusste Fassade jedes Mal ein Stück mehr, wenn sie ihrem Gewicht mehr Raum gibt, als es tatsächlich einnimmt. Ohne sich einen Moment zu nehmen, um ihren neuen Mitbewohner auf Zeit kennenzulernen, fühlt sie sich durch jede Geste, jedes Wort angegriffen, ist defensiv, wirkt vorverurteilend – nicht, als hätte sie die Sicherheit, den inneren Frieden, mit dem sie sich online schmückt. Zwar ist das in der Realität keine Seltenheit, jedoch fehlte mir in einem Roman, der sich um diese sensiblen Themen dreht, damit wirbt, die nötige Ernst- und Glaubhaftigkeit. Titus ist ein durchtrainierter Fitnessinfluencer, der mit seinem Content motivieren, jedoch nicht optimieren will. Mithilfe seiner Ex hat er sich einen Namen gemacht, sich etwas aufgebaut – und ist auf das Geld aus den Kooperationen angewiesen. Aber der Sport war schon immer mehr für ihn, ein Ventil, etwas, durch das er zumindest in einem Bereich seines Lebens die Kontrolle hat.
Abgesehen davon, dass ich die Umsetzung von
selflove und
bodypositivity nicht optimal fand, war auch der romantische Strang ein blasser. Weder fand eine wirkliche zwischenmenschliche Entwicklung statt noch gab es nennenswerte Gefühle, kein Kribbeln, kein Prickeln. Plumpe Fast-Burn mit typischen Missverständnissen.
Auch Lastellas Stil konnte mich nicht überzeugen, war dieser doch sehr, sehr einfach, regelrecht salopp gehalten, geizte an Raffinesse und Abwechslung.
Dass beide Protagonisten mit problematischen Vergangenheiten kämpfen, lässt die LeserInnen zwar ihr Verhalten, die Verletzlichkeit, die Angst vor Nähe, Einsamkeit, Zurückweisung (…) nachvollziehen, ändert jedoch nichts daran, dass es den Figuren an markanten Eigenschaften mangelte. Wichtige Botschaften wurden in 0815-Phrasen, in bereits tausendmal gelesenen Motivationssprüchen ausgedrückt – sei es im Text oder als Kapitelüberschrift – und haben meines Erachtens nach keinen neuen, bestärkenden Mehrwert.
Hingegen mochte ich das Found-Family-Trope – die Idee mit der Villa, in der Fremde zu Freunden, zu einer kuscheligen, diversen und bunten WG wurden.
Fazit: Ich hatte hohe Erwartungen, die in keiner Weise erfüllt wurden.
Als Betroffene greife ich oft zu Romanen, die psychische Probleme aufgreifen; mit denen AutorInnen für ein bisschen mehr Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sorgen (können). Weil unsichtbare Erkrankungen auch ...
Als Betroffene greife ich oft zu Romanen, die psychische Probleme aufgreifen; mit denen AutorInnen für ein bisschen mehr Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sorgen (können). Weil unsichtbare Erkrankungen auch heute noch viel zu häufig abgetan, nicht verstanden werden und sich jede mentale „Störung“ so vielfältig und individuell äußert, wie die verschiedenen Geschichten geschrieben sind.
Und dann gibt es Bücher, in denen zwar Worte aneinandergereit wurden, doch ohne etwas zu sagen. Bedauerlicherweise zählt „𝐌𝐲 𝐁𝐨𝐝𝐲 𝐢𝐬 𝐚 𝐂𝐚𝐠𝐞“ für mich in diese Kategorie. Dass sich diese vermeintlich poetische, halbgar und unfertig anmutende Story an Jugendliche richtet, ist besonders enttäuschend.
Lara Schützsack beweist ohne Frage ein lyrisches Talent, weiß mit verschnörkelten Worten umzugehen und in Bildern zu erzählen. Auch der melancholische Ton sowie die düstere, beklemmende Atmosphäre waren den Intentionen dieses Romans angemessen. Aber erst auf den letzten 40 Seiten gab es einen Hauch Gefühl, Zeitdruck und Verzweiflung.
Malina, die ihre Angst um ihre Schwester auf ungesunde Art kompensiert, als „einfaches Kind“ hinten ansteht; Isa, die versucht, ihrer Verzweiflung mit Kälte und Zwang Ausdruck zu verleihen, und Frieder, der sich ruhig distanziert. Diese und weitere Arten, um mit der bedrohlichen, schweren Situation umzugehen, habe ich selbst in meinem Umfeld erlebt – und doch waren die Charaktere in diesem Büchlein flach und substanzlos, wie der Verlauf und die Erkrankung(en).
Weder gab es eine authentische Darstellung von Lucindas „Problemen“ und dem Befinden der Familie noch eine Aufarbeitung der zahlreichen Konflikte oder des Traumas, das sich im Verlauf zusätzlich in deren Leben schleicht. [Wobei ich hier den Sinn hinterfrage: Wenn das, was der Fokus sein soll, schon nicht greifbar ausgearbeitet wurde, wieso dann noch einen Schocker draufsetzen?]
Ebenfalls fehlte die bemühte, verständnisvolle Unterstützung seitens der Eltern, der Drang, verstehen zu wollen.
Da aus der Perspektive von Malina erzählt wird – die ihre große Schwester nicht nur vergöttert, sondern regelrecht in einer Co-Abhängigkeit gefangen ist – bekommen die LeserInnen keinen Eindruck von dem, was in der Älteren vorgeht. Hier und da wird zwar ersichtlich, dass diese psychisch krank ist – Depressionen, Essstoerung, Stimmungsschwankungen und Lebensmüdegedanken- sowie äußerungen –, sich mit Manipulation und Lügen durch das Familienleben windet, jedoch mangelt es an Mehr. Einem Bezug.
Man könnte vermuten, dass zumindest die erzählende Schwester Raum, Kontur bekommt?! Aber nein, auch deren Empfindungen bleiben verborgen, ist sie doch hauptsächlich Betrachterin von Geschehen und Veränderungen. Damit hält die Autorin nicht nur konstant eine wirre Ungewissheit aufrecht, sondern schafft auch Distanz.
Blass. Blass bleiben die Figuren, blass bleiben die Emotionen. Probleme sind deutlich vorhanden, doch keines wird besprochen oder gar gelöst; vage Andeutungen in einem Text, der nichts zu Ende bringt, ausführt oder erklärt, sorgen weder für Verständnis, Identifikation noch dazu, sich einzufühlen. Wie erwähnt gibt es eine weitere Komponente, die – wahrscheinlich anstelle eines klaren Abschluss' – unbedingt eingebracht werden musste, definitiv nicht ohne ist, aber unstimmig wirkt.
Ich lese seit über der Hälfte meines Lebens Bücher zum Thema Essstoerung und selten hat mich ein Roman, der Aufmerksamkeit schaffen sollte, derart fragend zurück gelassen.
⚠️ Außerdem muss gesagt werden, dass es sich bei diesem Buch um eine NEUAUFLAGE handelt. „My Body is a Cage“ erschien bereits vor ca. zehn Jahren unter dem Titel „Und auch so bitterkalt“.
🌺 Ihr sucht ein Buch mit einer Aussage, in dem es um liebende Schwestern geht, um den Kampf und die Tragik der Essstörung sowie die zerstörerischen Auswirkungen auf Familie/Umfeld? Dann solltet ihr euch „𝐖𝐚𝐬 𝐟𝐞𝐡𝐥𝐭 𝐰𝐞𝐧𝐧 𝐢𝐜𝐡 𝐯𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐰𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧 𝐛𝐢𝐧?“ von Lilly Lindner anschauen. Einfühlsam, schmerzhaft und ECHT.