Kontrovers, anders und faszinierend - die Geschichte einer Obsession
Mein MannDie Protagonistin hat alles um glücklich zu sein: einen Mann, mit dem sie seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, zwei wohlerzogene Kinder, ein schönes Haus und einen Teilzeitjob als Lehrerin. Doch sie ist ...
Die Protagonistin hat alles um glücklich zu sein: einen Mann, mit dem sie seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, zwei wohlerzogene Kinder, ein schönes Haus und einen Teilzeitjob als Lehrerin. Doch sie ist unzufrieden. Sie glaubt, dass ihr Mann sie nicht genug liebt und beginnt immer mehr an seiner Liebe zu ihr zu zweifeln. Ihre Gedanken und Handlungen drehen sich immer mehr um ihren Mann und sie entwickelt eine fast schon krankhafte Intensität, mit der sie ihm beweisen möchte, wie sehr sie ihn liebt. Am Ende greift sie zu radikalen Mitteln um ihren Mann auf die Probe zu stellen.
Das Cover finde ich sehr gut gearbeitet, ich bin ein Fan von gemalten Portraits auf Covern.
Die Protagonistin sowie die gesamte Familie bleiben namenlos, lediglich die Namen der Nebenfiguren wie Freunde und Arbeitskollegen werden genannt. Sie beschreibt eine typische Woche unterteilt in die einzelnen Tage. Jedem Tag weist sie eine Farbe sowie Eigenschaften zu, die für sie die Stimmung und Ereignisse an diesen Tagen kennzeichnen.
Zunächst braucht es etwas um in die Geschichte hineinzufinden, aber man gewöhnt sich schnell an der sehr gut gestalteten Erzählstil. Am Anfang wirkt ihr ganzes Verhalten noch "normal", an manchen Stellen übertrieben, aber durchaus hinnehmbar. Im Verlauf der Geschichte wird jedoch ihre Obsession und ihr krankhafter Zwang, immer noch perfekter sein zu wollen, immer deutlicher. Ihre Gedanken kreisen nicht nur den ganzen (!) Tag um ihren Mann sondern sie vergleicht sich auch stets mit anderen: mit ihrer Freundin, bei der sie sich selbst äußerlich klar im Vorteil sieht, aber auch die Ehe der Freundin wird mit ihrer eigenen verglichen.
An vielen Stellen im Buch konnte ich nur mit dem Kopf schütteln, weil die Protagonistin mir immer fremder wurde. Ich habe mich auch immer wieder ertappt, wie ich versucht habe herauszufinden, welche Störungen bzw. psychische Krankheiten bei ihr diagnostiziert werden könnten. Oft war es aber auch schlichtweg lustig beim Lesen, z.B. wie sie sich auf dem Sofa hinsetzen soll, wenn ihr Mann nach Hause kommt.
Das Buch ist kontrovers, beim Lesen habe ich immer wieder geschwankt zwischen Mitleid und Unverständnis, es geht aber zu jeder Zeit eine unglaubliche Sogwirkung von der Geschichte aus. Man kann ihr Verhalten absolut nicht nachvollziehen, aber man ist auch gleichsam fasziniert und angezogen von dieser Frau. Durch ihre subjektive Erzählweise bleibt mir der Mann, um den sich ja eigentlich alles dreht, stets unnahbar.
Die Gesellschaftskritik, die das Buch vermittelt, wird hier hervorragend und überspitzt dargestellt: die Nachteile einer konservativen Ehe, die Abhängigkeiten darin und Manipulation. Auch das Ende konnte mich überzeugen, da es so ganz anders ausgeht als ich gedacht hätte.
Von mir gibt es eine klare Empfehlung für das Buch, ich kann mir das Buch auch sehr gut zum Lesen in einem Buchclub vorstellen, weil es viel Diskussionspotenzial bietet.