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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.01.2025

Kontrovers, anders und faszinierend - die Geschichte einer Obsession

Mein Mann
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Die Protagonistin hat alles um glücklich zu sein: einen Mann, mit dem sie seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, zwei wohlerzogene Kinder, ein schönes Haus und einen Teilzeitjob als Lehrerin. Doch sie ist ...

Die Protagonistin hat alles um glücklich zu sein: einen Mann, mit dem sie seit fünfzehn Jahren verheiratet ist, zwei wohlerzogene Kinder, ein schönes Haus und einen Teilzeitjob als Lehrerin. Doch sie ist unzufrieden. Sie glaubt, dass ihr Mann sie nicht genug liebt und beginnt immer mehr an seiner Liebe zu ihr zu zweifeln. Ihre Gedanken und Handlungen drehen sich immer mehr um ihren Mann und sie entwickelt eine fast schon krankhafte Intensität, mit der sie ihm beweisen möchte, wie sehr sie ihn liebt. Am Ende greift sie zu radikalen Mitteln um ihren Mann auf die Probe zu stellen.

Das Cover finde ich sehr gut gearbeitet, ich bin ein Fan von gemalten Portraits auf Covern.
Die Protagonistin sowie die gesamte Familie bleiben namenlos, lediglich die Namen der Nebenfiguren wie Freunde und Arbeitskollegen werden genannt. Sie beschreibt eine typische Woche unterteilt in die einzelnen Tage. Jedem Tag weist sie eine Farbe sowie Eigenschaften zu, die für sie die Stimmung und Ereignisse an diesen Tagen kennzeichnen.
Zunächst braucht es etwas um in die Geschichte hineinzufinden, aber man gewöhnt sich schnell an der sehr gut gestalteten Erzählstil. Am Anfang wirkt ihr ganzes Verhalten noch "normal", an manchen Stellen übertrieben, aber durchaus hinnehmbar. Im Verlauf der Geschichte wird jedoch ihre Obsession und ihr krankhafter Zwang, immer noch perfekter sein zu wollen, immer deutlicher. Ihre Gedanken kreisen nicht nur den ganzen (!) Tag um ihren Mann sondern sie vergleicht sich auch stets mit anderen: mit ihrer Freundin, bei der sie sich selbst äußerlich klar im Vorteil sieht, aber auch die Ehe der Freundin wird mit ihrer eigenen verglichen.
An vielen Stellen im Buch konnte ich nur mit dem Kopf schütteln, weil die Protagonistin mir immer fremder wurde. Ich habe mich auch immer wieder ertappt, wie ich versucht habe herauszufinden, welche Störungen bzw. psychische Krankheiten bei ihr diagnostiziert werden könnten. Oft war es aber auch schlichtweg lustig beim Lesen, z.B. wie sie sich auf dem Sofa hinsetzen soll, wenn ihr Mann nach Hause kommt.

Das Buch ist kontrovers, beim Lesen habe ich immer wieder geschwankt zwischen Mitleid und Unverständnis, es geht aber zu jeder Zeit eine unglaubliche Sogwirkung von der Geschichte aus. Man kann ihr Verhalten absolut nicht nachvollziehen, aber man ist auch gleichsam fasziniert und angezogen von dieser Frau. Durch ihre subjektive Erzählweise bleibt mir der Mann, um den sich ja eigentlich alles dreht, stets unnahbar.
Die Gesellschaftskritik, die das Buch vermittelt, wird hier hervorragend und überspitzt dargestellt: die Nachteile einer konservativen Ehe, die Abhängigkeiten darin und Manipulation. Auch das Ende konnte mich überzeugen, da es so ganz anders ausgeht als ich gedacht hätte.

Von mir gibt es eine klare Empfehlung für das Buch, ich kann mir das Buch auch sehr gut zum Lesen in einem Buchclub vorstellen, weil es viel Diskussionspotenzial bietet.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Wunderbares und persönliches Buch zum Thema Überforderung - ein Begleiter auf einer Reise zu sich selbst

Notiz an mich: Alles wird gut
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Sabine Steindor hat mit "Notiz an mich: Alles wird gut" einen wunderbaren und sehr persönlichen Ratgeber geschrieben, der viel mehr ist als ein reines Sachbuch.

Bereits das Cover zieht den Blick auf ...

Sabine Steindor hat mit "Notiz an mich: Alles wird gut" einen wunderbaren und sehr persönlichen Ratgeber geschrieben, der viel mehr ist als ein reines Sachbuch.

Bereits das Cover zieht den Blick auf sich und wirkt harmonisch und elegant. Auch der Titel ist persönlich und spricht den Leser sofort an mit seiner Prägnanz.
Die Autorin beschreibt in verschiedenen Kapiteln, was zur Überforderung im Leben führen kann, wie man dies erkennt und vor allem, wie man sich selbst helfen kann, der Überforderung die Stirn zu bieten. Abgerundet wird jedes Kapitel mit Übungen, die jeder für sich ausprobieren und verinnerlichen kann Auch beim Lesen fallen die kleinen Blumenillustrationen und die toll gestalteten Bilder auf, die das Buch so ästhetisch und ruhig wirken lassen. Ein besonderes Highlight sind für mich die immer wieder eingestreuten "Reminder" und "Notizen an mich". Sie bringen liebevoll auf den Punkt, was man sich selbst immer wieder sagen kann und fördern so einen achtsameren Umgang mit sich selbst. Die Autorin geht auf verschiedene wichtige Themen ein und besonders gut finde ich die Einleitung und Aufforderung, zunächst eine "Bestandsaufnahme" zu machen, bevor man sich auf eine Lösung fokussiert.

Generell liest sich das Buch, als würde man sich mit einer guten Freundin über das Thema unterhalten und Sabine Steindor schreibt sehr persönlich von ihren Erfahrungen und hat damit meinen Respekt - man darf sich eben nicht verstecken sondern muss sein Leben in die Hand nehmen. Man merkt beim Lesen direkt, dass dieses Buch ein "Herzensprojekt" ist und die Autorin viel Recherche und Mühe in die Arbeit daran investiert hat. Durch die persönliche Ebene, in der sie den Leser anspricht, wird sich jeder an der ein oder anderen Stelle wieder finden können und etwas für sich mitnehmen können.
Ein Mini-Kritikpunkt sind für mich die Kapiteleinteilungen in der ersten Hälfte des Buches, hier hätte man eventuell etwas mehr zusammen fassen können. Dies tut dem Buch allerdings keinen Abbruch und ist Kritik auf hohem Niveau.

Man lässt sich mit dem Buch auf eine Reise zu sich selbst ein und Sabine Steindor bietet mit dem Buch den passenden Begleiter dafür an. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der auch öfters Überforderung in seinem Leben spürt, egal in welcher Form. Auch als Geschenk kann ich mir das Buch, auch wegen der tollen Illustrationen, sehr gut vorstellen. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Verstörend, bizarr und mutig - eine Geschichte mit vielen Interpretationsmöglichkeiten

Die Vegetarierin
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Yong-Hye lebt mit ihrem Ehemann in Südkorea und führt als Hausfrau ein langweiliges Leben. Ihr Mann geht seinem Bürojob lustlos nach und die beiden leben mehr nebeneinander als miteinander. Eines Tages ...

Yong-Hye lebt mit ihrem Ehemann in Südkorea und führt als Hausfrau ein langweiliges Leben. Ihr Mann geht seinem Bürojob lustlos nach und die beiden leben mehr nebeneinander als miteinander. Eines Tages beschließt Yong-Hye, kein Fleisch mehr zu essen - ein Traum habe sie dazu veranlasst ist ihre Begründung. In Südkorea ist Vegetarismus verpönt und dementsprechend genervt und wütend reagiert ihr Mann. Alle in Yong-Hyes Umfeld reden auf sie ein, wieder Fleisch zu essen. Sie dagegen träumt davon, eine Blume zu werden und als Pflanze zu leben. Als sich schließlich auch ihre Familie gegen sie wendet, nimmt ihr Traum immer bizarrere Ausmaße an...

Von Han Kang hatte ich vor der Vergabe des Literaturnobelpreises noch nichts gelesen. Aber ich habe eine neue wunderbare Autorin für mich entdeckt nach dem Lesen!
Das Cover wirkt zunächst einfach mit den Blüten, aber auf den zweiten Blick erkennt man ein Stück Fleisch, eine Hand und eine Zunge. Es lässt sich darin bereits viel auf den Inhalt schließen.

Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert: der erste Teil wird aus der Sicht des Ehemanns erzählt, der Zweite von ihrem Schwager, dem Mann ihrer Schwester und der Dritte aus der Sicht der Schwester. Interessant ist, dass Yong-Hye selbst nicht zu Wort kommt und die Selbstbestimmtheit, die sie nach und nach verliert, bereits beim Lesen verloren geht, indem andere über sie erzählen.
Die Entscheidung, vegetarisch zu leben, erscheint in Deutschland mittlerweile normal und wird auch meist unterstützt und gefördert. In Südkorea ist dies allerdings äußerst verpönt, man macht es einfach nicht, weil es sich nicht gehört. Han Kang zeichnet hier die Probleme der südkoreanischen Kultur sehr gut nach: familiärer Druck, das Patriarchat, die allgemeine Rolle der Frau. Yong-Hye soll sich nicht auflehnen oder sich gar die Entscheidung heraus nehmen, selbstbestimmt zu leben.
Alle drei Teile wirken beim Lesen verstörend und bizarr, beim Lesen schwingt stets ein mulmiges Gefühl mit. Man merkt schnell, dass die Lage um Yong-Hye sich immer weiter zuspitzt und man möchte ihr beim Lesen so gerne helfen, weil ihr Umfeld eben so eiskalt reagiert und sich abwendet. Han Kang spielt immer wieder geschickt zwischen Realität und Fiktion, Traum und Wachsein und erzeugt eine beklemmende, aber auch spannende Atmosphäre. Gerade der letzte Teil hat mich bedrückt zurück gelassen.
Das Buch behandelt so viele wichtige Themen der heutigen Zeit, die nicht nur in Südkorea problematisch sind: die Schuld, die eine Frau trägt, ihre Rechtfertigung für eigentlich normale Dinge und die Kälte und Herablassung, die Frauen immer wieder überall auf der Welt erfahren müssen.

Für mich eine absolute Empfehlung, auch wenn es einiger Triggerwarnungen bedarf - das Buch ist nichts zum Zwischendurch-Lesen, es hallt lange nach und lässt den Leser verstört und nachdenklich zurück.

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Veröffentlicht am 05.12.2024

Pip ermittelt erneut - grandiose Fortsetzung!

Good Girl, Bad Blood
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Nach ihren Ermittlungen und der Aufklärung im Fall Andie Bell ist Pip eine kleine Berühmtheit geworden. Nun möchte sie allerdings einen Gang zurück schalten und steckt ihre Energie in ihren neuen True ...

Nach ihren Ermittlungen und der Aufklärung im Fall Andie Bell ist Pip eine kleine Berühmtheit geworden. Nun möchte sie allerdings einen Gang zurück schalten und steckt ihre Energie in ihren neuen True Crime-Podcast, in dem sie die Hintergründe im Fall Andie Bell erläutert. Als jedoch der Bruder einer ihrer Freunde aus der Nachbarschaft verschwindet, kann Pip nicht anders als wieder zu ermitteln. Die Polizei legt den Fall schnell beiseite, da Jamie Reynolds, der verschwunden ist, bereits volljährig ist und auch früher bereits einige Tage verschwunden war und wieder aufgetaucht ist. In ihrem Podcast bittet sie die Zuhörer live um Unterstützung und beginnt, erneut Little Kilton aufzuwühlen. Das gefällt nicht jedem und schon bald ist Pip selbst erneut in Gefahr...

Ich war sehr gespannt auf die Fortsetzung von "A Good Girl's Guide to Murder" und wurde nicht enttäuscht! Holly Jackson führt die Reihe um Pip genauso spannend weiter wie im ersten Band. Auch hier zeigt sich wieder Holly Jacksons unglaubliches Schreibtalent. Sie versteht es, den Leser "auf die Folter zu spannen" und immer wieder neue Wendungen und Plottwists einzufügen. Nichts ist, wie es scheint in dem Fall um den verschwundenen Jamie Reynolds, Pip zeigt erneut ihre scharfe Beobachtungsgabe und ihr ermittlerisches Gespür. Gemeinsam mit Ravi, nunmehr ihrem festen Freund, beginnt sie, auf eigene Faust zu ermitteln. Die beiden ergänzen sich perfekt und sind ein eingespieltes Team.
Sehr gut fand ich auch die kurze Zusammenfassung vom ersten Band zu Beginn um dem Leser die Geschichte erneut in Erinnerung zu rufen. Auch die Idee mit dem Podcast hat mich überzeugt. Wie immer zeichnet Holly Jackson vor allem Pip, aber auch die anderen Figuren auf eine gelungene Art und Weise, sodass man sich stets in jede Person hinein fühlen kann.

Die Handlung ist zu jeder Zeit spannend und der Spannungsbogen flacht zu keiner Zeit ab. Auch in diesem Band ist die Geschichte von den zahlreichen Ereignissen geprägt, die den Leser das Buch kaum aus der Hand legen lassen.

Von mir eine klare Empfehlung für eine sehr gut konstruierte und spannende Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Absurdes und Schräges aus dem Alltag - perfekt für zwischendurch

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
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Giulia Becker erzählt in ihrem Buch allerlei Schräges und Absurdes aus dem Alltag. Sie benutzt verschiedene Textformen wie Standardkapitel aus der Ich-Perspektive, Selbsttests zum Ankreuzen oder abschließende ...

Giulia Becker erzählt in ihrem Buch allerlei Schräges und Absurdes aus dem Alltag. Sie benutzt verschiedene Textformen wie Standardkapitel aus der Ich-Perspektive, Selbsttests zum Ankreuzen oder abschließende und zusammenfassende Fazite. Das Buch lässt sich keinem Genre zuordnen, es beschreibt vielmehr in unterschiedlich langen Geschichten, Tests und Meinungen verschiedene Themen. Becker springt von einem Thema zum anderen: von einen Besuch im Thermenhotel, einem Tag auf dem Flohmarkt, einer Folge des perfekten Dinners oder zum Test, bei dem man erfährt, ob man ein Vampir ist.

Stets ist die Absurdität und Komik präsent, aber Becker lässt auch immer wieder ernste Themen mit einfließen, die sie allerdings so gut und lustig einarbeitet, dass es zu keiner Zeit zu schwer wird. Mit ihrem ganz eigenen Humor, den man kaum beschreiben kann, beschert Giulia Becker dem Leser ein paar lustige Lesestunden. Oft musste ich laut auflachen und werde sicherlich noch öfter zu dem Buch greifen um eine Kapitel nochmal zu lesen. Für mich hätten es noch viel mehr Seiten und Kapitel sein dürfen.

Es ist das perfekte Buch für zwischendurch, ich kann es auch sehr als Geschenk empfehlen, da für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ich kann es uneingeschränkt jedem empfehlen, der gerne toll erzählte und schräge Geschichten liest fernab des Mainstreams!

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