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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2024

Eine etwas verwirrende, anfangs langatmige Lektüre.

Brennende Felder
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Die Szenerie spielt größenteils in Rosental, einem Dorf in Oberösterreich. Im Zentrum steht Luisa Fischer mit ihrem unsteten Leben auch im Ausland. ihren Gedanken, ihrem Handeln, ihrem Empfindens auf die ...

Die Szenerie spielt größenteils in Rosental, einem Dorf in Oberösterreich. Im Zentrum steht Luisa Fischer mit ihrem unsteten Leben auch im Ausland. ihren Gedanken, ihrem Handeln, ihrem Empfindens auf die Außenwelt. Bauer und Landrat Ferdinand Goldberger und sein halbwüchsiger Sohn Anton mit autistischen Zügen bilden im zweiten Romanteil den soliden Sockel gegenüber Luisas dysfunktionaler Bauernfamilie im Nachbarort. In dieser ländlichen Idylle mit farbig beschriebenen Jahreszeiten, mit deftiger Jägerschaft und Überlebensproblemen der Landwirte als passender Rahmen entwickelt sich Luisas Kosmos zu einer extrem schwierigen Persönlichkeit. Ihrem Lebensschema der großen anfänglichen Anziehung zu einigen Männern folgt Alltag und Routine, Entfremdung und schließlich Abscheu und Hass – beschrieben mit überzeugenden erzählerischen Qualitäten.
In feinsten Nuancen und Verschiebungen in ihrem Gefühls- und Stimmungsleben ergeben sich aber auch nur vage beschriebene Schlüsselszenen wie z.B. Luisas Idee im Gespräch mit Katja, deren Scheidung von Jacob und Geldteilung oder im Keller zusammen mit Anton und auch den Twist im letzten Kapitel, die der Fantasie zwar freien Lauf lassen, aber den Leser vielleicht etwas ratlos zurücklassen.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Persische Kultur und abwegiges Begehren

Die Rose von Nischapur
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Das Cover zeigt das Porträt eines jungen Mannes, dessen obere Kopfhälfte durch rote Rosenblüten verklärt ist, Zu interpretieren ist diese Gestaltung wohl durch den Namen der weiblichen iranischen Hauptfigur ...

Das Cover zeigt das Porträt eines jungen Mannes, dessen obere Kopfhälfte durch rote Rosenblüten verklärt ist, Zu interpretieren ist diese Gestaltung wohl durch den Namen der weiblichen iranischen Hauptfigur Nastaran, was eine Blume, eine Rosenart bedeutet. Die Figur des jungen Mannes soll wohl den Engländer David darstellen, der 2015 über zwei Monate in Teheran den 15 Jahre älteren Schriftsteller Nader und Nastaran so gut kennenlernt, dass sich aus Freundschaft sogar Liebe, Eifersucht und abwegiges Begehren in einem autoritären Staat entwickelt. Die Beschreibung zunehmender Intimität, aber auch der Einsamkeit aufgrund sexueller Tabus klingt taktvoll an.
In diesem Spannungsfeld einer fatalen Beziehungsgeschichte ergeben sich außerdem tiefgehende, auch familiäre Gesprächsrunden um den Dichter Omar Khayyam, um dessen lyrische Gedichte mit prägnanter Aussagekraft, über dessen philosophische Lebenseinstellung als Atheist und Materialist. Diese Thematik persischer Kultur wird wiederholt in weiteren Sequenzen mit historischen und religiösen Fakten vertiefend verknüpft, was zwar informativ ist, aber nicht wie ein roter Faden im Roman verläuft. Die Sehnsucht nach mehr Freiheit innerhalb der Bevölkerung und die gebotene Vorsicht für Reisende aus dem Westen werden ebenso thematisiert. Am westlichen Verständnis von Orientromantik wird hier ordentlich gerüttelt.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Ein stimmungsvoller Kriminalroman.

Die blaue Stunde
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Das Cover auf schwarzem Grund zeigt den Blick hinaus durch ein geöffnetes Fenster auf den kühlen blau gefärbten Himmel vor Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang, im Meer gespiegelt. Die düstere, geheimnisvolle ...

Das Cover auf schwarzem Grund zeigt den Blick hinaus durch ein geöffnetes Fenster auf den kühlen blau gefärbten Himmel vor Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang, im Meer gespiegelt. Die düstere, geheimnisvolle Stimmung auf der abgeschiedenen Gezeiteninsel Eris ist damit gut eingefangen. Das Setting auf einer wilden, rauen, wettergegerbten Insel im künstlerischen Milieu der Künstlerin Vanessa Chapman gefällt. Zu ihrem ego- und exzentrischen, boshaften, jähzornigen, besitzergreifenden Charakter gesellt sich die jetzt einzige Bewohnerin Grace, ihre Nachlassverwalterin und Allgemeinärztin in kleiner Dorfpraxis, die sich zunehmend als gewalttätige, destruktive Figur outet. Und somit entwickelt sich gleichzeitig Eris, eigentlich ein Ort der Idylle und Zuflucht, zu einem Ort des Schreckens, des Unglücks. James Becker, der Kurator des Museums, ein guter, rücksichtsvoller, höflicher Mensch, wird bei seiner Spurensuche auf dieser Insel von steigender Beklemmung heimgesucht. Die verschiedenen Charaktere haben viel Tiefe, erreicht auch durch Rückblenden in harte Lebenserfahrungen beider Frauen und Tagebucheinträge von Vanessa. Thematisiert werden Mobbing, Gefühle der Einsamkeit und Abgeschiedenheit, auch in die Kunstwelt wird eingetaucht. Der sich langsam entwickelnde Thriller mit einigen finalen Twists brilliert durch einen bildhaften, atmosphärischen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Weiblichkeit abseits der Norm

Auf allen vieren
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Die Szenerien spielen in L. A. und in der nahen Kleinstadt Monrovia. Die Ich-Erzählerin, 45, beginnt einen Roadtrip in Richtung N.Y., entwickelt sich jedoch zu einer bunten Geschichte ums Altern, um ...

Die Szenerien spielen in L. A. und in der nahen Kleinstadt Monrovia. Die Ich-Erzählerin, 45, beginnt einen Roadtrip in Richtung N.Y., entwickelt sich jedoch zu einer bunten Geschichte ums Altern, um Sexualität mit Detailtiefe abseits der Norm in Monrovia. Der Fokus in dieser Aufbruchsphase vor und während der Menopause liegt hier weiterhin auf Überlegungen zu weiblicher Selbstbestimmung, über die Institution der traditionellen Ehe bis zum Entwurf freierer Lebensmodelle. Die Identifikation mit der exzentrischen Protagonistin, einer elitären, erfolgreich freischaffenden Künstlerin, fällt schon allein deshalb schwer, weil sie - finanziell unabhängig - ein privilegiertes Leben in purem Luxus gewöhnt ist. Die Rückblicke auf ihr Leben regen zum Nachdenken an. Der derbe, obszöne Sprachstil gefällt nicht. Die Verwendung der nonbinären Pronomen “dey/demm/deren” verwirrt.
Ein radikaler, schräger Selbstfindungstrip.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Eine bunte Mischung an angerissenen Themen

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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In 15 Kapiteln stehen drei Hauptfiguren im Mittelpunkt des wenig tiefgründigen Geschehens um Bedürfnisse, Sehnsüchte und die Suche nach einem Ausweg aus dem eintönigen Alltag rund um Leipzig:
Juno, eine ...

In 15 Kapiteln stehen drei Hauptfiguren im Mittelpunkt des wenig tiefgründigen Geschehens um Bedürfnisse, Sehnsüchte und die Suche nach einem Ausweg aus dem eintönigen Alltag rund um Leipzig:
Juno, eine jung gebliebene Frau über 50 mit vielen Tattoos, mehr und mehr vereinnahmt durch Ballett und Events als freiberufliche Performance-Künstlerin. In Rückblicken zu ihrer Kindheit und Jugend hat sie sich schon damals irgendwie komisch und anders gefühlt.
Jupiter, ihr seit über 15 Jahren schwer erkrankter Ehemann, Schriftsteller, nur sporadisch in Erscheinung tretend in einer eher dürftigen Beziehung miteinander neben pflegerischen Bedürfnissen ohne emotionalen und gedanklichen Austausch.
Benu, Love-Scammer aus Nigeria, Junos nächtlicher Kommunikationspartner im Internet. In wenig tiefsinnigen Dialogen erwächst eine Schein-Freundschaft voller Lügen.
Thematisiert werden Mythologie, Rassismus, Kolonialismus, Traurigkeit, Einsamkeit, Anforderungen eines Lebens als pflegende Person eines Angehörigen, Gefahren des Internets. Eintönigkeit, Schlaflosigkeit, das Altern, Unzufriedenheit, die Problematik des schwierigen Lebensunterhalts vieler Künstler – eine große Fülle, die nur angeritzt wird. Die Bedeutung der Verwendung mythologischer Namen, der Gedankengänge zu Sternbildern und auch zu dem Film „Melancholia“ bleibt unklar. Wie fremde Einschübe wirken solche Details in Junos Fantasiewelt.
Der Schreibstil gefällt, inhaltlich eher flach bei geringem Tiefgang in angeschnittene Themenbereiche. Der emotionale Faktor in Junos trostloser Alltagswelt wird wenig herausgestellt.
Ein unterhaltsames Büchlein.

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