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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.12.2024

Ein stimmungsvoller Kriminalroman.

Die blaue Stunde
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Das Cover auf schwarzem Grund zeigt den Blick hinaus durch ein geöffnetes Fenster auf den kühlen blau gefärbten Himmel vor Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang, im Meer gespiegelt. Die düstere, geheimnisvolle ...

Das Cover auf schwarzem Grund zeigt den Blick hinaus durch ein geöffnetes Fenster auf den kühlen blau gefärbten Himmel vor Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang, im Meer gespiegelt. Die düstere, geheimnisvolle Stimmung auf der abgeschiedenen Gezeiteninsel Eris ist damit gut eingefangen. Das Setting auf einer wilden, rauen, wettergegerbten Insel im künstlerischen Milieu der Künstlerin Vanessa Chapman gefällt. Zu ihrem ego- und exzentrischen, boshaften, jähzornigen, besitzergreifenden Charakter gesellt sich die jetzt einzige Bewohnerin Grace, ihre Nachlassverwalterin und Allgemeinärztin in kleiner Dorfpraxis, die sich zunehmend als gewalttätige, destruktive Figur outet. Und somit entwickelt sich gleichzeitig Eris, eigentlich ein Ort der Idylle und Zuflucht, zu einem Ort des Schreckens, des Unglücks. James Becker, der Kurator des Museums, ein guter, rücksichtsvoller, höflicher Mensch, wird bei seiner Spurensuche auf dieser Insel von steigender Beklemmung heimgesucht. Die verschiedenen Charaktere haben viel Tiefe, erreicht auch durch Rückblenden in harte Lebenserfahrungen beider Frauen und Tagebucheinträge von Vanessa. Thematisiert werden Mobbing, Gefühle der Einsamkeit und Abgeschiedenheit, auch in die Kunstwelt wird eingetaucht. Der sich langsam entwickelnde Thriller mit einigen finalen Twists brilliert durch einen bildhaften, atmosphärischen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Weiblichkeit abseits der Norm

Auf allen vieren
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Die Szenerien spielen in L. A. und in der nahen Kleinstadt Monrovia. Die Ich-Erzählerin, 45, beginnt einen Roadtrip in Richtung N.Y., entwickelt sich jedoch zu einer bunten Geschichte ums Altern, um ...

Die Szenerien spielen in L. A. und in der nahen Kleinstadt Monrovia. Die Ich-Erzählerin, 45, beginnt einen Roadtrip in Richtung N.Y., entwickelt sich jedoch zu einer bunten Geschichte ums Altern, um Sexualität mit Detailtiefe abseits der Norm in Monrovia. Der Fokus in dieser Aufbruchsphase vor und während der Menopause liegt hier weiterhin auf Überlegungen zu weiblicher Selbstbestimmung, über die Institution der traditionellen Ehe bis zum Entwurf freierer Lebensmodelle. Die Identifikation mit der exzentrischen Protagonistin, einer elitären, erfolgreich freischaffenden Künstlerin, fällt schon allein deshalb schwer, weil sie - finanziell unabhängig - ein privilegiertes Leben in purem Luxus gewöhnt ist. Die Rückblicke auf ihr Leben regen zum Nachdenken an. Der derbe, obszöne Sprachstil gefällt nicht. Die Verwendung der nonbinären Pronomen “dey/demm/deren” verwirrt.
Ein radikaler, schräger Selbstfindungstrip.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Eine bunte Mischung an angerissenen Themen

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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In 15 Kapiteln stehen drei Hauptfiguren im Mittelpunkt des wenig tiefgründigen Geschehens um Bedürfnisse, Sehnsüchte und die Suche nach einem Ausweg aus dem eintönigen Alltag rund um Leipzig:
Juno, eine ...

In 15 Kapiteln stehen drei Hauptfiguren im Mittelpunkt des wenig tiefgründigen Geschehens um Bedürfnisse, Sehnsüchte und die Suche nach einem Ausweg aus dem eintönigen Alltag rund um Leipzig:
Juno, eine jung gebliebene Frau über 50 mit vielen Tattoos, mehr und mehr vereinnahmt durch Ballett und Events als freiberufliche Performance-Künstlerin. In Rückblicken zu ihrer Kindheit und Jugend hat sie sich schon damals irgendwie komisch und anders gefühlt.
Jupiter, ihr seit über 15 Jahren schwer erkrankter Ehemann, Schriftsteller, nur sporadisch in Erscheinung tretend in einer eher dürftigen Beziehung miteinander neben pflegerischen Bedürfnissen ohne emotionalen und gedanklichen Austausch.
Benu, Love-Scammer aus Nigeria, Junos nächtlicher Kommunikationspartner im Internet. In wenig tiefsinnigen Dialogen erwächst eine Schein-Freundschaft voller Lügen.
Thematisiert werden Mythologie, Rassismus, Kolonialismus, Traurigkeit, Einsamkeit, Anforderungen eines Lebens als pflegende Person eines Angehörigen, Gefahren des Internets. Eintönigkeit, Schlaflosigkeit, das Altern, Unzufriedenheit, die Problematik des schwierigen Lebensunterhalts vieler Künstler – eine große Fülle, die nur angeritzt wird. Die Bedeutung der Verwendung mythologischer Namen, der Gedankengänge zu Sternbildern und auch zu dem Film „Melancholia“ bleibt unklar. Wie fremde Einschübe wirken solche Details in Junos Fantasiewelt.
Der Schreibstil gefällt, inhaltlich eher flach bei geringem Tiefgang in angeschnittene Themenbereiche. Der emotionale Faktor in Junos trostloser Alltagswelt wird wenig herausgestellt.
Ein unterhaltsames Büchlein.

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Ein harter Sport für Krieger!

Bock auf Eishockey
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In 21 Beiträgen mit einer Einleitung des Sportreporters Christian Rotter werden unter dessen „Federführung“ besondere Momente von deutschen Eishockeyspielern und zwei Spielerinnen präsentiert. Besondere ...

In 21 Beiträgen mit einer Einleitung des Sportreporters Christian Rotter werden unter dessen „Federführung“ besondere Momente von deutschen Eishockeyspielern und zwei Spielerinnen präsentiert. Besondere emotionale Erfolgsmeldungen und steile Karrieresprünge überwiegen. Betont wird, dass es in einem solchen Spiel nicht nur ums Gewinnen und Verlieren geht, sondern um die Erfahrung wichtiger Werte wie Freundschaft, Fairness und Teamgeist. Schmerzhafte Erfahrungen in diesem rauen Sport lassen nicht nur an körperliche Verletzungen mit Comeback in manch einem Beitrag denken. Auch auf Blockbuster-Deals rund um den NHL fallen negative Schatten. Manch ein Eishockeyspieler mag sich dabei wie austauschbares Spielermaterial, wie Ware fühlen ohne Möglichkeit eines Selbstentscheids. Wie hart das Sportrecht in einem irrtümlichen Dopingfall nachwirken kann, wird glaubhaft vermittelt. Dass mancher Verein nicht nur im Breitensport nach dem Mauerfall im Osten oder auch generell durch die langatmigen Corona-Maßnahmen finanzielle Einbußen und Mitgliederrückgänge verkraften musste, wird ebenfalls thematisiert. Auch für Sportkommentatoren war die Berichterstattung über solche sportlichen Events ohne Publikum kein besonderer Moment. Dieser Mannschaftssport lebt eindeutig vom Gefühl des Fairplays, was auch auf die Eishockeyfans übertragen wird. Interessante Einblicke in diese Sportart.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Eine unsortierte Familienchronik

Nostalgia
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Dieser Roman handelt in den ersten drei Teilen von dem Aufwachsen eines Kindes André mit Migrationshintergrund in der DDR, beginnend ab 1981 mit harten Kindheitsproblemen rund um Schule, Freundschaft ...

Dieser Roman handelt in den ersten drei Teilen von dem Aufwachsen eines Kindes André mit Migrationshintergrund in der DDR, beginnend ab 1981 mit harten Kindheitsproblemen rund um Schule, Freundschaft und Erwachsen werden. Nicht nur ist sein jüngerer Bruder geistig behindert durch einen Unfall, auch der Gesundheitszustand seiner laotischen Mutter verschlechtert sich zunehmend bis zu deren Tod 1986. Im vierten Teil handelt es sich hingegen hauptsächlich um seine Mutter Teo, ab 1979 chronologisch in der Rückschau bis zu ihrer Kindheit in Laos. Der rote Faden ist verwirrend bei dieser zeitlichen Aufbereitung von detaillierten, interessanten Informationen zum Alltagsleben in der ehemaligen DDR. Der sensible, eher schweigsame Junge André, im Buch als “er“ bezeichnet, erträgt die schwere Bürde der großen Verantwortung für Bruder und kranker Mutter. Wie schwer diese familiäre Last ist, wird feinfühlig und atmosphärisch beschrieben, jedoch ohne Wut oder Vorwürfe gegenüber allen Familienmitgliedern. Der Vater spielt keine so wichtige Rolle hier, denn mit „Lappalien“ kann er nicht belastet werden neben dem Schreiben seiner Dissertation und starker akademischer Arbeitsbelastung mit Reisetätigkeit. Erzählerisch imponiert der Romanteil um André bis zu Teil 4, der eher die bisherige einheitliche Struktur zeitlich wirr verkompliziert.

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