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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2025

Ein skrupelloser Racheengel in überdrehtem Ambiente?

Not your Darling
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Das Cover zeigt eine junge Frau in Kostüm und Hut im nostalgischen Flair von 1950, die selbstbewusst und ehrgeizig in die Kamera blickt – passend zur Story.
Loretta Darling verkörpert eine starke Frau, ...

Das Cover zeigt eine junge Frau in Kostüm und Hut im nostalgischen Flair von 1950, die selbstbewusst und ehrgeizig in die Kamera blickt – passend zur Story.
Loretta Darling verkörpert eine starke Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt in Hollywood behauptet. Die Filmbranche und das ganze Milieu drum herum wird als dekadent, verderbt und kriminell beschrieben, geprägt von sexuellem Missbrauch, voller Alkoholsucht und Drogen in scheinbarem Glamour. Unrealistisch wirkt Loretta, teils unbedarft und naiv, frech und skrupellos, teils selbstbewusst, rachsüchtig und clever in der Fixierung auf ihr Berufsziel als Maskenbildnerin. Dass sie ungeschoren und unbeschadet aus ihren tödlich verlaufenen Aktionen am Filmset davon kommt, wirkt auch unglaubwürdig. Schade ist die erst späte Aufarbeitung ihrer traumatischen, britischen Familienverhältnisse. Leider brillieren die interessanten Nebenfiguren in ihrer Diversität nicht tiefgründig genug. Besonders die Dialoge gefallen durch pointierte Schlagabtausche. Mehr Spannung kommt erst im dritten Teil auf. Insgesamt eine harsche Abrechnung mit der Filmindustrie in Hollywood in angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Ein sehr persönlicher Einblick in den Libanon

Barfuß in Tetas Garten
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Als Halblibanesin mit ostdeutschem Migrationshintergrund beschreibt die Autorin ihr Aufwachsen in der DDR in Berlin Pankow. Sie beschreibt besonders den Werdegang ihres Vaters, der 1982 während des Bürgerkriegs ...

Als Halblibanesin mit ostdeutschem Migrationshintergrund beschreibt die Autorin ihr Aufwachsen in der DDR in Berlin Pankow. Sie beschreibt besonders den Werdegang ihres Vaters, der 1982 während des Bürgerkriegs im Libanon zum Studium nach Leipzig emigrierte. Man lernt die christlich-katholische Glaubensgemeinschaft der dortigen Maroniten kennen. Die Hochzeit 1988 und der Mauerfall 1989 sorgen für einige Veränderungen für die kleine Familie, die in den Folgejahren die Sommer bei der libanesischen Großfamilie in Jbeil, also Byblos, verbrachte. Neben Informationen über die Jahrtausende alte Kulturgeschichte mit ihren vielen Glaubensgemeinschaften incl. Papstbesuch und Gelehrten wie Avicenna oder über touristische Highlights erfährt man viel Persönliches im sommerlichen Zusammenleben über den familiären Zusammenhalt, besonders über die Großeltern. Erfahrungen zum Aufwachsen in der DDR als Halbmigrantin werden ergänzt durch berufliche und politische Gedanken zum eigenen Leben nach der Wende zwischen Berlin und Beirut mit umliegenden Ländern. Persönliche Fotos aus dem Libanon und ein Quellenverzeichnis runden diese Hommage an den Libanon ab.

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Auch als Science-Fiktion-Comic in Französisch und Deutsch erhältlich

Die Horde im Gegenwind
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Beschrieben wird in bildreichem Wortschatz ein sturmgepeitschtes Universum mit der 34. Horde, unter Führung des neunten Golgoth. Diese Gruppe ist vor mittlerweile siebenundzwanzig Jahren in Aberlaas, ...

Beschrieben wird in bildreichem Wortschatz ein sturmgepeitschtes Universum mit der 34. Horde, unter Führung des neunten Golgoth. Diese Gruppe ist vor mittlerweile siebenundzwanzig Jahren in Aberlaas, Fernstromab, aufgebrochen, ohne einen Blick zurückgeworfen zu haben. Google kennt Golgoth als den alten Gott des Winters , beschrieben als schwebender Schatten mit zwei leuchtend roten Augen. Der Autor Damasio verwendet in seinen Werken häufig Neologismen und Ausdrücke, mit denen er versucht, »dichte, bewohnte Wörter zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, sich zusammenzuschließen«. Beispiel dafür ist für mich Äolot. In dieser Fantasie- und Science-Fiktion-Welt leben Figuren wie die Aeromeisterin oder Luftwilderer, die mit weiteren Schutzkämpfern, Flügelstürmern und Geomeistern der Horde im laufenden Text mit Glyphen oder mit Großbuchstaben der griechischen Alphabets markiert sind. Sehr die eigene Fantasie anregend!

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Eine etwas verwirrende, anfangs langatmige Lektüre.

Brennende Felder
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Die Szenerie spielt größenteils in Rosental, einem Dorf in Oberösterreich. Im Zentrum steht Luisa Fischer mit ihrem unsteten Leben auch im Ausland. ihren Gedanken, ihrem Handeln, ihrem Empfindens auf die ...

Die Szenerie spielt größenteils in Rosental, einem Dorf in Oberösterreich. Im Zentrum steht Luisa Fischer mit ihrem unsteten Leben auch im Ausland. ihren Gedanken, ihrem Handeln, ihrem Empfindens auf die Außenwelt. Bauer und Landrat Ferdinand Goldberger und sein halbwüchsiger Sohn Anton mit autistischen Zügen bilden im zweiten Romanteil den soliden Sockel gegenüber Luisas dysfunktionaler Bauernfamilie im Nachbarort. In dieser ländlichen Idylle mit farbig beschriebenen Jahreszeiten, mit deftiger Jägerschaft und Überlebensproblemen der Landwirte als passender Rahmen entwickelt sich Luisas Kosmos zu einer extrem schwierigen Persönlichkeit. Ihrem Lebensschema der großen anfänglichen Anziehung zu einigen Männern folgt Alltag und Routine, Entfremdung und schließlich Abscheu und Hass – beschrieben mit überzeugenden erzählerischen Qualitäten.
In feinsten Nuancen und Verschiebungen in ihrem Gefühls- und Stimmungsleben ergeben sich aber auch nur vage beschriebene Schlüsselszenen wie z.B. Luisas Idee im Gespräch mit Katja, deren Scheidung von Jacob und Geldteilung oder im Keller zusammen mit Anton und auch den Twist im letzten Kapitel, die der Fantasie zwar freien Lauf lassen, aber den Leser vielleicht etwas ratlos zurücklassen.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Persische Kultur und abwegiges Begehren

Die Rose von Nischapur
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Das Cover zeigt das Porträt eines jungen Mannes, dessen obere Kopfhälfte durch rote Rosenblüten verklärt ist, Zu interpretieren ist diese Gestaltung wohl durch den Namen der weiblichen iranischen Hauptfigur ...

Das Cover zeigt das Porträt eines jungen Mannes, dessen obere Kopfhälfte durch rote Rosenblüten verklärt ist, Zu interpretieren ist diese Gestaltung wohl durch den Namen der weiblichen iranischen Hauptfigur Nastaran, was eine Blume, eine Rosenart bedeutet. Die Figur des jungen Mannes soll wohl den Engländer David darstellen, der 2015 über zwei Monate in Teheran den 15 Jahre älteren Schriftsteller Nader und Nastaran so gut kennenlernt, dass sich aus Freundschaft sogar Liebe, Eifersucht und abwegiges Begehren in einem autoritären Staat entwickelt. Die Beschreibung zunehmender Intimität, aber auch der Einsamkeit aufgrund sexueller Tabus klingt taktvoll an.
In diesem Spannungsfeld einer fatalen Beziehungsgeschichte ergeben sich außerdem tiefgehende, auch familiäre Gesprächsrunden um den Dichter Omar Khayyam, um dessen lyrische Gedichte mit prägnanter Aussagekraft, über dessen philosophische Lebenseinstellung als Atheist und Materialist. Diese Thematik persischer Kultur wird wiederholt in weiteren Sequenzen mit historischen und religiösen Fakten vertiefend verknüpft, was zwar informativ ist, aber nicht wie ein roter Faden im Roman verläuft. Die Sehnsucht nach mehr Freiheit innerhalb der Bevölkerung und die gebotene Vorsicht für Reisende aus dem Westen werden ebenso thematisiert. Am westlichen Verständnis von Orientromantik wird hier ordentlich gerüttelt.

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