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Veröffentlicht am 21.02.2025

✎ Daniela Stich - Rebella Rosin 1 Das erbarmungslos ehrliche Tagebuch der Rebella Rosin

Das erbarmungslos ehrliche Tagebuch der Rebella Rosin - Retterin der Seepferdchen
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Tagebuchromane sind bei Kindern recht beliebt. Zumindest in unserer Schulbibliothek ist eine Reihe ständig ausgeliehen. Daher war ich sehr gespannt, was Daniela Stich für junge Lesende hier zaubert.

Rebella ...

Tagebuchromane sind bei Kindern recht beliebt. Zumindest in unserer Schulbibliothek ist eine Reihe ständig ausgeliehen. Daher war ich sehr gespannt, was Daniela Stich für junge Lesende hier zaubert.

Rebella Rosin ist wahrlich kein leichter Charakter. Voreingenommen und zickig sind die treffendsten Adjektive, die ich derzeit für sie finde. Sie macht zwar bis zum Schluss noch eine Wandlung durch, doch so richtig ins Herz geschlossen, habe ich sie nicht.

Die Geschichte an sich ist toll erzählt.
Kinder lernen hier ganz nebenbei etwas über unsere Umwelt, Umweltschutz - vor allem in Bezug auf Gewässer -, Algen und Freundschaft.
Das Ganze ist in eine leichte Erzählung gepackt. Die Illustrationen lockern das Geschriebene nochmals auf.

Am Ende gibt es von den Protagonisten ein paar Tipps, wie man selbst leicht die Umwelt schützen kann, hilfreiche Links zu Organisationen, die sich bereits dafür einsetzen, und sogar das ein oder andere Rätsel.

Ich mochte den Gedanken, das Thema jungen Kindern nahezubringen, sehr. Rebella als Hauptcharakter jedoch empfand ich als übermäßig anstrengend. Da es noch (mindestens) einen weiteren Band gibt, hoffe ich einfach, dass sie ihr Wesen dahin ändert, dass sie offener wird und nicht immer so von sich überzeugt ist. Das würde mehr Harmonie in die Gruppe bringen.

Bei meiner Recherche bin ich darauf gestoßen, dass das Buch mittlerweile unter einem anderen Titel und mit einem anderen Cover herausgebracht wurde. Ich finde das farbige Cover um einiges schöner. Es fällt auch viel mehr auf. Ebenso den sperrigen Titel.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.12.2024

✎ Dr.med. Carola Holzner - Ab unter die Gürtellinie

Ab unter die Gürtellinie
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Ich wurde über »untenrum« nicht aufgeklärt. Ich musste es auf mich zukommen lassen, hab ab und zu ein Buch dazu gelesen und vieles ist für mich noch immer mit Scham behaftet. Daher bin ich persönlich dankbar, ...

Ich wurde über »untenrum« nicht aufgeklärt. Ich musste es auf mich zukommen lassen, hab ab und zu ein Buch dazu gelesen und vieles ist für mich noch immer mit Scham behaftet. Daher bin ich persönlich dankbar, dass es Aufklärungsbücher wie das vorliegende gibt.

Zuerst dachte ich, dass eine Autorenlesung bestimmt interessant ist. Immerhin hat sie selbst das Buch geschrieben und kann somit genau wiedergeben, wie sie was meint.
Doch für mich stellte es sich in diesem Fall als keine gute Wahl heraus.

Dr. med. Carola Holzner hat in meinen Augen - oder in diesem Falle Ohren - keine gute Sprechstimme. Sie weiß nicht, wie man Sätze betont. Liest ihren eigenen Vortrag schlimmer als in einer monotonen Vorlesung. Ich war gerade anfangs oft kurz davor, dass Hörbuch abzubrechen und mir die Printausgabe zuzulegen.

Im Endeffekt habe ich dies nicht getan, weil es mir dann leichter gefallen wäre, die Abschnitte zu Jungs und Männern zu überblättern. Doch auch das ist interessant und zuweilen wichtig, wenn man dieses Geschlecht in der Familie hat.

Der Informationsgehalt ist enorm hoch.
Ich habe vieles gelernt und über einiges gestaunt. Dass manche noch heute so schlecht aufgeklärt sind, mag unwirklich klingen, doch ich bin davon leider überzeugt. Oft genug sehe ich die Kinder in der Schulbibliothek heimlich und voller Scham die Aufklärungsbücher in die Hand nehmen. Es wird geschaut, gekichert und am Ende das Buch irgendwo versteckt, damit niemand sieht, was man in der Hand hatte.
Ich hoffe dann einfach immer, dass das nur kindliche Neugier ist und zu Hause jemand wartet, der aufklärt.
Ich bin auf alle Fälle davon überzeugt, dass es solcher Lektüre wie der vorliegenden bedarf.

Am liebsten mochte ich Beispiele aus dem Alltag der Autorin. Das hätten ruhig noch mehr sein dürfen.

Was mir neben der Vortragsweise am wenigsten gefallen hat, sind die Bezeichnungen „Schamlippen“, „Schamhügel“ und „Scheide“. Es werden auch die anatomisch korrekten Begriffe verwendet, doch Dr. Med. Carola Holzner fällt immer wieder dahin zurück. Ich fände es gut, wenn das Wort „Scham“ mit den Geschlechtsteilen nicht in Verbindung gebracht werden müsste. Worte formen unser Denken …

Sehr gut fand ich, dass wirklich alle Altersstufen angesprochen wurden. Vom Kind bis ins hohe Alter werden verschiedene Dinge aufgezählt und erklärt, sodass die ganze Familie etwas davon hat und man somit leichter ins Gespräch kommen kann.

©2024 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 21.11.2024

Daniela Ohms - Winterhonig

Winterhonig
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Bei meiner Aktion „vergessene Schätze“ stellte eine Teilnehmerin damals „Winterhonig“ vor. Da ich historische Romane mag und neugierig war, wie Daniela Ohms die Geschichte ihrer Großmutter verarbeitet, ...

Bei meiner Aktion „vergessene Schätze“ stellte eine Teilnehmerin damals „Winterhonig“ vor. Da ich historische Romane mag und neugierig war, wie Daniela Ohms die Geschichte ihrer Großmutter verarbeitet, griff ich nun endlich zu.

Die Autorin erklärt im Nachwort, welche Teile der Geschichte sie erfunden hat und welche wahr sind.
Karl, einen der Protagonisten, dichtet sie komplett neu hinzu. Somit haben die ursprünglichen Erlebnisse der Großmutter mit denen aus dem Buch nahezu fast nichts mehr zu tun - zumindest was die Liebesgeschichte betrifft.

Wenn sie bereits diesen großen Part verändert hat, stellt sich mir die Frage, warum nicht mehr Anpassungen vorgenommen wurden. Das Alter von Mathilda beispielsweise hätte ein wenig angehoben werden können, um der Liebesgeschichte anfangs den schalen Beigeschmack zu nehmen. Immerhin reden wir hier von einer 14-Jährigen und einem 19-Jährigen.

Ob das bäuerliche Leben während des Krieges für Ohms Familie wirklich so glimpflich ablief, möchte ich nicht in Frage stellen. Für mich war es indes ein bisschen zu weich gezeichnet, zu sehr an der Oberfläche geblieben. Man merkt, dass der Fokus eindeutig woanders lag.

Ebenso die Tatsache, dass sich eine Gräfin über Befehle der Nationalsozialisten hinsichtlich Fremdarbeiter ungestraft hinwegsetzt, hält in meinen Augen nicht Stand. Wir wissen alle, dass es Menschen mit Herz gab, aber in diesen Zeilen war es manchmal zu viel des Guten.

Generell hatte ich manchmal das Bedürfnis, nach vorne zu springen. Einkürzungen an der ein oder anderen Stelle hätten der Erzählung nicht geschadet.

Der Schluss war mir dann zu weit hergeholt und zu kitschig. Stellenweise empfand ich ihn als unglaubwürdig und konnte mit Mathilda daher nicht mehr mitfühlen.

Ich persönlich kann leider niemanden mehr nach Erlebnissen dazu befragen, denn alle, die den zweiten Weltkrieg miterlebt haben, sind mittlerweile tot. Darum hoffe ich, hin und wieder einen authentischen Roman in die Hände zu bekommen, der die Zeit beschreibt. „Winterhonig“ reiht sich dort leider nicht völlig ein.
Lesende, die historische Liebesromane mögen und bei denen die Liebesgeschichte im Vordergrund stehen darf / soll, werden hier jedoch voll auf ihre Kosten kommen.

©2024 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 19.09.2024

✎ Carolin Pospiech - Bo

BO
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Carolin Pospiech hat für ihren Debütroman eine eher ungewöhnliche Erzählperspektive gewählt: Bo spricht uns als Lesende direkt an. Das war nicht schlecht, weil man so viel über die Hauptperson erfahren ...

Carolin Pospiech hat für ihren Debütroman eine eher ungewöhnliche Erzählperspektive gewählt: Bo spricht uns als Lesende direkt an. Das war nicht schlecht, weil man so viel über die Hauptperson erfahren hat. Doch dadurch blieben anderen Charakteren lediglich Nebenrollen mit weniger Tiefe.

Dennoch konnte die Autorin in meinen Augen die Gefühle einiger gut transportieren.
Scham, Verzweiflung, Wut, Trauer, Erleichterung, … Man begibt sich auf eine Achterbahn der Gefühle. Und als Bo eine Person sehr vor den Kopf stößt, musste ich selbst kurz die Luft anhalten, weil es mich tief im Herzen getroffen hat, obwohl ich wusste, was er tun würde.

An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir von der Verfasserin ein wenig mehr Sensibilität gewünscht.
Auf Seite 64 wird ein Typ geschildert, der „halblanges, schwarzen Haar, […] perfekte Figur, […] und ein Gesicht, das es auf das Cover jeder Modezeitschrift schaffen würde“, beschrieben. Was genau bedeutet „perfekte Figur“? Wer definiert das?
Auf Seite 67 hingegen wird ein Mensch richtig schlimm aufgrund seines Äußeren abgewertet. „[…] hat die dicksten Brillengläser, die ihr jemals gesehen habt, zudem ist sie mit einer Zahnspange ausgestattet, die an irgendetwas aus Dads Werkzeugkiste erinnert.“
Bo möchte akzeptiert und toleriert werden, schafft es jedoch selbst nicht, dies bei Menschen um ihn herum zu tun.

Seine Freunde und Freundinnen - und all die anderen Personen um Bo herum - scheinen perfekt in seine perfekte Welt zu passen. „Sie [Lucy] fällt mir deshalb sofort auf, weil sie sich in so ziemlich allem von den rechtlichen Mädchen in unserer Klasse unterscheidet. Keine Markenklamotten, kein übertrieben geschminktes Gesicht, kein dämliches Gekicher, keine sonnengebräunte Haut. In ihrer ganzen Ausstrahlung wirkt sie inmitten der übrigen Schüler merkwürdig deplatziert.“
Mir fehlt hier komplett die Vielfalt der Menschheit.

Das Ende dann war mir zu offen. Da es für die Zielgruppe ab 12 geschrieben wurde, hätte ich schon gerne erfahren, wie es weitergeht. (Wie) Wird Bo aufgefangen? Welchen Schwierigkeiten muss er sich stellen? Was haben Jugendliche in einer ähnlichen Situation zu erwarten? Wie reagieren die anderen?

Ich hoffe, dass Carolin Pospiech noch einen zweiten Teil parat hält, weil ich finde, dass die Geschichte so einfach kein rundes Ende (für die Zielgruppe) hat.

©2024 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 06.08.2024

✎ Mario Hartmann - Anna und die roten Schuhe

Anna und die roten Schuhe
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„Anna und die roten Schuhe“ ist ein Wälzer. Anders kann ich die 270 Seiten dicke Geschichte nicht bezeichnen. Ich hätte sie gerne mit meinem Kind entdeckt, doch für meine 6-Jährige war es zu viel und zu ...

„Anna und die roten Schuhe“ ist ein Wälzer. Anders kann ich die 270 Seiten dicke Geschichte nicht bezeichnen. Ich hätte sie gerne mit meinem Kind entdeckt, doch für meine 6-Jährige war es zu viel und zu lang.

Wir haben versucht, das Buch in unseren Ferien zu lesen. Ich wollte etwas haben, was uns durch die gemeinsame Zeit begleitet, etwas, was uns vielleicht innehalten lässt und worüber wir am Ende oder zwischendurch immer mal reden können.
Zeitgleich muss ein Buch jedoch auch mein Kind unterhalten. Sie liebt noch sehr ihre Bilderbücher und daher war der vorliegende Kinderroman, der manchmal 12 Doppelseiten lang keine Illustrationen beinhaltet, nur schwer auszuhalten …

Mich als Erwachsene hat die Erzählung an manchen Stellen unterbrechen lassen. Mario Hartmann gibt mit seinen Zeilen einige Denkanstöße und deutet auf Missstände hin. Dies geschieht jedoch nicht durch den berühmten Fingerzeig, sondern ist wunderbar in die Geschichte integriert.

Die Gedanken hinter dem Buch sind toll. Ich denke jedoch, dass sie als Fortsetzungsgeschichte - aufgeteilt in 5 Bücher zum Beispiel - mehr einladen, danach zu greifen.

©2024 Mademoiselle Cake