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Veröffentlicht am 08.01.2025

"Von unseren Töchtern ist eine verrückter als die andere ..."

Die Mitford Schwestern
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Das Buch rund um die Mitford Schwestern beleuchtet die exzentrische und omnipräsente britische Adelsfamilie Mitford in den 30er und frühen 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Familie setzt sich aus ...

Das Buch rund um die Mitford Schwestern beleuchtet die exzentrische und omnipräsente britische Adelsfamilie Mitford in den 30er und frühen 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Familie setzt sich aus „Farve“, dem Vater, „Muv“, der Mutter, einem Sohn Tom und natürlich den skandalumwobenen Schwestern Diana, Unity, Jessica, Deborah, Pamela und Nancy. In dieser Familie scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt. Unity Mitford war das Hitler-Groupie, das mit dem "Führer" befreundet war und sich bei Kriegsbeginn im Jahr 1939 aus Mitleid mit ihm in München die Kugel gab. Diana heiratete den britischen Faschistenführer Oswald Mosley, Jessica wanderte als überzeugte Kommunistin in die USA aus, Pamela war die naive Landpomeranze, die Hunde liebte und Geflügel züchtete, und Nancy karikierte in ihren Romanen die turbulenten Familienverhältnisse. Nur Deborah, die letzte Mitford-Überlebende, ließ sich von den Schwärmereien ihrer Schwestern nicht infizieren.

Ich gestehe, man muss schon ein wenig Fan der Familie und ihrer Surroundings sein, um hier ein interessantes Hörerlebnis zu haben. Ich hatte mich im Vorfeld bereits schlau über die Familie gemacht und so war es mir eine wahre Freude, diese ein Stück des Weges zu begleiten. Man fällt sozusagen von einer Ohnmacht in die andere und ich konnte mir nur schwer vorstellen, wie es sich für Unity und Diana angefühlt haben muss als ihr angebeteter „Führer“ ihrem Heimatland den Krieg erklärte. Auch fand ich die Schriftstellerei von Nancy klasse und war immer wieder überrascht, wie gefühlsarm die Eltern gegenüber ihren Kinders waren. Ich fühlte mich rundherum gut unterhalten, habe viel Neues gelernt und möchte verbunden mit vier schillernden Sternen eine Hör- bzw. Leseempfehlung aussprechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 02.01.2025

Open your eyes and see what you can with them before they close forever ...

Alles Licht, das wir nicht sehen
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Mit „All the light we cannot see” ist Anthony Doerr ein Bestseller der ganz besonderen Art gelungen. Er entführt uns in die 30er Jahre, zeitgleich nach Paris und das Ruhrgebiet in Deutschland. In Paris ...

Mit „All the light we cannot see” ist Anthony Doerr ein Bestseller der ganz besonderen Art gelungen. Er entführt uns in die 30er Jahre, zeitgleich nach Paris und das Ruhrgebiet in Deutschland. In Paris lernen wir die kleine Marie-Laure kennen, die mit ihrem Vater, dem Hüter der Schlüssel des Naturkundemuseums seit dem Tod der Mutter allein lebt. Dieser kümmert sich rührend um sein inzwischen erblindetes Mädchen, nimmt sie mit in seine Welt des Museums und lässt sie mit Jule Verne und dessen Büchern schließlich von ungeahnten Abenteuern träumen.

Die Geschwister Werner und Jutta hingegen wachsen in einem Waisenhaus auf. Werner ist klein für sein Alter doch beschützt die kleine Schwester, wo er nur kann. Für den klugen Werner, der mit seiner Technikaffinität Großes bewegen könnte, sieht die Zukunft dennoch einen Arbeitsplatz in der Zeche vor, die Zeche, in der vor Jahren der eigene Vater tödlich verunglückte. Aber dann bricht der Zweite Weltkrieg aus und auf einmal ist Werners Wissen gefragt. Während Marie-Laure und ihr Vater nach Saint-Malo an die Atlantikküste fliehen können, kommt Werner, dem mit seiner kleinen Statur kaum eine Uniform passt, zu einer Einsatztruppe der Wehrmacht, die illegale Radiosender, unterhalten von der Resistance, ausmachen und eliminieren muss.

Die Wege der Beiden kreuzen sich für einen kurzen Augenblick auf schicksalhafte Weise und sie können sich gegenseitig kurz schützen. Doch eine höhere Gewalt hat eigene Pläne für die Zwei …

Es war schon eine Weile her, dass ich ein englisches Buch in die Hand genommen hatte, doch mit „All the light we cannot see“ wollte ich es mal wieder wagen. Nachdem ich mich eingelesen hatte, konnte mich der Autor Anthony Doerr mit seiner wundervollen, oft fast poetischen Wortwahl begeistern. Er baut seinen Roman in kurzen Kapiteln auf, die sich gut lesen lassen und mich mitnahmen ins Geschehen, als wäre ich dabei gewesen. Leider vergisst er in seiner Euphorie, die sich, da bin ich sicher, für ihn beim Schreiben entwickelt hat, manchmal die Gefühle seiner Protagonisten und lässt diese etwas eindimensional erscheinen. Auch springt er oft ein wenig wahllos in den Zeiten herum, so dass es mir manchmal ein wenig schwerfiel, ihm zu folgen. Dieses Buch wurde inzwischen zu einer Miniserie verfilmt, von der ich jedoch vermutlich Abstand nehmen werde. Ich habe Angst, dass zu viele Hollywood Effekte zu einer Enttäuschung führen könnten. Worauf mir das Buch jedoch Lust gemacht hat, ist Saint-Malo und seine Umgebung, vielleicht verbunden mit einem Abstecher auf die Kanalinseln … hach, ich beginne schon Urlaubspläne zu schmieden … in the meantime aber vergebe ich für diesen etwas speziellen Roman sehr gerne verdiente vier von fünf Sternen mit eine Leseempfehlung. Hier lohnt es sich dranzubleiben!

Veröffentlicht am 11.12.2024

Hebammenarbeit im Wandel der Zeit ...

Die Berghebamme – Hoffnung der Frauen
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Mit der Berghebamme Maria erlebe ich nach dem Roman „Heumahd“ der Autorin Susanne Betz dank Linda Winterberg zum zweiten Mal einen Ausflug in die Bergwelt des vorletzten Jahrhunderts. Die junge Maria hat ...

Mit der Berghebamme Maria erlebe ich nach dem Roman „Heumahd“ der Autorin Susanne Betz dank Linda Winterberg zum zweiten Mal einen Ausflug in die Bergwelt des vorletzten Jahrhunderts. Die junge Maria hat gerade ihre Hebammenausbildung als Klassenbeste im fernen München absolviert und fühlt sich trotz ein wenig Heimweh eigentlich gut aufgehoben. Da wird sie von Max, ihrem Freund aus Kindertagen mit der Bitte kontaktiert, doch wieder nach Brannenburg zu kommen, um die sehr in die Jahre gekommene Hebamme Alma mit ihren antiquierten Ansichten abzulösen. Doch so einfach lässt diese sich nicht aufs Altenteil schicken. Im Gegenteil, sie tut alles, um Unmut unter der lokalen Bevölkerung zu schüren, was nicht schwer ist, denn Maria hat als ehemaliges Findelkind sowieso mit vielen Vorurteilen und Anfeindungen zu kämpfen. Doch sie ist tapfer und will nicht aufgeben, zumal sie ganz heimlich auch die Nähe zu dem verheirateten Max genießt. Aber dann kommt es, wie es kommen musste, und ein tragisches Ereignis lässt sie kapitulieren …

Wunderbar eingelesen von Eva Becker begleite ich Maria und bekomme einen tiefen Einblick in die Welt der Hebammen, werdenden Mütter und ihren Nachwuchs. Die Autorin Linda Winterberg vermittelt das Wissen oder eben leider auch Nichtwissen zu diesen Themen in der damaligen Zeit und zeichnet dadurch ein spannendes und sehr authentisches Bild. Ich vermisste jedoch, je länger ich der Story lauschte, ein wenig den Nervenkitzel, den mir die oft haarscharf am Tod vorbei rauschenden Szenen hätten geben müssen und können. Es plätscherte ein wenig vor sich hin, obwohl ich die Charaktere durchaus sympathisch fand. Ich vergebe deshalb „nur“ vier gutgemeinte Sterne und freue mich dennoch auf den nächsten Teil und auf Maria. Ich bin schon gespannt, wie es mit ihr und den Kindchen weitergehen wird.

Veröffentlicht am 10.12.2024

Die Welt der Reichen ...

Pineapple Street
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„Pineapple Street“ ist nicht nur der Titel des Debütromans von Jenny Jackson. Es ist auch der Name einer Straße, die in Brooklyn Heights liegt und eine der exklusivsten Adressen in New York ist, was dem ...

„Pineapple Street“ ist nicht nur der Titel des Debütromans von Jenny Jackson. Es ist auch der Name einer Straße, die in Brooklyn Heights liegt und eine der exklusivsten Adressen in New York ist, was dem Roman somit eine angenehme Authentizität verleiht. Hier ist das sehr vermögende Ehepaar Stockton zu Hause, das drei Kindern das Licht der Welt geschenkt hat. Die Geschichte beleuchtet in jeweils eigenen Kapiteln das Leben der Töchter Darley und Georgiana und deren Schwägerin Sasha, die die Ehefrau des einzigen Sohnes Cord Stockton ist. Alle drei Stockton Kinder sind in einen Luxus aufgewachsen, den wir uns als Otto-Normal-Verbraucher schwer vorstellen können, der jedoch für diese Kinder, inzwischen alle erwachsen, selbstverständlich war und ist. So ist es auch kein Wunder, dass sich Sasha, die ihr bisheriges Leben in einer normalen Mittelschichtfamilie verbracht hat, schwertut, sich in der versnobten Stockton Familie einen Platz zu erkämpfen. Doch schon bald muss man als Leser feststellen, dass Geld allein nicht glücklich macht. Gesellschaftliche Erwartungen müssen erfüllt werden, die unglaublich anstrengende Mutter will befriedigt werden und es wird allen Familienmitgliedern von allen Seiten sehr genau auf die Finger geschaut. Auch bei den Stocktons liegen Freud und Leid sehr eng beieinander und Identitätskrisen und Selbstzweifel ließen sie mich immer wieder mit Sympathie aber auch oft Unverständnis betrachten.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, wenn ich mir auch an mancher Stelle ein wenig mehr Tiefgang gewünscht hätte. Dem auf dem Cover beworbene Vergleich zu den Werken von Jane Austen kann ich nicht zustimmen, das erscheint mir eher als eine Art Marketing Strategie. Insgesamt vergebe ich jedoch gerne vier schillernde Sterne verbunden mit einer Leseempfehlung an alle, die auch gerne mal hinter die Fassade der Reichen und Schönen schauen möchten.

P.S.: Lustig finde ich übrigens, dass auf dem deutschen Buchcover keine Ananas, sondern eine Orange abgebildet ist …

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 24.11.2024

Dass es sich nie wiederholen wird, macht das Leben so süß ...

Die Frauen von Maine
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Wo fängt man an, wo hört man auf … bei diesem Roman ist es schwer, den Zeitabschnitt zu definieren, über den man als LeserIn die Frauen begleitet, die mit dem „geheimnisumwitterten“ Haus auf den Klippen ...

Wo fängt man an, wo hört man auf … bei diesem Roman ist es schwer, den Zeitabschnitt zu definieren, über den man als LeserIn die Frauen begleitet, die mit dem „geheimnisumwitterten“ Haus auf den Klippen in Berührung kamen. Viel mehr ist dieses Buch eine Art Aneinanderreihung von Abschnitten – ohne dieser Beschreibung jetzt einen negativen Touch zu verleihen – die viel mehr als das Haus und seine Bewohnerinnen abdeckt. Als Hauptprotagonistin würde ich Jane bezeichnen, eine Frau die sich, selbstverschuldet oder aber auch nicht, in einer Phase ihres Lebens wiederfindet, in der sie allein dasteht, da sie alles verloren hat. Sie vermisst ihren Mann Daniel spürbar, aber auch der Verlust ihres Traumjobs schmerzt mehr, als sie sich eingestehen will. Doch dann entwickelt eine Reise in die Vergangenheit eine Eigendynamik, der sie sich stellen will. Wie bei einem Spinnennetz, werden Fäden gewoben und Charaktere kommen an die Oberfläche, deren Geschichte viel zu lange unerzählt blieb. Eine mystische Reise gepaart mit Problemen der Gegenwart, denen Jane sich stellen muss, nimmt ihren Lauf und nahm mich als Leserin mit in den Nordosten der USA. Eine Reise, die mich in den Bann zog und mich das Buch schwer aus der Hand legen ließ …

Dieser Roman hat gemischte Bewertungen und nachdem ich das Buch zuklappte, konnte ich gut nachvollziehen, woran das gelegen haben möchte. Ich bin der Meinung, dass man zu dieser Geschichte einen persönlichen Bezug finden muss, durch den man sich damit identifizieren kann. Ich konnte für mich einige Parallelen finden und so entwickelte das Buch irgendwann eine Art Sogwirkung auf mich, der ich mich schwer entziehen konnte. Einen Stern muss ich leider abziehen für ein paar Längen und einige Abschnitte, die auf den ersten Blick ein wenig schwer einzuordnen waren. Von mir gibt es also „nur“ vier von fünf Sternen, die dafür umso begeisterter sind. Beim Lesen fragte ich mich manchmal, ob sich ein wenig eigene Erfahrung der Autorin mit in die Geschichte gemischt hat, da sie vieles so authentisch schildert, als hätte sie es live erlebt. Ich nehme jedenfalls einiges mit und bin ziemlich begeistert. Für mich ist es bereits das dritte Buch der Autorin und es wird sicher nicht das Letzte bleiben.