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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.12.2017

Sehr gelungen

Countdown to Noah (Band 1): Gegen Bestien
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Okay. Ich gebs zu. Ich bin diesem Buch verfallen. Als ich auf der Buch Berlin Fanny getroffen habe, dachte ich so: Du hast so viel über Countdown to Noah gehört, kaufste mal den ersten Band. Fanny war ...

Okay. Ich gebs zu. Ich bin diesem Buch verfallen. Als ich auf der Buch Berlin Fanny getroffen habe, dachte ich so: Du hast so viel über Countdown to Noah gehört, kaufste mal den ersten Band. Fanny war aber schneller mit dem Signieren, deswegen habe ich gleich beide mitgenommen. Und welch ein Glück! Zumindest kann ich so gleich den nächsten Teil anfangen.
So ein Buch relativ blind zu kaufen, kann gut und schlecht ausgehen. Dieser Kauf war definitiv gut. Aber genug geschwafelt …

Cassidy ist ein schöner Charakter. Sie ist 17 Jahre alt und kümmert sich um ihre 11jährige Schwester, da sie die Eltern verloren haben. Sie ist keine große Kämpferin, sondern eher auf das Weglaufen vor den Noahs spezialisiert. Da sie eine ganze Weile alleine überlebt haben, muss sie was richtig gemacht haben. Doch wie das so ist, manchmal reicht das eben nicht aus. Und als ihre Schwester eine Lungenentzündung hat, braucht Cassy jede Hilfe, die sie kriegen kann. Ob es ihr gefällt oder nicht. Und so begibt sie sich auf eine Mission zum Wohle ihrer Schwester. Und sie wächst an den Gegebenheiten. Sie findet Freunde und lernt nicht nur viel über die Noahs, sondern auch über sich selbst.
Daniel ist auch ein schöner Charakter. Er ist sehr natürlich, pragmatisch und damit genau der Richtige um Cassy zu begleiten. Obwohl er sie eigentlich öfter nicht so nett behandelt, sind doch die kleinen Gesten wichtig.

Der Schreibstil ist sehr flüssig. Die Geschichte wird aus Cassys Sicht erzählt. Besonders spannend finde ich dabei die andere Seite in ihr, die auch durch veränderten Schriftsatz deutlich wird. Das ist richtig gut gemacht. Generell mag ich die Entwicklung der Charaktere in diesem Buch sehr. Mir bleibt nicht viel mehr zu sagen als: Lest diese Bücher!

Veröffentlicht am 14.11.2017

Alle Tränen getrocknet

Fighting to Be Free - Nie so begehrt
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Achtung! Spoiler zu Fighting to be free – Nie so geliebt

„Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Wenn man den Menschen findet, mit dem man zusammen sein soll, fügt sich alles andere, ...

Achtung! Spoiler zu Fighting to be free – Nie so geliebt

„Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Wenn man den Menschen findet, mit dem man zusammen sein soll, fügt sich alles andere, und man würde alles für ihn tun.“ (S.349)

Drei Jahre sind vergangen, seit Jamie verhaftet wurde und Ellie das Herz gebrochen hat. Seitdem existiert Jamie nicht mehr. Er ist jetzt Kid Cole, denn er hat nichts mehr, wofür sich das Leben lohnt. Deswegen hat er die Organisation, die Brett ihm vermacht hat, wieder aufgebaut. Neben illegalen Autorennen und -diebstählen gibt es nichts, was ihm den nötigen Kick bringt.
Ellie ist nach ihrer Europareise nicht nach Hause zurück gekehrt. Sie ist in London geblieben und hat dort Toby gefunden. Sie sind verlobt und eigentlich könnte das Leben kaum schöner sein. Doch dann ändert ein Anruf mitten in der Nacht alles. Ellie kehrt nach Hause zurück und Jamie kann ihr nicht lange aus dem Weg gehen.

Das Ende vom ersten Teil hat mir das Herz gebrochen. Die Liebe zwischen Ellie und Jamie war so berührend, dass ich mit Ellie einen Teil meines Herzens verloren habe. Jamie ist ein beeindruckender Charakter. So wie Menschen, die keine Macht haben wollen, Macht kriegen sollten, so ist Jamie ein fantastischer Krimineller, weil er es eben nie sein wollte. Doch als Ellie wieder zurück in sein Leben tritt, ändert sich alles. Wird Ellie ihm je verzeihen können? Haben sie noch eine zweite Chance?
Auch Ellie hat sich in den letzten drei Jahren verändert. Sie ist erwachsener geworden, ohne etwas von ihrer Lebendigkeit verloren zu haben. Auch sie ist ein berauschender Charakter.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Perspektive wechselt zwischen Ellie und Jamie. Die Geschichte ist sehr spannend, hat einen mehr als traurigen Anfang, dafür aber einen sehr rasanten Schluss. Ich bin zumindest sehr zufrieden mit diesem Ende.

Veröffentlicht am 09.11.2017

Harry Potter ist die Gewissensfrage?

Unsere verlorenen Herzen
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„Dritter Entwurf
Weil mir nicht klar war, dass man sich in einen Menschen genauso verlieben kann wie in Songs. Auch wenn ihr Lied dir anfangs nichts sagt, verwandelt sich die unbekannte Melodie schon bald ...

„Dritter Entwurf
Weil mir nicht klar war, dass man sich in einen Menschen genauso verlieben kann wie in Songs. Auch wenn ihr Lied dir anfangs nichts sagt, verwandelt sich die unbekannte Melodie schon bald in eine Symphonie und dringt die unter die Haut. Sie wird zur Hymne im Geflecht deiner Adern, zur Harmonie, eingestickt in das Gewebe deiner Seele.“ (S.126)

Dieses Buch lässt mich sprachlos zurück. Ich habe in Henry nicht nur jemanden gefunden, der wie ich ist, sondern auch so viel Wahrheit über die Liebe gefunden, ohne dass das Buch schnulzig ist. Es ist kein typisches Jugendbuch, in dem der Protagonist sich verliebt und durch seine Liebe die Angebetete heilt. Vielmehr ist es ein Buch über den Kosmos und die einzig wahre Wahrheit:

„Du kannst den Wert einer Liebe nicht nach ihrer Dauer bemessen.“ (S. 349)

Henry erzählt von seinem letzten High-School-Jahr und wie er sich zum ersten Mal verliebt und wie es zu allem kam. Der Schreibstil ist sehr flüssig, voller Nerdigkeit und lustigen Anspielungen. Ich habe wirklich das Gefühl, das Buch eines 17jährigen zu lesen und bin sehr glücklich damit.
Grace ist geheimnisvoll und ich glaube, ich habe sie bis zum Ende nicht wirklich enträtseln können. Auch das macht mich sehr glücklich, denn es ist nur allzu menschlich, nicht alles zu erfahren. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der die Schnauze voll von traurigen Liebesgeschichten hat, von schwachen Mädchen und starken, reichen Typen, der mal etwas über den Kosmos und den Molekülen in ihm lesen möchte und nebenbei auch noch gut unterhalten werden möchte.

„Harry Potter ist die Gewissensfrage?

Wir müssen uns entscheiden zwischen dem richtigen Weg und dem leichten, Grace. Harry Potter z lesen, ist der richtige.“ (S. 196)

Veröffentlicht am 31.10.2017

Ein Rausch, der sich lohnt, ganz ungefährlich

Absinth
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„Es sind die flüchtigen Dinge, wie wir uns am längsten bewahren. Eine Laune und eine lebenslange Leidenschaft unterscheiden sich nur darin, dass die erste ein wenig länger anhält.“ (S. 98, Das dritte Glas, ...

„Es sind die flüchtigen Dinge, wie wir uns am längsten bewahren. Eine Laune und eine lebenslange Leidenschaft unterscheiden sich nur darin, dass die erste ein wenig länger anhält.“ (S. 98, Das dritte Glas, Nele Sickel)

Eine Anthologie über die Grüne Fee muss die grüne Ronja natürlich lesen, das ist eine Frage der Ehre. Und diese Sammlung an Geschichten über die Grüne Fee haben es in sich. Die Fee hat viele Gestalten, sei es als Unternehmerin, als Produzentin, oder als Muse. Sie erscheint am liebsten Künstlern, dabei begegnen uns auch berühmte Persönlichkeiten, wie Oscar Wilde, H.G.Wells oder Jules Verne.
Besonders gefallen hat mir Das dritte Glas von Nele Sickel. Die Kurzgeschichte beschreibt die Suche von Oscar Wilde nach einem Dorian Gray. Der Schreibstil ist sehr flüssig und man hat das Gefühl im Kopf von Oscar Wilde zu sitzen und die Menschen um ihn herum zu beobachten. Besonders das Gespräch mit einem jungen Mann, der sich nach kurzem Zögern zu dem Schriftsteller setzt, hat mich gefesselt.
Aber auch Hipster van Gogh von Nina Teller hat mich in ihren Bann gezogen. Die Grüne Fee als Unternehmerin ist eine sehr moderne Art sie zu sehen. Vor allem, da z.B. der Kaffee und Matchapulver den Absinth in der heutigen Zeit abgelöst hat. Ein wenig gruselig, die Vorstellung.
Eine völlig andere Fee begegnet uns allerdings bei Der Fluch der Blumee von Martin Rüsch. Diese Kurzgeschichte war sehr spannend, mit ein bisschen Liebe. Merkt euch eins, Orchideen sind keine guten Blumen für Menschen! Das wusste schon Trywwidt ;)

Alles in allem sind diese 12 Kurgeschichten rund um die Grüne Fee sehr spannend, sehr abwechslungsreich und manchmal ein wenig gruselig. Wir begegnen berühmten Künstlern, aber auch ganz normalen Menschen. Und viel wichtiger, wir begegnen der Grünen Fee in allen möglichen Gestalten. Und vielleicht erkennen wir sie, wenn sie uns mal begegnet.

Veröffentlicht am 27.10.2017

Wir wollen keine Gleichheit, wir wollen Gerechtigkeit.

Kleine große Schritte
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„Aber selbst, wenn wir jeden Rassisten auf diesem Planeten nähme und auf den Mars schickten, gäbe es dennoch Rassismus. Und zwar, weil es beim Rassismus nicht nur um Hass geht. […] Weil es beim Rassismus ...

„Aber selbst, wenn wir jeden Rassisten auf diesem Planeten nähme und auf den Mars schickten, gäbe es dennoch Rassismus. Und zwar, weil es beim Rassismus nicht nur um Hass geht. […] Weil es beim Rassismus nämlich auch darum geht, wer Macht hat … und wer Zugang dazu. […] Jetzt ist mir klar geworden, dass ich eine [Rassistin] bin. Nicht, weil ich Menschen anderer Rasse hasse, sondern weil ich, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, meiner Hautfarbe Unterstützung verdanke – genauso wie Ruth Jefferson ihrer Hautfarbe wegen einen Rückschlag erlitt.“ (S.543f.)

Wir schreibt man ein Buch über Rassismus, ohne dass das Thema ausgelutscht klingt oder langweilig, weil es vor trockener Geschichte nur so strotzt? Jodi Picoult zeigt, wie es geht. Man nehmen einen weißen Rassisten, dessen Neugeborenes unter der Hand einer afroamerikanischen Hebamme stirbt, gibt eine Menge Vorurteile hinzu und fertig ist der Gerichtsprozess gegen Ruth Jefferson.
Ruth arbeitet seit über 20 Jahren als Hebamme, als sie Turk Bauer begegnet. Turk möchte nicht, dass Ruth sich um seinen gerade geborenen Sohn Davis kümmert. Als Davis unter Ruths Aufsicht an Atemnot leidet, weiß sie nicht, wie sie reagieren soll. Soll sie ihrem Instinkt folgen und das Kind beatmen, oder soll sie der Anweisung ihrer Vorgesetzten Folge leisten und das Kind nicht berühren.
Kennedy ist Pflichtverteidigerin als sie Ruth begegnet. Ruth scheint nicht wie der Mensch, der ein Baby aus Hass tötet. Und so setzt Kennedy alles daran, Ruths Fall vor Gericht übernehmen zu können.

Dieses Buch lässt mich sprachlos zurück. Die Autorin schafft das jedes Mal. Gerade wenn man denkt, man weiß genau, wie alles ausgeht, wendet sich die gesamte Handlung um 180 Grad. Genau das macht die Bücher der Autorin so besonders. Sie kann hervorragend mit schwierigen Themen umgehen. In diesem Fall geht es ganz klar um Rassismus. Und zwar von allen Seiten. Wir lernen also nicht nur Ruth kennen, die als Afroamerikanerin unter „Weißen“ aufwächst, zur Schule geht, studiert, arbeitet und trotzdem nie wirklich dazu gehört. Wir lernen auch Kennedy kennen, die ihren Dienst an der Gemeinschaft als Pflichtverteidigerin tut und manchmal blind durchs leben geht. Wir lernen aber auch Turk kennen, ein Skinhead wie er im Buche steht und der Ruth für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht, weil er überall nur Hass sieht.
Dieser kleine Blick in eine andere Welt offenbart aber auch, wie tief Rassismus in der Gesellschaft verwurzelt ist. Jetzt werden viele sagen „Stimmt doch gar nicht“, aber wie viele reden über die „Quotenschwarzen“ in Filmen, die immer als erstes sterben? Es geht eigentlich auch nicht nur um Rassismus, sondern um Diskriminierung allgemein. Man kann eben nicht nur der Hautfarbe wegen diskriminiert werden, sondern auch wegen der Religion, der Herkunft, des Aussehens.
Ruth geht in einer Szene mit Kennedy durch einen Laden. Eine Verkäuferin folgt ihnen unauffällig und beim Verlassen des Ladens soll Ruth ihren Bon und ihre Ware vorzeigen, Kennedy nicht. So ähnlich ging es mir mal mit einem Bekannten bei Kaufhof am Alexanderplatz. Oder meinem Bruder bei Saturn, weil er eine ungeöffnete Flasche alkoholfreies Bier in der Hand hatte. Oder weil er einen Rucksack voll klimpernder Flaschen hatte und die Polizei ihm nicht glauben wollte, dass es nur Schokomilch ist.

Dieses Buch plädiert also für weniger Diskriminierung, weniger Rassismus und mehr Liebe. Es bringt einen zum Nachdenken über die eigenen Werte und Vorstellungen. Wir wollen keine Gleichheit, wir wollen Gerechtigkeit. Lest das Buch, es öffnet euren Horizont!