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Veröffentlicht am 22.06.2025

Venezianisches Geheimnis

Venezianisches Geheimnis
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Venedig im Februar. Klirrende Kälte hält die Bewohner der Lagunenstadt in ihren Häusern. Nur wer es unbedingt muss, traut sich dick angezogen aus dem Haus.

Dies ist jedoch nicht das einzige Problem. ...

Venedig im Februar. Klirrende Kälte hält die Bewohner der Lagunenstadt in ihren Häusern. Nur wer es unbedingt muss, traut sich dick angezogen aus dem Haus.

Dies ist jedoch nicht das einzige Problem. Die Gassen von Venedig sind nicht mehr sicher. Mehrere Überfälle haben sich zugetragen, bei denen vorzugsweise ältere Menschen ausgeraubt werden.

Deshalb warnen die Stadtoberen, sich in den Abend- und Nachtstunden allein nach Draußen zu begeben. Allerdings lässt sich das oftmals nicht vermeiden. Und so wird auch die Nachbarin von Commissario Luca Brassoni, Signora Vasconi, niedergerannt. Sie kommt allerdings mit dem Schrecken und leichten Verletzungen davon. Hingegen hat eine gute Freundin von ihr, Signora Donata, eine wohlhabende, immer perfekt gekleidete Dame, die in einem der schönsten Palazzi der Stadt wohnt und stets großzügig für notleidende Tiere und Menschen spendet, nicht so viel Glück, für sie gibt es keine Hilfe mehr. Ob dies daran liegt, dass Donata ihren teuren Schmuck – Diamantohrringe und Perlenkette – offen getragen hat?

Luca ist nach seiner Elternzeit seit zwei Tagen wieder in der Questura. Noch hält sich sein Arbeitseifer in Grenzen, er hat die Zeit mit seiner drei Monate alten Tochter Valentina sehr genossen. Aber aus seinem Ansinnen, es erst einmal ruhig anzugehen, wird nichts.

Der Tod von Signora Donata wirft Fragen auf. Denn nicht nur, dass es ein Einzeltäter gewesen ist, sondern auch die Brutalität des Vorgehens verwundert. Sie ist mittels eines gezielten Messerstiches ins Herz ums Leben getötet worden. Das passt nicht zur bisherigen Vorgehensweise der Straßenräuber.

Und wäre das nicht genug, bittet Signora Vice Questore Silvia Bertuzzi ihn, vertretungsweise die Leitung der Dienststelle zu übernehmen, weil sie sich wegen einer Erkrankung einer längeren Behandlung unterziehen muss.

Bald gerät Signora Donatas Neffe Paolo Conti ins Visier der Ermittler. Der Tierarzt hat Schulden und benötigt dringend Geld, um seine marode Praxis zu sanieren. Indes hatte seine Tante mit Enterbung gedroht ...


Luca Brassoni und seine Mannschaft lösen in “Venezianische Geheimnisse” bereits ihren zehnten Fall. Erneut schafft es Daniela Gesing nicht nur, das atmosphärische Venedig als Ort der Ereignisse in ihre Geschichte einzubinden, die einen mit ihrem freundlichen Erzählton für sich einnimmt und geschickt konstruiert ist. Wie es sich für einen Krimi gehört, verfügt sie auch über entsprechende Spannungsmomente und Wendungen, die durchaus überraschen und zu einer nachvollziehbaren Lösung des Falles führen. Ein weiteres Stilmittel der Autorin sind die verwendeten italienischen Bezeichnungen, an die ich mich ein weiteres Mal gewöhnen musste. Außerdem gestattet sie auch in diesem Band wieder kurze Einblicke in die Gedanken des Mörders.

"Venezianische Geheimnisse" bietet ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Personen, mit denen mitgefühlt werden kann, weil sie sich alltäglichen Problemen in Beruf und Familie gegenübersehen und diese meistern. Die in großen Teilen sympathische Figurengruppe zeigt unterschiedliche Charakterzeichnungen mit der Möglichkeit, sich in diese hineinzuversetzen.

Hier steht die Arbeit zwar im Mittelpunkt des Geschehens, gleichwohl spielt der private Hintergrund der Figuren eine wesentliche Rolle, ohne von der eigentlichen Handlung abzulenken. Insgesamt macht die Autorin abermals deutlich, dass ein funktionierendes Team Hand in Hand miteinander und nicht gegeneinander zu Ergebnissen gelangen kann und dabei auch einzelne Aktionen von vorpreschenden Mitarbeitern wie zum Beispiel Ispettrice Barbara Valgoni akzeptiert.

Luca Brassonis zehnter Fall überzeugt mit einem ausgezeichnet entwickelten Kriminalfall, der mit Kurzweil gelesen werden kann.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Das 13. Opfer

Kohle, Stahl und Mord: Das 13. Opfer
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Seit vor vierunddreißig Jahren im Schacht Ludwig des Essener Kohlebergwerk Wilhelmshöhe bei einem Grubenunglück zwölf Kumpel verschüttet wurden, ist Werner Flemming nie das Gefühl losgeworden, in eine ...

Seit vor vierunddreißig Jahren im Schacht Ludwig des Essener Kohlebergwerk Wilhelmshöhe bei einem Grubenunglück zwölf Kumpel verschüttet wurden, ist Werner Flemming nie das Gefühl losgeworden, in eine Unterwelt voller Gefahren und Unwägbarkeiten abzutauchen. Damals – im Oktober 1988 – war er zu jenem Zeitpunkt auch unter Tage, wurde aber gerettet und ist aus dem Berg zurückgekehrt. Von dem verschütteten Dutzend hingegen fehlt jede Spur. Das hat den Bergmann geprägt.

Nun soll der alte Schacht zu einem Besucher-Bergwerk ausgebaut werden, und Werner begleitet einen jungen Elektrotechniker zur Überprüfung der Stromkabel. Doch der Berg ruht nicht. Werner droht ein Déjà-vu, nachdem es zu einem Wassereinbruch kommt und die Skelette der vermissten Bergarbeiter freigelegt werden. Außerdem hält Werner plötzlich einen weiteren Schädel in den Händen, und dieser offenbart ein Einschussloch. Opfer Nummer 13 wurde ermordet.

Damit beginnen die Ermittlungen der Essener Mordkommission. An der Spitze der Soko steht Kriminalhauptkommissarin Elin Akay, die unter anderem von Kriminaloberkommissar Holger Sieburg und der forensischen Psychiaterin Dr. Jana Fäller unterstützt wird.

Die beiden Frauen sind seit Kindertagen beste Freundinnen, ihre Väter waren ebenfalls Bergmänner, was die Kommunikation mit den Kumpel wesentlich erleichtert dürfte. Denn vermutlich ist einer von ihnen ein Mörder. Oder gibt es vielleicht die Chance, dass der Täter außerhalb dieser eingeschworenen Gemeinschaft zu finden ist?

Eventuell ist die Tat in Zusammenhang mit den unsauberen Finanzgeschäften des Opfers, der viele Bergleute um ihre Ersparnisse gebracht hat, zu sehen?

Werner Flemming, der vielleicht wesentliche Hinweise geben könnte, ist nach dem Fund erneut traumatisiert. Schon bei dem so lange zurückliegenden verheerenden Grubenunglück hatte es keinerlei psychologische Hilfe für die gerettetem Männer gegeben.

Nach und nach offenbaren sich die Geheimnisse, die nicht nur tief im Inneren des Berges verborgen sind …


Martin Conrath arbeitet in „Kohle, Stahl und Mord. Das 13. Opfer“ mit Wechseln zwischen den Zeitebenen, die sich anfänglich (noch) nicht erschließen. Das belebt aber ungemein die Lektüre und bietet auf diese Art umfangreiche Hintergrundinformationen, die wir zunächst abspeichern und im Verlauf der Handlung zur Auflösung verdichten können.

Mit einem überzeugenden Erzählton, der zu fesseln vermag, bleibt er nahe an der Wirklichkeit, reichert den Verlauf der Geschichte mit überraschenden Wendungen an. Hier erweist sich insbesondere die Beschreibungen von den Örtlichkeiten und Arbeitsmethoden sowohl über als auch unter Tage als detailreich und ebenso für Unkundige nachvollziehbar. Außerdem bindet der Autor in das Geschehen verschiedene gesellschaftliche und soziale Aspekte ein.

Die Figurenriege ist umfangreich und erhält immer wieder Zuwachs. Gleichwohl ist es möglich, den Überblick zu behalten. Die Darstellung gelingt, auf menschliche Stärken und Schwächen des Einzelnen wird vom Autorin in passender Weise eingegangen.

Die Sympathie, die Martin Conrath für seine im Mittelunkt gerückten Protagonistinnen Elin und Jana empfindet, die beide in ihrem Beruf gefordert werden, dies allerdings gern tun, ist spürbar und überträgt sich auch auf den Leser. Er nimmt sich Zeit für sie und Darstellung der Beziehungen zu ihrem Umfeld.

Die forensische Psychiatrie ist ein interessantes Gebiet der Medizin, und ich habe Jana als eine Person schätzen gelernt, die ihre Tätigkeit sehr engagiert und fokussiert ausübt. Nach den Schilderungen des Autors kann ich mir vorstellen, mit welch beeindruckender Präsenz und Selbstkontrolle sie vor Gericht auftritt. Sie ihrer Mutter nach dem Tod des Vaters noch näher gerückt.

Daneben ist auch mein Bild von Elin positiv. Mir gefallen ihre Ansätze und Ansichten im der Zusammenarbeit und das Verständnis im Umgang mit den Kollegen im Team, das bis auf eine Ausnahme funktioniert.

Martin Conrath ist beachtlicher Reihenstart gelungen, „Kohle, Stahl und Mord. Das 13. Opfer“ präsentiert sich als Lektüre mit hohem Unterhaltungswert.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Mir fällt gerade ein ...

»Mir fällt gerade ein...«
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Meine erste bewusste Erinnerung an Manfred Krug – neben den Erzählungen meiner Eltern – war die eines Märchenkönigs. Drosselbart entsprach so gar nicht dem klassischen Bild und sang dazu noch. Damit füllte ...

Meine erste bewusste Erinnerung an Manfred Krug – neben den Erzählungen meiner Eltern – war die eines Märchenkönigs. Drosselbart entsprach so gar nicht dem klassischen Bild und sang dazu noch. Damit füllte er seine Rolle des Königs, der als Spielmann das Herz der stolzen Prinzessin erweichen kann, allerdings sehr gut aus.

Singen konnte er also und schauspielern auch. In der DDR war der Stahlarbeiter, der mit seinen Auftritten als Schauspieler und Sänger bleibende Eindrücke hinterließ, beliebt und eine „kleine“ Berühmtheit, und als er 1977 ausreisen musste, ist sicher nicht nur ihm der Abschied schwergefallen.

Manfred Krug knüpfte in der Bundesrepublik an seinen Erfolg an und mit „Auf Achse“, „Liebling Kreuzberg“ und dem „Tatort“ schrieb er Fernsehgeschichte. Selbst seine Karriere als Sänger blieb nicht auf der Strecke.

Und nicht nur das. Manfred Krug war zudem ein passionierter Flohmarktbesucher und beharrlicher Sammler von Antiquitäten und Kuriositäten. Daneben ein sorgfältiger Zeitungsleser, Fernsehgucker, großartiger Tagebuchschreiber und Notierer von vielen Beobachtungen und Anmerkungen, Erkenntnissen und Weisheiten, Anekdoten und schrägen Momente, Geistesblitzen und Assoziationen.


An diesen zum Teil verblüffenden Einsichten dürfen wir teilhaben, wenn wir das Büchlein „Mir fällt gerade ein …“ zur Hand nehmen. Bemerkenswert an diesem von Lektorin Krista Maria Schädlich zusammengestellten wundersamen Sammelsurium ist die Vielfalt des Interesses von Manfred Krug.

Mit einer Neugier und Leidenschaft auf die (Um)Welt betrachtet er Menschen und Tiere, Zeitungen und Nachrichten, Fernsehsendungen, Filme und Dreharbeiten, speichert erstaunt und begeistert Wissenswertes, führt haargenaue Auflistungen von Flohmarktfunden, äußert seine unverblümten Auffassungen und Meinungen zu Politikern, Künstlern und Handwerkern und vermittelt mit diesen im Kern eventuell unwichtigen, im Inhalt indes unentbehrlichen Dingen manch verblüffende Sichten hinter die Fassade eines selbstbewussten Mannes und Menschen.

"Im Dresdener Zoo gibt es eine Riesenschildkröte 'Arnoldi', die eines der 18 letzten Exemplare ist. Das Tier, ein Männchen, stammt von den Galapagos-Inseln und ist 140 Jahre alt. Es hat damit die Hälfte seiner Lebenserwartung hinter sich und soll jetzt auf die Inseln zurückkehren, die Art retten helfen."

Seine Ergänzung findet das Büchlein durch die Radierungen des Malers und Grafikers Moritz Götze, der bereits den Krugschen Lyrikband „66 Gedichte – Was soll das?“ illustriert hat.

Das Sammelsurium, dieses amüsante und liebenswürdige Durcheinander, ermöglicht es, dem Menschen Krug nahe zu kommen und seine Begeisterung für Absurditäten und das Ausgefallene sowie seinen speziellen nachdenklichen Blick auf das Leben in zwei deutschen Staaten und die Welt kennenzulernen, auch wenn vielleicht der Hintergrund der ein oder anderen Anmerkung verborgen bleiben wird.

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Starck und der erste Tag

STARCK und der erste Tag
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„Er hatte überlebt. Doch sein Leben war das Einzige, was ihm geblieben war. Alles andere hatten sie ihm genommen.“

Andreas Starck steht vor den Scherben seines Glücks, als er aus der Haft entlassen wird. ...

„Er hatte überlebt. Doch sein Leben war das Einzige, was ihm geblieben war. Alles andere hatten sie ihm genommen.“

Andreas Starck steht vor den Scherben seines Glücks, als er aus der Haft entlassen wird. Fünf Jahre hat der ehemalige Oberstaatsanwalt als Wirtschaftsstraftäter unschuldig im Gefängnis gesessen. Alles ist ihm genommen worden. Seine Frau. Seine Tochter. Sein Ruf und seine Karriere. Ganz offiziell und vor Gericht.

Jetzt kennt er als Erstes nur ein Ziel: Er möchte wieder mit seiner Tochter Greta, die er zuletzt als Zweijährige gesehen hat, zusammen eine Familie sein. Allerdings ist das gar nicht so einfach. Denn das Mädchen lebt nicht wie er bislang glaubte in einer Pflegefamilie, sondern ist adoptiert worden, ohne dass er als Vater seine Einwilligung gegeben hat. Starck wird klar, dass er rechtlich gesehen keine Möglichkeiten besitzt, sein Kind zu erreichen. Also muss er sich anderer Mittel bedienen.

Darüber hinaus treibt ihn an, seine Rehabilitation zu erreichen, die offensichtlichen Ungereimtheiten aufzuklären und diejenigen zu finden, die für seine Verurteilung verantwortlich sind. Er will die wahren Täter zur Strecke bringen und auch die Mörder seiner geliebten Frau Daniela der gerechten Strafe zuführen.

Sein Freund Duncan, den er während der Haft kennengelernt hat, unterstützt ihn und stellt ihm Meisterdiebin Vanessa an die Seite.

Kann Starck auch auf die Hilfe von Jan-Hendrik Steinbeck bauen? Der Kriminalhauptkommissar ist während seiner Dienstzeit als Staatsanwalt nicht unbedingt sein Freund gewesen, gehört aber zu den aufrichtigen Menschen, die einen guten Job machen und denen Starck vertrauen könnte ...


Mit „Starck und der erste Tag“ startet Christian Jaschinski seine Reihe um den ehemaligen Staatsanwalt Andreas Starck, der – und das liegt deutlich auf der Hand – Opfer eines diffizilen Komplotts geworden ist und sich nach dem Absitzen seiner Strafe weiterhin einem Netz aus Falschaussagen und Lügen, Intrigen und Verschwörung, Drohung und Bestechung, Mord und dunklen Machenschaften gegenübersieht. Nicht zuletzt gilt es jede Menge Geheimnisse zu lösen, die bis in die eigene Familie reichen.

Christian Jaschinski zieht einen beim Lesen sofort in den Bann. Zwar ist seine Erzählweise eher ruhig, jedoch kurze Kapitel, schnelle Schnitte und eine zunehmende Intensität treiben die durchdachte Handlung voran und bieten einen hohen Unterhaltswert.

Bis auf wenige Wiederholungen in den Gedankengängen ist das Geschehen um Andreas Starck, auf dessen Seite die Leserschaft von Anfang an steht, facettenreich und mit einer stetigen anspruchsvollen Spannungsdramatik ausgestattet.

Dass der Autor zumindest das geltende (Familien)Recht beugt, sei ihm verziehen, weil dies verständlicherweise für seinen Plot entscheidend ist. (Dies fällt insofern wahrscheinlich nur denjenigen mit entsprechender Kenntnis auf.)

Vom Autor werden viele Spuren gelegt, die ein intensives Mitdenken (er)fordern und uns fesseln, so dass wir gemeinsam mit seinem Protagonisten Andreas Starck den Hinweisen folgen und bei den einzelnen Lösungsschritten einbezogen werden.

Hervorzuheben ist zudem, dass Christian Jaschinski seine Figuren abwechslungsreich gestaltet hat.

Neben seinem Helden, der in sich einen analytischen Verstand und Emotionalität gleichermaßen vereint, agieren Personen unterschiedlichen Charakters. Hier treten ein paar typengerecht nah an Wirklichkeit und Umfeld entworfene Individuen auf. Daneben gibt es jene integeren ehrlichen Menschen mit Zuwendung und Zuverlässigkeit sowie jene, die sich im Zwielicht befinden und (noch) nicht durchschaubar sind, insbesondere auf welcher Seite sie stehen.

„Starck und der erste Tag“ ist der beachtenswerte Start einer Thriller-Trilogie, deren Fortsetzung ich mit großen Erwartungen entgegensehe.

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Ihr letzter Tanz

Ihr letzter Tanz
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„Irgendetwas stimmt nicht mit Jakob.“

Nach dieser Feststellung bittet Kerstin Dieckmann Privatdetektiv Mike Müller darum, ihren Ehemann zu beschatten.

Das bringt diesen jedoch in arge Bedrängnis, ja ...

„Irgendetwas stimmt nicht mit Jakob.“

Nach dieser Feststellung bittet Kerstin Dieckmann Privatdetektiv Mike Müller darum, ihren Ehemann zu beschatten.

Das bringt diesen jedoch in arge Bedrängnis, ja in ein echtes Dilemma. Denn Jakob Dieckmann ist einer seiner besten Freunde.

Außerdem arbeitet Mike momentan unter anderem an einem Altlastfall. Er soll eine undichte Stelle oder sollte man sagen Quelle im Bochumer Schauspielhaus finden, die freudig vor sich hinsprudelt und die Lokalpresse mit Interna der Spielstätte versorgt.

Nun, Mike wäre nicht Mike, und so lässt sich der Ermittler überreden, bevor jemand Fremder den Job übernimmt. Prompt gerät er selbst in den Schlamassel, als er Jakob dabei beobachtet, wie dieser wie von der Tarantel gestochen aus einem Haus rennt, er selbst in das Gebäude geht und eine Tote in einem plüschrosapinken Kingsize-Bett entdeckt.

Hiernach rekapituliert Mike: Einer seiner besten Freunde ist möglicherweise gerade zum Mörder geworden, und er hat ihn zum Tatort begleitet und ist deshalb ein wichtiger Zeuge. Die Schlussfolgerung wäre, die Polizei zu rufen, alles zuzugeben und Jakob ans Messer zu liefern. Oder aber nach einer Erklärung zu suchen für den Fall, dass Jakob unschuldig ist, zumindest was diese eine Sache betrifft.

Eines lässt sich nämlich unschwer leugnen: Die junge Frau ist tot, und irgendwer hat sie umgebracht.


Arne Dessaul bleibt auch in „Ihr letzter Tanz“ seinem gewohnten Aufbau seiner Bochum-Krimi-Reihe um Mike Müller treu.

So erfahren wir wieder aus erster Hand von den Ereignissen, die den Privatdetektiv unmittelbar betreffen, wenn er sie persönlich berichtet. Daneben erleben wir Perspektivwechsel in den Handlungsbereich von Jakob, sowohl mit Sequenzen in die Vergangenheit und die Gegenwart.

Der Autor widmet sich einem aktuellem Thema, den sogenannten „Venusfallen“, und gemeinsam mit Mike kommen wir dem Geschehen auf die Spur. Der gesamte Ablauf ist von Arne Dessaul äußerst geschickt, klug und mit Logik erdacht, so dass wir die losen Fäden erst nach und nach verknüpfen können, wie es sich für einen Krimi gehört. Zwar geht dies in der Hauptsache eher ruhig vonstatten, ist aber auch mit verschiedenen Spannungsszenen versehen, so dass keine Langeweile aufkommt.

Die Erzählweise präsentiert sich in einem lockeren Aufbau, in dem maßvoll Humor eingesetzt wird, so dass dies zur angenehmen und kurzweiligen Lektüre beiträgt.

„Ihr letzter Tanz“ verfügt über ein gut komponiertes Handlungsschema, dessen einzelne Kapitel wieder musikalisch eingeleitet werden (auch hier gibt es ein umfangreiches Playlist-Glossar), in dem die Stadt Bochum ihr gebührendes Augenmerk erhält.

Mike Müller und seine Freunde, vor allem seine Lebensgefährtin Alice, habe ich ins Herz geschlossen. Sie werden mit Sympathie und ihren Eigenheiten sowie kleinen Macken charakterisiert und dürfen auch einmal unvorhergesehen reagieren. Beispielsweise panisch, wenn sie sich eine Leiche und dann ermittelnden Kriminalpolizisten – namentlich Henning Schmitt und Rojin Yildiray – gegenübersehen. Von deren Seite hätte ich mir allerdings etwas weniger klischeehaftes Verhalten gewünscht.

Unabhängig davon bin gerne erneut nach Bochum gereist und freue mich schon auf ein neues Erlebnis im Ruhrgebiet.

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