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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.12.2024

Als würde man einen David Lynch Film lesen.

Weiße Nacht
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Habt ihr schon mal versucht, den Inhalt eines David Lynch Films einer anderen Person zu schildern? Falls ja, könnt ihr euch vorstellen, welche Probleme es macht, den vorliegenden Roman von Bae Suah inhaltlich ...

Habt ihr schon mal versucht, den Inhalt eines David Lynch Films einer anderen Person zu schildern? Falls ja, könnt ihr euch vorstellen, welche Probleme es macht, den vorliegenden Roman von Bae Suah inhaltlich zusammenzufassen. Sagen wir es so: Es kommt eine ehemalige Schauspielerin, ein Hörtheaterdirektor und ein Dichter darin vor. Es ist Nacht und die Wege Seouls, in dem der "Plot" verortet ist, scheinen mit Oxymoron-Steinen gepflastert zu sein. Wenn ihr jetzt nur Bahnhof verstanden habt, dann geht es euch wie mir mit diesem Buch.

Auf außerordentlich surreale Weise ist "Weiße Nacht" ein einziger Fiebertraum. Dabei erscheinen die Szenen, Begegnungen, Eindrücke durchweg frei assoziiert worden zu sein und im schlimmsten Fall ufern Dialoge in ein zusammenhangsloses Geschwafel aus. Ich suche jetzt mal die Schuld bei mir und muss mir wohl eingestehen, dass ich bisher keine eher anspruchsvolle Literatur gelesen, sondern nur Easy Reads geschmökert habe und zu unintelligent bin, um dieses Buch zu verstehen. Und ganz ehrlich: So erging es mir bisher immer, wenn ich versuchte einen David Lynch Film nicht nur zu sehen, sondern auch zu verstehen. Es scheint ja Menschen zu geben, die David Lynchs Filme mögen. Diesen Personen wird auch dieser Roman sehr gut gefallen. Ich gehöre leider nicht dazu und kann diesen - außer an die oben genannte Personengruppe - auch gar nicht weiterempfehlen. Obwohl die Autorin durchaus sehr gut schreiben kann! Obwohl mich das Cover magisch anzieht! Trotzdem hat mir dieses Buch in dieser Form überhaupt nicht zugesagt.

So bleibt mir abschließend nur zu sagen: "Silencio. Silencio".

Veröffentlicht am 24.12.2024

Lieber einen lauen Sommerabend genießen als diese laue Lektüre hier.

Zikadensommer
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Mira reist mit ihren 40 Jahren nach dem Tod der Eltern wieder zurück aus den USA in ihre Geburtsstadt Athen. Dort trifft sie alte Bekannte wie auch ihren neuen Nachbarn, „der Kapitän“. Die Handlung erstreckt ...

Mira reist mit ihren 40 Jahren nach dem Tod der Eltern wieder zurück aus den USA in ihre Geburtsstadt Athen. Dort trifft sie alte Bekannte wie auch ihren neuen Nachbarn, „der Kapitän“. Die Handlung erstreckt sich über einen Sommer hinweg und schildert aus den Perspektiven von Mira und dem Kapitän erzählt die Geschehnisse.

Die Handlung plätschert dabei leider durchweg zusammenhangslos vor sich her und ich fühle mich als Leserin nicht mitgenommen auf die Reise von Mira nach Athen. Der Plot und die Hintergrundgeschichten der Protagonisten erscheinen mir einfach sehr zusammengewürfelt bis wirr. Alles ist verschwommen, nichts greifbar. Als ich dann auf Seite 50 folgende Aussage von einer Freundin Miras (zwar in einem anderen Zusammenhang) las, fragt ich mich, ob dies das Kredo des Romans sein soll: "Die Leute fühlen sich unbehaglich, wenn sie einen nicht festnageln können. Uneindeutigkeit macht sie nervös." Nur bleibt das gesamte Buch einfach uneindeutig und das macht es nicht nur unbehaglich für mich sondern auch nervig. Ich werde nervös, weil ich es am liebsten abbrechen würde. Es gibt keinen roten Faden. Dialoge kommen aus dem Nichts und führen nirgendwo hin. Alles ist nur kurz angedeutet. Mir fehlen komplett die Hintergrundgeschichten zu den (Neben-)Figuren, die in einer Vielzahl auftreten und sich alle irgendwie gegenseitig per Zufall zu kennen scheinen. Die Autorin schafft es nicht die Protagonisten so zu beschreiben, dass sie irgendeine Art von Emotion oder gar Empathie bei mir auslösen könnten.

Auch ist der Schreibstil und/oder die Übersetzung des Romans nicht sonderlich hochwertig. Es liest sich holprig und hat inhaltliche wie auch sprachliche Unstimmigkeiten. Der englische Originaltitel des Buches ist "Scorpionfish", was bezogen auf den Inhalt des Romans noch ein kleines bisschen Sinn ergeben hätte. Warum sich dann der Verlag beim deutschen Titel für das sinnlich-romantisch klingende "Zikadensommer" entschieden hat, bleibt mir bis auf die kurze Erwähnung, dass die Protagonisten die Zikaden irgendwann mal zirpen gehört haben, weiterhin schleierhaft.

Das Buch hat für mich keinerlei Aussagekraft. Es sind lediglich nicht sonderlich gut erzählte Momentaufnahmen eines Sommers in Athen und "der Insel", die geheimnisvoll "N." genannt wird, wahrscheinlich aber einfach nur Naxos ist. Ein roter Faden fehlt mir bis zum Schluss. Leider gefällt mir dieses Buch von hinten bis vorne nicht. Das Cover mit Marmoreffekt, der deutsche Titel, der Schreibstil, der "Plot", die Figuren. Alles mittelmäßig bis schlecht. Tut mir leid, da kann ich den Reiz des Buches leider nicht mehr erkennen und kann es demnach auch nicht für eine Lektüre weiterempfehlen. Genießt lieber einen lauen Sommerabend auf dem Balkon mit einem anderen Buch als diesem.

P.S. Ich finde es übrigens bezeichnend, wenn ein Verlag seiner eigenen Buchveröffentlichung bei LB erst einmal eine Fünf-Sterne-Berwertung beschert... Das ist in etwa so, als wenn man in der Schule früher unter seine Klassenarbeiten erst einmal standardmäßig eine Eins gesetzt hätte, um den Durchschnitt nach oben zu ziehen.

Veröffentlicht am 25.07.2025

"Ach du grüne Neune!"

Breakthrough
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Wenn ein Antarktis-Wissenschaftler, der gerade nach einem massiven Erdbeben mit Eisschollenabbruch mit seinem Schneemobil fast in einen Abgrund gerauscht wäre, als Ausruf des Erstaunens "Ach du grüne Neune!" ...

Wenn ein Antarktis-Wissenschaftler, der gerade nach einem massiven Erdbeben mit Eisschollenabbruch mit seinem Schneemobil fast in einen Abgrund gerauscht wäre, als Ausruf des Erstaunens "Ach du grüne Neune!" ruft, sollte man das Buch, indem dieser Mist steht, sofort abbrechen...

...Ich hab es nicht getan. Aber nach 160 Seiten konnte selbst die zwanghafte Eigenschaft ein Buch, was man einmal angefangen hat, auch zuende zu lesen, mich nicht mehr davon abhalten, diesen Stuss aus der Hand zu legen.

Um nicht noch unnötig mehr Lebenszeit darauf zu verwenden hier kurz zur Warnung an alle potentiell Interessierten:

- an den Haaren herbeigezogener Plot

- mit holzschnittartigen Figuren, die jedes erdenkliche Action-Blockbuster-Klischee erfüllen (inkl. sexy Wissenschaftlerin, die den Ex-Navy-Seal gleich ins Herz schließt)

- ein Text ohne sprachliches Niveau

- eine Übersetzung mit haarsträubenden Formulierungen (verschiedene Figuren [Wissenschaftler*innen sowie Militärs] nutzen wiederholt dieselben altbackenen Floskeln des Erstaunens, Best-of: "Gütiger Himmel!", "Heiliger Bimbam!" und ja, auch "Ach du grüne Neune!")

Für Tipps, wie man hier einem Buch jegliche Sterne aberkennen kann, bitte eine PN an mich. Ach ja, und ein großes "Sorry" an alle Bücher, die ich hier je mit nur zwei Sternen abgespeist habe. Sie waren Lichtjahre von diesem Schrott entfernt. ;)

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