Perfekt recherchiert und ein ernstes Thema spannend umgesetzt
Die Schwestern von KrakauAdi, 84 Jahre alt, ist zutiefst betrübt. Ihr Wintergarten wurde beim letzten Unwetter in Paris zerstört. Von seiner Pracht ist nichts mehr zu sehen. Weder Vorbau noch Pflanzen haben überlebt. Wie gut, ...
Adi, 84 Jahre alt, ist zutiefst betrübt. Ihr Wintergarten wurde beim letzten Unwetter in Paris zerstört. Von seiner Pracht ist nichts mehr zu sehen. Weder Vorbau noch Pflanzen haben überlebt. Wie gut, dass Nichte Edith aus Deutschland ihr zur Seite steht. Nein, nicht nur als moralische Unterstützung. Sie ist Architektin und kennt sich mit der Materie bestens aus. Ihr Vater starb vor wenigen Wochen und hatte seine Wohnung direkt über seiner Schwester Adi. Edith nimmt sich endlich ein Herz und schafft den Gang ins verwaiste Heim des Vaters. Dort findet sie eine Wand mit den Zeugen einer Recherche, die der Mann vor seinem Tod mit Nachdruck betrieb. Edith ist sprachlos. Das Leben ihres Vaters scheint völlig anders zu sein, als sie es bisher kannte.
Die Bücher der Autorin glänzen durch umfangreiche Recherchen und aus dem Grund mag ich sie sehr. In „Die Schwestern von Krakau“ geht es um das Krakauer Ghetto und den mutigen Männern und Frauen, die damals im Widerstand kämpften. Lilo ist eine der Hauptpersonen und Großmutter von Tatjana. Dass sie eine Verwandte Erikas ist, wird erst nach einigen Recherchen klar. Auf welche Weise das Schicksal sie zusammenführte, ist spannend und zugleich schmerzlich.
Das Krakauer Ghetto kannte ich bisher nicht. Auch von der Apotheke des Tadeusz Pankiewicz las ich bislang nichts. Es gibt so viele mutige Männer und Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben aufs Spiel setzten. Und das „nur“, um jüdischen Mitbürgern zu helfen. Ja, sie vor Deportation, Misshandlung und Mord zu bewahren. Wie gut, dass diese Helden des Alltags endlich ihr Schweigen brachen und von ihren Erlebnissen berichteten.
Für mich ist es kaum auszuhalten, auf welche Weise die Deutschen in Polen ihr Unwesen trieben. Das Buch berührte mich sehr und ich danke der Autorin für ihre ausgedehnten Recherchen. Ihre Romane sind gerade in der heutigen Zeit so wichtig. Wir alle sind gefragt, wenn es um den Kampf für Demokratie geht. Niemals dürfen Parteien regieren, die sich für Remigration und/oder Ausgrenzung von Minderheiten aussprechen. Unbedingt lesen!