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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2025

Perfekt recherchiert und ein ernstes Thema spannend umgesetzt

Die Schwestern von Krakau
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Adi, 84 Jahre alt, ist zutiefst betrübt. Ihr Wintergarten wurde beim letzten Unwetter in Paris zerstört. Von seiner Pracht ist nichts mehr zu sehen. Weder Vorbau noch Pflanzen haben überlebt. Wie gut, ...

Adi, 84 Jahre alt, ist zutiefst betrübt. Ihr Wintergarten wurde beim letzten Unwetter in Paris zerstört. Von seiner Pracht ist nichts mehr zu sehen. Weder Vorbau noch Pflanzen haben überlebt. Wie gut, dass Nichte Edith aus Deutschland ihr zur Seite steht. Nein, nicht nur als moralische Unterstützung. Sie ist Architektin und kennt sich mit der Materie bestens aus. Ihr Vater starb vor wenigen Wochen und hatte seine Wohnung direkt über seiner Schwester Adi. Edith nimmt sich endlich ein Herz und schafft den Gang ins verwaiste Heim des Vaters. Dort findet sie eine Wand mit den Zeugen einer Recherche, die der Mann vor seinem Tod mit Nachdruck betrieb. Edith ist sprachlos. Das Leben ihres Vaters scheint völlig anders zu sein, als sie es bisher kannte.

Die Bücher der Autorin glänzen durch umfangreiche Recherchen und aus dem Grund mag ich sie sehr. In „Die Schwestern von Krakau“ geht es um das Krakauer Ghetto und den mutigen Männern und Frauen, die damals im Widerstand kämpften. Lilo ist eine der Hauptpersonen und Großmutter von Tatjana. Dass sie eine Verwandte Erikas ist, wird erst nach einigen Recherchen klar. Auf welche Weise das Schicksal sie zusammenführte, ist spannend und zugleich schmerzlich.

Das Krakauer Ghetto kannte ich bisher nicht. Auch von der Apotheke des Tadeusz Pankiewicz las ich bislang nichts. Es gibt so viele mutige Männer und Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben aufs Spiel setzten. Und das „nur“, um jüdischen Mitbürgern zu helfen. Ja, sie vor Deportation, Misshandlung und Mord zu bewahren. Wie gut, dass diese Helden des Alltags endlich ihr Schweigen brachen und von ihren Erlebnissen berichteten.

Für mich ist es kaum auszuhalten, auf welche Weise die Deutschen in Polen ihr Unwesen trieben. Das Buch berührte mich sehr und ich danke der Autorin für ihre ausgedehnten Recherchen. Ihre Romane sind gerade in der heutigen Zeit so wichtig. Wir alle sind gefragt, wenn es um den Kampf für Demokratie geht. Niemals dürfen Parteien regieren, die sich für Remigration und/oder Ausgrenzung von Minderheiten aussprechen. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Wow, ein perfekter Thriller

The Twenty
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Es gibt nur wenige Thriller, die für mich tatsächlich auch ihrer Bezeichnung gerecht werden. Das hat nichts mit der Menge an Blut oder der Zahl an Opfern zu tun. Es ist diese subtile Spannung, die ich ...

Es gibt nur wenige Thriller, die für mich tatsächlich auch ihrer Bezeichnung gerecht werden. Das hat nichts mit der Menge an Blut oder der Zahl an Opfern zu tun. Es ist diese subtile Spannung, die ich bei vielen Thrillern leider vermisse. Zudem sollten die Fälle auch nicht völlig absurd daherkommen. Der Prolog von „The Twenty“ ist heftig. Äußerst blutig und mit detaillierten Beschreibungen der Leichen. Sie liegen verborgen im Müll und der Ermittler Adam Bishop wird sich nie an den Anblick gewöhnen. Sein Kollege Jamie hat es noch viel schwerer. Obwohl bereits 15 Jahre dabei, wird er immer wieder von seinen Gefühlen übermannt. Er weint, wenn er Angehörigen von Opfern die traurige Nachricht überbringen muss.

Die Erzählung wechselt zwischen den heutigen Opfern und Erlebnissen des Täters, die wohl viele Jahre zurück liegen. Brutal sind alle Schilderungen, sowohl gegenwärtige als auch vergangene. Die Spannung ist gleichbleibend hoch und wenn Leser denken, dass der Täter endlich gefunden wurde, ergibt sich rasch ein neuer Aspekt und die eigentlich klaren Ergebnisse sind hinfällig. Zu keinem Augenblick war mir klar, wer der Täter sein könnte. Bis zum Schluss musste ich auf die Lösung warten und das ist selten. Also, wer gute Thriller mag, der wird sich mit diesem Buch bestens unterhalten können. Klare Empfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Nicht immer ernst zu nehmen

Wir finden Mörder (We Solve Murders-Serie 1)
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Steeve Wheeler ist der Überzeugung, dass er seinen Ruhestand genießt. Dass dem nicht so ist erfährt er, als ihn seine Schwiegertochter um Hilfe bittet. Endlich hat sein Leben wieder einen Sinn und er muss ...

Steeve Wheeler ist der Überzeugung, dass er seinen Ruhestand genießt. Dass dem nicht so ist erfährt er, als ihn seine Schwiegertochter um Hilfe bittet. Endlich hat sein Leben wieder einen Sinn und er muss nicht mit Spaziergängen und Besuchen im Pub seinen Alltag verbringen. Er war ein exzellenter Ermittler und dass er plötzlich aufs „Abstellgleis“ verbannt wurde, schmerzt ihn sehr.

"Wir finden Mörder We solve Murders Serie1" glänzt nicht nur mit solider Spannung. Auch der Humor bei den zahlreichen Dialogen machen das Hörbuch unterhaltsam. Die Ereignisse überschlagen sich immer mal wieder und ja, so wirklich realistisch erscheinen sie mir dann doch nicht. Ich hörte den beiden Sprechern aber sehr gerne zu. Sie sind perfekt und geben dem Hörbuch den nötigen Touch.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Welch ein beeindruckendes Buch

Die Frauen jenseits des Flusses
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Nein, das hätte ich nicht gedacht. Dass ich in den letzten Stunden des Jahres 2024 noch in den Genuss eines Highlights komme. "Die Frauen jenseits des Flusses" gehört zu den Höhepunkten meiner gelesenen ...

Nein, das hätte ich nicht gedacht. Dass ich in den letzten Stunden des Jahres 2024 noch in den Genuss eines Highlights komme. "Die Frauen jenseits des Flusses" gehört zu den Höhepunkten meiner gelesenen Bücher im vergangenen Jahr. Die junge Krankenschwester Francine möchte ihrem Vater imponieren und meldet sich freiwillig zum Einsatz in Vietnam. Ein Grund für ihr Vorhaben ist ebenfalls, dass sich auch ihr Bruder als Freiwilliger meldete. „Alles für das Vaterland“, so war das Motto etlicher Soldaten und viele Krankenschwerstern schlossen sich an.

Was für ein Buch. Es hat mich so sehr gefangen genommen, dass ich um mich herum alles vergaß. Es gab nur wenige Krankenschwestern in Vietnam und die dort eingesetzten mussten weit über ihre Kräfte arbeiten. Die Autorin schreibt so aktiv über die Erlebnisse von Soldaten und medizinischem Personal, für mich unglaublich. Als der Krieg tobte war ich zu jung, um Notiz von den Geschehnissen zu nehmen. Das gilt sowohl für die Kämpfe als auch die Demonstrationen gegen den Krieg.

Wie hart ist der Weg, wenn sich Frauen und Männer als „Kriegsheimkehrer“ wieder in die Gesellschaft integrieren möchte. Sie stoßen nur ganz selten auf Verständnis für ihre Traumata. Fatal war damals, dass Vereine, die sich für Veteranen einsetzten nicht anerkannten, dass auch die Frauen einer Traumabehandlung bedurften. Den Begriff „Posttraumatische Belastungsstörung“ gab es noch nicht und die Schwierigkeiten wurden leider häufig als Bagatellen angesehen.

Kristin Hannah schuf einen Roman, der nicht nur berührt. Er zeigt in eindringlicher Weise, mit welchen Schwierigkeiten Veteranen zu kämpfen haben. Leider war der Vietnamkrieg nicht die letzte Auseinandersetzung. Sogar in Europa gibt es Krieg und die Diskussionen um Waffenlieferungen erhitzen die Gemüter. Von denen, die daheim im warmen Zimmer auf ihren Sofas sitzen und sich kaum in das Leben der Kämpfenden hineinversetzen können. Das Buch ist zwar als Roman tituliert. Die vielen Fakten und eine umfassende Recherche der Autorin bringen mich zur Überzeugung, dass es eine Mischung aus Sachbuch und Roman ist.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

2 Mal 35 Jahre

Freiheit
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Das Buch "Freiheit" beginnt mit einer Schilderung. Einer Schilderung des 09.11.1989, als die Grenzen zwischen Ost- und Westberlin geöffnet wurden. Dann geht es chronologisch weiter. Ihre ersten Jahre in ...

Das Buch "Freiheit" beginnt mit einer Schilderung. Einer Schilderung des 09.11.1989, als die Grenzen zwischen Ost- und Westberlin geöffnet wurden. Dann geht es chronologisch weiter. Ihre ersten Jahre in Hamburg, der Umzug ihrer Eltern nach Ostdeutschland und ihre Jugend in der Diktatur. Zunächst gab es noch keine Mauer. Die kam dann am 13. August 1961 und für die Familie brach eine Welt zusammen. Das kann nur jemand nachempfinden, der es selbst erlebte.

Ihre Kindheit und Jugend verlebte Frau Merkel in Ostdeutschland. Hier absolvierte sie auch ihr Studium und erst nach dem Mauerfall begann ihr politisches Engagement. Sie berichtet von Detlev Karsten Rohwedder, der als Präsident der Treuhandanstalt von einem Heckenschützen ermordet wurde. In seinem eigenen Zuhause, von der Gruppe der RAF. Warum es geschah weiß bis heute kein Mensch.

Auch wenn der Mauerfall zunächst nur freudig begrüßt wurde. Es kam das Erwachen und das dauerte nicht lange. Hohe Arbeitslosenzahlen, da keine Arbeitsplätze vorhanden waren und Immobilien, die verschleudert wurden. Nein, so hatten sich die Menschen in der DDR die Wiedervereinigung nicht vorgestellt. Unzufriedenheit breitete sich aus.

Das Buch besteht aus drei Kapiteln. Hier werden jeweils vier Jahre ihrer Kanzlerschaft näher betrachtet. Wie es leider üblich ist, wurde sie als Politikerin heftig kritisiert. Vor allen Dingen im Jahr 2015, als sie die Grenzen für Geflüchtete öffnen lies. Mir zeigt es aber, dass sie ein empathischer Mensch geblieben ist und das Grundgesetz ernst nimmt.

Zwei Jahre gemeinsamer Arbeit mit ihrer engsten Vertrauten Beate Baumann dauerte das Schreiben an dieser Biographie. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt und Frau Merkel lässt zu, dass Leser sie ganz privat erleben dürfen. Nein, ich war nie ein großer Fan von ihr und werde auch diese Partei nicht wählen. Aber ich sehe in ihr eine empathische Frau, die viel Kritik einstecken musste. Und das bis heute. Sie hat aber ihr Herz am rechten Fleck und setzte sich gekonnt gegen ihre Widersacher durch.

Ja, nach dem Lesen des Buches habe ich Achtung vor dieser Frau. Im Epilog schreibt sie, was das Wort Freiheit für sie bedeutet. Auch das ist für mich nachvollziehbar. Die Fotos im Anhang schaute ich mir gerne an. Auch sie zeugen von der ganz privaten Angela. Ich hoffe und wünsche, dass sie noch etliche Jahre mit ihrem Mann erleben kann.

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