Spannend und romantisch - doch leider auch mit Flauten
A Dark and Drowning TideMein erstes Buch von Allison Saft und ich wurde definitiv nicht enttäuscht, doch komplett überzeugen konnte es mich leider auch nicht.
Der Schreibstil war recht eingängig und nicht zu komplex, dafür ...
Mein erstes Buch von Allison Saft und ich wurde definitiv nicht enttäuscht, doch komplett überzeugen konnte es mich leider auch nicht.
Der Schreibstil war recht eingängig und nicht zu komplex, dafür wurden zwischendurch immer mal wieder Märchen und Sagen der fiktiven Buchwelt miteingeflochten, die hier und da den Lesefluss etwas unterbrochen haben.
Handlungstechnisch war es einerseits großartig: die Reise zum Ursprung und die Ermordung Zieglers. Man hat sich ständig gefragt, wer es gewesen sein könnte, da alle Charaktere sehr undurchschaubar waren und packend waren auch die Abenteuer, die sie auf dieser Reise bewältigen mussten. Manchmal habe ich komplett vergessen, dass ich lese und mich in dieser detaillierten, bedrohlichen, mystischen Welt wiedergefunden, in der hinter jeder Ecke eine Gefahr lauern kann, doch manchmal gab es auch Momente, die sich leider sehr gezogen haben und wo dann leider der Funke gefehlt hat.
Auch das Magiesystem, die Rolle von Wasser im Buch und die vielen verschiedenen Wesen, die wir kennengelernt haben, waren super faszinierend. Manchmal hat man ein wenig gebraucht, um alles zu verstehen und vieles wurde auch gar nicht allzu genau erklärt, doch das hat eben auch dieses Mysteriöse an der ganzen Sache ausgemacht.
Was die Charaktere anging, so sind sie alle wirklich interessant, doch es wird kein wirklich großer Wert darauf gelegt, dass man sie auch mag. Man fiebert automatisch mit allen mit, doch sie zu mögen ist schwer, da sie recht undurchschaubar bleiben. Emotional wird auch nicht allzu tief in die Psyche der Charaktere eingestiegen, doch grade das, dass jeder plötzlich anders handeln könnte als man denkt, weil man eben kein genaues Muster kennt, ist das Spannende an dieser Geschichte.
Wen ich noch am meisten von allen gemocht habe, ist aber definitiv Sylvia. Sie ist eine der beiden Protagonistinnen, freundlich und herzlich gegenüber allen Wesen und Menschen und sie versucht immer das Gute in allen zu sehen, obwohl auch sie es faustdick hinter den Ohren hat.
Die zweite Protagonistin, Lorelei, war mir nicht wirklich sympathisch und ich bin auch das komplette Buch leider nicht warm mit ihr geworden. Sie hat in der Vergangenheit viel durchmachen müssen aber ihr Verhalten gegenüber anderen, das sie an den Tag legt, wird dadurch leider nicht gerechtfertigt. Mit ihr hatte ich also leider ein paar Probleme, trotzdem fand ich sie faszinierend in ihrer charakterlichen Dunkelheit und Härte, ganz im Gegensatz zu Sylvias Licht und Sanftheit.
Die anderen Charaktere, Ludwig, Heike, Adelheid und Johann waren ebenfalls interessant und ebenfalls schwer zu durchschauen, was vor allem großartig bezüglich der Aufklärung des Mordes war. Es hätte im Prinzip jeder sein können, weil sich Motive gewandelt haben und man bis zum Schluss aus den gesammelten Hinweisen nicht hätte herausfiltern können, wer wem schaden wollte.
Die Romance kommt neben der Spannung auch nicht zu kurz. Sylvias und Loreleis Geschichte ist die Definition von slow burn, enemies to lovers und Gegensätze ziehen sich an. Es gibt wirklich gute Szenen, bei denen ich definitiv mitgefühlt habe, doch da ich kein großer Lorelei-Fan bin, fand ich es auch manchmal schwierig einen Zugang zur Beziehung der beiden zu finden. Und wer sich fragt, ob es hier auch spicy wird? Tatsächlich schon, was ich zu Beginn nicht ganz erwartet hätte.
Insgesamt ist es ein gelungenes Fantasybuch mit faszinierendem, detailliertem Worldbuilding, tollem Magiesystem und magischen Wesen, faszinierenden Charakteren, die man vielleicht nicht mag, aber mit denen man mitfiebert und einer großartigen Handlung voller Intrigen, Romance und packender Spannung.