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Veröffentlicht am 15.01.2025

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Fünf Winter
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Im Jahr 1941 Detective Joe McGrady ist von der Army ans Honolulu Police Department gewechselt. Als ein Mord gemeldet wird, will sein Chef ihm diesen Fall eigentlich nicht zuteilen. Doch nachdem McGrady ...

Im Jahr 1941 Detective Joe McGrady ist von der Army ans Honolulu Police Department gewechselt. Als ein Mord gemeldet wird, will sein Chef ihm diesen Fall eigentlich nicht zuteilen. Doch nachdem McGrady bei der ersten Ansicht des Tatorts von einem der vermeintlichen Täter überrascht wird und diesen erschießt, sieht sich Chief Beamer genötigt, mit McGrady der Obduktion beizuwohnen.. Der Fall entwickelt eine außerordentliche Brisanz als sich die Identität eines der Opfer herausstellt und McGrady von höherer Stelle aufgefordert wird, den Fall zu übernehmen. Beamer ist davon nicht begeistert. Dafür teilt er McGrady Officer Ball als Partner zu. Dessen Methoden werden von McGrady nicht gut geheißen.

Bei diesem historischen Kriminalroman handelt es sich wohl um einen Einzelband. Joe McGrady ist ein gewissenhafter Ermittler, womit er bei seinen Kollegen nicht immer gut ankommt. Doch die Morde machen das ganze Dezernat sehr betroffen, so grausam wurden die Opfer misshandelt. Es gestaltet sich schwierig, etwas über die Hintergründe der Tat herauszufinden. Zwar hatte einer der Toten gewisse Verbindungen, aber keine, die ein Motiv erklären würden. Bei dem anderen Opfer ist eine Identifikation schwierig. Schließlich führt eine Spur nach Hong Kong. McGrady hätte es sich nicht träumen lassen, dass er sich mal auf dem Weg nach Asien befinden würde.

Dieser Kriminalroman hat eine wirklich spannende Geschichte im Gepäck. Er beginnt vor dem Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg. Und weil der Ermittler trotz aller Probleme nicht locker lässt erstreckt sich die Handlung über fünf Jahre. Der Klappentext ist dabei recht irreführend, da er eher die zweite Hälfte des Romans umschreibt. Doch gerade der Beginn als ganz normaler Mord, die dräuende Kriegsgefahr und das Stranden McGradys in Asien geben dem Buch seinen Reiz. McGrady hält seine Versprechen und er ist bereit, etwas dafür einzusetzen. In dem historischen Rahmen ist das fesselnd zu lesen oder zu hören. Wenn man Thomas Dehler beim Lesen zuhört, meint man fast Joe McGrady würde einem seine Geschichte erzählen.

Veröffentlicht am 07.01.2025

Die Hausarztpraxis

Die Schanze
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Die Ärztin Ellen Roth kehrt nach Jahren in Hamburg in ihren kleinen Heimatort zurück. Sie übernimmt die Hausarztpraxis, die ihr Vorgänger altersbedingt aufgibt. Die Rückkehr ruft allerdings auch Erinnerungen ...

Die Ärztin Ellen Roth kehrt nach Jahren in Hamburg in ihren kleinen Heimatort zurück. Sie übernimmt die Hausarztpraxis, die ihr Vorgänger altersbedingt aufgibt. Die Rückkehr ruft allerdings auch Erinnerungen an die weniger schönen Zeiten. Einen Wahnsinnsschrecken bekommt Ellen als noch am Tag ihrer Ankunft an der Skisprungschane eine Leiche gefunden wird. Bei dem Toten handelt es sich an einen ehemaligen Mitschüler, an den Ellen keine guten Erinnerungen hat. Sollte der offensichtlich unnatürliche Todesfall etwas mit ihrer Heimkehr zu tun haben? Sie selbst hat nichts getan, das weiß sie, aber alles andere ist unklar und ein wenig beginnt sie an ihrer Rückkehr zu zweifeln.

Dieser Thriller beginnt mit einem Mordfall, der sehr grausam erscheint. Warum geschieht die Tat genau zur Rückkehr der Ärztin. Sie wird an ihre Vergangenheit erinnert und sie ist nicht die Einzige. Auch der ehemalige Polizist Haußer denkt an einen Fall zurück, in den viele mehr an ihren eigenen Vorteil bedacht waren. Davon kann auch Haußer sich nicht freisprechen. Umso mehr will er die Sache jetzt aufklären. Ein Gespräch mit dem Journalisten Merab kann hilfreich sein und für Merab könnte es die Story sein, die ihm endlich hilft, aus dem Kaff wegzukommen.

Ausgesprochen spannend ist dieser Thriller, mit kurzen Kapiteln und eindringlichen Beschreibungen. Und wie so oft bei solchen Romanen fängt es mit Ellens Heimkehr recht harmlos an. Doch bald schon spürt man die steigende Anspannung, es kribbelt im Nacken, etwas Unheimliches geht da vor. Gleichzeitig muss man sich mit Ellen gemeinsam mit ihrer Vergangenheit beschäftigen, dort lauern wirklich ungute Erinnerungen. Man fragt sich, ob diese Idee der Rückkehr wirklich so gut war, auch wenn sie in Hamburg an einem Scheideweg stand. Wie hätte man selbst gehandelt? Daneben geht es um den Todesfall, der trotz des offensichtlichen Zusammenhangs Rätsel aufgibt. Wenn es auch manchmal ein wenig schwer zu ertragen ist, was man erfährt, packt der Roman schon von Beginn an.

Das Cover des Buches ist sehr auffällig, man blickt von der Schanze in den Abgrund und denkt nicht zum ersten Mal, dass aus einem Selbst wohl kein Skispringer geworden wäre. Als Tatort kann es kaum etwas Spektakuläreres geben.

Veröffentlicht am 07.01.2025

Sterblich

Spark of the Everflame
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Diem Bellators Mutter arbeitet als Heilerin für die herrschenden Descendeds. Wie Diem glaubt, hat sie sich dazu verpflichtet, damit Diems jüngerer Bruder die Schule der Descended besuchen kann. Doch nachdem ...

Diem Bellators Mutter arbeitet als Heilerin für die herrschenden Descendeds. Wie Diem glaubt, hat sie sich dazu verpflichtet, damit Diems jüngerer Bruder die Schule der Descended besuchen kann. Doch nachdem Diem ein unheimliches Gespräch ihrer Mutter mit einem der Herrschenden beobachtet hat, verschwindet ihre Mutter spurlos. Muss Diem nun die Verpflichtungen ihrer Mutter übernehmen? Eine Ausbildung als Heilerin hat sie zumindest. Als sie in den Palast gerufen wird, um ein paar verletzte Kinder, die ihre Unsterblichkeit noch nicht erlangt haben, zu behandeln, ist sie erfolgreicher als sie sein dürfte. Und der Kommandant Prinz Luther ist für sie interessanter als ihr Freund Henri gutheißen würde.

Mit diesem Roman startet eine vierteilige Reihe um Diem Bellator und ihre Bestimmung. Diems Mutter hat sie als Baby mit in die Ehe gebracht, ihren leiblichen Vater kennt sie nicht. Und nun kann sie ihre Mutter nicht mehr fragen, weil diese verschwunden ist. Das Verhalten denr Descendeds den Sterblichen gegenüber findet Diem grausam und unterirdisch, denn eine Vermischung der beiden Völker soll es nicht geben, weil dies zu einer Schwächung der Unsterblichen führen könnte. Diem möchte nicht als Wesen zweiter Klasse behandelt werden. Vielleicht wäre es richtig gegen die befohlenen Unterschiede anzukämpfen. Ihre Begegnung mit Prinz Luther bringt zusätzlich einiges in ihr durcheinander.

Es fängt dramatisch an mit dem Verschwinden von Aurelie Bellator. Wie schlimm ist es für junge Menschen, wenn sie plötzlich ohne einen Elternteil leben müssen. Diem und Teller vermissen ihre Mutter sehr, doch nach Monaten müssen sie sich zwangsläufig daran gewöhnen. In dieser Zeit kann man Diem dabei zusehen, wie der Wunsch in ihr wächst, sich gegen die Umstände zu wehren. Man sieht auch ihre Unsicherheit, welches der richtige Weg sein könnte. Hin und her gerissen ist sie auch zwischen Henri, den sie schon seit Jahren kennt, und Prinz Luther, der zu denen gehört, die die Sterblichen ausnutzen und quälen. Es entspinnt sich eine packende Geschichte, in der die Gefühle ebensowenig zu kurz kommen wie dramatische und außergewöhnliche Ereignisse. Manchmal erscheint Diem dabei etwas wankelmütig. Das hat man aber nach dem aufsehenerregenden Cliffhanger schnell verziehen. Ein vielversprechender Start dieser vierteiligen Young Adult Fantasy Reihe.

Veröffentlicht am 01.01.2025

Sonnenlos

To Kill A Shadow (Die verfluchten Lande, Band 1)
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Seit fünfzig Jahren ist die Sonne aus dem Reich Asidia verschwunden. In ihrer Abwesenheit haben die Pflanzen es schwer zu gedeihen. Inzwischen sind die Speicher fast leer und Situation wird langsam tatsächlich ...

Seit fünfzig Jahren ist die Sonne aus dem Reich Asidia verschwunden. In ihrer Abwesenheit haben die Pflanzen es schwer zu gedeihen. Inzwischen sind die Speicher fast leer und Situation wird langsam tatsächlich bedrohlich. Zu dieser Zeit werden neue Rekruten in den Palast geholt, die von den Rittern ausgebildet werden sollen. Unter ihnen ist die achtzehnjährige Kiara, die von ihrem Onkel zum Kämpfen ausgebildet wurde. Und als Kämpferin legt sie sich gleich mit dem Kommandanten Jude Maddox an. Dieser ist der einzige Ritter, der jemals aus dem Nebel zurückgekehrt ist. Er erhält den Auftrag zu einer neuen Mission. Dass er die frischen Rekruten mitnehmen soll, geht gegen seine Überzeugung.

Mit diesem ersten Band einer zweiteiligen Reihe geht es recht heftig los. Kiara rettet ihren Bruder vor der Rekrutierung, die eigentlich eher männliche Jugendliche betrifft. Mit den Jungs aus ihrer Gruppe kann Kiara durchaus mithalten. Auch vor Jude hat sie keine Angst. Nur ihre Hände hält sie lieber verborgen. Schon zu Beginn kommt es zu einer Begegnung zwischen Kiara und Jude im Badehaus. Eigentlich wollen beide allein sein. Nun, das hat nicht so ganz geklappt. Und schon beginnen die Funken zu fliegen. Wichtig aber ist es sich auf die anstehende Mission zu konzentrieren.

In diesem Jugendphantasieroman soll das Licht zurückgebracht werden. Doch zunächst müssen sich die handelnden Personen kennenlernen und Vertrauen zueinander fassen. Denn genau darauf kann es in Kampfsituationen ankommen. Doch was, wenn Gefühle dazwischen kommen? Man merkt sofort, dass Kiara und Jude sich zueinander hingezogen fühlen. Das kann beflügeln oder hemmen. Wenn aber die gefährliche Mission viel zu früh kommt und die Ausbildung noch längst nicht beendet ist, kann es heikel werden. Vielleicht mögen man einem die Kampfszenen etwas zu hart erscheinen und es kann der Eindruck entstehen, dass etwas viel gestorben wird, jedoch ist der Roman so spannend und emotional, dass man jederzeit wissen möchte, wie es weitergeht und was die Hintergründe sind. Diese sind sehr interessant komponiert und machen neugierig auf den zweiten Band, der für Mai diesen Jahres angekündigt ist.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Trans Siberian Express

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
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Marias Vater hat als Glasmacher lange mit für die Sicherheit des Zuges gesorgt, der das Ödland zwischen Peking und Moskau durchquert. Doch bei der letzten Durchquerung muss etwas schiefgegangen sein. Und ...

Marias Vater hat als Glasmacher lange mit für die Sicherheit des Zuges gesorgt, der das Ödland zwischen Peking und Moskau durchquert. Doch bei der letzten Durchquerung muss etwas schiefgegangen sein. Und Marias Vater wurde die Schuld zugeschoben. Letztich ist er an den Folgen gestorben. Nun im Jahr 1899 steht nach längerer Pause wieder eine Reise an. Daran nimmt Maria unter einem angenommenen Namen teil, weil sie herausfinden will, was wirklich geschehen ist und wie sie den guten Ruf ihres Vaters wieder herstellen kann. Im Zug begegnet sie neben ihren Mitreisenden auch dem Zugkind Weiwei, die im Zug geboren wurde.

Die Transsibirische Eisenbahn überwindet eine Weite, die kaum vorstellbar ist. Neben ihrer Mission erlebt Maria weitere ungeahnte Abenteuer. Zunächst geht die Reise ganz harmlos los. Es ist eine illustre Gesellschaft, die in der ersten Klasse reist. Die Gräfin nimmt Maria unter ihre Fittiche und ein junges Ehepaar hat immer etwas zu erzählen, Dr. Grey ist mit seinen Forschungen beschäftigt. Weiwei, die erst eher ein Maskottchen war, hat gelernt, sich als Bedienstete ihren Aufenthalt im Zug zu verdienen. Die Dinge laufen rund, bis die Grenze von China ins Ödland durchfahren wird. Dann beginnt das Ödland auf den Zug und seine Fahrgäste zu wirken.

Angelockt durch das tolle Cover und den ungewöhnlichen Titel ist einem zunächst nicht ganz klar, worauf man sich einlässt. Einen historischen Roman, eine Reisebeschreibung, einen Krimi? Vielleicht hat das Buch von allem etwas und noch mehr. Man kann gut verstehen, dass Maria nicht damit einverstanden ist, wie ihr Vater behandelt wurde. Man fiebert mit Weiwei, die als Einzige ein Wunder sehen kann. Man erlebt die weiteren Zugfahrer. Es entspinnt sich neben einer Reisebeschreibung eine ganz ungewöhnliche Geschichte, die einen gefangen nimmt. Vielleicht ist die Themenvielfalt etwas groß, doch das fantastische Ende holt einen gefühlsmäßig ab und stimmt einen hoffnungsvoll.

Das Buch kann natürlich auch einen Anlass geben, sich mal über die tatsächliche Trans Sibirische Eisenbahn zu informieren und mal wieder über die Dummheit in der Welt zu sinnieren, die große Teile der Welt von anderen abschneidet. Wann wird endlich gelernt, dass Zusammen besser geht als gegeneinander.