Profilbild von baccata

baccata

Lesejury Profi
offline

baccata ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit baccata über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2025

Märchen Reetelling - aber ganz anders

Dornenhecke
0

Was wie eine klassische Sleeping Beauty-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als tiefgründiges, charmantes und leicht düsteres Märchen mit ganz eigener Magie.

Im Mittelpunkt steht nicht die schlafende ...

Was wie eine klassische Sleeping Beauty-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als tiefgründiges, charmantes und leicht düsteres Märchen mit ganz eigener Magie.

Im Mittelpunkt steht nicht die schlafende Prinzessin, sondern Krötling - eine Figur, die mir sofort ans Herz gewachsen ist. Sie wurde als Baby von Feen entführt und liebevoll in der Welt derer aufgezogen. Als Erwachsene soll sie in die Menschenwelt zurückkehren, um einem Neugeborenen einen Segen zu geben. Doch etwas geht schief, und aus dem Segen wird eine Art Fluch. Seitdem wacht sie, verborgen hinter einer riesigen Dornenhecke, über den Turm, in dem die Prinzessin schläft - aus gutem Grund, wie sich herausstellt.

Jahrhunderte später taucht ein Ritter auf, der dem alten Märchen auf den Grund gehen will. Aber dieser Ritter ist (zum Glück!) nicht der übliche strahlende Held, der eine schöne Jungfrau retten will. Er ist neugierig, sensibel und bringt seine ganz eigene Geschichte mit. Zwischen ihm und Krötling entsteht eine zarte, nachdenkliche Dynamik, die mich sehr berührt hat.

Ich mochte besonders, wie Kingfisher klassische Märchenelemente übernimmt, um sie dann behutsam zu dekonstruieren. Der "Fluch" ist kein böser Zauber, sondern ein Akt des Schutzes. Die "Prinzessin" ist nicht die Unschuldige, die es zu retten gilt. Und Krötling ist vielleicht die rührendste, ungewöhnlichste "Fee", die mir je begegnet ist - schüchtern, unbeholfen, voller Schuld und doch so liebevoll und mutig.

Die Geschichte ist ruhig erzählt, manchmal fast zu ruhig. Es hätte der Novelle gutgetan, an manchen Stellen etwas mehr Raum zur Entfaltung zu bekommen. Einige Themen, wie das Changeling-Motiv oder die Hintergrundgeschichte der Prinzessin, hätten für mich gern noch tiefer erforscht werden dürfen. Trotzdem war ich durchgehend interessiert und wollte weiterlesen.

Was Thornhedge für mich so besonders macht, ist die Mischung aus Wärme, Fantasie und einer leisen, melancholischen Tiefe. Die Autorin zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Geschichten im Laufe der Zeit romantisiert und verfälscht werden - und welche Wahrheiten darunter begraben liegen. Es ist eine liebevolle, gleichzeitig kritische Auseinandersetzung mit dem Held*innenmythos und der Idee, dass Schönheit und Rettung immer zusammengehören müssen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und war am Ende fast ein bisschen traurig, dass es schon vorbei war.

Thornhedge ist eine wunderbare kleine Geschichte für alle, die Märchen lieben, aber auch bereit sind, sie mit anderen Augen zu sehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2025

Grumpy X Sunshine von Emily Henry

Great Big Beautiful Life
0

Wir begleiten wir die Journalistin Alice Scott, die gemeinsam mit ihrem Konkurrenten Hayden Anderson auf die abgelegene Insel Little Crescent Island reist. Ihr Ziel: die Biografie der berühmten, aber ...

Wir begleiten wir die Journalistin Alice Scott, die gemeinsam mit ihrem Konkurrenten Hayden Anderson auf die abgelegene Insel Little Crescent Island reist. Ihr Ziel: die Biografie der berühmten, aber zurückgezogen lebenden Margaret Ives zu schreiben. Margaret, die seit Jahren ein Geheimnis aus ihrem Leben macht, ist nun bereit, über ihre Vergangenheit zu sprechen – allerdings nur mit einer Person. Um herauszufinden, wem sie ihr Vertrauen schenken möchte, setzt sie beide Journalisten einem einmonatigen „Auswahlverfahren“ aus. Alice und Hayden dürfen sich nicht über ihre Gespräche mit Margaret austauschen, da sie Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen mussten. So entwickelt sich nicht nur ein spannender Recherche-Wettstreit, sondern auch eine persönliche Annäherung zwischen den beiden, die jedoch unter komplexen Bedingungen steht.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Alice erzählt. Ihre Unsicherheit und ihr Wunsch, sich beruflich zu beweisen, machen sie zu einer nahbaren, sympathischen Figur. Im Gegensatz dazu wirkt Hayden, obwohl er als Pulitzerpreisträger ein beeindruckender Journalist ist, eher verschlossen und distanziert. Das grundlegende Grumpy x Sunshine Prinzip führt einer interessanten Dynamik zwischen den beiden, auch wenn diese nicht immer die emotionale Tiefe erreicht, die man aus anderen Werken von Emily Henry kennt.

Ein gelungenes Element des Romans ist die Erzählstruktur auf zwei Zeitebenen: Während Alice in der Gegenwart um Margarets Vertrauen kämpft, erzählt Margaret in Rückblenden aus ihrem bewegten Leben – von ihrer Beziehung zu einem berühmten Sänger, von familiären Höhen und Tiefen und vom Leben unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit. Diese Passagen sind teils fesselnd, teils jedoch ausufernd erzählt, sodass die Haupthandlung gelegentlich ins Stocken gerät.

Mir hat vor allem der leichte Schreibstil und die Grundidee des Romans gefallen - zwei konkurrierende Biografen, eine geheimnisvolle Berühmtheit und eine abgeschiedene Insel – bietet viel Potenzial für Spannung, Intrigen und emotionale Entwicklungen. Besonders das Finale wartet mit einer überraschenden Wendung auf, die einen neuen Blick auf Margarets Erzählungen wirft und das Ende emotional abrundet.

Leider bleibt die Liebesgeschichte zwischen Alice und Hayden weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Was als potenziell spannende Gegensätzlichkeit beginnt - Grumpy x Sunshine, wie gesagt - verliert sich in flachen Dialogen und einer zu schnellen, wenig glaubwürdigen Entwicklung ihrer Gefühle. Statt knisternder Chemie oder unterhaltsamem Schlagabtausch bleibt nur ein solides Miteinander, das wenig mitreißend wirkt.

Der Fokus auf Margarets Vergangenheit führt dazu, dass die Entwicklung der Hauptfiguren nicht genügend Raum erhält. Ihre emotionale Reise wirkt gehetzt, während Margarets Erinnerungen vergleichsweise langatmig erscheinen. Ich habe ihre Geschichte sehr gerne gelesen: Diesen Raum hätte ich mir bei der Liebesgeschichte auch gewünscht. Mehr Ausgeglichenheit.

Der Roman erinnert in vielen Aspekten an „Die sieben Ehemänner der Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid - insbesondere in der Struktur mit zwei Zeitebenen, einer glamourösen, aber geheimnisvollen Frau im Zentrum und dem Motiv einer Biografie, die mehr verbirgt als preisgibt. Wer dieses Buch mochte, könnte auch hieran Gefallen finden.

Gesamt:
Ein atmosphärisch dichter Roman mit einer interessanten Grundidee, einer starken Protagonistin und einer gut konstruierten doppelten Erzählstruktur. Die Rückblicke in Margarets Leben sind spannend, wenn auch manchmal zu langatmig. Die emotionale Verbindung der beiden Hauptfiguren bleibt dagegen schwach ausgearbeitet. Insgesamt ein unterhaltsames Buch mit Potenzial – besonders für Leser:innen, die biografisch inspirierte Romane mit geheimnisvollen Frauenfiguren mögen, sich aber an einer etwas blass geratenen Liebesgeschichte nicht stören. Ein guter Emily Henry-Roman, der aber leide nicht an ihre anderen Werke herankommt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2025

Draculas Braut Retelling?!

A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht.
0

"Ich hatte nie vor, dich umzubringen. Das heißt, jedenfalls anfangs noch nicht".
Die Geschichte startet mit einer ausschweifenden Entschuldigung von Constanta, unserer Protagonistin, an ihren Liebhaber, ...

"Ich hatte nie vor, dich umzubringen. Das heißt, jedenfalls anfangs noch nicht".
Die Geschichte startet mit einer ausschweifenden Entschuldigung von Constanta, unserer Protagonistin, an ihren Liebhaber, dafür, dass sie ihn töten musste. Toller Start; Ich wollte direkt wissen, wie das passiert ist und wie die beiden überhaupt zueinander gefunden haben. Mir hat der Schreibstil sehr gefallen, weil Constanta sowohl in Ich-Perspektive schreibt, als auch Dracula selbst immer wieder mit "du" anspricht und er auch in der zweiten Person agiert. Das ganze laß sich also wie ein sehr intimer, aber dennoch erzählender Brief einer tiefen Liebesgeschichte, sowohl der beiden als auch der anderen beiden Charaktere in deren Beziehung.
Liebe kann jedoch manipulative Kontrolle nicht überlagern, und diese zeigte Dracula leider immer wieder. Mir hat sehr die Darstellung aus ihrer Sicht gefallen, das war mal was anderes, als immer die gleichen Dracula-Retellings.
Leider hat mich die Tiefe der Story nicht ganz mitgenommen: Alles war toll, bis es nicht mehr toll war sondern langweilig - sie finden jemanden, verwandeln diesen, der Kreislauf geht von vorne los. Hier hätte ich mir lieber mehr Einblicke in deren Alltag und Leben gewünscht. Ich denke aber, dass das in dem Brief-Format nicht angebracht gewesen wäre, darum verstehe ich das Stilmittel hier.
Etwas gestört hat mich, dass Dracula sowohl Magdalena als auch Alexi immer Constanta gegenüber als "Schwester/Bruder" bezeichnet hat, obwohl beide ganz klar Beziehungspersonen waren und alle Parteien auch mehrfach ihre Liebe betont haben. Das familiäre Wort (was übrigens auch im Original dieses Buches gewählt wurde) passt meiner Meinung nach nicht gut hier rein.

Insgesamt war das Buch schön runterzulesen und hat mich gut unterhalten. Es hat als Draculas-Braut-Retelling ein bisheriges Alleinstellungsmerkmal, was es großzügig auskostet. Wegen des Brief-Formats geht aber leider etwas aus der Tiefe verloren. Trotzdem eine klare Empfehlung für Leute, die Dracula mögen, Gothic-Themen genießen und mal wieder ein leichtes Buch für die Vibes lesen wollen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2025

Feminine Rage pur in Form von fiktivem Sachbuch/Memoiren

When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
0

Ein fiktives Sachbuch in Form von Memoiren mit ganz ganz viel Feminine Rage!
wir folgen der Hauptfigur Alex durch ihr frühes Leben in den 1950ern. Die Normen und Werte waren in Amerika zu der Zeit deutlich ...

Ein fiktives Sachbuch in Form von Memoiren mit ganz ganz viel Feminine Rage!
wir folgen der Hauptfigur Alex durch ihr frühes Leben in den 1950ern. Die Normen und Werte waren in Amerika zu der Zeit deutlich anders, als wir es heute kennen: An Gleichberechtigung ist absolut nicht zu denken! Gleich- was?
Die Erzählerin zeigt Tabus, Sprachlosigkeit, Sexismus und ganz ganz viel Wut auf, welche für ihr Leben alltäglich sind. Die ersten 20% waren ehrlich gesagt etwas wirr, da ich doch etwas brauchte, um in den speziellen Erzählstil zu kommen. Auch die Einstellung der Frauen (und Männer!) in Alex' Umkreis ist anstrengend: Es wird über nichts geredet und nichts erklärt, sondern eher "unartige Dinge" totgeschwiegen. Danach wird es aber Stück für Stück besser . Kurz vor der Mitte musste ich das Buch mehrfach aus der Hand legen. Nicht, weil es öde oder schlecht war, sondern, weil ich ich wirklich eine so große Wut und Verzweiflung über die Geschehnisse hatte, dass ich eine Pause brauchte. Stichwort Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit. Mit den Themen wird das Erzähltempo leider auch wieder langsamer - das kann aber auch an meinen Emotionen liegen ;) Ich wollte so sehr, dass sich was ändert und befürchtete schon, unglaublich frustriert aus dem Buch raus zu gehen, Aber - Die Protagonistin wächst aus sich heraus und das ist ein langer, wichtiger Prozess. Ab 65/70% habe ich jede Zeile geliebt. Die eingeworfenen Zeitungs- oder Fachartikel von einem Wissenschaftler vertiefen sich auch und werden immer spezifischer, geben Antworten auf Phänomene, die sich Alex zu erklären versucht. Zum Ende hin findet Alex auch ENDLICH Antwort auf ihre Fragen, die sie in ihrem Kopf zulässt um sich entwickeln zu können.
Unterm Strich finde ich dieses Buch wirklich gut, es ist nur kein leichter Read für zwischendurch.
Lesende von Circe oder Mein Name ist Lilith würde es gut gefallen - jedoch ist dies hier wie gesagt deutlich kritischer, deutlich schwerer und deutlich wütender. Der Fantasy-Aspekt ist nur ganz klein (Drachen obviously) und es geht wirklich in erster Linie um feministische Gesellschaftskritik und alle Probleme, die daraus hervorgehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.07.2024

nach langsamen Start sau spannendes Buch

Das Reich der Vampire
0

Der Maincharacter (MC) wird nachträglich "interviewed" und erzählt seine Geschichte.
Kristoff schreibt wunderbar derbe, harte Charaktere die trotzdem total sympathisch sind. Die Handlung braucht wegen ...

Der Maincharacter (MC) wird nachträglich "interviewed" und erzählt seine Geschichte.
Kristoff schreibt wunderbar derbe, harte Charaktere die trotzdem total sympathisch sind. Die Handlung braucht wegen des vielen Worldbuildings am Anfang ein kleines bisschen, um ins Rollen zu kommen, wird dann aber wahnsinnig spannend. Man muss vor allem wegen der vielen Namen und Begrifflichkeiten schon etwas aufpassen beim Lesen, jedoch fande ich die Sprache ansonsten nicht besonders komplex.
In der Mitte wurde es so spannend, dass ich mich fast rausgerissen gefühlt habe, wenn es dann in der dritten Person weiter ging weil Gabriel beim erzählen eine Pause macht oder mit seinem Interviewer spricht - dieses eigentliche Setting vergisst man also ganz schnell, weil man so gefesselt ist.
Wengen der doch langsamen Anfahrt zu beginn ziehe ich einen Stern ab. Wenn man erstmal drin ist, ist dies Buch aber großartig und eine wirkliche Empfehlung.
Zum Zeitpunkt dieser Rezension habe ich Teil 2 auch bereits gelesen - wenn ihr unsicher seid, LEST DIESE REIHE

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere