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Veröffentlicht am 04.01.2025

Sich unsichtbar fühlen vs. unsichtbar sein

If you could see the sun
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Was würdest du tun, wenn du unsichtbar sein könntest? Alice weiß es. Sie würde eine App entwickeln: Beijing Ghost – und darüber Geheimnisse, Affären oder Skandale aufdecken oder verhindern. Sie nimmt Aufträge ...

Was würdest du tun, wenn du unsichtbar sein könntest? Alice weiß es. Sie würde eine App entwickeln: Beijing Ghost – und darüber Geheimnisse, Affären oder Skandale aufdecken oder verhindern. Sie nimmt Aufträge ihrer Mitschüler an und versucht sich damit etwas dazuzuverdienen, um ihrer Familie und sich ein besseres Leben zu ermöglichen.

Ich bin mir sicher, dass es nicht nur Alice so ergeht. Dass viele mit dem Gefühl „unsichtbar zu sein“ zu kämpfen haben oder sich wünschen, wie andere zu sein. Doch ist es so, dass wir unsere Präsenz manchmal unterschätzen oder wie uns Menschen wahrnehmen. Denn auch wenn wir uns manchmal so fühlen, sind wir eben nicht wirklich unsichtbar. Andere Menschen sehen uns, beneiden uns, lieben uns. Ich mag es, wie das Buch das verdeutlicht.

Das Buch vermittelt außerdem weitere, wichtige Botschaft, weil es zeigt, dass man manchmal mit den Fähigkeiten, die das Leben einem schenkt und seinen Leidenschaften arbeiten sollte. Oder dass man sich überlegt, welche Werte und Ziele wirklich wichtig sind und Mehrwert für das Leben bieten.

Gleichzeitig weist der Plot auf einige Ungerechtigkeiten im Leben hin. Ob wegen der sozialen Schere oder rassistischen Erfahrungen im Ausland oder auch im Heimatland, wenn man mal woanders gelebt hat. Wie es ist, sich einen Platz im Leben, in seiner Heimat und der Gesellschaft zu finden. Altersgerecht verpackt und flüssig, interessant und wertvoll geschrieben.

Ich finde es nur schade, dass ein paar moralische Themen eher oberflächlich behandelt werden. Der Plot bietet sehr viel Fläche um darüber zu philosophieren, wo Grauzonen beginnen oder enden. Eher werden jedoch Beweggründe besprochen. Beim Lesen habe ich auf jeden Fall verstanden, woher gewisse Entscheidungen der Hauptfigur kommen. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass es noch mehr darum geht, ob gewisse Handlungen trotz Beweggründe in Ordnung sind oder nicht.

Auch geht die Hauptfigur mit viele Vorurteilen in die Geschichte. Ich habe beim Lesen gemerkt, dass sie ihre Unsicherheiten auf andere projiziert. Allerdings war es teilweise schon starkes Schubladendenken. Nur, weil andere Personen etwas haben, das wir uns für uns selbst wünschen, hatten sie es deswegen nicht zwingend leichter. Jeder hat auf seine Art ein Päckchen zu tragen und das hätte das Buch noch stärker herausarbeiten können.

Fazit:

Interessant für einige Denkanstöße. Hätte aus meiner Sicht gerne bei ein paar Dingen noch in die Tiefe gehen können. Trotzdem ein sehr jugendgerechtes Buch mit klassischen Alltagsproblemen, einem tollen Spannungslevel und einer außergewöhnlichen Idee.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Atlantis der Nordsee

Rungholt
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Mystisch, düster, gefährlich. Das Buch ist wie das Meer.

Ich finde das Buch lebt schon ein wenig davon, wie es geschrieben ist. Malerisch und als würde Gefahr hinter der nächsten Welle liegen. Es dauert ...

Mystisch, düster, gefährlich. Das Buch ist wie das Meer.

Ich finde das Buch lebt schon ein wenig davon, wie es geschrieben ist. Malerisch und als würde Gefahr hinter der nächsten Welle liegen. Es dauert zwar immer wieder ein wenig, bis man damit im Geschehen angekommen ist, weil der Schreibstil auch etwas komplexer und altmodischer anmutet, aber das gehört ja auch zum Charme von historischen Romanen dazu.

Was mir außerordentlich gut gefallen hat: Man merkt, hierfür wurde gut recherchiert. Bis zu diesem Buch wusste ich nicht, dass wir ein Atlantis der Nordsee haben. Umso spannender fand ich alle Details zur Stadt, von dem Aussehen der Gebäude bis hin zur Bedeutung ihrer Handelsruten übers Meer. Im Nachwort gibt es von der Autorin auch noch eine kleine Aufschlüsselung über Fakten und Legenden von Rungholt.

Im Prinzip liefert uns die Autorin zwei Sichtweisen, die beide in vergangenen Jahrhunderten spielen. Janna verliert sich in den Worten eines alten Tagebuches aus Rungholt. Ein Ort, der mehr als Legende, als Wahrheit anmutet. In den Einträgen von Leonore erkennt sie sich selbst wieder, fühlt und leidet mit ihr. In einer Familie voller düsterer Menschen und Wesen, entführt Leonore in eine unterschwellig spannende Geschichte.

Was für Charaktere. Sehr aus dem Leben gegriffen und ich habe mich bis zum Ende gefragt, wer sich als liebevoll gegenüber den zwei weiblichen Hauptfiguren herausstellt oder sich gegen sie wendet. Ich habe mit ihnen gefühlt und oft gebangt. Mein kleiner Charakterfavorit war jedoch Lara, die zierliche Frau mit spitzen Zähnen und sirenenartiger Stimme. Auf ihre Geheimnisse, ihre Geschichte und Fähigkeiten wurde man regelrecht angeheizt.

Ann-Kathrin Wasle verbindet historische Elemente mit einer herzschmerzenden Familiengeschichte und webt eine eigene Legende. Dabei bekommt das Meer eine besondere Rolle und macht fantastischen Elementen Platz. Eine Kombination, die ich im mystischen Deckmantel gerne gelesen habe. Hinzu kommt eine gewisse Dramatik, die mich an der Stange gehalten haben.

Fazit:

Den Schreibstil fand ich nicht immer leicht zu lesen, aber er ist sehr malerisch und mystisch, was zum vergangenen Zeitalter und einer Meereslegende sehr gut passt. Die Geschichte bietet historische Fakten in Kombination mit Legenden und Sagen zum Meer und dramatische Familiengeschehnisse, die mich an den Seiten festgehalten haben.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Cozy, romantisch, tiefgründig

Truly
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Ich habe schon einige Bücher von Ava Reed gelesen und war jedes Mal verliebt in ihren ausgeschmückten, poetischen Schreibstil. In diesem Roman lässt dieser sich ein wenig vermissen, aber es gab nicht minder ...

Ich habe schon einige Bücher von Ava Reed gelesen und war jedes Mal verliebt in ihren ausgeschmückten, poetischen Schreibstil. In diesem Roman lässt dieser sich ein wenig vermissen, aber es gab nicht minder viele Zitatstellen, die ich mir gerne herausgeschrieben hätte.

„Was wäre, wenn es nur schöne und gute Tage gäbe? Wären sie dann noch gut und schön?“

Der Schreibstil in „Truly“ ist insgesamt etwas flüssiger gehalten, romantisch und mit einem Hauch Spice. Abgerundet wurde das Hörerlebnis von tollen Sprechern, die ich stimmlich angenehm und deren Betonung ich sehr gut fand.

Andie kommt aus einer Kleinstadt und ist auf der Suche nach einem Job und einer kleinen Wohnung für ihre Studienzeit. Dabei findet sie einen Job hinter der Bar und fängt an neue Freundschaften zu schließen.

Für mich kam jedoch weniger der Großstadt-Vibe auf, es fühlte sich eher nach einem cozy Setting an und nach einem Found Family Trope. Die Charaktere arbeitet die Autorin ganz wundervoll aus. Sie sind insbesondere hilfsbereit und liebevoll. Gerade die Bar-Crew schließt man schnell ins Herz.

Mein Highlight ist und bleibt jedoch Hauptfigur Andie mit all ihren Ecken und Kanten. Gerade zu Beginn hat sie es wirklich nicht leicht, dennoch bleibt sie in vielen Situationen super stark, kämpferisch und boxt sich durch. Hin und wieder habe ich ihre Handlungen hinterfragt und gefühlt zwei Sekunden später, dachte sie selbst über sich nach. Für mich wurde sie damit nahbar sowie reflektiert und nicht naiv.

Cooper wiederum fand ich etwas blasser, da er aber auch lange viele Geheimnisse mit sich herumträgt. Dennoch war seine Hintergrundgeschichte sehr tiefgründig und seine Szenen mit Andie oft süß sowie prickelnd. Nur gegen Ende wurde es mir dann mal zu gewollt, zu viel spicy, aber das ist wohl Geschmackssache.

Fazit:

Trotz einer für mich neuen Schreibstil-Erfahrung in Ava Reeds-Romanen, gefiel mir „Truly“ bisher fast am besten von der Autorin. Ein absolut cozy Read mit tiefgründigen Momenten und liebevollen, hilfsbereiten Charakteren, die schnell zur Familie werden.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Bücher über Bücher, gehen doch immer

Feder & Klinge
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Lebendig werdende Buchcharaktere erfinden das Rad nicht neu. Trotzdem ist es ein Plot, den ich immer wieder lesen könnte. In „Feder & Klinge“ kommt das geniale Element hinzu, dass die Hauptfigur die Autorin ...

Lebendig werdende Buchcharaktere erfinden das Rad nicht neu. Trotzdem ist es ein Plot, den ich immer wieder lesen könnte. In „Feder & Klinge“ kommt das geniale Element hinzu, dass die Hauptfigur die Autorin vom Buchcharakter ist. Ich fand die Umsetzung der Idee gut gemacht.

Ariane ist in psychologischer Betreuung. Sie soll Fantasie und Realität manchmal nicht auseinanderhalten können. Um ihre Gefühle besser verarbeiten zu können, schreibt sie eine dystopische Reihe mit „Nummer 023“, der einige Dinge durchlebt. 023 lebt mit einigen anderen in der Anstalt, da sie besondere Fähigkeiten erlangt haben

In „Feder & Klinge“ wechseln die Geschehnisse ständig zwischen Arianes Leben, einer Sitzung bei ihrem Doktor oder ihrer Zeit mit der Familie und dem Verlauf ihres Buches. Die Mischung aus Fantasy, einer schlimmen Dystopie mit psychologischen Aspekten und dem Einblick ins Schriftstellerleben hatte eine besondere Dynamik. So liest man in einer Szene über einen neuen Buchcharakter und im nächsten Moment bespricht sie mit ihrem Psychiater, dass sie die Person nicht mag, weil es ein Verräter sein wird.

Der Plot zeigt spielerisch leicht, wie das Autorenleben sein kann. Von Cliffhangern, Szenen oder eine Buchreihe plotten bis hin zu Schreibblockaden, wird einiges aufgegriffen. Ich finde solche Einblicke, als leidenschaftlicher Leser richtig spannend. Doch auch 023’s Alltag in der Anstalt hatte es in sich. Für Ariane geht es hier auch um Verarbeitung, daher hat es 023 nicht leicht und der Bösewicht ihres Plots hat es in sich. Ich fand es aus psychologischer Sicht sehr spannend, aber auch weil hier nicht zimperlich mit den Charakteren umgegangen wird. Teilweise war das Buch auch sehr gesellschaftskritisch, aber eher Philosophisch. Natürlich setzen die Fantasy-Fähigkeiten für mich dem Ganzen noch die Krone auf. Die Spannungskurve wird also durch viele Aspekte stets aufrecht gehalten.

Was mir auch gut gefallen hat war, dass hier nicht viele Wiederholungen vorkommen. Gerade bei dem Wechsel zwischen den Perspektiven und mit dem Thema „Verarbeitung durch Schreiben“ hätten sich einige Szenen ähnlich abspielen können. Die Befürchtung hat sich für mich nicht bewahrheitet.

Ein Manko war für mich die Liebesgeschichte. Für mich hat es sich zu sehr nach Instant Love angefühlt. Die Zwei haben mit ihrer Vorgeschichte schon lange Zeit gehabt sich kennenzulernen und Gefühle aufzubauen. Diesen Abschnitt habe ich als Leser gefühlt zu wenig bekommen. Zudem hätte ich mir ein weniger glattes Ende gewünscht. Noch mehr Stolpersteine, Plottwists, Gegenangriffe und Schwierigkeiten. Ganz am Schluss hatte ich dadurch ein bisschen das Gefühl, dass die Geschichte schnell zu Ende sein musste.

Fazit:

Trotz ein, zwei Mankos hatte ich so viel Freude beim Lesen. Lebendig werdende Buchcharaktere, Einblicke ins Autorenleben, Dystopie und Fantasy im Einen. Was will man mehr? Das Buch hat eine anhaltende Spannungskurve. Ob Psychologisch oder Philosophisch, das Buch regt zum Nachdenken an und hat Mehrwert. Eine großartige Lovestory würde ich allerdings nicht erwarten. Dafür wird vielleicht auch zu viel auf einmal im Plot aufgegriffen.

Ich persönlich hätte mir auch ein Ende gewünscht, das zum vorherigen Plot besser passt: weniger zimperlich und mit mehr Problematiken.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Wie ein historical K-Drama

Der Rote Palast
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Ich finde „Der Rote Palast“ liest sich wie ein historisches K-Drama mit einer gehörigen Portion Krimi.

Zunächst einmal wurde hier richtig gut recherchiert. Das habe ich beim Lesen immer wieder an vielen ...

Ich finde „Der Rote Palast“ liest sich wie ein historisches K-Drama mit einer gehörigen Portion Krimi.

Zunächst einmal wurde hier richtig gut recherchiert. Das habe ich beim Lesen immer wieder an vielen einzelnen Details gemerkt – von Kleidung bis über die damalige Geschichte. Am Schluss gibt es auch noch ein Nachwort der Autorin, in der sie das Ausmaß und die Details ihrer vorherigen Recherche aufschlüsselt. Eine spannende, informative Lektüre mit sehr vielen, schönen, koreanischen Elementen. Ich konnte mich damit gut in das damalige Leben im Palast hineinversetzen.

Der Plot selbst fokussiert sich sehr auf die Ermittlungen und liest sich wie eine Schauergeschichte. Teilweise war es etwas brutal und jede Szene wird wirklich anschaulich beschrieben. Schmatzendes Blut, wenn Stoff von einer Wunde entfernt wird, mehrere, durchgeschlitzte Kehlen – solche Beschreibungen muss man abkönnen für diesen Read. Stellenweise hatte es für mich sogar leichte Thriller-Vibes. Dennoch hat für mich zwischendurch die Spannung ein wenig nachgelassen, aber insbesondere das Ende konnte mich wieder vollends abholen.

Insgesamt ist der Schreibstil sehr blumig und voller ungewöhnlicher, anschaulicher Metaphern & Vergleiche. Mir hat er größtenteils sehr gut gefallen und ich musste mir einige Textstellen als Zitat herausschreiben. Nur an manchen Stellen war es mir mal etwas zu viel, z. B. wenn selbst Puls messen in den Beschreibungen super ausgeschmückt wurde.

Außerdem kommen im Text einige koreanische Wörter vor. Am Schluss gibt es hierzu ein Wörterverzeichnis, was ich im E-Book Format immer ein wenig unpraktisch finde. Allerdings war das für mich mit Vorwissen durch koreanische Dramen nicht so problematisch. Für Alle, bei denen das nicht der Fall ist, würde sich das Taschenbuch-Format vielleicht eher anbieten, damit man mal leichter nach hinten blättern kann.

Die Hauptfigur war mir sympathisch. Sie ist stur und ehrgeizig, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, ihr Herz ist am rechten Fleck und ich fand sie wirklich intelligent. Einzig ihre Art, oft sehr negativ über sich selbst zu denken und sich selbst klein zu reden, fand ich manchmal etwas zu viel.

Für mich war sie, als Palastschwester der historischen, koreanischen Dynastie zusammen mit dem sehr jungen Inspektor ein spannendes und originelles Duo. Die Charaktere hätten von mir aus aber gerne noch etwas mehr Tiefe erhalten können.

Wie eine ganz leichte Hintergrundmelodie wird die Lovestory ins Geschehen eingewoben. Sie steht nicht im Fokus, kommt ohne Spice aus und überzeugt mit dezenten, unschuldigen Gesten – wie ich es bereits von K-Dramen gewohnt war. Und was ich auch sehr schätze.

Fazit:

Ein klassischer Fall von „beurteile ein Buch nicht anhand seines Covers“. Das Buch hat es in sich, wird schaurig, spannend und brutal. Es ist an historischen Gegebenheiten angelehnt und daher super informativ sowie sehr atmosphärisch.

Mir gefielen insbesondere die koreanischen Elemente und das gut ausgearbeitete Setting im Palast. Zwischendurch hat das Buch für mich mal an Spannung nachgelassen, aber es bekam keine Längen und konnte mich mit dem Ende wieder vollends abholen. Verpackt wird die Geschichte in einen ungewöhnlichen Schreibstil, der zum Zitate herausschreiben einlädt, aber an manchen Stellen sicherlich gewöhnungsbedürftig ist.

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