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Veröffentlicht am 07.12.2017

Unerfüllte Wünsche und erwartete Enttäuschung

Bitterfrost
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Ich habe eine Weile überlegt, ob ich Bitterfrost lesen sollte oder nicht. Die ursprüngliche Reihe rund um die Mythos Academy habe ich gern gelesen und von Jennifer Esteps Schreibstil bin ich auch nach ...

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich Bitterfrost lesen sollte oder nicht. Die ursprüngliche Reihe rund um die Mythos Academy habe ich gern gelesen und von Jennifer Esteps Schreibstil bin ich auch nach wie vor begeistert. Warum also zögern? Weil oft nach dem Ende einer erfolgreichen Reihe (Harry Potter, um ein ganz bekanntes Beispiel zu nennen) noch weitere Werke produziert werden, die die Geschichte unbedingt irgendwie weiterspinnen wollen. Davon abgesehen, dass ich das Theaterstück um die neue Generation von Hexen und Magiern ganz gern mochte, ist so etwas in meinen Augen oft reine Geldmacherei – und leider merkt man das auch viel zu häufig. Ich hatte also längst mit Gwen Frost und ihrem Kampf gegen die Schnitter und Loki abgeschlossen – als Bitterfrost auf der Bildfläche erschien. Ich habe mich letztendlich aber entschieden, meine Zweifel für den Moment beiseite zu schieben und es zumindest zu versuchen.

Leider hatte ich aber recht mit meiner Vermutung, dass dieser Ableger einfach dieselbe Geschichte noch einmal erzählt – verpackt in neue Charaktere und eine minimal veränderte Handlung. Dadurch gab es kein Überraschungsmoment, das nicht nur wenige Seiten vorher betont dezent und damit offensichtlich angekündigt wurde, weshalb die gesamte Geschichte für mich vorhersehbar war. So leicht und flüssig sich Esteps Schreibstil auch lesen lässt und so schön es ist, in eine geliebte Welt „heimzukehren“ und alte Bekannte genauso wie neue Freunde zu treffen: wenn einfach kopiert wird, was schon einmal passiert ist und das ganz nebenbei auch immer wieder erwähnt wird („Das ist genau, wie bei Gwen damals!“ o. Ä.), um es dem Leser noch deutlicher unter die Nase zu reiben, dann unterhält mich das nicht wirklich. Ich weiß ja eigentlich schon, was passieren wird. Auch die ständige Heldenverehrung, die Gwen hochleben lässt, geht einem irgendwann auf die Nerven.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass man in jedem Liebesroman eigentlich von vornherein weiß, wer mit wem am Ende zusammenkommt, und das ist auch vollkommen legitim. Wenn es aber ein Buch über epische Schlachten, diverse Gottheiten, ein kleines bisschen High School-Drama, Teenagerängste und dergleichen geht – und wenn ich die Autorin schon kennengelernt habe und daher weiß, dass sie es besser kann – dann erwarte ich schlicht und einfach mehr. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass Bitterfrost für eine jüngere Zielgruppe geschrieben wurde, als es bei der Mythos Academy der Fall war – ich würde sagen, für etwa 12- bis 16-Jährige. Vielleicht bin ich aber einfach aus dem entsprechenden Alter heraus.

Das einzige, was mich immer wieder amüsiert und dadurch bei Laune gehalten hat, waren die Easter Eggs, die beiläufig eingestreut wurden und Verknüpfungen zu Esteps anderen Reihen bilden: Bei einer Observierung verwenden Rory und ihre Freunde einen Van mit dem Logo des Pork Pit (das Diner, das der Auftragskillerin Gin Blanco aus Elemental Assassin gehört), an anderer Stelle wird die Stadt Bigtime genannt, was auf die gleichnamige Reihe hindeutet, in der Superhelden gegen Superschurken kämpfen.

Ich hätte mir für Rory und ihre Clique mehr gewünscht. Sie kam ja schon kurz gegen Ende der Mythos Academy-Reihe vor und ich habe sie gleich gemocht. Besonders ihre Affinität zu den Greifen fand ich damals schon super. Ich hatte gehofft, dass diese neue Reihe um die Mythos Academy Colorado eine vollkommen neue Handlung bekommt, dass das Problem der Schnitter vom Tisch wäre und eine neue Gefahr auf „die Guten“ zukommt, mit der man noch nie zu tun hatte oder so etwas. Leider wurde mein Wunsch nicht erfüllt.

Fazit
Überwiegend bin ich enttäuscht vom Buch und könnte mir nachträglich in den Hintern treten, dass ich nicht auf meine Zweifel am Anfang gehört habe. Doch jetzt weiß ich, dass ich von den zweifellos noch folgenden Bänden die Finger lassen werde. Trotzdem habe ich ein paar nette Stunden gehabt – wenn wir auch alle wissen wessen kleine Schwester „nett“ ist -, sodass ich nicht einmal mehr drei Sterne vergeben mag, was mich selbst etwas traurig macht.

Veröffentlicht am 29.09.2017

08/15 und sehr oberflächlich

Verrückt nach New York. Willkommen in der Chaos-WG
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Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie ich wann wodurch auf dieses Buch aufmerksam wurde. Fakt ist, es stand irgendwann auf meiner Wunschliste. Allerdings fallen mir jetzt einige Parallelen zwischen mir ...

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie ich wann wodurch auf dieses Buch aufmerksam wurde. Fakt ist, es stand irgendwann auf meiner Wunschliste. Allerdings fallen mir jetzt einige Parallelen zwischen mir und der Protagonistin Maxi auf: Sie bloggt (wenn auch beruflich motiviert), sie lebt in einer WG und sie hat ihre Heimat für ein Praktikum verlassen. (Ich bin inzwischen wieder daheim, aber ich zähle das trotzdem einfach mal mit.) All diesen Gemeinsamkeiten zum Trotz habe ich es nicht geschafft, Maxi ins Herz zu schließen oder sonst irgendeine richtige Beziehung zu ihr aufzubauen.

Das hängt vermutlich unter anderem damit zusammen, dass Verrückt nach New York keine 300 Seiten lang ist. Es fällt mir schwer, mich mit einem Charakter anzufreunden oder gar zu identifizieren, wenn ich nicht genug Zeit habe, ihn überhaupt richtig kennen zu lernen. In erster Linie liegt es aber daran, dass Maxi einfach unnahbar bleibt. Dieses Buch ist aus ihrer Perspektive geschrieben, sie lässt durchaus Einblicke in ihre Pläne zu. Aber ich nenne es bewusst „Pläne“ und nicht „Gedanken und Gefühle“. Denn als Leser erfährt man, was sie warum vorhat, wie sie auf was reagiert – aber nicht, was das mit ihrem Seelenleben anstellt oder was ihre tiefsten Gedanken und Gefühle sind. Es bleibt alles sehr oberflächlich. Zusätzlich fokussiert sich unsere Hauptfigur sehr auf die (oberflächlichen) Geschichten ihrer Mitbewohner sowie auf die (oberflächliche) Suche nach ihren Eltern und es werden Blogeinträge eingeschoben, da bleibt im reinen Text auch grundlegend nicht viel Platz für ihren eigenen Charakter.

Diese Oberflächlichkeit findet sich abgesehen von den Charakteren auch in der Geschichte. Besonders am Ende, als plötzlich jeder Bewohner der WG auf einer einzigen Party seinen, wie man auf Englisch so schön sagt, significant other findet , habe ich fast genervt aufgestöhnt. Das war dann wirklich zu viel des Guten. Ich hatte von der Handlung insgesamt mehr erwartet und wurde letztendlich ziemlich enttäuscht: Die Redaktion, in der Maxi ihr Praktikum absolviert, ist voller Stereotypen, die WG ebenso und generell jede einzelne Figur, die in Verrückt nach New York auftaucht, stammt aus der Klischee-Suppenküche. Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem mit Klischees. Manchmal finde ich es auch sehr angenehm, mich in solche vorprogrammierten Geschichten fallen zu lassen, um ganz einfach abschalten zu können. Diese Version von „Ich werfe ein paar Stereotypen und Klischees in einen Topf und koche meine ganz eigene Suppe daraus, die man so noch nie irgendwo gesehen hat!“ funktioniert in meinen Augen aber absolut nicht.

Bevor jetzt nur negative Dinge hier stehen, möchte ich doch mit etwas Positivem schließen: Das Cover ist sehr nett gestaltet, ich mag die Kombination der vielen Sehenswürdigkeiten von New York in der kleinen Collage, wenn mir auch für meinen Geschmack die Farben etwas zu grell sind. Ich vermute, dass ich einfach nicht der Zielgruppe entspreche. Bei der Recherche für diese Rezension habe ich nämlich festgestellt, dass das Buch aus dem Verlagsprogramm von dtv junior stammt, und dieses Programm richtet sich an 6- bis 16-jährige. Da die Protagonistin keine 13 oder 14 Jahre alt ist, sondern ihr Abi in der Tasche hat, könnten sich selbstverständlich auch ältere LeserInnen für Verrückt nach New York begeistern – für mich persönlich fehlt es aber an Komplexität und Tiefgang.

Übrigens ist dieses Buch (mit demselben Cover) schon Anfang 2015 bei Coppenrath erschienen.

Fazit
Ein Reihenauftakt, in dem mit Stereotypen jongliert wird, geschrieben für Teenager – mir fehlen Komplexität und Individualität.

Veröffentlicht am 07.08.2017

Ganz nett, aber enttäuschend

Lucy & Gabriel
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Beim ersten Band Jade & Shep schieden sich die Geister: die einen waren hellauf begeistert, die anderen waren eher enttäuscht, wenn nicht gar abgestoßen. Beide Meinungen hatten ihre Daseinsberechtigung, ...

Beim ersten Band Jade & Shep schieden sich die Geister: die einen waren hellauf begeistert, die anderen waren eher enttäuscht, wenn nicht gar abgestoßen. Beide Meinungen hatten ihre Daseinsberechtigung, wie ich fand. Es kommt eben darauf an, welche Prioritäten man setzt. Ich selbst fand die Geschichte zwar unterhaltsam und habe irgendwann auch gut mitgefiebert, aber so richtig vom Hocker gehauen hat mich Monica Murphy diesmal nicht. Deshalb war ich gespannt, ob sie es im zweiten Band der Fair Game-Trilogie schaffen würde.

Leider dauerte es sehr lange, bis ich überhaupt ein Interesse an den Figuren entwickelt habe. Lucy und Gabriel sind in meinen Augen absolute 08/15-Charaktere, die sich von einem Klischee zum anderen hangeln und kaum eigene Merkmale mitbringen. Lucy ist da noch etwas vielschichtiger als Gabriel, aber auch sie erfüllt einfach das Klischee des armen Mädchens mit der tragischen Vergangenheit, das durch einen glücklichen Zufall in das Leben des reichen Schnösels stolpert und auf einmal das große Glück findet. Dabei ist es sich aber natürlich nicht bewusst, dass es wunderschön und besonders ist, sondern kritisiert immer wieder das eigene Äußere. Gabriel erscheint mir wie der typische junge Mann, der auf Kriegsfuß mit seinen mordsmäßig reichen Eltern steht und insgeheim ordentlich rebelliert (er führt ein illegales Casino in seinem Wohnzimmer, verdammt!), aber auch gern das Geld seiner Eltern ausgibt. Dabei ist er ein absolut machohaftes Arschloch, das nicht unbedingt durch einen geringen Frauenverschleiß Aufsehen erregt, und das erste, was er an seiner Neuen bemerkt, sind deren körperliche Merkmale. Welch Seltenheit in der aktuellen Buchkultur!

Nun habe ich nichts gegen Klischees und typisierte Charaktere. Ich lese solche Geschichten wie diese eigentlich recht gern. Auch mit einer ziemlich großen Ansammlung von Sexszenen habe ich kein Problem (ich habe Feuer und Stein von Diana Gabaldon (und alle Folgebände) überstanden – das härtet diesbezüglich ab.). Was mich stört, sind die flachen Charaktere ohne Tiefgang, ohne Hintergrund; das Fehlen von interessanten Nebenfiguren; die stagnierende Handlung. Es gab nichts, was mich überrascht hat. Absolut gar nichts. Und auch das ist nicht immer schlecht, denn manchmal möchte man als Leser eben auch mal recht haben. Es ist die Kombination aus all dem, die dazu führt, dass für mich bei Lucy & Gabriel einfach nicht der Funke übergesprungen ist.

Monica Murphy holt viel aus dieser flachen Story mit noch farbloseren Figuren heraus, indem sie so ansprechend wie möglich schreibt. Trotzdem bin ich von Lucy & Gabriel ziemlich enttäuscht. Mir fehlt das gewisse Etwas, Punkt.

Fazit
Es ist eine nette Geschichte für zwischendurch, um vom Alltag abzuschalten oder sich einfach fallen zu lassen, aber wer Inspiration, eine emotionale Achterbahnfahrt oder auch einfach das nächste Lieblingsbuch erwartet, der wird vermutlich enttäuscht werden.

Veröffentlicht am 07.08.2017

Kurzrezension

Finding it - Alles ist leichter mit dir
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Mit Finding It hatte ich ein bisschen Probleme. Ich wurde mit der Protagonistin Kelsey nicht wirklich warm, ihre Entscheidungen und Gedankengänge konnte ich in den seltensten Fällen nachvollziehen und ...

Mit Finding It hatte ich ein bisschen Probleme. Ich wurde mit der Protagonistin Kelsey nicht wirklich warm, ihre Entscheidungen und Gedankengänge konnte ich in den seltensten Fällen nachvollziehen und obwohl ihre Vergangenheit sie stark beschädigt hat, fehlt mir auch irgendwie das Verständnis für das Drama, das sie veranstaltet. Ich habe mich außerdem an einen Film erinnert, in dem Mandy Moore die Hauptrolle spielt (American Princess, 2004). Den muss ich mir noch mal angucken, sicherheitshalber, aber die Handlung ähnelt (wenn ich mich richtig erinnere), sehr diesem Buch. Der Schreibstil von Cora Carmack ist angenehm zu lesen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sie zu sehr versucht, möglichst jugendlich zu wirken, es aber leider nicht schafft, sodass es oft sehr gezwungen wirkt. Es hätte der perfekte Mittelweg zwischen erwachsen und vernünftig und jung und frech sein können, das wäre auch perfekt für die Altersgruppe der Protagonisten gewesen. Leider ist das etwas verfehlt. Schade ist auch, dass ausgerechnet der letzte Band der Trilogie in meinen Augen so schwächelt – der letzte Band bleibt ja doch irgendwie stellvertretend für die ganze Reihe in Erinnerung … Aber vielleicht lese ich die Reihe irgendwann noch mal und sehe das dann alles ganz anders. Wer weiß?

Veröffentlicht am 20.03.2017

Kurzrezension

Hardpressed - verloren
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Band 1 habe ich über eine Leserunde der Lesejury von Bastei Lübbe erhalten, Band 2 gab es für alle, die die Rezension in einem gewissen Zeitraum veröffentlichten.

Dies ist wieder einmal eine Reihe um ...

Band 1 habe ich über eine Leserunde der Lesejury von Bastei Lübbe erhalten, Band 2 gab es für alle, die die Rezension in einem gewissen Zeitraum veröffentlichten.

Dies ist wieder einmal eine Reihe um eine junge Frau, die zwar selbstbewusster auf ihren eigenen Beinen steht, als es bei den meisten anderen Reihen der Fall ist, aber genau so schnell dem reichen, großkotzigen, ach so gut aussehenden Mann verfällt, der selbstverständlich einen starken Kontrollzwang hat. Oh, und sie haben beide eine Vergangenheit, die nicht vollkommen rosarot ist, und sehr guten Sex. Ist doch normal, oder?

Diese Geschichte ist zwar etwas besser zum Frauenbild als viele andere dieses Genres, doch so richtig zufrieden bin ich damit noch immer nicht. Die Protagonisten haben endlich mal normale Namen, aber auch das tröstet mich nicht so wirklich über das oben beschriebene Klischee hinweg. Ich habe das Buch durchaus gern gelesen, ab und zu mit den Augen gerollt und an anderen Stellen mitgefiebert, aber die Fortsetzungen werde ich wohl anderen Lesern überlassen.