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Veröffentlicht am 09.12.2017

Überzeugender Krimistart mit Thrillerqualitäten

Todesstrand
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Dieser Krimi hat mich so gepackt, dass ich ihn an nur einem Tag
ausgelesen habe. Die Handlung dreht sich um Mädchenhandel,
Vergewaltigung und die brutale Hetzjagd der Opfer durch ihre Peiniger.
Es gibt ...

Dieser Krimi hat mich so gepackt, dass ich ihn an nur einem Tag
ausgelesen habe. Die Handlung dreht sich um Mädchenhandel,
Vergewaltigung und die brutale Hetzjagd der Opfer durch ihre Peiniger.
Es gibt Tote und man vermutet bei einer jungen Frau einen Suizid. Emma
ermittelt verdeckt als Detektivin, hilfreich unterstützt von Johanna
Krass und Mitarbeitern des BKA.

Das Besondere an diesem Krimi ist das spezielle Frauenteam der
Privatdetektei mit Büros in Rostock, vertreten durch Johanna Krass,
eigentlich Sonderermittlerin vom BKA Berlin und Emma Klar in Wismar. Sie
ermitteln verdeckt und arbeiten direkt mit dem übergeordneten BKA
zusammen. Dadurch stehen ihnen einerseits ermittlungstechnische
Freiheiten zu Verfügung und andererseits der ausgezeichnete Apparat der
BKA.

Emma Klar wurde vergewaltigt, gefoltert und gequält. Sie hat ein
furchtbares Trauma erlitten, doch als Polizistin kann sie nicht eher
ruhen, bis sie ihre Peiniger gestellt hat. In eingefügten Erinnerungen
Emmas erlebt man als Leser die brutalen Handlungen wiederholt mit und
sieht ihre grenzenlose Qual. Dabei bringt Katharina Peters diese Szenen
ohne schockierende Details zu Papierund dennoch leidet man als Leser
mit. Besonders die emotionale Seite ihrer Charaktere hat sie überzeugend
dargestellt.

Auch Johanna Krass ist eine Ausnahmeerscheinung, sie ist pragmatisch,
denkt logisch und versteht es, auf Menschen einzugehen, sie zu
überzeugen oder zu befragen. Zusammen stellen die beiden Frauen ein gut funktionierendes Team.

In diesem Krimi gibt es nur wenig Privatsphäre, dadurch kann man sich
gut auf die Krimihandlung konzentrieren und man hat so die verschiedenen
Opfer und Beteiligten verstärkt im Blick.



Dank des flüssigen, knapp formulierten Schreibstils vermochte mich
Katharina Peters sofort zu packen und ich musste den Krimi regelrecht
inhalieren. Dabei ist wie schon gesagt, die emotionale Schiene
vordergründig angelegt und man erlebt bei den Figuren ihre Gefühle
hautnah mit. So erfreut es denn besonders, dass sich aus dieser Gewalt
und Wut heraus bei Emma doch so etwas wie ein hoffnungsvoller Schweif am Horizont entwickelt und sie einem Mann wieder Vertrauen schenken kann und sich sogar in ihn verliebt. Sicherlich wird dieser Aspekt im nachfolgenden Krimi erneut weitergesponnen.

Ich hätte diesem Krimi 5 Sterne vergeben, wenn da nicht die vielen
Figuren gewesen wären, die für mich einfach kein Gesicht bekamen. Auch
dass gerade der erste Fall in Emmas Detektei sich zufällig um ein
beteiligtes Mädchen der verfolgten Truppe dreht, erscheint mir zu
konstruiert.

Dieser fesselnde Krimi von der Ostsee mit Abstecher nach Hannover konnte mich spannend unterhalten. Auf die weiteren Bände mit Emma und Johanna freue ich mich schon.

Veröffentlicht am 30.11.2017

Winterliche Islandromantik

Nordlichtherzen
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Bei diesem Roman wird schon vom Titel und Cover sofort deutlich, dass es sich hier um einen Liebesroman vor nordischer Kulisse handelt. Die Abbildung eines idyllischen Gebäudes im nordischen Stil vor einer ...

Bei diesem Roman wird schon vom Titel und Cover sofort deutlich, dass es sich hier um einen Liebesroman vor nordischer Kulisse handelt. Die Abbildung eines idyllischen Gebäudes im nordischen Stil vor einer verschneiten Ebene mit grasenden Islandpferden vor dem Hintergrund isländischer Vulkanberge wirkt einfach wunderschön romantisch und man wird beim Lesen immer wieder in diese raue, aber märchenhafte Landschaft versetzt. Sogar die einzigartige Stimmung der Polarlichter erlebt man im Buch und dadurch bekommt die authentische Schilderung dieser Gegend einen besonderen Stellenwert in meiner Buchmeinung. Selbst wenn man noch nie isländischen Boden berührt hat, glaubt man sich beim Lesen genau dort.

Die Schwerstern Unnar und Hekla sind trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere sehr eng miteinander verbunden. Auch wenn es hier und da Differenzen gibt, kennen sie sich genau und die schwesterliche Bindung hält sie eng zusammen. Besonders ihre künsterische Ader verbindet sie, während Hekla sich als Songwriterin und Sängerin entwickelt, ist Unnur die begnadete Malerin von Elfenbildern. Ihre Entwicklung in diesen Bereichen bringt die Geschichte mit der nötigen Tiefe voran.

Beide Frauen sind ohne Mann und so sorgen die Pensionsgäste für den nötigen emotionalen Trubel. Dank einiger personeller Gefühle und Wirrungen wird man hier gut unterhalten, auch der Bau einer Straße sorgt für etwas Spannung.
Die Geschichte ist richtig gefühlvoll geschrieben und trotzdem nicht kitschig, denn es geschieht auch neben den vermeintlichen Romanzen noch genügend Hintergrundgeschehen. Auch wenn alles sehr vorhersehbar ist, kann man mit den Figuren gut mitfühlen und wer noch etwas Elfenzauber wünscht, bekommt hier eine Menge davon geliefert. Auch wenn es wunderbar in diese Gegend passt und dem isländischen Brauchtumg entspricht, sind gerade die Elfengeschichten nicht so mein Fall, daher musste ich einen Stern abziehen. Aber das ist Geschmackssache.

Nordlichtherzen sorgt für winterliche Stimmung und bringt unterhaltsame Lektüre für die Vorweihnachtszeit. Wer dann noch Islandfan ist, findet hier die perfekte Untermalung für nordische Buchromantik auf dem heimischen Sofa.

Veröffentlicht am 28.11.2017

Unterhaltsame Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Elche unterm Weihnachtsbaum
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Unter dem Titel "Elche unterm Weihnachtsbaum" haben die Übersetzerinnen Ebba D. Drolshagen und Regine Elsässer die schönsten Geschichten aus dem hohen Norden ausgesucht und veröffentlicht. Die Sammlung ...

Unter dem Titel "Elche unterm Weihnachtsbaum" haben die Übersetzerinnen Ebba D. Drolshagen und Regine Elsässer die schönsten Geschichten aus dem hohen Norden ausgesucht und veröffentlicht. Die Sammlung von Kurzgeschichten erschien erstmals 2010 im Piper Verlag.


Dieses Buch enthält eine bunte Mischung von skandinavischen Kurzgeschichten, die sich um Tannenbäume, das Luciafest und auch um den Weihnachtsmann drehen.


Man erfährt wie die schwedische Weihnachtstradition der Lucia abläuft, bekommt einige Rezepte für Glögg, "Risalamande" (Milchreis) und typisches nordisches Gebäck an die Hand und wird unterhaltsam und informativ über nordische Weihnachten informiert.



Die Autorennamen sind mir nur teilweise bekannt. So gibt der wunderbare Klassiker "Der Tannenbaum" von Hans Christian Andersen ein Stelldichein, aber auch von Selma Lagerlöf und Anne B. Ragde gibt es Beiträge.

Henrik Valentins "Rudolph mit der roten Nase" war schön amüsant.

Klas Östergrens "Leider nur zur Weihnachtszeit" ist etwas frech und macht neugierig auf seine anderen Werke.

Und Levi Henriksen geht in "Ein Haus aus Händen" einer Geburt am Weihnachtstag nach. Passender geht es wohl kaum, denn das ist ja der Grund dieses besonderen Weihnachtstages: die Geburt eines Kindes.

Anne B. Ragdes "Ein Weihnachtsgeschenk von oben" hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.

Susanne Bjerrehus untersucht in "Weihnachtsleid, Weihnachtsfreud" den Kommerz und die Wahl des richtigen Partners zur Weihnachtszeit.


Ich wurde gut unterhalten, fand allerlei interessante Infos über nordisches Brauchtum.

Ob witzig, nachdenklich machend oder einfach nur unterhaltsam und stimmungsvoll, hier findet sich für jeden Geschmack etwas passendes. Die Texte sind vielfältig, die Schreibstile sehr unterschiedlich, einige Geschichten sind zum Vorlesen geeignet, andere wiederum eher nur für Erwachsene.


Für Skandinavienfans ein bunter Reigen von weihnachtlichen Geschichten, die die Bräuche und die Kultur des Nordens näher beleuchten und vorstellen. Durch die beigefügten Rezepte bekommt man Ideen für kulinarische Kostproben und kann den nordischen Nachbarn direkt auf den weihnachtlichen Teller schauen.

Veröffentlicht am 25.11.2017

Ist Selbstoptimierung der Weg zum Glück?

Rette mich, wer kann
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Der Roman "Rette mich, wer kann" ist ein Gemeinschaftsprojekt zweier Autorinnen unter dem Pseudonym Jule Maiwald. Das Buch erscheint 2017 im Rowohlt Verlag.

Jettes Mann hat sie verlassen, nun steht ...

Der Roman "Rette mich, wer kann" ist ein Gemeinschaftsprojekt zweier Autorinnen unter dem Pseudonym Jule Maiwald. Das Buch erscheint 2017 im Rowohlt Verlag.

Jettes Mann hat sie verlassen, nun steht sie ohne Job und Zuhause da. Sie findet Zuflucht in einer Wohngruppe, die aus frisch Getrennten besteht. Dort kann Jette 12 Wochen bleiben und erhält Starthilfe für einen Neubeginn. Jette startet ihren Selbstoptimierungsplan und ihre Mitbewohner unterstützen sie nach allen Kräften. Nur Nick glaubt nicht an den Plan, über die Strategien aus Unternehmungsführung, persönliches Glück erreichen zu können.

Die Handlung beginnt mit einem Paukenschlag. Jette ist Moderatorin einer Radiosendung und verteilt Ratschläge und Lebenshilfetipps an unsichere und verzweifelte Menschen.
Plötzlich steht sie selbst im Fokus des Geschehens und erfährt vor den Ohren der Öffentlichkeit vom Doppelleben ihres Mannes. Von einem Moment auf den anderen bricht ihr bisheriges Leben auseinander.
Mit unverhofftem Glück im Unglück bekommt sie ein Zimmer in einer ganz besonderen Wohngruppe. Dort leben lauter frisch Getrennte, die sich gegenseitig umeinander kümmern und aufbauen.
Jette beginnt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und will erst einmal neuen Job finden. Dabei erlebt sie im Jobcenter eher Ablehnung als Hilfe. Denn ohne Ausbildung sehen ihre Karten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schlecht aus. Bei dieser Szene habe ich mich schon köstlich amüsiert.
Als sie jedoch ihr Leben mit Selbstoptimierung in den Griff kriegen will, geht das Chaos los. Fast schon zwanghaft geht Jette ihre Selbstfindung an und beginnt mit dem äußeren Erscheinungsbild. Immer mehr verbessert sie auch ihr Image schlechthin und vergrault damit ihren neuen Freund Nick.

Mir hat es gut gefallen wie hier dieses Trendwort aus der Unternehmensführung in die Handlung eingebaut wurde. Schliesslich glauben viele Menschen, dass Perfektion zu einem besseren Leben führen kann, sie kann aber auch selbstzerstörerisch wirken und zum Burn-out führen.

Man erlebt mit Jette eine authentisch wirkende Figur, die aus ihrer Situation das Beste macht und auch für ihre neuen Freunde eine Hilfe sein möchte. Dabei wird nicht nur mit humorvollen, sondern auch mit ernsthaften Szenen gut unterhalten und man fühlt automatisch mit den Charakteren mit.

Der Schreibstil ist angenehm und zeigt viel Lebensnähe, auch wenn die Thematik natürlich ein wenig übertrieben ist.

Ein unterhaltsamer Frauenroman mit Humor und der Thematik der Selbstoptimierung. Glück und Erfolg gehen nicht immer die geplanten Wege.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ein Krimi mit charmantem Pfiff durch die tollen Ermittler

Nichts wie es war
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Dieser Kriminalroman spielt im beschaulichen Sauerland. Er zeigt jedoch auch die böse Seite dieser ansonsten so ruhigen waldreichen Gegend. Als Anton erfährt, dass sein Freund Hannes, eine herzensgute ...

Dieser Kriminalroman spielt im beschaulichen Sauerland. Er zeigt jedoch auch die böse Seite dieser ansonsten so ruhigen waldreichen Gegend. Als Anton erfährt, dass sein Freund Hannes, eine herzensgute Seele, angeblich seine Pflegekraft ermordet haben soll, kann er das nicht glauben. Aber wie soll er jetzt ermitteln, wo er gerade die Folgen eines Schlaganfalles auskuriert und selbst auf Hilfe angewiesen ist? Die Hilfe naht mit Zofia, einer junge Polin, die zwar manchmal etwas schreckhaft, aber im Ernstfall doch recht mutig ist. Sie sorgt nicht nur rührend für Anton, nein, sie stürzt sich auch noch gemeinsam mit ihm in die Nachforschungen um den Todesfall. Dabei ergänzen sie sich perfekt.

Mit hat dieser Krimi gut gefallen, er ist flott zu lesen, hat viele spannende Situationen und ist durch die Sprachprobleme von Zofia auch teilweise recht lustig.

Sehr unterhaltsam fand ich die vielfältig geschilderten Charaktere, hier lernt man die Dorfbewohner bestens kennen und sieht auch hinter ihre gutbürgerliche Fassade. Was sich dahinter verbirgt, darüber möchte ich hier aus Spoiler-Gründen schweigen. Nur soviel: Es ist nichts so wie es scheint.

Der Autorin gelingt es gut, die Situation von Anton zwar als hilfsbedürftig darzustellen, aber sie zeigt auch, wie energisch und vehement er sich bei der Tätersuche einsetzt. Sie setzt damit ein deutliches Zeichen, dass alte Menschen auch ihre persönliche Würde und Eigenständigkeit behalten, egal wie ihre körperliche Situation aussieht.

Dank Zofia wird der Blick hinter die Kulissen gelüftet. Sie nutzt ihre Menschenkenntnis und ihre persönliche Art, um an Informationen zu gelangen. Der Sohn von Anton ist Polizist, aber die wahren Ermittler sind hier eindeutig Zofia und Anton!

Ein Problem hatte ich anfangs mit den Rückblenden, die durch übergeordnete Zeiten Klarheit in die chronologische Handlung bringen sollten. Mich haben sie eher verwirrt. Erst im Verlauf des Buches konnte ich sie zeitlich richtig einordnen.

Ein sehr unterhaltsamer Krimi, der mir schöne Lesestunden geschenkt hat und spannende Momente.