Cover-Bild Umlaufbahnen
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 14.11.2024
  • ISBN: 9783423284233
Samantha Harvey

Umlaufbahnen

Roman | Booker Prize 2024 | »Was für ein himmlischer Roman!« Adam Soboczynski, Die Zeit
Julia Wolf (Übersetzer)

Von oben betrachtet sieht die Welt gleich ganz anders aus

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 in der Kategorie Übersetzung

Sechs Astronauten schweben in einer Raumstation durchs All. Den Planeten Erde umkreisen sie in 90 Minuten, sechzehnmal in 24 Stunden. Die zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Nationen arbeiten, essen und schlafen auf engstem Raum – und doch ist alles losgelöst vom Alltag, Schwerkraft und Zeitempfinden sind außer Kraft gesetzt. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? In dem Zeitraum von nur einem Tag, während die Sonne sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet dieser ungewöhnliche, kraftvoll poetische Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit und bringt uns der Schönheit des Universums ganz nahe.

»Ich wusste nicht, wie sehr mir dieses Buch gefehlt hat, bis ich es gelesen habe. Dieser Roman lässt die schönsten Tränen fließen.« Ruth-Maria Thomas

Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024 und Hawthornden Prize for Literature 2024, nominiert für den Orwell Prize for Political Fiction 2024 sowie den Ursula K. Le Guin Prize 2024 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.06.2025

Leise und unglaublich toll erzählte Geschichte über die fremde Welt im All und die Sicht auf die Erde

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Vier Astronauten und zwei Astronautinnen sind in einer Raumstation um die Erde unterwegs: Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA). Sie leben zusammen ...

Vier Astronauten und zwei Astronautinnen sind in einer Raumstation um die Erde unterwegs: Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA). Sie leben zusammen auf engstem Raum und führen Forschungsarbeiten durch in einem durchgetakteten Tagesablauf. In 24 Stunden umrundet die Raumstation 16 mal die Erde. Weit weg von Freunden, Familie und dem gewohnten Alltag wird ein Tag der sechs Personen geschildert.

Mich hat das Buch vom Cover und Klappentext schon für sich eingenommen. Es gibt eigentlich keine wirkliche Handlung, es wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der sechs AstronautInnen erzählt und ihre Beobachtungen, aber auch Eindrücke, Sehnsüchte und Gefühle wiedergegeben. Man erfährt, über welchen Kontinent oder Land sich die Raumstation gerade befindet und es werden unglaublich toll die Eindrücke zu diesen Landschaften und Gegebenheiten erzählt. Auch die Experimente, Forschungsarbeiten und Reparaturen in und an der Raumstation werden beschrieben, sodass man als Leser stets mittendrin ist und ich habe einiges an interessanten Dingen gelernt. Generell wird eine Welt beschrieben, die die allerwenigsten von uns jemals erleben werden und umso spannender ist ein realistischer Einblick, den man mit diesem Buch bekommt.
Das Buch plätschert vor sich hin, was die Geschichte jedoch nicht beeinträchtigt. Es ist eine leise Geschichte, der Erzählstil dazu passend, an vielen Stellen fast schon poetisch. Beim Lesen war ich mittendrin in dieser völlig anderen Welt, man wird demütig und ehrfürchtig und mir wurde bewusst, dass wir Menschen auf dieser Erde nur ein winziges Sandkorn sind im Vergleich zur Natur und dem allumfassenden Kosmos. Die Erde als kleiner Punkt im unendlichen Weltall wird so toll beschrieben, dass einem beim Lesen umso bewusster wird, wie wichtig es ist, diesen Planeten zu schützen und nicht auszubeuten.

Mir hat die Geschichte unglaublich gut gefallen, auch ohne konkrete Handlung wird so viel aus einer völlig anderen und fremden Welt erzählt. Für mich ein neues Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Ein Highlight

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Samantha Harvey nimmt mich mit an einen ganz besonderen Ort, nämlich eine internationale Raumstation. Auf dieser treffe ich auf sechs Astronauten bzw. Kosmonauten aus Amerika, Japan, Großbritannien und ...

Samantha Harvey nimmt mich mit an einen ganz besonderen Ort, nämlich eine internationale Raumstation. Auf dieser treffe ich auf sechs Astronauten bzw. Kosmonauten aus Amerika, Japan, Großbritannien und Japan sowie Russland. Jeweils aus der Sicht eines der Protagonisten erlebe ich ihre Zeit im All.

„So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien, bisweilen zusammenfinden.“ (Seite 7)

Schon mit diesem ersten Satz zieht mich die Autorin hinein in ihren klugen und wundervollen Roman, der mich mehr als einmal zum Taschentuch greifen lässt. Tief beeindruckt hat mich die Schönheit der Worte, die Samantha Harvey für ihr mit dem Booker Prize 2024 ausgezeichnetes Buch gewählt hat und die von Julia Wolf so grandios ins Deutsche übersetzt wurden.

Die poetische Sprache trägt mich durch das Buch und als wäre das nicht genug, verzaubert Harvey mit eindrucksvollen, sehr bildhaften Beschreibungen des Himmels, der unendlichen Weiten des Alls und den Aussichten auf die Erde. Das ist absolut faszinierend! Schon aufgrund der Schönheit der Sprache ist der Roman eine Empfehlung wert.

Als Leserin folge ich den Gedanken der Astronauten, die oft existenziell sind. „Was zur Hölle mache ich hier, in einer Blechbüchse im luftleeren Raum? Ein konservierter Mann in einer Konservendose. Zehn Zentimeter Titan trennen ihn vom Tod. Nicht einfach vom Tod, sondern von der Auslöschung, der völligen Nichtexistenz.“ (Seite 83)

Das berührt und macht nachdenklich. Neben den bewegenden Gedanken erlebe ich auch die Einsamkeit der Astronauten. Sie vermissen ihre Liebsten und dennoch wollen sie nirgendwo anders sein als im All.

Samantha Harvey erzählt davon, unaufdringlich, leise und sehr glaubwürdig. „Umlaufbahnen“ ist kein Science-Fiction-Roman, die Autorin hat für ihr Buch akribisch recherchiert und das merkt man ihm auch an. Ein Highlight!

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Ein literarisches Juwel

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Es gab sooooo mega viele gute Besprechungen über Umlaufbahnen von Samantha Harvey, da konnte ich nicht widerstehen und wollte es auch lesen. Hier verschiebt sich die Perspektive im wahrsten Sinne des Wortes ...

Es gab sooooo mega viele gute Besprechungen über Umlaufbahnen von Samantha Harvey, da konnte ich nicht widerstehen und wollte es auch lesen. Hier verschiebt sich die Perspektive im wahrsten Sinne des Wortes beim Lesen.
Samantha Harvey nimmt uns mit in eine Raumstation, in der vier Männer und zwei Frauen (davon 2 Kosmonauten) inmitten der Unendlichkeit des Alls die Erde sechzehnmal am Tag umkreisen. Diese scheinbar einfache Prämisse entfaltet eine unendliche Komplexität. Die Protagonist:innen schweben nicht nur physisch, sondern auch emotional und existenziell – zwischen der Sehnsucht nach dem Planeten, den sie hinter sich gelassen haben, und der Ehrfurcht vor der erhabenen, verletzlichen Schönheit dieser leuchtenden Kugel im Nichts. Die Idee, diese Dualität zwischen Nähe und Distanz, zwischen Isolation und universeller Verbindung zu erforschen, ist schlicht genial.
Die Prosa ist von einer sprachlichen Eleganz, die ihresgleichen sucht. Die Beschreibungen der Erde aus dem All – „diesiges blassgrün schimmerndes Meer“ oder „Gran Canarias steile, strahlenförmige Schluchten wie eine eilig gebaute Sandburg“ – sind so präzise und poetisch, dass man das Gefühl hat, die Welt tatsächlich mit den Augen der Astronaut:innen zu sehen. Die Erde wird zur Diva in einem Ozean der Leere, gleichzeitig majestätisch und fragil.
Die fragmentarische Struktur des Romans, die auf klare Handlung und Spannungsbögen verzichtet, spiegelt die Schwerelosigkeit des Settings wider. Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen treiben wie Partikel im Raum und bilden ein einzigartiges literarisches Mosaik. Der Booker Prize 2024 ist sehr verdient gewonnen.
Der Roman wird von existenziellen Überlegungen durchzogen wie ein stilles Pulsieren, verstärkt durch die persönlichen Geschichten der Astronaut:innen: die sterbende Mutter einer Raumfahrerin, die Fragen einer Tochter, die Sehnsucht nach Blumen vor einem Fenster in Moskau. Es macht das Lesen so wahnsinnig intensiv. Das letzte Mal, dass ich mich so unbedeutend klein in diesem Universum fühlte, war am Abgrund des Grand Canyon.
Die Isolation des Alls bringt die Charaktere nicht nur einander näher, sondern auch sich selbst. Samantha Harvey zeigt mit großem Einfühlungsvermögen, wie widersprüchlich der menschliche Geist ist: der gleichzeitige Wunsch, zurückzukehren, und für immer zu bleiben. Diese Paradoxien machen das Buch so zutiefst menschlich und berührend.
Der Roman ist auch äußerst gut von Julia Wolf übersetzt. Großartig auch, dass sie es auf den Klappentext hinten geschafft hat. Immerhin außen sichtbar. Tolle Übersetzungsleistung.
Fazit: Dieser Roman ist große Kunst! Ein außergewöhnliches Buch, das sowohl Herz als auch Verstand anspricht. Wer sich auf die Schwerelosigkeit dieser poetischen Reise einlässt, wird nicht nur die Erde, sondern auch sich selbst mit neuen Augen sehen.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Im Hinterhof der Erde

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Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA): Vier Astronauten und zwei Astronautinnen kreisen in einer Raumstation um die Erde. Sie leben auf engstem ...

Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA): Vier Astronauten und zwei Astronautinnen kreisen in einer Raumstation um die Erde. Sie leben auf engstem Raum und haben einen anspruchsvollen, durchgetakteten Tagesablauf. Weit weg von Familie und Freunden haben sie nicht nur mit Sehnsucht und Entbehrungen zu kämpfen, sondern auch besondere Herausforderungen zu meistern. Doch sie bereuen ihre Entscheidung nicht, denn aus ihren Fenstern haben sie die Schönheit der Welt ständig vor Augen.

„Umlaufbahnen“ ist ein Roman von Samantha Harvey, der mit dem Booker Prize 2024 ausgezeichnet worden ist.

Der Aufbau des Romans ist klar und schlüssig: Es gibt 21 Kapitel, die nach den Umlaufbahnen benannt sind. Die erzählte Zeit umspannt genau 24 Stunden, in denen die Raumstation 16 Male die Erde umrundet, auf den im Innenteil abgebildeten Umlaufbahnen. Die Handlung spielt in der nahen Zukunft.

Mit poetischer Note und wunderbar unaufgeregt wird erzählt. Gelungene, teils ungewöhnliche Bilder sind eine der Stärken des Romans. Darüber hinaus wird viel Atmosphäre transportiert. Beeindruckt haben mich zudem die Beschreibungen der Erdlandschaften und Städte von oben, der Sonnenauf- und -untergänge, der Polarlichter und Sterne. Die Übersetzung von Julia Wolf wird dabei dem Originaltext gerecht.

Stück für Stück, aber nicht bis ins letzte Detail lernen wir die sechs unterschiedlichen Protagonisten kennen. Die eigentliche Hauptfigur ist jedoch unser aller Heimatplanet. Denn auf der inhaltlichen Ebene dreht sich vieles um existenzielle Themen wie Liebe, Glaube und Tod, aber auch Weltpolitik und Klimaschutz. Wie stellt sich unser Planet von dort oben dar? Was macht die weite Entfernung zur Erde mit den Teilnehmern der Weltraummission? Wie ändern sich Ansichten und Gefühle draußen im Weltall? Immer wieder gibt der Roman Impulse zum Nachdenken und berührt. Nebenbei erfährt der Leser zudem einiges über die Vorbereitungen für die Mission und den Alltag der Crew.

Obwohl die Handlung auf den rund 220 Seiten überschaubar ist, manche Passagen sogar ein wenig redundant anmuten, habe ich mich beim Lesen keine Sekunde gelangweilt. Im Gegenteil.

Der prägnante englischsprachige Titel wurde sinnerhaltend ins Deutsche übertragen. Auch beim Cover wurde sich erfreulicherweise am Original orientiert.

Mein Fazit:
Mit ihrem preisgekrönten Roman hat Samantha Harvey auch mich begeistert. „Umlaufbahnen“ ist mein erstes Lesehighlight im Jahr 2025.

Veröffentlicht am 12.01.2025

Völlig losgelöst...

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Der erste Satz: „So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien, bisweilen zusammenfinden“.

Eine Raumstation. ...

Der erste Satz: „So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien, bisweilen zusammenfinden“.

Eine Raumstation. An Bord vier Astronauten, zwei Kosmonauten. Ein internationales Team aus Neulingen und alte Hasen auf engstem Raum, jede/r mit einer individuellen Aufgabe betraut. Beobachtungen, Experimente, Forschung in der Petrischale. Schwerelosigkeit und ihre Auswirkungen, lang- und kurzfristig. Jedes Ergebnis dokumentierend.

Vierundzwanzig Stunden, ein Tag und eine Nacht, getaktet in sechzehn Umlaufbahnen, von denen jede neunzig Minuten dauert. Eineinhalb Stunden in Dauerschleife, in denen die Sonne auf- und untergeht. Völlig losgelöst in grenzenloser Unendlichkeit, den Blick gerichtet auf Mutter Erde lassen wir uns treiben.

Samantha Harveys „Umlaufbahnen“, ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024, setzt sich aus individuellen Reflexionen und Beobachtungen zusammen, die in weiten Teilen völlig unspektakulär daherkommen. Gespeist aus Gegenwärtigem und Vergangenem. Den Aufgaben, die es täglich zu erledigen gilt, den Gefühlen, die bei den Blicken aus den Fenstern geweckt werden, aber auch den persönlichen Erinnerungen, Erfahrungen und Sehnsüchten. Manchmal profan, aber über weite Strecken all jene Punkte thematisierend, die die Existenz des blauen Planeten gefährden und dessen Schutz geradezu unumgänglich einfordern. Sehen Dunkel und Licht, Wetterphänomene und eine Welt ohne Grenzen, spüren Hilflosigkeit, persönliche Betroffenheit aber auch wissenschaftliches Interesse. Tauchen ein in die Köpfe der Besatzung, folgen deren Fluss der Gedanken, teilen und würdigen staunend ihre Beobachtungen.

Ganz großes Kino. Lesen!