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Veröffentlicht am 08.02.2025

Kulinarisches Nordafrika

Tunesisch vegan
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Malek M'hiri hat nicht nur tunesische, sondern auch arabische und jüdische Wurzeln. Und Malek kocht gern - seit einigen Jahren auch vegan. Was liegt da näher, als ein Kochbuch zu schreiben, in dem die ...

Malek M'hiri hat nicht nur tunesische, sondern auch arabische und jüdische Wurzeln. Und Malek kocht gern - seit einigen Jahren auch vegan. Was liegt da näher, als ein Kochbuch zu schreiben, in dem die Erfahrungen und Traditionen der Familie einfließen? Malek nimmt uns mit auf eine kulinarische Reise.

Ich habe hier einiges gelernt und es gab Speisen, die zwar interessant waren, aber die ich nicht unbedingt noch mal probieren muss - ich schaue zu dir, Weizenpudding! Was mich aber wirklich umgehauen hat, waren zum Beispiel die Kichererbsenplätzchen. Wer hätte gedacht, dass die so unschuldig langweilig wirkenden Kichererbsen so gut schmecken können? Was mir auch sehr gut gefällt, ist die Kombination von Gewürzen, die zumindest ich selten verwende, jetzt aber wohl auch öfter hernehmen werde. Kreuzkümmel zum Beispiel riecht megagut, wenn er angebraten ist und gibt dem Essen eine richtig orientalische Note.

Ich mochte auch, dass es Malek einfach fiel, Fleisch und Tierisches zu ersetzen, ohne auf Ersatzprodukte und allgegenwärtiges Tofu zurückzugreifen. Wobei ich nichts gegen Tofu habe, aber das steht auf einem anderen Blatt. Ab und zu hätte ich mir zu einzelnen Rezepten Bilder gewünscht, denn diese exotischen Speisen sind ja nun nicht allgemein bekannt. Stattdessen gab es dann manchmal einen vollen Einkaufskorb voller Gemüse oder ein stilisiertes Bild. Auch hätte ich gern etwas mehr Abwechslung gehabt anstatt mehrere Abwandlungen desselben Gerichts, denn das wird man irgendwann selbst machen, schon allein, weil man vielleicht nicht immer alle Zutaten zuhause hat.

Dennoch hat mir dieser Abstecher in die vegane Küche Tunesiens gefallen und es gibt noch das ein oder andere Rezept, das ich ausprobieren muss.

Veröffentlicht am 03.02.2025

Die Mitternachtshändlerin

Der Sternenstaubdieb
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Vor Jahren wurde der Stamm von Layla von Dschinn-Jägern ausgelöscht und sie überlebte nur, weil der Dschinn Quadir ihr das Leben rettete. Jetzt nennt sie sich Loulie al-Nazari und ist als Mitternachtsjägerin ...

Vor Jahren wurde der Stamm von Layla von Dschinn-Jägern ausgelöscht und sie überlebte nur, weil der Dschinn Quadir ihr das Leben rettete. Jetzt nennt sie sich Loulie al-Nazari und ist als Mitternachtsjägerin bekannt, die verbotene Artefakte verkauft. Dann lässt sie der Sultan verhaften und er lässt ihr nur die Wahl, für ihn ein verschollenes Artefakt zu finden oder zu sterben. Zusammen mit Quadir, von dem außer ihr niemand weiß, dass er ein Dschinn ist, der Dschinn-Jägerin Aisha und dem unerfahrenen Prinz Mazen macht sie sich auf eine gefährliche Reise, bei der jeder seine verborgene Agenda hat.

Das Buch liest sich ein bisschen wie eine Geschichte aus 1001 Nacht, und es kommen auch bekannte Elemente vor wie der Sultan, der seine Ehefrauen hinrichten lässt, bis die eine erscheint, die ihn durch ihre Geschichten fasziniert, den vierzig Räubern und magischen Lampen. Auch die Dschinns und Ghule, die regelmäßig auftauchen, sowie das Setting führen tief in eine abenteuerliche Märchenwelt. Dabei ist das Mindset der Charaktere durchaus modern und ich sollte die Ewiggestrigen warnen: Hier wird gegendert, das wird euer eigenes kleingeistiges Mindset wohl nicht verkraften. Dass es nicht die vollen fünf Punkte wurden, lag zum Teil an Loulie selbst, die mir manchmal zu zickig wurde und der Tatsache, dass durch die Dschinn-Magie doch sehr viel geregelt wurde und mir das manchmal etwas zu viel wurde. Alles in allem haben wir hier bis auf ein paar gemächliche Passagen eine abenteuerliche Geschichte vorliegen, die orientalische Märchenvibes versprühte und zum Glück mit kitschiger Liebesgeschichte nichts am Hut hatte.

Veröffentlicht am 27.01.2025

Ödlandweh

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
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Die einzige Chance, das Ödland lebend zu durchqueren, ist der gepanzerte, riesige Zug der Company. Das Ödland ist Sibirien, ist ein paar Tagesreisen hinter Moskau alles bis China. Seltsame Pflanzen und ...

Die einzige Chance, das Ödland lebend zu durchqueren, ist der gepanzerte, riesige Zug der Company. Das Ödland ist Sibirien, ist ein paar Tagesreisen hinter Moskau alles bis China. Seltsame Pflanzen und Tiere existieren dort, es gibt verstörende Farben und Formen und wer zu lange aus dem Fenster sieht, erlebt von Halluzinationen bis Ödlandweh alles. Nach einem Vorfall ist der Zug ein halbes Jahr ausgefallen, doch jetzt setzt er sich wieder in Bewegung und alle sind in ihm für fast drei Wochen gefangen: Das Mädchen, das im Zug geboren wurde. Das Mädchen, das unter einem falschen Namen reist. Das Mädchen, das keines ist. Der Naturforscher, die Angestellten, die Passagiere, die zwei Companyvertreter, genannt "die Krähen". Sie alle haben ihre eigene Agenda, Wünsche, Träume - doch am Ende der Reise wird nichts mehr sein wie zuvor.

Gleich vorneweg: Es handelt sich hier um eine Mischung aus Ökofantasy, Dystopie und Reisebericht im Stil des 19. Jahrhunderts, inklusive Metaebene der Ausbeutung der Natur und der schlussendlichen Erkenntnis, die wir auch schon aus Jurassic Park kennen: Das Leben findet immer einen Weg. Ich fand den Einstieg (ins Buch, nicht in den Zug) etwas langatmig, aber als sich dann sowohl Zug als auch Handlung in Bewegung setzten, konnte mich die Geschichte gut mitnehmen. Schlussendlich handelt es sich hier um eine Art Märchen, vielleicht sogar ein typisch russisches Märchen, etwas schwermütig, etwas öldandwehmütig, aber doch auch mit einer Art Happy End. Mal etwas anderes.

Veröffentlicht am 13.01.2025

Trick 17

Wackelkontakt
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Franz Escher ist introvertiert und puzzelt gern. Dennoch muss endlich mal seine Steckdose repariert werden, die seit Ewigkeiten kaputt geht, deshalb wartet er jetzt auf den Elektriker. Der jedoch lässt ...

Franz Escher ist introvertiert und puzzelt gern. Dennoch muss endlich mal seine Steckdose repariert werden, die seit Ewigkeiten kaputt geht, deshalb wartet er jetzt auf den Elektriker. Der jedoch lässt auf sich warten und um sich die Zeit zu vertreiben, puzzelt Escher ausnahmsweise nicht, sondern liest ein Buch. In dem Buch geht es um Elio, der als Kronzeuge gegen die Mafia ausgesagt hat und jetzt ins Zeugenschutzprogramm kommt. Auf dem Weg in sein neues Leben liest er ein Buch über Franz Escher, der ein Buch liest und auf den Elektriker wartet ... Gastauftritte: eine Frau, die keine Fragen stellt, eine Frau, die zu viele Fragen stellt, die Mafia und diverse Puzzles.

Mich haben die ersten Seiten gleich reingezogen, obwohl es gar nicht mein Genre ist. Wir haben hier einen originellen Plot innerhalb eines Plots, und auch wenn das Ganze natürlich nicht sehr logisch ist, so ist es doch angenehm geschrieben. Obwohl es keine Kapitel und Absätze gibt (okay, doch, genau zwei: On/Off) und die Geschehnisse der beiden Stränge fließend ineinander übergehen, ist es kein Problem, dran zu bleiben und der Geschichte zu folgen. Ist natürlich auch keine Raketentechnik, aber so in der Art habe ich eine Story zum ersten Mal gelesen. Je mehr sich die Stränge einander näherten, desto mehr verlor sich auch die Originalität, fand ich. Die ganze Mafia/Millionen-Sache samt Entführung und Gino-der-Pate hätte ich nicht mehr gebraucht. Und ich mag es auch nicht, wenn Sätze in Dialogen gelacht werden und das kommt hier überraschend oft vor. Trotzdem haben wir hier eine unterhaltsame und kurzweilig Geschichte vorliegen, die Spaß macht zu lesen.

Veröffentlicht am 27.12.2024

Der weibliche Vampir

Carmilla
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Laura ist eine junge Frau, die tief in den Wäldern der Steiermark auf einem alten Schloss lebt, zusammen mit der Dienerschaft und ihrem Vater. Da im Umkreis vieler Meilen keine anderen Menschen leben, ...

Laura ist eine junge Frau, die tief in den Wäldern der Steiermark auf einem alten Schloss lebt, zusammen mit der Dienerschaft und ihrem Vater. Da im Umkreis vieler Meilen keine anderen Menschen leben, fühlt sie sich oft genug sehr einsam. Umso schlimmer trifft es sie, dass eine andere junge Frau, das Mündel eines Freundes ihres Vaters, plötzlich stirbt, kurz bevor sie zu Besuch kommen wollte. Als sie eines Abends mit ihrem Vater spazieren geht, werden sie Zeuge, wie eine edle Kutsche in der Nähe des Schlosses havariert. Eine sehr edle und zurückhaltende Frau bittet sie, ihre Tochter bei sich aufzunehmen, obwohl sie aus gewissen Gründen Stillschweigen über ihre Identität bewahren müssen, und zu Lauras Freude stimmt ihr Vater zu. Die junge Frau, Carmilla, ist wunderschön, freundlich und redegewandt. Nur dass sie manchmal sehr träge ist, nie vor eins aus ihrem Zimmer kommt und manchmal seltsam reagiert, irritiert Laura. Und dann wird sie selbst krank ...

Ich denke, dass ich nicht spoilere, wenn ich bei einem über 150 Jahre alten Klassiker darauf hinweise, dass es sich bei Carmilla um einen Vampir handelt - und zwar so ziemlich den ersten in der Literatur, sogar noch zwanzig Jahre vor dem hochgelobten Dracula. Die Sprache mutet wohl für unsere heutige, schnelllebige Zeit altmodisch an, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Was meiner Meinung nach diesen Klassiker so einzigartig macht ist, dass hier ein männlicher Autor nicht nur aus der Sicht einer jungen Frau schreibt (und das meiner Meinung nach sehr gut), sondern auch Themen anspricht, die gerade jetzt hochmodern sind. Ob es sich dabei um Frauen handelt, die anders sind, als die Gesellschaft von ihnen erwartet, ob es um sexuelle Lust und Anziehung zwischen zwei Frauen geht - all das präsentiert uns Le Fanu in eine schöne, alte Schauergeschichte verpackt. Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war, dass nie geklärt wurde, wer die "ältere Frau" ist, die jedes Mal Carmilla begleitet und woher sie das ganze Wissen über den General hatte. Natürlich gehört das nicht zum Hauptplot, aber es hätte die Geschichte meiner Meinung nach perfekt abgerundet.