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Veröffentlicht am 24.03.2025

Geschichte eines Lebens

Was ich von ihr weiß
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Michelangelo Vitaliani, genannt Mimo, liegt im Sterben - was ihn dazu veranlasst, dem Leser in Gedanken die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Von Frankreich nach Italien, durch zwei Weltkriege, aus ...

Michelangelo Vitaliani, genannt Mimo, liegt im Sterben - was ihn dazu veranlasst, dem Leser in Gedanken die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Von Frankreich nach Italien, durch zwei Weltkriege, aus der Armut hinein in die höchsten Kreise.
Eine große Rolle spielt dabei für ihn immer Viola, die Tochter einer Adelsfamilie, die wie ein Wirbelsturm in die Geschichte hineinfegt und mit ihrer unendlichen Neugier und Wissbegierde Mimos Leben auf den Kopf stellt.

Beide Charaktere waren mir sehr sympathisch, Viola auf ihre freche, unkonventionelle und fortschrittliche Art, Mimo als talentierter Erzähler der Geschichte mit leicht sarkastischen Untertönen.
Generell fand ich die Menge der Personen recht angenehm, sie werden nach und nach eingeführt, sodass man gut den Überblick behalten kann, obwohl es ja um ein ganzes Menschenleben geht.

Die Geschichte springt zwischendurch immer wieder in die Gegenwart zurück, in der sich langsam ein Geheimnis entfaltet, Mimos Leben wird somit quasi vorwärts und rückwärts erzählt. Trotz des nahenden Todes ist das Buch so lebendig, die Handlungsorte werden mit wunderschönen Beschreibungen und ganz vielen interessanten Details zum Leben erweckt. Es fühlt sich an, als wäre der Autor in ein echtes italienisches Dorf gegangen und hätte es auf den Seiten eingefangen, von skurillen Bewohnern über Feste bis hin zum Dorfklatsch und lokalen Legenden.

Kurze Kapitel und der tolle Schreibstil fördern ebenfalls den Lesefluss. An manchen Stellen hat es sich zwischendurch allerdings doch auch mal ein wenig inhaltlich gezogen für mich. Ebenso hätte ich noch ein Nachwort toll gefunden, in dem aufgezeigt wird, welche Personen/Ereignisse wahr oder erfunden sind, damit man nicht alles selber recherchieren muss - denn das fand ich generell super, man bekommt am Rande noch einiges über die geschichtlichen Hintergründe und Ereignisse mit.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Brutale Spannung, super zum Miträtseln

Der Nachtgänger
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An einem blutigen Tatort wird ein Teenager gefunden, der sich kurz darauf als Schlafwandler herausstellt. Ist er der Täter oder hat er den wahren Mörder vielleicht sogar gesehen? Kaum haben die Ermittlungen ...

An einem blutigen Tatort wird ein Teenager gefunden, der sich kurz darauf als Schlafwandler herausstellt. Ist er der Täter oder hat er den wahren Mörder vielleicht sogar gesehen? Kaum haben die Ermittlungen begonnen, gibt es auch schon das nächste Opfer...
Für mich war es der erste Thriller mit Kommissar Joona Linna, obwohl dies bereits der 10. Band der Reihe ist. Verständnisprobleme hatte ich trotzdem keine, alle Charaktere werden zumindest kurz mal vorgestellt. Treue Leser werden jedoch den ein oder anderen wiederkehrenden Charakter erkennen können.

Generell gab es hier wirklich sehr viele Personen, aus deren Perspektiven auch mal ganze Kapitel erzählt werden: Ermittler, Zeugen und auch Opfer. Jeder hat dadurch eine eigene kleine Hintergrundgeschichte bekommen, anstatt einfach nur "Opfer A" zu sein. Für die Spannung war das super, man hat direkt mehr mitgefiebert, vor allem wenn man die Morde quasi live mitverfolgen konnte.
Lediglich Joona blieb für mich doch etwas blass. Ich kannte ihn ja noch nicht aus früheren Bänden und hätte mir einfach mehr Kapitel aus seiner Sicht gewünscht, so habe ich jetzt nur den Eindruck eines Multitalents und Actionheldes gewonnen. Schlafwandler Hugo ist mir mehr im Gedächtnis geblieben, diesen mochte ich als Charakter dieses Buches jedoch sehr, vor allem, da man bei ihm auch schön eine Entwicklung verfolgen konnte.

Die Geschichte selbst war absolut wild: Viele (teilweise extrem brutale) Morde, total verrückte Erlebnisse bei der Suche nach dem Täter, wahnsinnige Verdächtige, actionreiche Verfolgungsjagden - immer wieder konnte ich vor lauter Spannung nicht aufhören zu lesen und habe mich am Ende des Kapitels gefragt, was zur Hölle ich da gerade gelesen habe.
Manches erschien mir dann besonders gegen Ende des Buches dann doch ein wenig zu "drüber", auch auf viele der sexuell expliziten Szenen hätte ich auch gut verzichten können.
Gut gefallen hat mir wiederum, dass man super miträtseln konnte: Durch die vielen Perspektiven werden unzählige Hinweise versteckt und es ist echt nicht einfach herauszufinden, welche davon tatsächlich relevant sind. Auch einige Plottwists lassen einen regelmäßig die eigenen Theorien wieder verwerfen. Die Auflösung ist überwiegend gelungen und stimmig, lediglich ein paar Kleinigkeiten erscheinen komisch oder uneindeutig.
Insgesamt keine leichte Lektüre und nichts für schwache Nerven, dafür mit viel Spannung und einem interessanten Fall!

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Beginn eines neuen Lebens

Lyneham
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Die Suche nach einer neuen Heimat für die Menschheit führt die Familie von Henry nach Perm, einem fernen Mond. Erzählt wird die Geschichte dieser Kolonie aus der Sicht von Henrys Mutter, die zu den ersten ...

Die Suche nach einer neuen Heimat für die Menschheit führt die Familie von Henry nach Perm, einem fernen Mond. Erzählt wird die Geschichte dieser Kolonie aus der Sicht von Henrys Mutter, die zu den ersten Siedlern zählt, und Henry, der erst Jahrtausende später mit dem Rest der Familie ankommt.
Zusammen mit ihnen stürzt man am Anfang wortwörtlich in die Geschichte und in die neue Welt hinein, es geht direkt spannend los.

Dem Leser zur Seite stehen eine Karte der Umgebung sowie ein Glossar mit vielen Fachbegriffen und beides ist auch wirklich hilfreich und notwendig.
Der Autor schafft hier eine wirklich sehr ausführliche und kreative Science Fiction Welt, inklusive vieler technischer Hintergründe. Dies ist nicht immer einfach zu verstehen, wirkt aber durchaus authentisch.
Manche Beschreibungen der Umgebung oder Tiere waren zwar vorhanden, jedoch fiel es mir irgendwie trotzdem schwer, sie mir richtig vorzustellen.

Spannender für mich waren da eher die gesellschaftlichen Strukturen, so braucht eine neue Welt z.B. natürlich auch ein neues Grundgesetz.
Auch Ideologien und moralische Vorstellungen stimmen nicht immer bei allen Siedlern überein, was zu interessanten Konflikten führt, während man gleichzeitig noch gegen die Gefahren der Welt ankämpfen muss.
Bei der Technik wird der Leser von vielen coolen Erfindungen überrascht, manches davon wirkt regelrecht skurril und verleiht der Geschichte ein wenig Leichtigkeit.
Generell mochte ich den Kontrast zwischen den sachlichen, wissenschaftlichen und mit ein wenig trockenem Humor versehenen Schilderungen der Mutter und der kindlichen Perspektive von Henry. Manchmal wirkten die Kinder auch ein wenig zu weise für ihr Alter, an anderer Stelle wurde ihre kindliche Seite jedoch wieder gut getroffen.
Insgesamt kann ich dieses Buch allen empfehlen, die eine völlig neue Welt und die (technischen) Prozesse dahinter erkunden möchten.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Horror und Humor in kunstvollen Bildern

The Last Dynasty
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Gao Ying strandet zu seinem Studienbeginn zunächst in einem leicht suspekten Hotel mit eigenwilligen Bewohnern. Da ist es kein Wunder, dass es gar nicht lange dauert, bis seltsame Dinge um ihn herum geschehen...
Der ...

Gao Ying strandet zu seinem Studienbeginn zunächst in einem leicht suspekten Hotel mit eigenwilligen Bewohnern. Da ist es kein Wunder, dass es gar nicht lange dauert, bis seltsame Dinge um ihn herum geschehen...
Der erste Band dieser Manhua-Reihe erscheint im ungewöhnlichen Hochformat und liest sich ähnlich wie ein Webtoon. Wer sich bisher aufgrund der Leserichtung nicht mit Mangas anfreunden konnte, sollte hier keinerlei Probleme haben. Auch ermöglicht das Format beeindruckende Bilder, die kleine Kunstwerke in sich sind. Die Panels sind dabei perfekt aufgeteilt, es kommt zu keinen unvorteilhaften Trennungen oder Umbrüchen.
Zur Übersetzung: Hier wurde gut gefiltert zwischen wichtigen und unwichtigen Randinformationen, so z.B. Namen von Restaurants nicht extra übersetzt. Dafür gibt es immer wieder mal Anmerkungen zur chinesischen Kultur, die dem Leser ein besseres Verständnis der Handlung verschaffen. Manche Übersetzungen blieben jedoch trotzdem etwas rätselhaft, jedoch hielt dies sich in Grenzen.

Mo Fei selbst besitzt großes Zeichentalent: Immer wieder habe ich kurz beim Lesen innegehalten, um die Bilder zu bewundern. Die Farbgestaltung passt super zu einer Horrorgeschichte und hat passend zum mythologischen Hintergrund oft an eine alte Geschichte erinnert - nur um im nächsten Moment mit einem spontanen Livestream zu überraschen. Diese besondere Mischung aus Humor und Horror, aus klassisch und modern war für mich ein echtes Highlight. Eine lustige Szene geht auf der nächsten Seite fließend in gruselige Momente über, nur um dann wieder mit viel Witz gelockert zu werden. Der Zeichenstil passt sich dem immer perfekt an, je nach Szene und Stimmung.
Auch die Charaktere konnten bei mir punkten, eine wirklich bunte Mischung, mit Personen, die man schnell ins Herz schließen kann.
Dafür ist die Handlung bisher noch leicht verwirrend, und natürlich ist Band 1 genau dann rum, wenn es die ersten Antworten gibt.
Ein gelungener Einstieg und 4,5 Sterne für mich, ich bin gespannt, wie es weitergeht!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Fantastische Abenteuer in einer orientalischen Welt

Der Sternenstaubdieb
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Nachdem Loulie ihre Familie verliert, schlägt sie sich als Händlerin für magische Relikte durch. An ihrer Seite: Qadir, ein Dschinn, die erbarmungslos in der Welt der Menschen verfolgt und getötet werden. ...

Nachdem Loulie ihre Familie verliert, schlägt sie sich als Händlerin für magische Relikte durch. An ihrer Seite: Qadir, ein Dschinn, die erbarmungslos in der Welt der Menschen verfolgt und getötet werden. Dazu kommt noch ein Geschichten erzählender Prinz und eine Dschinn-Jägerin und das Abenteuer kann starten.

Besonders gut gefallen hat mir die Atmosphäre im Buch: Dies fängt schon bei der Gestaltung an, dazu kommen auch noch eine Karte, besondere Seiten und ein Glossar. Dieses wird auch sehr benötigt, denn es werden sehr viele arabische Wörter und Redewendungen benutzt. Einerseits ist dies total passend zur Welt, andererseits war es gerade am Anfang ein klein wenig nervig, ständig Wörter nachzuschlagen.
Dafür gelingt die Beschreibung der Welt auf eindrucksvolle Weise, man fühlt sich schon nach kurzer Zeit in den Orient und die Wüste versetzt: Essen, Einrichtung, Kleidung, Sprache, Traditionen, alles wirkt sehr stimmig.

Die ganze Geschichte erinnert generell sehr an die Märchen aus 1001 Nacht, so bestehen Kernpunkte beispielsweise aus Aladin oder Ali Baba und die vierzig Räuber. Diese Neuinterpretation zollt trotzdem ihren Tribut an die Tradition des Geschichtenerzählens in Form von kleinen Märchen, die die Haupthandlung ergänzen. Dies fand ich schön gestaltet.
Auch lässt sich die Handlung Zeit, man kann es flüssig lesen, aber gleichzeitig auch gut in die Welt eintauchen. Spannende und actionreiche Passagen wechseln sich mit ruhigeren Momenten ab, eine gute Mischung. Die verschiedenen Perspektiven sorgen zusätzlich noch für ein ausgeprägteres Bild.
Kleiner Kritikpunkt an der deutschen Übersetzung: Im Englischen wird für nicht-binäre Personen they/them verwendet, was sich gut in den Satzbau einfügt. Der Versuch dies ins Deutsche zu übertragen wirkte hingegen irgendwie sehr befremdlich.

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