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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2025

Schmerzhaft, aber auch schön

Achtzehnter Stock
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"Das Haus ist ein Mahnmal, ein Mittelfinger, der in den Himmel ragt und unübersehbar an uns erinnert, an uns und an all die anderen, die keiner sehen wollte." (Pos. 2440)

Sarah Gmuers Debüt ist hart, ...

"Das Haus ist ein Mahnmal, ein Mittelfinger, der in den Himmel ragt und unübersehbar an uns erinnert, an uns und an all die anderen, die keiner sehen wollte." (Pos. 2440)

Sarah Gmuers Debüt ist hart, schonungslos und schmerzhaft, weil es zeigt, was Armut mit Menschen macht. Ich war bis zum Ende des Buches sehr skeptisch, wurde dann aber vollkommen überzeugt. Dazu später mehr.

In "Achtzehnter Stock" verfolgen wir Wanda, eine junge Schauspielerin, die alleinerziehend ist und ein prekäres Leben führt. Sie hört jedoch nicht auf, von einem besseren Leben außerhalb der Platte zu träumen, bis sich ihr eines Tages eine Chance bietet.

Sarah Gmuers Sprache ist unmittelbar, hart und klar. Dadurch wird die Stimmung des Buches gut vermittelt und es macht das Buch sehr lesenswert. Die Figuren sind vielschichtig und gut dargestellt.

Anfangs war ich total von der Geschichte begeistert, wurde dann aber immer kritischer. Man hat Mitleid mit der Protagonistin und es macht einen wütend, wie mit ihr umgegangen wird. Allerdings tritt sie selbst nach unten, verhält sich nicht solidarisch und nutzt andere aus (z.B. eine junge Babysitterin). Sie hält sich "für etwas Besseres", obwohl sie in der gleichen Situation wie die anderen Frauen in ihrem Haus ist, die für ihre Situation genauso wenig können. Aber das Ende hat mich versöhnt. Die Protagonistin macht eine Charakterentwicklung durch und erkennt auch ihre Fehler. Dranbleiben lohnt sich, auch wenn man zwischendurch sehr sauer auf Wanda wird. Am Ende musste ich mir ein paar Tränen abwischen.

Fazit: "Achtzehnter Stock" ist ein schmerzhafter Roman, der einem aber auch viel gibt und aus dem man viel mitnehmen kann. Ich muss das Buch noch etwas verdauen, glaube aber: das war ein Highlight. 5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Schwesternschaft!

Wenn wir lächeln
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"Sie grinst mich an, und alles, was sie davor gesagt hat, hat auf einmal keine Bedeutung mehr. Es ist die Art, wie sie mich ansieht. Als wäre ich insgeheim für sie das Beste auf der ganzen Welt, und in ...

"Sie grinst mich an, und alles, was sie davor gesagt hat, hat auf einmal keine Bedeutung mehr. Es ist die Art, wie sie mich ansieht. Als wäre ich insgeheim für sie das Beste auf der ganzen Welt, und in diesem Moment weiß ich, dass es genau so ist, auch wenn sie das nicht so gut zeigen kann." (S.130)

Jara und Anto sind beste Freundinnen, Schwestern. Sie leben im Düsseldorf der 2000er Jahre. Jara wohnt mit ihrer Mutter alleine, während Antos Mutter erfolgreich und ständig unterwegs ist. Sie teilen alles miteinander, erleben alles gemeinsam, sind zusammen wütend.

Mascha Unterlehbergs Schreibstil hat mir den Einstieg ins Buch nicht leicht gemacht. Sie schreibt ihre Dialoge ohne Anführungszeichen und es gibt viele Zeitsprünge innerhalb der Kapitel. Man braucht eine Weile, um sich zurechtzufinden, aber wenn man sich darauf einlässt, ist es kein Problem mehr. Erst am Ende versteht man richtig, was vor sich geht. Ihre Sprache ist sehr hart und klar, aber auch voller Gefühl und Wärme. Ich habe viele Stellen markiert, die ich mir am liebsten ins Gedächtnis brennen würde, so gut fand ich sie.

Im Zentrum des Buches stehen Schwesternschaft, Freundschaft und das Erwachsenwerden. Es werden auch viele harte Themen wie beispielsweise (patriarchale) Gewalt behandelt. Inhaltswarnungen gibt es am Ende des Buches, falls ihr sie braucht.

Wenn man sich darauf einlassen kann, wird man mit einem ganz besonderen Buch belohnt. Es ist schonungslos, schmerzhaft und spannungsgeladen, aber auch empowernd und voller tiefer Gefühle. 5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Lesehighlight

dreimeterdreißig
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"Es war alles in Ordnung, bevor du kamst. Und jetzt weiß ich nicht, ob ich atmen kann, wenn du nicht da bist. Wie bescheuert ist das?" (Pos. 2127)

"Dreimeterdreißig" ist ein kraftvolles, bewegendes und ...

"Es war alles in Ordnung, bevor du kamst. Und jetzt weiß ich nicht, ob ich atmen kann, wenn du nicht da bist. Wie bescheuert ist das?" (Pos. 2127)

"Dreimeterdreißig" ist ein kraftvolles, bewegendes und intensives Buch – absolute Leseempfehlung!

Klara und Baláz sind ein ungleiches Paar. Ihre Liebe begann schnell, ist stürmisch, aber auch tief. Jetzt liegt Baláz tot in seinem Bett, und Klara durchstreift ihre Altbauwohnung, um sich mit den existenziellen Fragen des Lebens und des Verlustes auseinanderzusetzen.

Jaqueline Schreiber erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte einer Liebe vom Ende her. Sie berichtet von Verlust und Trauer. Anfangs brauchte ich etwas Zeit, um mich in das Buch einzufinden, aber das legte sich schnell, und ich war vollkommen gefesselt. Schreibers Sprache ist poetisch und intensiv. Die Perspektive wechselt nach jedem Kapitel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Vergangenheit ist eine schöne, wohltuende Geschichte, während die Gegenwart in der Altbauwohnung leicht surreal, aber emotional berührend ist. Es gibt so viel in diesem Buch zu entdecken, dass ich es bereut habe, es als Ebook gelesen zu haben. Gerne hätte ich Stellen angestrichen und meine Gedanken daneben geschrieben.
Die Kapitelüberschriften ergeben ein Gedicht von Lydia Daher, das am Ende des Buches abgedruckt ist.

Fazit: Ein meisterhaft konstruiertes Buch, das emotional berührt und in dem man viel entdecken und mitnehmen kann.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Zart, berührend und fesselnd

Für Polina
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Ich habe "Für Polina" quasi in einem Stück gelesen, ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, so gefesselt und berührt war ich. Ich würde nicht empfehlen, den Klappentext zu lesen, der nimmt meiner ...

Ich habe "Für Polina" quasi in einem Stück gelesen, ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, so gefesselt und berührt war ich. Ich würde nicht empfehlen, den Klappentext zu lesen, der nimmt meiner Meinung nach zu viel voraus.

Fritzi ist jung, alleinerziehend und findet mit ihrem Sohn Hannes Unterschlupf in einer alten Villa in einem Naturschutzgebiet bei dem ebenfalls alleinstehenden Heinrich. Dort verbringen sie zusammen mit ihrer Freundin Güneş und deren Tochter Polina eine unübertreffliche Zeit. Hannes, der sehr introvertiert ist und sich am liebsten durch sein begnadetes Klavierspiel ausdrückt, und Polina sind unzertrennliche Freunde, bis ihre Welt eines Tages durch einen Schicksalsschlag erschüttert wird und alles aus den Fugen gerät.

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, so sehr war ich im Sog dieser zärtlichen, liebevollen und auch herzzerreißenden Geschichte. Takis Würger Schreibstil ist wie immer meisterhaft und voller Poesie, seine Figuren sind ganz wunderbar mit all ihren Facetten ausgearbeitet.

Am besten hat mir gefallen, dass die klassische Musik so eine tragende Rolle in diesem Buch einnimmt. Ich denke aber, man kann dieses Buch auch ohne Bezug oder Vorwissen zur klassischen Musik genießen.

Fazit: Klare Leseempfehlung, 5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Perfekte RomCom

Fake Dates and Fireworks
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Eigentlich gibt es nicht viel zu sagen, außer: lest es! Ok ok, ich präzisiere ein bisschen.

Die 28-jährige Erzieherin Becca hat seit 10 Jahren einen Deal mit Nils. Sie treffen sich jedes Jahr an Silvester ...

Eigentlich gibt es nicht viel zu sagen, außer: lest es! Ok ok, ich präzisiere ein bisschen.

Die 28-jährige Erzieherin Becca hat seit 10 Jahren einen Deal mit Nils. Sie treffen sich jedes Jahr an Silvester und verbringen Zeit miteinander. Dieses Jahr soll sich alles ändern. Becca lädt Nils in ein Wellnesshotel in den Alpen ein und will ihm ihre Liebe gestehen. Leider ist dort auch der Onkel eines Kindergartenkindes von Becca, den sie so gar nicht leiden kann und mit Nils läuft es auch nicht wie geplant.

Kyra Grohs Schreibstil ist wie immer sehr angenehm, allerdings ist dieses Buch sehr viel witziger als ihre Bisherigen, die ich gelesen habe. Ich musste so lachen, köstlich! Aber „Fake Dates und Fireworks“ ist wie bei Kyra üblich nicht nur eine RomCom, es ist so viel mehr. Die Handlung ist tief und gibt einem sehr viel Stoff zum Nachdenken. Wir alle in unserer Buddyreadgruppe hätten das Buch gerne unserem jüngeren Ich zum Lesen in die Hand gedrückt. Viele Themen, hätte ich gerne schon mit Anfang 20 gelesen. Und ich schwärme normalerweise nicht für Bookyboyfriends, aber der hier ist eine wandelnde Greenflag, den wünsche ich wirklich jeder Frau. <3

Das Spicelevel fand ich auch äußert angenehm, wenn ich es welchen in Büchern gibt, würde ich mir das immer so wünschen. Die richtige Dosis, zur Handlung passend und zwei Erwachsene.

Fazit: Absolutes Highlight, an dem ich nicht einen Kritikpunkt finde und das ich mit Sicherheit noch öfter lesen werde. 5/5 Sterne

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