Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2025

Erschütternde Tatsachen über Kinderheime

Die Schweigende
0

Drei Töchter stehen mit ihrer Mutter am Grab und können es nicht fassen. Der wichtigste Mensch ihres Lebens ist tot. Wie soll es weitergehen? Wer hält künftig die Familie zusammen? Ihre kalte und kaum ...

Drei Töchter stehen mit ihrer Mutter am Grab und können es nicht fassen. Der wichtigste Mensch ihres Lebens ist tot. Wie soll es weitergehen? Wer hält künftig die Familie zusammen? Ihre kalte und kaum zu Emotionen fähige Mutter? Mit Sicherheit nicht. Es wäre nicht wichtig, wenn der Vater auf dem Sterbebett geschwiegen hätte. Dass er seiner Tochter Imke ein Versprechen abnahm, lässt nicht nur sie ratlos zurück. Wer ist Peter und war er wirklich der Bruder ihrer Mutter? Was hat dieses ominöse Kinderheim mit der Vergangenheit ihrer Mutter zu tun?

Das Buch wechselt zwischen der Gegenwart und einer Vergangenheit, die so schmerzlich ist, dass sie von der Mutter Karin zunächst völlig negiert wird. Sobald die Sprache auf einen Aufenthalt im Erziehungsheim kommt, blockt Karin und verweigert das Beantworten aller Fragen.

Ellen Sandberg macht in diesem Buch einen Missbrauch an Kinderseelen öffentlich, der leider „gerne“ in Vergessenheit gerät. Übergriffe von Bezugspersonen waren leider an der Tagesordnung. Ist es ein Wunder, dass ehemalige Heimkinder ihre Vergangenheit zwingend vergessen wollten? Dass sie für Familienmitglieder kalt und fast unnahbar waren? Nein, aber wie sollten Kinder wissen, was ihre Eltern erlebten, wenn diese über ihre Vergangenheit schwiegen?

Genau um dieses sensible Thema geht es in dem Buch. Die Sprecherin Vera Teltz lässt die Erlebnisse der Protagonisten lebendig werden und erst ihre gekonnte Lesung macht das Buch so lebendig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2025

Eure Schuld wird nie vergehen, niemals

Kaltes Krematorium
0

Nach 70 Jahren wiederentdeckt und jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ich frage mich, warum erst jetzt? Nach so vielen Jahrzehnten? Wer hatte Angst vor der Veröffentlichung? Aber egal, jetzt ...

Nach 70 Jahren wiederentdeckt und jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ich frage mich, warum erst jetzt? Nach so vielen Jahrzehnten? Wer hatte Angst vor der Veröffentlichung? Aber egal, jetzt kann jeder lesen, was der Autor damals niederschrieb. Welche unmenschlichen und grausamen Taten unsere Vorfahren zu verantworten hatten. Jozsef Debreczeni  wurde im Jahr 1944 deportiert. Es hieß, er würde in ein Lager gebracht, wo er Gartenarbeit verrichten könnte und gut versorgt würde. Alles Lüge, und sein Leidensweg dauerte ein Jahr. Nach Fürstenstein gelangte er ins „Kalte Krematorium“ nach Dörnhau. Was er zu berichten weiß, lässt jeden Menschen mit Empathie erstarren.

Es macht eine Unterschied, ob ich einen Roman, einen blutigen Thriller oder einen Tatsachenbericht über das Leben in den KZ´s der Hitlerära lese. „Kaltes Krematorium“ ist so grausam und erschütternd, weil es tatsächlich geschah. Das hier beschriebene Gemetzel wurde von Menschen an Menschen verübt. Das Ausbrechen von Goldzähnen, das Waten in Exkrementen, die Schikanen der Aufseher durch stundenlanges Stehen zum Appell. Im Regen, bei Eiseskälte. Nur mit sehr dünnen Hemdchen bekleidet, wenn überhaupt.

Schuften im Dreck und Abfall, ohne die Gelegenheit, sich Hände oder Gesicht zu waschen. Dabei war der Hunger täglicher „Gast“. Nein, ich schreibe nicht von Appetit. Es war H U N G E R durch Entzug von Essen, das den Namen Nahrung auch verdient hätte. Und ja, es waren Aufseher, die nach dem Krieg laut tönten: „Wir haben von nichts gewusst“. Dabei schickten etliche von ihnen die Menschen ins Gas. Rochen das verbrannte Fleisch und den Qualm, der aus den Kaminen kam. Und diese „Herrenmenschen“ litten keinen Hunger. Sie waren wohlgenährt und wussten sehr gut, wie sie den Krieg ohne Nachteile überleben konnten.

Immer wieder musste ich das Buch zur Seite legen. Es verfolgte mich bis in meine Träume. Aber es ist wichtig, dass wir niemals vergessen, was damals geschah. Leider gibt es immer mehr Menschen, die es leugnen. Haben sie kein Rückgrat? Oder warum nehmen sie die Täter in Schutz? Ich weiß es nicht und es ist mir egal. So lange ich lebe, werde ich Bücher dazu lesen und darauf aufmerksam machen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2025

Spannend und äußerst lesenswert

Wer aus dem Schatten tritt
0

Ihre erste Begegnung mit Oberarzt Kleinschmidt lief nicht gut. Gar nicht gut. Renate hätte nicht gedacht, dass ihr so viele Vorurteile entgegengebracht werden. Und das nur, weil sie eine Frau und noch ...

Ihre erste Begegnung mit Oberarzt Kleinschmidt lief nicht gut. Gar nicht gut. Renate hätte nicht gedacht, dass ihr so viele Vorurteile entgegengebracht werden. Und das nur, weil sie eine Frau und noch jung ist? Oder steckt mehr dahinter?

Die Bücher der Autorin Melanie Metzenthin schätze ich sehr und freute mich, dass sie einen neuen Roman veröffentlichte. Hier geht es um Hamburg im Jahr 1958. Die Wunden des Krieges sind noch längst nicht verheilt. Sowohl in der Stadt aber auch in den Herzen und Seelen der Menschen gibt es tiefe Verletzungen, die das Leben der Betroffenen erschweren. Kaum nachvollziehbar ist zudem, dass etliche Nazigrößen für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Das gilt leider auch für Ärzte des Fachgebietes Psychiatrie.

Wieder einmal konnte Frau Metzenthin mich überzeugen. "Wer aus dem Schatten tritt" ist nicht nur gut zu lesen. Er ist zudem auch spannend und mit vielen Fakten versehen. Die Autorin kennt sich nicht nur in Hamburg, ihrer Heimatstadt, bestens aus. Als Ärztin der Fachrichtung Psychiatrie weiß sie, wie sie die Krankheitsbilder korrekt beschreiben und auch für Laien verständlich vermitteln kann. Ihre bildhafte Art zu schreiben hat mich auch bei diesem Buch in den Bann gezogen und ich gebe eine ausdrücklich Leseempfehlung. Dass ich mich auf eine Fortsetzung freuen darf, das freut mich ganz besonders.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.01.2025

Perfekt recherchiert und ein ernstes Thema spannend umgesetzt

Die Schwestern von Krakau
0

Adi, 84 Jahre alt, ist zutiefst betrübt. Ihr Wintergarten wurde beim letzten Unwetter in Paris zerstört. Von seiner Pracht ist nichts mehr zu sehen. Weder Vorbau noch Pflanzen haben überlebt. Wie gut, ...

Adi, 84 Jahre alt, ist zutiefst betrübt. Ihr Wintergarten wurde beim letzten Unwetter in Paris zerstört. Von seiner Pracht ist nichts mehr zu sehen. Weder Vorbau noch Pflanzen haben überlebt. Wie gut, dass Nichte Edith aus Deutschland ihr zur Seite steht. Nein, nicht nur als moralische Unterstützung. Sie ist Architektin und kennt sich mit der Materie bestens aus. Ihr Vater starb vor wenigen Wochen und hatte seine Wohnung direkt über seiner Schwester Adi. Edith nimmt sich endlich ein Herz und schafft den Gang ins verwaiste Heim des Vaters. Dort findet sie eine Wand mit den Zeugen einer Recherche, die der Mann vor seinem Tod mit Nachdruck betrieb. Edith ist sprachlos. Das Leben ihres Vaters scheint völlig anders zu sein, als sie es bisher kannte.

Die Bücher der Autorin glänzen durch umfangreiche Recherchen und aus dem Grund mag ich sie sehr. In „Die Schwestern von Krakau“ geht es um das Krakauer Ghetto und den mutigen Männern und Frauen, die damals im Widerstand kämpften. Lilo ist eine der Hauptpersonen und Großmutter von Tatjana. Dass sie eine Verwandte Erikas ist, wird erst nach einigen Recherchen klar. Auf welche Weise das Schicksal sie zusammenführte, ist spannend und zugleich schmerzlich.

Das Krakauer Ghetto kannte ich bisher nicht. Auch von der Apotheke des Tadeusz Pankiewicz las ich bislang nichts. Es gibt so viele mutige Männer und Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben aufs Spiel setzten. Und das „nur“, um jüdischen Mitbürgern zu helfen. Ja, sie vor Deportation, Misshandlung und Mord zu bewahren. Wie gut, dass diese Helden des Alltags endlich ihr Schweigen brachen und von ihren Erlebnissen berichteten.

Für mich ist es kaum auszuhalten, auf welche Weise die Deutschen in Polen ihr Unwesen trieben. Das Buch berührte mich sehr und ich danke der Autorin für ihre ausgedehnten Recherchen. Ihre Romane sind gerade in der heutigen Zeit so wichtig. Wir alle sind gefragt, wenn es um den Kampf für Demokratie geht. Niemals dürfen Parteien regieren, die sich für Remigration und/oder Ausgrenzung von Minderheiten aussprechen. Unbedingt lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2025

Wow, ein perfekter Thriller

The Twenty
0

Es gibt nur wenige Thriller, die für mich tatsächlich auch ihrer Bezeichnung gerecht werden. Das hat nichts mit der Menge an Blut oder der Zahl an Opfern zu tun. Es ist diese subtile Spannung, die ich ...

Es gibt nur wenige Thriller, die für mich tatsächlich auch ihrer Bezeichnung gerecht werden. Das hat nichts mit der Menge an Blut oder der Zahl an Opfern zu tun. Es ist diese subtile Spannung, die ich bei vielen Thrillern leider vermisse. Zudem sollten die Fälle auch nicht völlig absurd daherkommen. Der Prolog von „The Twenty“ ist heftig. Äußerst blutig und mit detaillierten Beschreibungen der Leichen. Sie liegen verborgen im Müll und der Ermittler Adam Bishop wird sich nie an den Anblick gewöhnen. Sein Kollege Jamie hat es noch viel schwerer. Obwohl bereits 15 Jahre dabei, wird er immer wieder von seinen Gefühlen übermannt. Er weint, wenn er Angehörigen von Opfern die traurige Nachricht überbringen muss.

Die Erzählung wechselt zwischen den heutigen Opfern und Erlebnissen des Täters, die wohl viele Jahre zurück liegen. Brutal sind alle Schilderungen, sowohl gegenwärtige als auch vergangene. Die Spannung ist gleichbleibend hoch und wenn Leser denken, dass der Täter endlich gefunden wurde, ergibt sich rasch ein neuer Aspekt und die eigentlich klaren Ergebnisse sind hinfällig. Zu keinem Augenblick war mir klar, wer der Täter sein könnte. Bis zum Schluss musste ich auf die Lösung warten und das ist selten. Also, wer gute Thriller mag, der wird sich mit diesem Buch bestens unterhalten können. Klare Empfehlung von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere