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Veröffentlicht am 29.01.2025

Ein wichtiges Buch, das beim Erinnern hilft

Berchtesgaden
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Sophie Gruber und ihre Cousine Magda sind froh. Endlich sind sie weg, diese Bonzen. Eben fuhr der letzte schwarze Wagen am Haus vorbei und sie können sich in aller Ruhe umschauen. In der Villa von A. Speer, ...

Sophie Gruber und ihre Cousine Magda sind froh. Endlich sind sie weg, diese Bonzen. Eben fuhr der letzte schwarze Wagen am Haus vorbei und sie können sich in aller Ruhe umschauen. In der Villa von A. Speer, dem Architekten des Führers. Sie sind beeindruckt und vor allem die Bibliothek hat es ihnen angetan. Hier finden sie sogar ein Exemplar von „Mein Kampf“ mit Widmung. Schau einer an. Nicht nur die vielen Bücher haben es ihnen angetan. Es gibt viel mehr zu entdecken. Und nicht nur die beiden Jugendlichen haben es auf die vielen Schätze im Haus abgesehen. Immer mehr Nachbarn kommen dazu.

„Berchtesgaden“ ist nicht nur der Titel des Buches. Diese Stadt hat es Hitler ganz besonders angetan. Er vereinnahmte sie sofort, ließ seine Residenz bauen und verscheuchte Einheimische. Die jüdischen Nachbarn auf dem Obersalzberg waren die ersten, die vertrieben wurden. Weitere Höfe wurden enteignet, unten in der Stadt herrschte das Denunziantentum. Leider gab es sehr viele, die in diesem Menschen ihren Messias sahen und für ihn alles menschenmögliche taten. Es gab Reisebusse mit Anhängern, die nur einmal einen Blick auf Haus und Mann werfen wollten.

Das Buch beginnt sofort nach dem Krieg. Die Amerikaner nehmen Berchtesgaden ein. Sie urteilen im Schnellverfahren, wer sich während der letzten Jahre strafbar machte und wer nicht. Eigentlich ja normal, dass oft zu hören war: „Ich habe niemals von den Untaten der Soldaten sowie SS und SA gewusst. Nein, den Hitler mochte ich nie.“ Die Amerikaner nannten sie „Expressgeläuterte“.

Die Autorin zeigt sehr deutlich, wie sich Täter herauswinden wollten. Dabei gab es einige, die sogar ihre Nachbarn denunzierten und diese dann zum Tode verurteilt wurden. Wie es den Juden ging, das muss ich nicht wiederholen. Schätze wurden angehäuft, und in fast jeder Familie gab es Schuldige.

Das Buch ließ sich gut lesen. Die Sprache ist leicht und abwechslungsreich. Die Charaktere realistisch dargestellt und auch die Spannung lässt nichts zu Wünschen übrig. Das Literaturverzeichnis bietet allen, die weitere Informationen haben möchten, eine Vielzahl an interessanten Büchern. Nicht nur zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ein gelungenes Stück Geschichte, das beim Erinnern hilft.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Ein Krimi, den ich nur empfehlen kann

FördeGrauen
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Kristin Voss kann ihre Entsetzen kaum verbergen. Vor ihr liegt eine Frauenleiche, die sich von allen Opfern, die sie bisher sah, grausam unterscheidet. Sie trägt ein Brandmal, wie es eigentlich vornehmlich ...

Kristin Voss kann ihre Entsetzen kaum verbergen. Vor ihr liegt eine Frauenleiche, die sich von allen Opfern, die sie bisher sah, grausam unterscheidet. Sie trägt ein Brandmal, wie es eigentlich vornehmlich bei Pferden zu sehen ist. Der Täter lässt sich kaum Zeit, bis die Leiche kalt ist. Schon gibt es einen neuen Fund. Kristin und ihre Kollegen müssen sich auf kurze Nächte einstellen.

Das Cover von "Förde Grauen" sprach mich sofort an. Die Küste rund um Flensburg kenne ich gut und das Cover passt perfekt. Es dauerte nicht lange und ich war mittendrin im Geschehen. Der Autor Andreas Schmidt schreibt nicht nur spannend. Auch die Charaktere sind so gut dargestellt, dass ich mir die Akteure sehr gut vorstellen konnte. Die Wendungen sind zahlreich und durchaus nachzuvollziehen.

Was mir ebenfalls gut gefiel, das ist die Beschreibung der Natur und den Bewohnern. Nein, es ist kein Buch, bei dem das Blut in Strömen fließt. Und das ist auch gut so. Meine Leseempfehlung kommt ohne Abstriche daher.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Erschütternde Tatsachen über Kinderheime

Die Schweigende
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Drei Töchter stehen mit ihrer Mutter am Grab und können es nicht fassen. Der wichtigste Mensch ihres Lebens ist tot. Wie soll es weitergehen? Wer hält künftig die Familie zusammen? Ihre kalte und kaum ...

Drei Töchter stehen mit ihrer Mutter am Grab und können es nicht fassen. Der wichtigste Mensch ihres Lebens ist tot. Wie soll es weitergehen? Wer hält künftig die Familie zusammen? Ihre kalte und kaum zu Emotionen fähige Mutter? Mit Sicherheit nicht. Es wäre nicht wichtig, wenn der Vater auf dem Sterbebett geschwiegen hätte. Dass er seiner Tochter Imke ein Versprechen abnahm, lässt nicht nur sie ratlos zurück. Wer ist Peter und war er wirklich der Bruder ihrer Mutter? Was hat dieses ominöse Kinderheim mit der Vergangenheit ihrer Mutter zu tun?

Das Buch wechselt zwischen der Gegenwart und einer Vergangenheit, die so schmerzlich ist, dass sie von der Mutter Karin zunächst völlig negiert wird. Sobald die Sprache auf einen Aufenthalt im Erziehungsheim kommt, blockt Karin und verweigert das Beantworten aller Fragen.

Ellen Sandberg macht in diesem Buch einen Missbrauch an Kinderseelen öffentlich, der leider „gerne“ in Vergessenheit gerät. Übergriffe von Bezugspersonen waren leider an der Tagesordnung. Ist es ein Wunder, dass ehemalige Heimkinder ihre Vergangenheit zwingend vergessen wollten? Dass sie für Familienmitglieder kalt und fast unnahbar waren? Nein, aber wie sollten Kinder wissen, was ihre Eltern erlebten, wenn diese über ihre Vergangenheit schwiegen?

Genau um dieses sensible Thema geht es in dem Buch. Die Sprecherin Vera Teltz lässt die Erlebnisse der Protagonisten lebendig werden und erst ihre gekonnte Lesung macht das Buch so lebendig.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Eure Schuld wird nie vergehen, niemals

Kaltes Krematorium
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Nach 70 Jahren wiederentdeckt und jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ich frage mich, warum erst jetzt? Nach so vielen Jahrzehnten? Wer hatte Angst vor der Veröffentlichung? Aber egal, jetzt ...

Nach 70 Jahren wiederentdeckt und jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ich frage mich, warum erst jetzt? Nach so vielen Jahrzehnten? Wer hatte Angst vor der Veröffentlichung? Aber egal, jetzt kann jeder lesen, was der Autor damals niederschrieb. Welche unmenschlichen und grausamen Taten unsere Vorfahren zu verantworten hatten. Jozsef Debreczeni  wurde im Jahr 1944 deportiert. Es hieß, er würde in ein Lager gebracht, wo er Gartenarbeit verrichten könnte und gut versorgt würde. Alles Lüge, und sein Leidensweg dauerte ein Jahr. Nach Fürstenstein gelangte er ins „Kalte Krematorium“ nach Dörnhau. Was er zu berichten weiß, lässt jeden Menschen mit Empathie erstarren.

Es macht eine Unterschied, ob ich einen Roman, einen blutigen Thriller oder einen Tatsachenbericht über das Leben in den KZ´s der Hitlerära lese. „Kaltes Krematorium“ ist so grausam und erschütternd, weil es tatsächlich geschah. Das hier beschriebene Gemetzel wurde von Menschen an Menschen verübt. Das Ausbrechen von Goldzähnen, das Waten in Exkrementen, die Schikanen der Aufseher durch stundenlanges Stehen zum Appell. Im Regen, bei Eiseskälte. Nur mit sehr dünnen Hemdchen bekleidet, wenn überhaupt.

Schuften im Dreck und Abfall, ohne die Gelegenheit, sich Hände oder Gesicht zu waschen. Dabei war der Hunger täglicher „Gast“. Nein, ich schreibe nicht von Appetit. Es war H U N G E R durch Entzug von Essen, das den Namen Nahrung auch verdient hätte. Und ja, es waren Aufseher, die nach dem Krieg laut tönten: „Wir haben von nichts gewusst“. Dabei schickten etliche von ihnen die Menschen ins Gas. Rochen das verbrannte Fleisch und den Qualm, der aus den Kaminen kam. Und diese „Herrenmenschen“ litten keinen Hunger. Sie waren wohlgenährt und wussten sehr gut, wie sie den Krieg ohne Nachteile überleben konnten.

Immer wieder musste ich das Buch zur Seite legen. Es verfolgte mich bis in meine Träume. Aber es ist wichtig, dass wir niemals vergessen, was damals geschah. Leider gibt es immer mehr Menschen, die es leugnen. Haben sie kein Rückgrat? Oder warum nehmen sie die Täter in Schutz? Ich weiß es nicht und es ist mir egal. So lange ich lebe, werde ich Bücher dazu lesen und darauf aufmerksam machen.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Spannend und äußerst lesenswert

Wer aus dem Schatten tritt
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Ihre erste Begegnung mit Oberarzt Kleinschmidt lief nicht gut. Gar nicht gut. Renate hätte nicht gedacht, dass ihr so viele Vorurteile entgegengebracht werden. Und das nur, weil sie eine Frau und noch ...

Ihre erste Begegnung mit Oberarzt Kleinschmidt lief nicht gut. Gar nicht gut. Renate hätte nicht gedacht, dass ihr so viele Vorurteile entgegengebracht werden. Und das nur, weil sie eine Frau und noch jung ist? Oder steckt mehr dahinter?

Die Bücher der Autorin Melanie Metzenthin schätze ich sehr und freute mich, dass sie einen neuen Roman veröffentlichte. Hier geht es um Hamburg im Jahr 1958. Die Wunden des Krieges sind noch längst nicht verheilt. Sowohl in der Stadt aber auch in den Herzen und Seelen der Menschen gibt es tiefe Verletzungen, die das Leben der Betroffenen erschweren. Kaum nachvollziehbar ist zudem, dass etliche Nazigrößen für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Das gilt leider auch für Ärzte des Fachgebietes Psychiatrie.

Wieder einmal konnte Frau Metzenthin mich überzeugen. "Wer aus dem Schatten tritt" ist nicht nur gut zu lesen. Er ist zudem auch spannend und mit vielen Fakten versehen. Die Autorin kennt sich nicht nur in Hamburg, ihrer Heimatstadt, bestens aus. Als Ärztin der Fachrichtung Psychiatrie weiß sie, wie sie die Krankheitsbilder korrekt beschreiben und auch für Laien verständlich vermitteln kann. Ihre bildhafte Art zu schreiben hat mich auch bei diesem Buch in den Bann gezogen und ich gebe eine ausdrücklich Leseempfehlung. Dass ich mich auf eine Fortsetzung freuen darf, das freut mich ganz besonders.

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