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Veröffentlicht am 25.02.2025

Fesselnd und wendungsreich!

One Perfect Couple
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Lyla (32) ist Virologin in der Forschung an der Uni und steckt in einer beruflichen Sackgasse. Ihr Vertrag läuft in Kürze aus und kein neues Projekt zeigt sich am Horizont. Ihr Freund Nico (28) sieht ...

Lyla (32) ist Virologin in der Forschung an der Uni und steckt in einer beruflichen Sackgasse. Ihr Vertrag läuft in Kürze aus und kein neues Projekt zeigt sich am Horizont. Ihr Freund Nico (28) sieht gut aus, doch wartet er als Schauspieler noch immer auf seinen großen Durchbruch und auch für ihn tickt die Uhr, als er von einem Produzenten einen Anruf erhält und zur Teilnahme an dem angeblich völlig neuartigen Reality Format „One Perfect Couple“ auf einer Trauminsel im indischen Ozean eingeladen wird. Lyla hat so ihre Zweifel, ob die Teilnahme an diesem Format ihre berufliche Chancen nicht noch mehr schmälert, aber aus Liebe zu Nico willigt sie ein. Neben den anderen 4 Paaren, die hauptsächlich aus Influcencern und Teilzeit-Models bestehen, fühlt sie sich wie das obligatorische Mauerblümchen, doch wie der andere Wissenschaftler unter den Teilnehmern erklärt, ist genau das die Strategie. Die Strategie kommt ihr immer entsetzlicher vor, als sie merkt, dass sie nicht nur völlig abgeschnitten von der Aussenwelt sein sollen, sondern das Traumresort so neu ist, dass es noch unvollendet ist und das Personal fehlt. War es auch eingeplant, dass ein Troßensturm aufzieht,während des Team den ersten Verlierer ausfliegt und sie ohne Strom und Frischwasser, auf der Insel festsetzt? Hier geht es mehr als um den Kampf um Popularität und eine Realitystar-Krone, es geht ums Überleben!

Julia Nachtmann klingt meistens klar, präzise, sachlich, aber auch sympathisch. Die nette Wissenschaftlerin, die nicht so leicht den Kopf verliert und ganz sicher nicht zu Hysterie oder Brust-OPs neigt. Bescheiden, aber intelligent und pragmatisch, lässt sie sich kein X für ein U vormachen. Doch gerade sie erkennt recht schnell die wahre Gefahr ihrer Situation, eigentlich schon direkt nach ihrer Ankunft auf der Insel. Ihr Freund Nico, sieht zwar gut aus und ist für jeden Spaß zu haben, aber reicht das auf Dauer? Bei der Bewerbung müssen sie sich unangenehmen Fragen stellen: wo sehen sie sich in 5 Jahren?

Doch Lyla werden nicht nur einige unangenehme Wahrheiten über sich selbst und Nico klar. Unter der stetig wachsenden Druck zeigen sie alle ihr wahres Gesicht und nicht selten kommen dabei erschreckende Fratzen ans Licht. Natürlich wurden die Paare danach gecastet, dass die Charaktere möglichst ungeschiedlich sind, doch wer hätte gedacht wie unterschiedlich...

Während der Großteil der Geschichte aus Lylas Perspektive geschildert wird, kommen zwischendurch immer wieder Auszüge, aus einer anderen Sicht. Wie Einträge aus einem Tagebuch. Es scheint sich um eine weibliche Verfasserin zu handeln, die wohl diesen Überlebenskampf gewonnen hat, doch wer könnte es sein? Werden sie noch immer beobachtet? Diese Sequenzen, die sich teilweise in wirklich entscheidenden Punkten von der Darstellung Lylas unterscheiden, sind verwirrend und geheimnisvoll. Sie bringen stilistisch noch mal eine besondere Würze in die Spannung. Dieser Kniff der erfolgreichen Thrillerautorin Ruth Ware gefällt mir unglaublich gut. Es gibt einem auch das Gefühl, eine geheime Mitwisserin zu sein, auch wenn diese Schilderungen durchaus für die spätere öffentliche Wahrnehmung geschönt scheinen. Was das ganze soll, erfähren wir fast zum Schluss, als es dann noch einen weiteren Twist gibt und man fast laut aufstöhnen möchte. Dieser Ausflug auf eine scheinbar traumhafte Insel hat das Leben der Überlebenden geprägt. Auch wenn diese Teilnehmenden kaum unterschiedlicher sein könnten, zumindest als sie, wie Lyla zu Beginn denkt, ist dies der Beginn von Freundschaften, die sie wohl ihr Leben lang begleiten werden.

Ein scheinbar traumhaftes Setting, das schon bald in einen Albtraum umschlägt und das nicht nur, weil sie ihre Handys abgeben müssen.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Ein wahrer Romantiktrhiller!

Der Tunnelbauer
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Berlin 1961: Achim ist glücklich, er hat das Abi in der Tasche, einen Studienplatz als Ingenieur sicher und Chris, die neue Freundin seiner Schwester Bea scheint seine Gefühle zu erwidern! Ein Sommer voller ...

Berlin 1961: Achim ist glücklich, er hat das Abi in der Tasche, einen Studienplatz als Ingenieur sicher und Chris, die neue Freundin seiner Schwester Bea scheint seine Gefühle zu erwidern! Ein Sommer voller Verheißungen liegt vor ihm, als er mit seinen Freunden und den seiner Schwester in ein Jugendcamp an der Ostsee fährt. Zu dumm nur, dass ihn am letzten Abend die eigene Courage verläss und der Chris nicht offenbart, wie es um ihn steht. Als dann aber ausgerechnet der Spaßvogel der Truppe verhaftet wird, weil er angeblich West-Musik auf dem Dorffest spielte und gleichzeitig bekannt wird, dass nun eine Mauer Ost.Berlin von West-Berlin trennt und somit auch die Studenten von ihren Studienplätzen, wird Achim klar, dass er weg muss! Seine Flucht aus der geteilten Stadt, erfordert schon alle seine Nerven. Doch dieser Fluchtweg wird kurz darauf an die Stasi verraten und besteht für Bea und seine Freunde nicht mehr. Fieberhaft sucht er nach Möglichkeiten, wie er Bea, Chris und die anderen aus der DDR rausholen kann. Er schließt sich den Fluchthelfern an. Da die Arme und Ohren der Stasi immer weiter zu reichen scheinen, ein sehr riskantes Unterfangen. Wem können sie überhaupt trauen? Doch egal war passiert, Achim gibt nicht auf und lässt trotz aller Rückschläge sein Ziel nicht aus den Augen.

Der Einstieg in diesen Schicksalssommer gelingt sehr lebendig und man kann es sich richtig gut vorstellen, wie diese Clique ihre Jugend, den Sommer und das Leben feiert, bis eine Mauer dem ein Ende setzt. Die Ungerechtigkeit dessen, was da vor sich geht, ist für Achim einfach zu viel, doch es wird noch schlimmer kommen, Die ewige Bespitzelung ist unerträglich, muss aber immer mit eingeplant werden, denn auf Republikflucht stehen strenge Strafen, unfassbar strenge, wobei sich der Zentralrat alle Mühe gibt, den Bürgern das Leben in der Heimat zu vermiesen, denn Freiheit ist ein unschätzbares Gut. Wer sie hat, weiß sie oft nicht zu schätzen, bemerkt sie vielleicht nicht einmal, doch ihr Fehlen ist allzu schmerzhaft und wird einem dann ständig bewusst.

Schon sehr schnell wird es wirklich spannend und gefährlich. Wobei wir die Tricks von Achims Ausreise wirklich gewitzt fanden, allerdings mit deren Verrat, diese Möglichkeit endete und jede neue, weitere Fluchtmöglichkeit gefährlicher wurde.....

Autorin Maja Nielsen hat, als sie sich an dieses Thema wagte, im Mauermuseum nach Zeitzeugen gefragt und hierdurch den echten Tunnelbauer Achim kennen gelernt, der auch heute noch, nun wieder in Berlin, lebt und seine Freiheit genießt. Alle aus dieser Zeit, die noch leben, stehen noch mit einander in Kontakt, es waren Erfahrungen, die sie lebenslang zusammengeschweißt haben. So kommt es auch, dass wir nicht nur Achims Gründe und Schicksal kennen lernen, sondern auch die seiner Freunde und einiger anderer Fluchthelfern, denen die Autorin zu packenden Worten verhilft, mit faszinierenden Infos und Details zu den Gefahren und Risiken, die diese friedlichen Freiheitskämpfer auf sich nahmen.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind keine Zufälligkeiten, sondern basieren auf den Erinnerungen der realen Hauptfigur Achim. Aus rechtlichen Gründen wurden ihre Namen bis auf die von Achims Familie geändert. Er spricht sowohl die Einleitung dieses Hörbuchs, als auch den Epilog und man hört ihm sein Alter und seine Lebenserfahrung an. Das verdeutlicht ganz klar, dass die Strapazen, die Achim auf sich geommen hat um seine Schwester und Freunde in den Westen zu schmuggeln real waren und ihre Spuren hinterlassen haben. Dennoch ist er noch heute froh darüber, dass er all diese Gefahren und Anstrengungen auf sich genommen hat, denn es hat sich gelohnt! Den Hauptteil der Geschichte spricht vor allem Mio Lechenmayr als Achim, gemeinsam mit Diana Gantner.

Sehr spannend und leider nach realen Begebenheiten ab 14 Jahren. Ich hatte immer wieder während des Hörens Gänsehautmomente und musste mich daran erinnern, dass Achim ja überlebt haben muss, sonst hätte er seine Geschichte nicht erzählen können.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Anders? Was solls!?

Alberto einfach einzigartig
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Alberto ist ein fröhliches junges Kamel und sucht Anschluss, weil Kamele nunmal Herdentiere sind. Als er bei Sonnenaufgang in der Wüste eine lange Karawane sieht, freut er sich und fragt sie, ob er sich ...

Alberto ist ein fröhliches junges Kamel und sucht Anschluss, weil Kamele nunmal Herdentiere sind. Als er bei Sonnenaufgang in der Wüste eine lange Karawane sieht, freut er sich und fragt sie, ob er sich ihnen anschließen könne. Doch zu seinem grenzenlosen Erstaunen wollen sie ihn nicht. Sie drehen ihm ihre Hinterteile zu und sagen, dass er seltsam aussehe! Was haben die denn bloß? Doch Alberto gibt nicht so schnell auf und macht sich weiter, verwundert auf die Suche. Er kann ja nichts seltsames an sich finden und so wandert er weiter durch die Wüste und erfreut sich an den prächtigen Pflanzen dort, auch wenn sie ganz schön pieksen. Er bewundert auch einen Skorpion und ein Krokodil und er freut sich, dass alles so unterschiedlich ist. Diesen Gedanken möchte er gerne mit den anderen Kamelen teilen, Deren Reaktion ist dieses Mal aber noch erstaunlicher, bis auf das kleinste Kamel, das versteht ihn, denn es ist ja auch anders, und doch auch wieder so wie die anderen, genau wie Alberto.....

Es fängt ja schon etwas traurig an, weil Alberto so freundlich und fröhlich ist und es überhauüt nicht verdient hat von den übrigen Kamelen so gemein behandelt zu werden. Er hat ihnen nichts getan und gefährlich ist er auch nicht. Zum Glück hat Alberto wie die anderen Kamele ein dickes Fell und geht nun alleine auf Entdeckungsreise. Klar wäre das gemeinsam noch schöner, aber die Welt ist in ihrer Vielfalt auch sehr aufregend. Alberto versteht das sofort, genau wie das kleine Kamel. Nur diejenigen die scheinbar wie alle anderen sind, begreifen es nicht sofort. Ebenso wenig, was es für ein Glück ist, das jeder und jede etwas anders ist. Unsere Vielfalt macht uns aus und das ist überhaupt kein Grund jemanden zu verstoßen, sondern sich an den neuen Möglichkeiten zu erfreuen.

Gusti hat diese Geschichte geschrieben und illustriert. Man spürt den Illustrationen sofort die Freude an der Vielfalt an. Die jeweiligen Tiere und Pflanzen sind alle ganz besonders und ganz besonders einzigartig. Dabei lässt Gusti der Fantasie freien Lauf inwieweit sich Kamele eigentlich innerhalb der Art unterscheiden können. Die Bandbreite ist da echt breit! Zuerst mutet Alberto mit seinen 3 Höckern wirklich etwas ausgefallen an, aber wenn man nachher sieht, was für Kamele noch so den Erdball bevölkern: mit rauchenden Kaminen, grünen Hügelhöckern oder Leoprint, es gibt nichts, was es nicht gibt und das ist ebenso witzig, als auch tröstlich. So geht es auch Alberto, inmitten dieser bunt gemischten Schar ist er rundum glücklich!

Was macht es also, wenn man etwas anders ist? Egal, Hauptsache wir genießen es!

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Wieder herrlich verschrobene Krimödie!

Miss Merkel: Mord in der Therapie
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Die Kanzlerin a.D. Ist nach Beendigung ihrer Autobiografie in ein tiefes Loch gefallen und ziemlich unleidlich. Einerseits sind ihr beim Schreiben einige Fehler in ihrer Amtszeit unangenehm hoch gekommen, ...

Die Kanzlerin a.D. Ist nach Beendigung ihrer Autobiografie in ein tiefes Loch gefallen und ziemlich unleidlich. Einerseits sind ihr beim Schreiben einige Fehler in ihrer Amtszeit unangenehm hoch gekommen, andererseits hat sie nun kein Ziel mehr und kein Mord ist in Sicht! Ihre Lieben sind sich einige, sie müsse zum Therapeuten und da Angela ganz sicherlich nicht in Berlin zu einem Politiker-Psychologen möchte, hat Achim ihr gleich einen Termin vor Ort ausgemacht, in der Gruppentherapie! Die erste Stunde verläuft glimpflich, ohne dass sie über sich sprechen muss und wenn sie ihre Situation mit der ihrer Mitpatienten vergleicht, ist sie geradezu gut drauf! Doch als sie pünktlich zu ihrer zweiten Sitzung erscheint, findet sie die Praxis durchwühlt vor und einen Pistolenabdruck in einer staubigen Schublade. Wie mysteriös! Bis sie erfährt, dass der Therapeut nachts auf spektakuläre Weise ums Leben kam. Da hebt sich ihre Laune sofort und sie beschließt ihre Guppenmitglieder genauer unter die Lupe zu nehmen: die optimistische Katzenfrau Rosa, Klimaaktivistin Nele, Wutbürger Werner, den sprachlosen Pantomime Paul und Viren-Phobikerin Hiltrud, die noch nicht einmal mehr das Haus verlässt. Außerdem begegnet ihr, egal wohin sie ihre Ermittlungen führen, der lokale Kommunist und Exobitionist Schnidel Castro. Das kann doch kein Zufall sein! Ach ja, außerdem steht am Wochenende die Hochzeit von Bodyguard Mike mit der Alleinerziehenden Marie an. Zu diesem Anlass sind Mikes Eltern, die Alt-68er angereist und treiben Mike an den Rande des Wahnsinns.

Mit Angela lernt man nach und nach ihre Mitpatienten und deren Neurosen kennen. Dabei geht David Safier so geschickt vor, dass diese Neurosen zwar originell, aber auch tatsächlich ernsthaft sind. Einerseits fängt man an, die einzelnen Mitglieder der Gruppe zu mögen und andererseits werden einem immer wieder einzelne höchst suspekt. Nicht nur sie, sondern auch Dorffaktotum Schniedel Castro. Doch Angela steht nicht nur vor einer vertrackten Aufgabe, sie muss sich mal wieder mit dem höchst unfähigen Kommissar Hannemann rumschlagen, der nichts lieber tun würde, als auf der Stelle, die Ex-Kanzlerin als seine größte Ermittlungskonkurrentin zu verhaften. Seine absurde Unfähigkeit zieht sich als running gag durch die Serie. Man kann die einzelnen Bände zwar unabhängig von einander hören, aber gerade wegen der running-gags und der persönlichen Verwicklungen ist es witziger, der Reihe nach vorzugehen.

Da immer auch wieder feine politische Spitzen in die Dialoge eingewoben werden, sollten die Zuhörenden schon gewisse Grundkenntnisse des politischen Geschehens der letzten Jahre haben, um es voll auszukosten. Die Kenntnisse unserer jüngsten Tochter, die immer mal wieder von uns zwangsinformiert wird und Radionachrichten im Auto hören muss, reichen allerdings schon aus. Für uns ist es daher ein großer Familienspaß für lange Autofahrten, mit Nachwuchs im Teenager-Alter. Keine Sorge, es gibt auch genügend andere Handlungsstrenge, als dass die Geschichte nicht nur an Politikfans richtet. Mikes völlig überkandidelte Eltern und bisweilen auch einige Dorfbewohner sind auch immer wieder für eine Pointe gut.

Zum Glück wird auch der 4. Teil wieder von Nana Spier gelesen! Sie schafft es ganz wunderbar immer wieder den Tonfall unserer Ex-Kanzlerin zu treffen. Zudem beweist sie ein außerordentliches Gespür für die Komik der Geschichte und erzählt genüsslich-ironisch so manche kleine Bosheit aus dem Polit-Zirkus, Verstorbene und Abgewählte inklusive. So bleibt dieser Cosy-Crime-Fall stets kurzweilig und herrlich verschroben!

Übrigens wird zum Ende hin nicht nur der Mordfall gelöst, den Patienten, die noch übrig sind wird auch ernsthaft geholfen und geheiratet wird letztendlich auch, wenn auch nicht in dem eleganten, dunkelgrünen Anzug, den Mike sich ausgesucht hat. Bis zum nächsten Mord ist nun also alles wieder gut!

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Veröffentlicht am 26.01.2025

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Die Tasche
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Am Stadtrand, in einem echten Problemviertel steht eine Gesamtschule, deren Besuch, einem bis vor 10 Jahren, Türen zu Studienplätzen und Praktika verschlossen hat. Es gibt fast nur Schüler mit Migrationshintergrund, ...

Am Stadtrand, in einem echten Problemviertel steht eine Gesamtschule, deren Besuch, einem bis vor 10 Jahren, Türen zu Studienplätzen und Praktika verschlossen hat. Es gibt fast nur Schüler mit Migrationshintergrund, aber Schulleiter Klaus Kobe ist engagiert und glaubt an Vielfalt, so dass er auch einige wenige privilegierte Innenstadtkids aufnimmt, die dort von der Schule geflogen sind, oder wegen des speziellen Kursangebots, wie im Falle von Emilia, der Tochter der Bildugnsenatorin. Neben dem motivierten Schulleiter gibt es noch Vertrauenslehrerin Svenja Schäfer die sich stets für ihnre Schüler einsetzt, oder fast immer und die daher die Rede bei der Verleihung des Integrationspreises halten soll. Damit es überzeugender rüberkommt, soll Mohammed aus der 12., ein ebenso cooler, wie guter Schüler mit libanesischen Wurzteln mit ihr auf der Bühne stehen. Mohammed findet das Ganze heuschlerisch, insbesondere, da man ihm und seinen Freunden unterstellt hatte, dem widerlichen Henry die Turnschuhe geklaut zu haben. Von so einem Dreckskerl würde er die Sachen noch nicht mal anfassen. Dennoch hat der Chemielehrer Lennard Frank, der ihn eh für einen Bombenbauer hält und ihm deswegen völlig unberechtigt schlechte Noten reindürckt, den Verdacht auf ihn gelenkt. Doch in der Zwischenzeit, laufen an der Schule im Verborgenen ganz andere Vorbereitungen, denn dieser Preis und diese Vielfalt isind einer rechten Gruppierung ein Dorn im Auge.

Ganz locker beginnt Mohammed mit seiner Geschichte .Schon lange führt er auf seinem Handy ein Sprachtagebuch, was sein konservativer, libanesischer Vater nicht verstehen kann, ebenso wenig, dass es nicht Mohammeds Plan ist Arzt zu werden, sondern seiner... Locker flockig erzählt er von seinem Tag und was geht, von seinen Freunden, seinem Schwarm Emilia, vom Schulstress und dem Boxtraining zum Ausgleich... aber eben auch von dem verklemmten, vorurteilsbehafteten Lehrer Frank und Henry, mit dem er schon wieder aneinandergerät... er lässt nichts aus und fordert seine Freunde auf, mit ihm die Geschichte zu ergänzen, aus ihrer Perspektive: Mussa, Jakob ihre Mutter Halima, Maya, Illyana, ihr kleiner Bruder Zachy, der wegen seines Saxophons gemobbt wird, Vertrauenslehrerin Svenja Schäfer, damit die Welt die Wahrheit erfährt, was damals an diesem Tag, der eine Feier werden sollte schief ging.

Egal wer seine Sicht der Dinge erzählt, egal wie locker und im Jugendslang, ob Schüler oder Lehrer, man spürt, das nahende Unheil, die Katastrophe, auch wenn man bis zum Schluss nicht weiß, was passiert ist.

Ganz großes Kompliment an das Sprecherensemble Mo Issa, Via Jikeli, Max Hegewald und Louise von Finckh. Gemeinsam mit der Instrumentaluntermalung schaffen sie ganz großes Hörkino, das echt authentisch und unmittelbar klingt! Witzig gemacht, finde ich auch immer wieder die Beiträge aus dem Online-Forum, in dem Mutter Halima Hilfe sucht.... und Hysterie ernet.
Das Autorenduo war übrigens mal Schüler und Lehrerin, allerdings ist Houssein Kahin nun Anwalt und nicht Arzt geworden. Wieviel von ihren eigenen Erfahrungen wohl in diesem ernsten Thema steckt?

Ein bisschen schade finde ich, dass etwas abrupte Ende. Was ist aus den wahren Schuldigen geworden? Und aus den Mitläufern? Bei einigen erfahren wir, auf eine recht offene Weise, was aus ihnen wird, aber da die Situation, für jemanden, dem grundlos das Schlimmste zugetraut wird, echt komplex wird, nimmt er sich die Zeit, die er braucht, um sich über sich und die Welt nachzudenken..... Auch bei einigen anderen erfährt man es, wobei das unschuldigste Opfer mir leider etwas kurz abgehandelt wird. Aber die Geschichte wird halt als Sprachtagebuch von einigen der Beteiligten, bzw. der zu Unrecht unter Generalverdacht Stehenden erzählt. Wahrscheinlich wissen sie zwar, was wirklich passiert ist, insbesondere, was sie alles nicht getan haben, aber nicht unbedingt, was aus den wahren Tätern und den Zündlern geworden ist. Zündler sind für mich diejenigen, die so vorurteilsbehaftet sind, dass sie Angst und Misstrauen säen, ohne dass es dafür einen berechtigten Grund, oder Anlass gibt und somit Hysterie in andere Köpfe pflanzen.

Trotz des etwas schnellen Endes absolut hörenswert und unbedingt zum Diskutieren geeignet! Ab 12 Jahren.

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