Britischer Cozy Crime - trotz guter Ausgangslage bleibt die Handlung für mich verwirrend
Das MörderarchivAnnie Adams bekommt einen Brief ihrer Großtante Frances: sie soll das Gesamtvermögen und Anwesen erben statt ihrer Mutter Laura. Annie fährt nach Castle Knoll, wo Tante Frances wohnt. Als sie ankommt, ...
Annie Adams bekommt einen Brief ihrer Großtante Frances: sie soll das Gesamtvermögen und Anwesen erben statt ihrer Mutter Laura. Annie fährt nach Castle Knoll, wo Tante Frances wohnt. Als sie ankommt, liegt diese jedoch tot in ihrer Bibliothek - und zwar ermordet! Frances bekam vor sechzig Jahren eine Weissagung, dass sie ermordet wird und das ist nun eingetreten. Laut Testament soll derjenige das Vermögen und Anwesen erben, der innerhalb einer Woche den Mord an Frances aufklärt. Neben Annie ist auch Saxon zugegen, der Neffe Frances'. Da Frances von ihrer Weissagung wie besessen war, hat sie in ihrem Haus ein Archiv angelegt, in dem sie jede Straftat wirklich jedes Einwohners dokumentiert hat. Gelingt es Annie, den Mord aufzuklären?
Das Cover ist sehr schön gestaltet, typisch britisch und mit hohem Wiedererkennungswert. Auch die Geschichte geht direkt gut los: mit der Weissagung, die Frances auf einem Jahrmarkt bekommt im Jahr 1965. Die Kapitel sind aus der Ich-Perspektive Annies geschrieben. Sie wirkt oft naiv und blauäugig, erkennt Zusammenhänge manchmal schwer und oft hatte ich das Gefühl, dass sie uns als Leser nicht an allen Geschehnissen teilhaben lässt. Sie erzählt nur das, was sie uns wissen lassen möchte. Durchbrochen werden die Kapitel mit Tagebucheinträgen, die Frances in der Zeit nach der Weissagung verfasst hat. Sie geben immer Hinweise auf die Zusammenhänge, die auch für die Mordermittlungen von Bedeutung sind. Außerdem gewinnt man als Leser so natürlich einige Eindrücke mehr, die Annie bei ihren Ermittlungen meist noch nicht hat.
Die Figuren bleiben jedoch oberflächlich und ohne Tiefe, was auch an der subjektiven Erzählweise liegt. Auch auf das angepriesene Mörderarchiv wird wenig eingegangen. Oft verzettelt sich Annie bei ihren Ermittlungen, sie geht meist unstrukturiert und vor allem unvorsichtig vor, was sie selbst in Gefahr bringt. Auch die gewöhnungsbedürftige Erzählzeit im Präsens wirkt oft langatmig und langweilig.
Ein großer Minuspunkt sind die vielen Figuren und Nebenfiguren, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart auftauchen. Ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, alle Zusammenhänge und Beziehungen zu verfolgen und den Überblick zu behalten.
"Das Mörderarchiv" ist ein typischer Cozy Crime, der typisch britisch daher kommt und Fans von unblutigen Krimis vermutlich begeistern wird. Trotz einiger Schwächen lässt sich die Geschichte gut lesen und die beiden unterschiedlichen Erzählweisen und Zeiträume sind spannend verknüpft.