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Veröffentlicht am 28.02.2025

Britischer Cozy Crime - trotz guter Ausgangslage bleibt die Handlung für mich verwirrend

Das Mörderarchiv
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Annie Adams bekommt einen Brief ihrer Großtante Frances: sie soll das Gesamtvermögen und Anwesen erben statt ihrer Mutter Laura. Annie fährt nach Castle Knoll, wo Tante Frances wohnt. Als sie ankommt, ...

Annie Adams bekommt einen Brief ihrer Großtante Frances: sie soll das Gesamtvermögen und Anwesen erben statt ihrer Mutter Laura. Annie fährt nach Castle Knoll, wo Tante Frances wohnt. Als sie ankommt, liegt diese jedoch tot in ihrer Bibliothek - und zwar ermordet! Frances bekam vor sechzig Jahren eine Weissagung, dass sie ermordet wird und das ist nun eingetreten. Laut Testament soll derjenige das Vermögen und Anwesen erben, der innerhalb einer Woche den Mord an Frances aufklärt. Neben Annie ist auch Saxon zugegen, der Neffe Frances'. Da Frances von ihrer Weissagung wie besessen war, hat sie in ihrem Haus ein Archiv angelegt, in dem sie jede Straftat wirklich jedes Einwohners dokumentiert hat. Gelingt es Annie, den Mord aufzuklären?

Das Cover ist sehr schön gestaltet, typisch britisch und mit hohem Wiedererkennungswert. Auch die Geschichte geht direkt gut los: mit der Weissagung, die Frances auf einem Jahrmarkt bekommt im Jahr 1965. Die Kapitel sind aus der Ich-Perspektive Annies geschrieben. Sie wirkt oft naiv und blauäugig, erkennt Zusammenhänge manchmal schwer und oft hatte ich das Gefühl, dass sie uns als Leser nicht an allen Geschehnissen teilhaben lässt. Sie erzählt nur das, was sie uns wissen lassen möchte. Durchbrochen werden die Kapitel mit Tagebucheinträgen, die Frances in der Zeit nach der Weissagung verfasst hat. Sie geben immer Hinweise auf die Zusammenhänge, die auch für die Mordermittlungen von Bedeutung sind. Außerdem gewinnt man als Leser so natürlich einige Eindrücke mehr, die Annie bei ihren Ermittlungen meist noch nicht hat.
Die Figuren bleiben jedoch oberflächlich und ohne Tiefe, was auch an der subjektiven Erzählweise liegt. Auch auf das angepriesene Mörderarchiv wird wenig eingegangen. Oft verzettelt sich Annie bei ihren Ermittlungen, sie geht meist unstrukturiert und vor allem unvorsichtig vor, was sie selbst in Gefahr bringt. Auch die gewöhnungsbedürftige Erzählzeit im Präsens wirkt oft langatmig und langweilig.
Ein großer Minuspunkt sind die vielen Figuren und Nebenfiguren, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart auftauchen. Ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, alle Zusammenhänge und Beziehungen zu verfolgen und den Überblick zu behalten.

"Das Mörderarchiv" ist ein typischer Cozy Crime, der typisch britisch daher kommt und Fans von unblutigen Krimis vermutlich begeistern wird. Trotz einiger Schwächen lässt sich die Geschichte gut lesen und die beiden unterschiedlichen Erzählweisen und Zeiträume sind spannend verknüpft.

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Zu bildhafte Sprache, zu poetisch - trotzdem ein interessantes Buch

Quallen haben keine Ohren
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Louise hört so gut wie nichts mehr, nur noch Rauschen und einzelne Wortfetzen dringen in ihr Gehör. Bisher konnte sie ganz gut unter dem Radar bleiben und durch das Lernen und Verbessern von Lippenlesen ...

Louise hört so gut wie nichts mehr, nur noch Rauschen und einzelne Wortfetzen dringen in ihr Gehör. Bisher konnte sie ganz gut unter dem Radar bleiben und durch das Lernen und Verbessern von Lippenlesen kommt sie halbwegs im Leben zurecht. Nun droht aber ihr Gehör ganz zu verschwinden, die Ärzte raten ihr dringend zu einem Cochlea-Implantat. Louise ist hin und her gerissen, ihr Leben lang schon schwebt sie in einer Art Zwischenwelt: sie gehört weder zu den Gehörlosen und kann Gebärdensprache noch zählt sie zur Welt der Hörenden. Wird sie sich für das Implantat entscheiden und was sagt ihr Umfeld dazu?

Mich hat die Thematik des Buches sehr interessiert und ich habe gehofft, mehr über ein mir unbekanntes Thema zu erfahren.
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive Louises geschrieben. Dadurch erfährt man alles hautnah und kann sich gut in sie hinein fühlen. Als hörende Person konnte ich mir bis dahin nicht wirklich vorstellen, wie es ist, Menschen nicht zu verstehen, sich deshalb ausgeschlossen zu fühlen und nirgends zugehörig. Es sind die kleinen Dinge, die Louise beschreibt und die trotzdem so viel aus ihrem Leben erzählen: der Einkauf im Supermarkt oder der Besuch beim Arzt. Das alles wird gut aus ihrer Sicht beschrieben, jedoch ist die Sprache und der Erzählstil allgemein sehr bildhaft und poetisch. Es werden verschiedene Metaphern benutzt für verschiedene Gefühlszustände, die meinen Lesefluss öfters gestört haben. Wahrscheinlich ist es von der Autorin so gewollt, aber oft musste ich mich beim Lesen sehr konzentrieren um den Ganzen zu folgen. Man kann das Buch nicht einfach "weg lesen", es erfordert volle Konzentration und ist anspruchsvoll.
Ich habe nach dem Lesen ein Interview mit Adèle Rosenfeld gesehen, in dem sie von ihren eigenen Erfahrungen als Schwerhörige erzählt. Das macht einem das Buch nochmals begreiflicher, lebt es doch von den detaillierten Beschreibungen und der Geschichte Louises.

Für mich ist "Quallen haben keine Ohren" ein interessantes und ungewöhnliches Buch, das ein schwieriges Thema aufgreift, jedoch hat mich die Sprache nicht vollends überzeugen können.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Ausbaufähiger Thriller mit interessanter Idee und Ausgangslage

The Trap. Wie weit würdest du gehen, um deine Schwester zu retten?
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Lucys Schwester Nicki ist seit über einem Jahr spurlos verschwunden. Sie verfolgt daher einen äußerst gefährlichen Plan: sie steigt absichtlich auf einsamen Straßen bei fremden Männern ins Auto um auf ...

Lucys Schwester Nicki ist seit über einem Jahr spurlos verschwunden. Sie verfolgt daher einen äußerst gefährlichen Plan: sie steigt absichtlich auf einsamen Straßen bei fremden Männern ins Auto um auf den Entführer zu treffen und so ihr Schwester Nicki zu finden. Lucy hat keinen Erfolg damit, ihre Schwester bleibt verschwunden. Gemeinsam mit Nickis Partner wohnt sie in dem Haus ihrer verstorbenen Eltern. Als sich die Meldungen von vermissten Frauen in der Region häufen, ruft die Polizei eine Ermittlungskommission ins Leben: Operation Tide. Es wird nun mit noch mehr Druck nach den vermissten Frauen, darunter auch Nicki, gesucht. Lucy indes ist mit der Ermittlungsarbeit nicht zufrieden und überlegt sich erneut einen Plan, mit dem sie dem Täter gefährlich nahe kommen möchte...

Mir hat das Cover sehr gut gefallen, die Farben lenken den Blick darauf und das nur schemenhaft erkennbare Auto mit den weißen Scheinwerfern spielt perfekt auf den Inhalt an.
Auch der Beginn des Buches zieht den Leser sofort in den Bann: eine junge Frau steigt in ein Auto um sich freiwillig entführen zu lassen und so den Entführer ihrer Schwester zu finden. Was zunächst wahnsinnig und lebensmüde klingt, zeigt die Verzweiflung, nicht zu wissen, was der Schwester zugestoßen ist und seit einem Jahr keine Fortschritte in der Ermittlung zu sehen.
Insgesamt wird das Buch aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Den Großteil nimmt Lucy ein, die man dabei begleitet, wie sie verzweifelt ihre Schwester sucht. Daneben gibt es noch Denise und Angela, zwei Ermittlerinnen der Polizei, die möglichen Spuren und Verdächtigen nachgehen. Außerdem, wie ich finde, die interessanteste Perspektive, erzählt der Entführer selbst aus der Ich-Perspektive in einer Art Monolog über seine Motive, Taten und Opfer. Auch eine Frau kommt zu Wort, die in einer Art Hütte gefangen halten wird, diese Sicht nimmt jedoch sehr wenig Platz ein.
Die vielen Perspektiven und Schauplätze geben einen guten Gesamtüberblick über das Geschehen und man weiß als Leser einiges mehr als die Protagonisten. Jedoch ist das auch ein großer Minuspunkt für mich, da es sehr verwirrend ist, der Handlung zu folgen, es tauchen auch zahlreiche Angehörige der vermissten Frauen auf, die mehr oder weniger wichtig für die Handlung sind. Nach dem sehr spannenden Prolog flacht die Handlung für mich zunehmend ab, ungefähr zwei Drittel des Buches plätschern nur so dahin. Auf den letzten knapp einhundert Seiten nimmt die Spannung jedoch an Fahrt auf und es gibt einen Plot-Twist nach dem Anderen, mit denen ich überhaupt nicht mehr gerechnet habe. Die Auflösung, oder das, was die Autorin uns davon wissen lässt, ist für mich nicht wirklich schlüssig und es bleiben viele Fragen offen. Das Buch endet abrupt, nachdem etwas Spannung aufgebaut wurde, ist es auch schon wieder vorbei. Auch die "Falle", von der im Klappentext die Rede ist, wird nicht wirklich gut umgesetzt. Ich hatte mir aufgrund der Leseprobe und des Klappentextes eine andere Geschichte erhofft.

Die Idee und Ausgangslage finde ich sehr gelungen, für mich ist die Umsetzung jedoch noch ausbaufähig. Die Figuren bleiben durchgängig nicht wirklich greifbar und undurchsichtig. Auch die sich aufbauende Spannung bleibt größtenteils aus. Trotzdem ist das Buch mit seiner interessanten Ausgangslage lesenswert und ungewöhnlich.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Eine Geschichte für alle Buchliebhaber

Die Abende in der Buchhandlung Morisaki
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Takako kennt man bereits aus dem ersten Band "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki". Sie hat nun einen Partner und ist aus dem Antiquariat ihres Onkels in eine eigene Wohnung gezogen. Doch sie kehrt immer ...

Takako kennt man bereits aus dem ersten Band "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki". Sie hat nun einen Partner und ist aus dem Antiquariat ihres Onkels in eine eigene Wohnung gezogen. Doch sie kehrt immer wieder gerne zu ihrem Onkel Satoru, ihrer Tante Momoko und dem Antiquariat Morisaki zurück. Momoko ist leider erneut erkrankt und so wird Takako erneut im Antiquariat gebraucht. Gemeinsam mit den Kunden schafft es Takako, gerade Satoru wieder Mut in dieser schwierigen Zeit zu machen.

Der erste Band der "Bücherliebe in Tokio"-Reihe hat mir bereits gut gefallen und ich war gespannt, wie Takakos Geschichte weiter erzählt wird. Man kann den zweiten Band sicherlich auch alleine lesen ohne den ersten Band zu kennen. Das Cover ist erneut schön gestaltet, diesmal dominieren dir Farben Gelb bis Rot.
Die erste Hälfte zieht sich leider für mich in die Länge, es wird detailliert aus Takakos Alltag beschrieben, dadurch plätschert die Handlung oft dahin und man muss sich beim Lesen zwingen, mit den Gedanken nicht abzuschweifen. Die Handlung nimmt wieder Fahrt auf, als Momokos Krankheit bekannt wird. Leider mit einem schwierigen Thema wachsen die drei wieder stärker zusammen.
Der Erzählstil ist ungewöhnlich, aber gut und einfach zu lesen und passend zur japanischen Kultur. Die Kunden und ihre Eigenheiten werden erneut, wie im ersten Band auch, detailliert beschrieben, manchmal war mir das ein wenig zu viel an einigen Stellen.

Das Buch kann man mit seinen knapp 250 Seiten gut zwischendurch lesen, es beschreibt die Liebe und Kraft der Bücher und wie wir füreinander einstehen können. Der erste Band hat mir jedoch etwas besser gefallen, nichtsdestotrotz ist "Die Abende in der Buchhandlung Morisaki" eine schöne Geschichte für alle Buchliebhaber.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Du siehst einen Mord, aber niemand glaubt dir - spannende Geschichte auf hoher See

Woman in Cabin 10
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Lo Blacklock arbeitet für ein Reisemagazin und soll an Stelle ihrer Chefin an der Jungfernfahrt eines exklusiven Luxuskreuzfahrtschiffes teilnehmen. Wenige Tage zuvor wird jedoch bei ihr zu Hause eingebrochen ...

Lo Blacklock arbeitet für ein Reisemagazin und soll an Stelle ihrer Chefin an der Jungfernfahrt eines exklusiven Luxuskreuzfahrtschiffes teilnehmen. Wenige Tage zuvor wird jedoch bei ihr zu Hause eingebrochen und sie kommt mit dem Schrecken davon - sie kam nicht zu Schaden, war aber in der Wohnung als es passiert ist. Sie betritt das Schiff somit mit gemischten Gefühlen. Unter den Passagieren sind einige Journalisten und auch der Eigentümer und seine Frau selbst. In der ersten Nacht hört Lo, wie etwas ins Wasser geworfen wird - oder jemand, es muss etwas Schweres wie ein menschlicher Körper gewesen sein. Die Kabine neben ihr, von der aus sie das Geräusch hört hat, ist allerdings leer. Beim Einchecken hatte sie jedoch noch eine junge Frau gesehen, auf deren Dasein nun nichts mehr hindeutet. Wurde sie über Bord geworfen? Sie informiert das Schiffspersonal, doch niemand glaubt ihr und der Albtraum beginnt.

Dies ist mein erster Roman von Ruth Ware, aber sicher nicht der Letzte trotz ein paar Schwächen. Der Anfang zieht den Leser direkt ins Geschehen als man live miterlebt wie bei Lo eingebrochen wird. Die Panik wird sehr gut deutlich und man merkt direkt, dass etwas nicht stimmt, gerade so wenige Tage vor der Schiffsfahrt. Auch auf dem Schiff stimmen einige Dinge nicht und beim Lesen wird einem bereits mulmig zumute. Ruth Ware erzeugt hier eine beklemmende Stimmung, die vom fesselnden Erzählstil unterstrichen wird. Die erste Hälfte hat mich komplett überzeugt und ich musste weiter lesen, weil die Geschichte eine unglaubliche Sogwirkung entwickelt.
Dann jedoch lassen die Handlung und Spannung nach und die Geschichte entwickelt sich für mich zunehmend unrealistischer und vorhersehbarer. Auch das Ende konnte mich dann nicht mehr wirklich überzeugen.

Trotz allem hat Ruth Ware einen tollen Thriller geschrieben, der in einem tollen, aber auch beklemmenden Setting spielt. Ich empfehle das Buch trotzdem gerne für Thrillerfans.

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