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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2025

Ausbaufähiger Thriller mit interessanter Idee und Ausgangslage

The Trap. Wie weit würdest du gehen, um deine Schwester zu retten?
6

Lucys Schwester Nicki ist seit über einem Jahr spurlos verschwunden. Sie verfolgt daher einen äußerst gefährlichen Plan: sie steigt absichtlich auf einsamen Straßen bei fremden Männern ins Auto um auf ...

Lucys Schwester Nicki ist seit über einem Jahr spurlos verschwunden. Sie verfolgt daher einen äußerst gefährlichen Plan: sie steigt absichtlich auf einsamen Straßen bei fremden Männern ins Auto um auf den Entführer zu treffen und so ihr Schwester Nicki zu finden. Lucy hat keinen Erfolg damit, ihre Schwester bleibt verschwunden. Gemeinsam mit Nickis Partner wohnt sie in dem Haus ihrer verstorbenen Eltern. Als sich die Meldungen von vermissten Frauen in der Region häufen, ruft die Polizei eine Ermittlungskommission ins Leben: Operation Tide. Es wird nun mit noch mehr Druck nach den vermissten Frauen, darunter auch Nicki, gesucht. Lucy indes ist mit der Ermittlungsarbeit nicht zufrieden und überlegt sich erneut einen Plan, mit dem sie dem Täter gefährlich nahe kommen möchte...

Mir hat das Cover sehr gut gefallen, die Farben lenken den Blick darauf und das nur schemenhaft erkennbare Auto mit den weißen Scheinwerfern spielt perfekt auf den Inhalt an.
Auch der Beginn des Buches zieht den Leser sofort in den Bann: eine junge Frau steigt in ein Auto um sich freiwillig entführen zu lassen und so den Entführer ihrer Schwester zu finden. Was zunächst wahnsinnig und lebensmüde klingt, zeigt die Verzweiflung, nicht zu wissen, was der Schwester zugestoßen ist und seit einem Jahr keine Fortschritte in der Ermittlung zu sehen.
Insgesamt wird das Buch aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Den Großteil nimmt Lucy ein, die man dabei begleitet, wie sie verzweifelt ihre Schwester sucht. Daneben gibt es noch Denise und Angela, zwei Ermittlerinnen der Polizei, die möglichen Spuren und Verdächtigen nachgehen. Außerdem, wie ich finde, die interessanteste Perspektive, erzählt der Entführer selbst aus der Ich-Perspektive in einer Art Monolog über seine Motive, Taten und Opfer. Auch eine Frau kommt zu Wort, die in einer Art Hütte gefangen halten wird, diese Sicht nimmt jedoch sehr wenig Platz ein.
Die vielen Perspektiven und Schauplätze geben einen guten Gesamtüberblick über das Geschehen und man weiß als Leser einiges mehr als die Protagonisten. Jedoch ist das auch ein großer Minuspunkt für mich, da es sehr verwirrend ist, der Handlung zu folgen, es tauchen auch zahlreiche Angehörige der vermissten Frauen auf, die mehr oder weniger wichtig für die Handlung sind. Nach dem sehr spannenden Prolog flacht die Handlung für mich zunehmend ab, ungefähr zwei Drittel des Buches plätschern nur so dahin. Auf den letzten knapp einhundert Seiten nimmt die Spannung jedoch an Fahrt auf und es gibt einen Plot-Twist nach dem Anderen, mit denen ich überhaupt nicht mehr gerechnet habe. Die Auflösung, oder das, was die Autorin uns davon wissen lässt, ist für mich nicht wirklich schlüssig und es bleiben viele Fragen offen. Das Buch endet abrupt, nachdem etwas Spannung aufgebaut wurde, ist es auch schon wieder vorbei. Auch die "Falle", von der im Klappentext die Rede ist, wird nicht wirklich gut umgesetzt. Ich hatte mir aufgrund der Leseprobe und des Klappentextes eine andere Geschichte erhofft.

Die Idee und Ausgangslage finde ich sehr gelungen, für mich ist die Umsetzung jedoch noch ausbaufähig. Die Figuren bleiben durchgängig nicht wirklich greifbar und undurchsichtig. Auch die sich aufbauende Spannung bleibt größtenteils aus. Trotzdem ist das Buch mit seiner interessanten Ausgangslage lesenswert und ungewöhnlich.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Eine Geschichte für alle Buchliebhaber

Die Abende in der Buchhandlung Morisaki
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Takako kennt man bereits aus dem ersten Band "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki". Sie hat nun einen Partner und ist aus dem Antiquariat ihres Onkels in eine eigene Wohnung gezogen. Doch sie kehrt immer ...

Takako kennt man bereits aus dem ersten Band "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki". Sie hat nun einen Partner und ist aus dem Antiquariat ihres Onkels in eine eigene Wohnung gezogen. Doch sie kehrt immer wieder gerne zu ihrem Onkel Satoru, ihrer Tante Momoko und dem Antiquariat Morisaki zurück. Momoko ist leider erneut erkrankt und so wird Takako erneut im Antiquariat gebraucht. Gemeinsam mit den Kunden schafft es Takako, gerade Satoru wieder Mut in dieser schwierigen Zeit zu machen.

Der erste Band der "Bücherliebe in Tokio"-Reihe hat mir bereits gut gefallen und ich war gespannt, wie Takakos Geschichte weiter erzählt wird. Man kann den zweiten Band sicherlich auch alleine lesen ohne den ersten Band zu kennen. Das Cover ist erneut schön gestaltet, diesmal dominieren dir Farben Gelb bis Rot.
Die erste Hälfte zieht sich leider für mich in die Länge, es wird detailliert aus Takakos Alltag beschrieben, dadurch plätschert die Handlung oft dahin und man muss sich beim Lesen zwingen, mit den Gedanken nicht abzuschweifen. Die Handlung nimmt wieder Fahrt auf, als Momokos Krankheit bekannt wird. Leider mit einem schwierigen Thema wachsen die drei wieder stärker zusammen.
Der Erzählstil ist ungewöhnlich, aber gut und einfach zu lesen und passend zur japanischen Kultur. Die Kunden und ihre Eigenheiten werden erneut, wie im ersten Band auch, detailliert beschrieben, manchmal war mir das ein wenig zu viel an einigen Stellen.

Das Buch kann man mit seinen knapp 250 Seiten gut zwischendurch lesen, es beschreibt die Liebe und Kraft der Bücher und wie wir füreinander einstehen können. Der erste Band hat mir jedoch etwas besser gefallen, nichtsdestotrotz ist "Die Abende in der Buchhandlung Morisaki" eine schöne Geschichte für alle Buchliebhaber.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Du siehst einen Mord, aber niemand glaubt dir - spannende Geschichte auf hoher See

Woman in Cabin 10
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Lo Blacklock arbeitet für ein Reisemagazin und soll an Stelle ihrer Chefin an der Jungfernfahrt eines exklusiven Luxuskreuzfahrtschiffes teilnehmen. Wenige Tage zuvor wird jedoch bei ihr zu Hause eingebrochen ...

Lo Blacklock arbeitet für ein Reisemagazin und soll an Stelle ihrer Chefin an der Jungfernfahrt eines exklusiven Luxuskreuzfahrtschiffes teilnehmen. Wenige Tage zuvor wird jedoch bei ihr zu Hause eingebrochen und sie kommt mit dem Schrecken davon - sie kam nicht zu Schaden, war aber in der Wohnung als es passiert ist. Sie betritt das Schiff somit mit gemischten Gefühlen. Unter den Passagieren sind einige Journalisten und auch der Eigentümer und seine Frau selbst. In der ersten Nacht hört Lo, wie etwas ins Wasser geworfen wird - oder jemand, es muss etwas Schweres wie ein menschlicher Körper gewesen sein. Die Kabine neben ihr, von der aus sie das Geräusch hört hat, ist allerdings leer. Beim Einchecken hatte sie jedoch noch eine junge Frau gesehen, auf deren Dasein nun nichts mehr hindeutet. Wurde sie über Bord geworfen? Sie informiert das Schiffspersonal, doch niemand glaubt ihr und der Albtraum beginnt.

Dies ist mein erster Roman von Ruth Ware, aber sicher nicht der Letzte trotz ein paar Schwächen. Der Anfang zieht den Leser direkt ins Geschehen als man live miterlebt wie bei Lo eingebrochen wird. Die Panik wird sehr gut deutlich und man merkt direkt, dass etwas nicht stimmt, gerade so wenige Tage vor der Schiffsfahrt. Auch auf dem Schiff stimmen einige Dinge nicht und beim Lesen wird einem bereits mulmig zumute. Ruth Ware erzeugt hier eine beklemmende Stimmung, die vom fesselnden Erzählstil unterstrichen wird. Die erste Hälfte hat mich komplett überzeugt und ich musste weiter lesen, weil die Geschichte eine unglaubliche Sogwirkung entwickelt.
Dann jedoch lassen die Handlung und Spannung nach und die Geschichte entwickelt sich für mich zunehmend unrealistischer und vorhersehbarer. Auch das Ende konnte mich dann nicht mehr wirklich überzeugen.

Trotz allem hat Ruth Ware einen tollen Thriller geschrieben, der in einem tollen, aber auch beklemmenden Setting spielt. Ich empfehle das Buch trotzdem gerne für Thrillerfans.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Ungewöhnlicher und stiller Roman, der mich trotzdem nicht ganz erreichen konnte

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Juno ist Performance-Künstlerin und lebt mit ihrem Ehemann Jupiter in Leipzig. Jupiter ist schwer krank, sitzt im Rollstuhl und verbringt seine Tage komplett zu Hause. Er kann sich kaum mehr als ein paar ...

Juno ist Performance-Künstlerin und lebt mit ihrem Ehemann Jupiter in Leipzig. Jupiter ist schwer krank, sitzt im Rollstuhl und verbringt seine Tage komplett zu Hause. Er kann sich kaum mehr als ein paar Schritte mit dem Rollator durch die enge Altbauwohnung bewegen. Juno schafft den Spagat zwischen der Krankheit ihres Mannes, Geldsorgen, ausbleibenden Jobangeboten und Einsamkeit meist recht gut, nur nachts fühlt sie sich oft allein. Deshalb flüchtet sie sich, sobald Jupiter schläft, in die Welt der Online-Love-Scammer - Männer aus ärmeren Ländern, die mit falschen Fotos vorwiegend ältere Frauen anschreiben um an Geld zu kommen. Juno weiß um diese ausgeklügelten Betrügereien, schreibt mit den Scammern und kann in den Chats sein, wer immer sie möchte- mal verheiratet, mal jünger, mal Partymaus. Eines Tages schreibt sie Benu aus Nigeria an. Schnell enttarnt sie ihn als Scanner, aber anders als die anderen wendet er sich nicht ab, sondern schreibt weiter mit ihr, nun mit wahrer Identität. Er schenkt ihr ein wenig Hoffnung in ihrem trüben Alltag. Auch hier erfindet sie ein neues Leben, sie ahnt aber, dass sie selbst vor der Realität fliehen möchte.

Nach Bekanntwerden des Gewinners des Deutschen Buchpreises 2024 war ich sehr gespannt auf den Roman. Bereits das Cover ist sehr gut und ungewöhnlich gestaltet. Es spiegelt mit den Abbildungen der Götter Juno und Jupiter perfekt den mythologischen Bezug der Namen wider, im Gegensatz dazu steht die plakative gelbe Schrift.
Die Personen im Roman tragen alle Namen der griechischen Mythologie, die ihre Eigenschaften gut wiedergeben: Juno als Göttin der Ehe und Fürsorge, Jupiter als den größten Planeten des Sonnensystems und viele mehr. Dieser Bezug hat mir sehr gut gefallen.
Martina Hefter zeichnet Juno sehr gut als fürsorgende Ehefrau, die den Alltag vermeintlich perfekt im Griff hat. Wir erfahren aber auch von ihrer Einsamkeit, ihrer Angst vor der Zukunft und Jupiter zu verlieren. Die Ausgangslage bietet viel Potenzial für einen tollen Roman, trotzdem lässt die Geschichte nach einem tollen Start für mich etwas nach. An manchen Stellen hat mir schlicht die Handlung gefehlt. Die Aneinanderreihung von Tagen spiegelt zwar perfekt die Leere und Eintönigkeit in Junos Leben wider, aber es fehlte mir manchmal an Spannung.
Die Dialoge zwischen Juno und Benu haben mir dafür sehr gut gefallen, Juno schreibt hier mit viel Witz und Schlagfertigkeit. Auch die Alltagsroutinen Junos, allen voran das Einkaufen, zeigen diese Leere.
Der Erzählstil ist leicht und gut verständlich, man findet sich gut in die Geschichte hinein. Auch als Theaterstück kann ich mir das Buch gut vorstellen, es bietet viel Aktionspotenzial für die Schauspieler und das Bühnenbild.

Für mich hat der Roman den Deutschen Buchpreis insgesamt teilweise zu Recht bekommen, allerdings fehlt mir die Spannung und Handlung, vieles bleibt offen und der Roman tritt ab der Hälfte auf der Stelle. Mit den Bezügen zu Geschichte und Mythologie müsste man sich wahrscheinlich nochmal intensiver befassen, vieles wird dann wahrscheinlich mehr Sinn ergeben und man kann tiefer in die Geschichte eintauchen. Von mir gibt es trotzdem eine Empfehlung für eine stille Geschichte, die ihren Zauber für mich allerdings nicht komplett entfalten konnte.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Zwischen Realität und Fantasie - ungewöhnliche Geschichte aus Japan

Das Loch
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Asahi und ihr Mann leben in der Stadt, wo beide auch arbeiten. Zu Beginn der Geschichte wird der Mann jedoch versetzt und es bietet sich an, in sein Geburtsdorf zu ziehen. Dort wohnen auch Asahis Schwiegereltern ...

Asahi und ihr Mann leben in der Stadt, wo beide auch arbeiten. Zu Beginn der Geschichte wird der Mann jedoch versetzt und es bietet sich an, in sein Geburtsdorf zu ziehen. Dort wohnen auch Asahis Schwiegereltern und sie bieten dem jungen Paar an, in das Haus nebenan zu ziehen. Beide willigen ein, auch wenn Asahi ihren Job in der Stadt aufgeben muss. Ihre Kollegin beneidet sie um das neue Leben als Hausfrau, Asahi ist einerseits froh, dem schlecht bezahlten Teilzeitjob zu entfliehen, andererseits fehlt ihr auch die Arbeit und eine Aufgabe. Die Hausarbeit füllt sie nicht aus, ihr Mann kommt meist nach Mitternacht nach Hause. Sie beginnt, sich die Umgebung anzusehen und bemerkt dort eines Tages ein seltsames Tier, dem sie folgt. Sie fällt bei dieser Suche in ein Loch, aus dem sie nicht mehr alleine heraus kommt. Zum Glück kommt eine Nachbarin vorbei und hilft ihr heraus. Ab diesem Tag passieren allerdings immer mehr seltsame Dinge sowohl in Asahis Leben als auch in ihrer Umgebung...

Das Cover hat mich direkt zum Buch gezogen und auch der Klappentext verspricht Einiges. Ich habe bereits mehrere Bücher von japanischen Schriftsteller/innen gelesen und war gespannt auf die Autorin, die ich zuvor noch nicht kannte. Ich gehe allerdings etwas enttäuscht aus der Geschichte raus.
Der Erzählstil ist nüchtern, es wird aus der Ich-Perspektive Asahis erzählt. Sie reiht die Ereignisse aneinander, was einerseits gut die Eintönigkeit und Langeweile in ihrem Leben widerspiegelt, anderseits auch keine Spannung erzeugt, sodass ich mich beim Lesen dabei ertappt habe, abzuschweifen. Die Ausgangslage ist vielversprechend und es werden auch gut das Rollenbild und die Erwartungen in Japan an eine Frau eingebunden: die Frau folgt dem Mann, sie soll sich nicht auflehnen und ihre Hausarbeit erledigen. Asahi schafft es nicht, daraus auszubrechen oder sich mit der Situation zu arrangieren. Vielmehr flüchtet sie sich in eine Fantasiewelt und als Leser verfolgt man die Ausmaße, die diese Welt in ihrem Leben annimmt.
Das Buch spielt zwischen Realität und Fantasie, Traum und Wirklichkeit. Stets schwingt auch eine Unheimlichkeit und Gefahr mit beim Lesen. Ich habe jedoch schlecht in die Geschichte hineinfinden können, mich hat die Geschichte nicht wirklich abgeholt.

Das Buch regt zum Nachdenken an, es bleiben aber auch viele Fragen offen. Es hätte auch noch etwas ausführlicher sein können, auf den knapp 120 Seiten bleibt für mich vieles auf der Strecke. Das Buch ist nichts für die breite Masse, wer aber japanische Autor/innen schätzt und Geschichten zwischen Traum und Wirklichkeit mag, ist mit "Das Loch" sicherlich gut bedient.

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