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Veröffentlicht am 31.01.2025

Düster, trist und skurril

Starling House
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Eden wohnt alleine mit ihrem jüngeren Bruder, für den sie seit dem Tod der Mutter die Verantwortung übernommen hat, in einem alten Motel am Rand einer tristen Stadt. Außerhalb befindet sich ein altes Herrenhaus, ...

Eden wohnt alleine mit ihrem jüngeren Bruder, für den sie seit dem Tod der Mutter die Verantwortung übernommen hat, in einem alten Motel am Rand einer tristen Stadt. Außerhalb befindet sich ein altes Herrenhaus, dessen Besitzer/innen sich schon immer von den übrigen Leuten abgegrenzt haben und ebenfalls stets kritisch beäugt werden. Doch Opal ist fasziniert von diesem verfallenden und skurrilen Gebäude, in dem einst die Autorin ihres Lieblingsbuches seit Kindheitstagen gewohnt hat. Eines Tages steht sie vor dessen Tor und weckt das Mitgefühl von Starling House‘ Besitzer Arthur, der ihr einen Job als Reinigungskraft anbietet.

Eden und ihr Bruder wohnen sehr schlicht und entbehrungsreich, die Stadt wird vom Rauch der Kohlewerke überzogen und Starling House ist eher heruntergekommen als herrschaftlich. All dies führt zu einer düsteren und leicht unheimlichen Atmosphäre. Auch wegen des oft beschriebenen grauen Wetters habe ich mir das Herrenhaus und die Umgebung sehr düster vorgestellt, meist hatte ich sogar schwarz-weiße Bilder in meinem Kopf. Dazu passen auch die seltsamen Geschehnisse in und um Starling House. Auch die Charaktere unterscheiden sich von denen in vielen Büchern. Opal ist neugierig, fast schon skrupellos und, abgesehen von ihrem Lieblingsbuch, leidenschaftslos. Starling House‘ Bewohner Arthur wird direkt als hässlich beschrieben, ist unzufrieden und scheint ein geheimes Ziel zu verfolgen.

Neben der düsteren Atmosphäre ist die Geschichte auch spannend. Den allgemeinen Aspekt rund um Starling House habe ich schon bald geahnt, was das Geschehen nicht weniger reizvoll gemacht hat, andere Details am Enden konnten mich jedoch überraschen. Insgesamt hat die Geschichte für mich auch ein paar Längen, die mich ungeduldig gemacht haben, aber mit dem Ende bin ich vollends zufrieden.


Fazit:
„Starling House“ ist das passende Buch für den dunklen Herbst und Halloween. Das Geschehen ist nicht direkt gruselig, aber dafür sehr skurril, unheimlich und sehr mysteriös. Die Geschichte ist eher düster, auch schon wegen Opals tristem Leben, und besticht durch ihre mysteriöse und geheimnisvolle Atmosphäre, die auch über ein paar kleine Längen hinweghilft.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Jugendlich & lebhaft

The Extraordinaries – Die Außergewöhnlichen
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In Nicks Stadt gibt es zwei Außergewöhnliche, Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Von Shadow Star ist Nick so begeistert, dass er jeden seiner guten Tagen folgt und die längste Fan Fiction über ...

In Nicks Stadt gibt es zwei Außergewöhnliche, Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Von Shadow Star ist Nick so begeistert, dass er jeden seiner guten Tagen folgt und die längste Fan Fiction über ihn schreibt, die es gibt. Doch er ist nicht nur ein Fan von Shadow Star, sondern über beide Ohren verknallt. Als er Shadow Star begegnet, beschließt Nick auch ein Außergewöhnlicher werden zu wollen, weil Superhelden immer mit Superhelden zusammen sind. Bei seinen verrückten Plänen stehen ihm immer seine Clique bestehend aus seinem besten Freund Seth und einem lesbischen Pärchen zur Seite.

T J Klunes Schreibstil ist unglaublich leicht, lebendig und jugendlich. Die Sprache der Protagonisten ist direkt, manchmal von sexuellen Anspielungen und Schimpfwörtern geprägt. Daneben ist Nicks Clique aber auch herrlich albern und zuweilen auch tiefgründig. Nick hat eine neurodivergente Erkrankung, die ich persönlich nicht näher kenne, aber soweit trotzdem finde, dass T J Klune diese gekonnt umgesetzt hat. Denn Nicks vielen und wirren Gedankengängen konnte ich stets gut folgen und so wild manches auch war, es macht wirklich vollkommen Sinn. Hier zeigt sich wirklich das Können des Autors. Oft erschien mir Nick durch seine Gedanken und Handlungen aber auch sehr viel jünger als 16 Jahre, wobei hier auch eine gewisse Prise jugendliche Naivität mitspielt. Außerdem besitzt die Geschichte sehr viel unterschwelligen Humor. Typisch jugendlich und albern mag man als Erwachsene*r vielleicht manchmal den Kopf schütteln, aber genau an diesen Stellen musste ich oft grinsen und die Geschichte hat mir dadurch sehr viel Spaß beim Lesen bereitet.

Inhaltich geht es viel um die Außergewöhnlichen, also die Superhelden der Stadt, und Nicks Schwärmerei zu Shadow Star. Daneben auch um typische Dinge, mit denen sich Jugendliche auseinandersetzen müssen, wie die Liebe, sexuelle Orientierung, Freundschaft, nervige Schule und natürlich auch anstrengende Eltern. Den Teil rund um die Außergewöhnlichen empfand ich als sehr vorhersehbar. Jedoch war es für mich trotzdem noch spannend Nicks Geschichte und Gefühle zu verfolgen, weil sie auch sehr viel auf die Charakterentwicklung setzt.


Fazit:
„Die Außergewöhnlichen“ ist ein lebendiger Coming of Age-Roman, mit all den Themen des Erwachsenenwerdens und einem lockeren und jugendlichen Schreibstil. Obwohl die Geschichte sehr vorhersehbar ist, besticht T J Klune mit liebenswerten Charakteren und unterschwelligem Humor. Eine Geschichte, die vorwiegend für Jugendliche und alle anderen geschrieben ist, die anders sind.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Schöne (Liebes)Geschichte

Unsere Zeit der Wunder
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Tanner ist ziellos und aufgrund seines Jobs immer in der Welt unterwegs. Seine Großmutter ist seine letzte Verwandte, die möchte, dass er ein Zuhause findet, weshalb sie Tanner auf dem Sterbebett aufträgt ...

Tanner ist ziellos und aufgrund seines Jobs immer in der Welt unterwegs. Seine Großmutter ist seine letzte Verwandte, die möchte, dass er ein Zuhause findet, weshalb sie Tanner auf dem Sterbebett aufträgt seinen Vater zu suchen. Dies führt ihn in eine Kleinstadt, wo er direkt am Anfang auf Kaitlyn bzw. ihre Tochter trifft. Die alleinerziehende Mutter geht voll in dieser Rolle und ihrem Beruf als Ärztin auf.

Die Liebesgeschichte zwischen Kaitlyn und Tanner ist schön, aber hat mir nicht am besten in diesem Buch gefallen. Die beiden verlieben sich direkt, was aufgrund ihres ersten Aufeinandertreffens gar nicht anders geht und auch im Klappentext so vorausgesagt wurde, aber die Gefühle haben mich anfangs nicht erreicht. Ihre Dates und Kennenlernen ist wirklich schön und beide sind sympathische Charaktere, die gut zusammen passen, wie ich finde, aber es ist keine besondere Liebesgeschichte. Nicholas Sparks hat eindeutig schon berührendere geschrieben. Zumal ich, wie Kaitlyn, Tanners späteres Problem nicht nachvollziehen konnte.

Zu diesen beiden Protagonisten möchte ich noch erwähnen, dass zum einen die Teenager-Tochter von Kaitlyn auch eine große Rolle spielt. Kaitlyn bemüht sich sehr und ihre Tochter hat ihr Herz am rechten Fleck, aber trotzdem geraten sie immer wieder aneinander – ein bisschen Teeniedrama würzt die Geschichte. Was Tanner betrifft, finde ich es schade, dass die Suche nach seinem Vater immer mehr in den Hintergrund rückt und es ziemlich unspektakulär aufgelöst wird.

Der beste Teil des Buches ist definitiv der 83-jährige Jasper. Er lebt zurückgezogen in einer Hütte am Waldrand, schnitzt täglich (soweit es seine chronische Schmerzen zulassen) und genießt die Stille und Natur um sich herum. Als ein seltener weißer Hirsch gesichtet wird und deshalb Jugendliche in den Wäldern umherstreifen, versucht Jasper mit aller Macht das seltene Tier zu schützen. Das hat mir wirklich sehr imponiert, da Japser aufgrund seines Alters und Gesundheitszustandes erhebliche Einschränkungen hat. Aber er hat enorm viel Zeit dafür genutzt und sich in ungemütliche Situationen begeben, wodurch ich ihn in mein Herz geschlossen habe. Auch sein Leben, das rückblickend immer wieder beschrieben wird, hat mich berührt. Am Ende wird Jaspers Part der Geschichte sehr spannend und emotional, ich hab mitgefiebert und war beim Lesen wirklich darin versunken.

Fazit:
„Unsere Zeit der Wunder“ ist eine solide Liebesgeschichte, wobei ich von Nicholas Sparks jedoch schönere und gefühlvollere gewohnt bin. Dafür kann der Autor mit Jaspers Geschichte punkten, der schon viel Schönes und Schmerzhaftes erlebt hat (wird rückblickend immer wieder erzählt) und ein beeindruckender, sehr sympathischer Mensch ist.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Fesselnder Auftakt mit schnellem Ende

Vermisst - Der Fall Anna
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In Christine Brands neuer Reihe ist nun die Kommissarin Malou Löwenberg Protagonistin. Als Malous Date Dario von seiner verschwundenen Mutter und von jährlichen erhaltenen Geburtstagskarten von ihr erzählt, ...

In Christine Brands neuer Reihe ist nun die Kommissarin Malou Löwenberg Protagonistin. Als Malous Date Dario von seiner verschwundenen Mutter und von jährlichen erhaltenen Geburtstagskarten von ihr erzählt, ist Malous Interesse geweckt und sie beginnt in ihrer Freizeit zu ermitteln. Die Geschichte beginnt direkt nach dem Buch „Der Feind“ und hält auch viele bekannte Charaktere und frühere Geschehnisse bereit, weshalb zuerst „Der Feind“ und dann „Vermisst“ gelesen werden sollte, wenn man sich für die vorheriger Geschichte nicht spoilern möchte.

Ich finde es schön in das Buch mit einem bekannten Charakter zu starten, denn Malou ist mir bereits seit den vorherigen Bänden sympathisch. Sie ist tough, sowie empathisch und zielstrebig. Hier lernen wir sie auch privat näher kennen, sowie ihr Date Dario. Der Sozialarbeiter findet nun durch Malou nach Jahrzehnten den Mut endlich herauszufinden, was damals mit seiner verschwundenen Mutter Anna passiert ist. Langsam steigert sich so immer mehr die Spannung, während Malou aus vielen Hinweisen die richtige Fährte filtert. Wie bisher in Christine Brands Büchern wird der Fall unglaublich spannend aufgezogen, während ebenfalls die Gefühle der Charakter beleuchtet werden. Wobei es hier verhältnismäßig wenige Überraschungen gibt, die Geschichte jedoch trotzdem bis zur letzten Seite sehr fesselnd erzählt wird. Trotzdem hat mich das Ende etwas enttäuscht. Durch die Erkenntnisse bei Malous Ermittlungen weiß man schon, wie die Tat begangen worden ist. Den Täter hatte ich auch schon seit einigen Seiten richtig geraten. Der Fall konnte offiziell abgeschlossen werden, aber ich hatte noch einige offene Fragen, weil von keiner Seite aus das Warum näher beleuchtet wurde. Das lässt mich, trotz der spannenden Geschichte und des fesselnden Schreibstils, nach Beenden des Buches unzufrieden zurück.


Fazit:
„Vermisst – Der Fall Anna“ ist wie von der Autorin gewohnt eine fesselnde und feinfühlige Ermittlung, die raffiniert aufgebaut wurde. Obwohl das Wer am Ende zufriedenstellend gelöst wurde, hätte ich mir noch mehr Erläuterungen zum Warum gewünscht.

Veröffentlicht am 30.12.2024

Wunderschöne und faszinierende Fantasywelt

Anicor - Jenseits der Nebelbrücken
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Liv hat schwerwiegende körperliche Probleme, weshalb ihr immer wieder gekündigt wurde und sie gerade wieder einen neuen Job sucht. Als sie traurig nach Hause läuft, fällt ihr zufällig ein Buchladen auf, ...

Liv hat schwerwiegende körperliche Probleme, weshalb ihr immer wieder gekündigt wurde und sie gerade wieder einen neuen Job sucht. Als sie traurig nach Hause läuft, fällt ihr zufällig ein Buchladen auf, der eine Stelle anbietet. Der Inhaber Keylam fasziniert sie direkt und er stört sich auch nicht an ihrer Krankheit. Während Liv nun trotz ihrer tödlichen Krankheit glücklich ist, beobachtet sie Keylams außergewöhnlichen Buchclub und hört seltsame Gespräche mit an.

Livs Eltern und beste Freundin Taylor gehören den „Kindern Anicors“ an, deren Religion Liv seit ihrer Jugend abgeschworen hat. Ich finde es interessant und toll gemacht, dass wir Leser/innen mal am Anfang der Geschichte mehr wissen, als die Protagonistin, da uns direkt klar ist, dass es sich nicht um eine Religion, sondern eine ganze Fantasywelt handelt. Somit können wir zunächst Liv kennenlernen und mit ihr die Arbeit und Atmosphäre in der Buchhandlung genießen. Als Treffpunkt in unserer realen Welt ist diese Kulisse passend und wunderschön. Die deckenhohen Regale, Wendeltreppe, Lampen, Karten an den Wänden und Keylam eher altmodisch mit einer Weste herausgeputzt, hat der Laden einen Touch Dark Academia und ich hab mich dort sehr wohlgefühlt. Bis es für uns Leser/innen auch neues zu entdecken gibt und die Handlung spannend wird, vergehen jedoch einige Kapitel. Und dann wird uns eine faszinierende Fantasywelt eröffnet, die ich sehr mag, mit ihren richtig tollen Wesen und Verbundenheit zur Natur bzw. dieser fantastischen Welt. Eine schöne bunte Welt, die jedoch leider auch ihre Probleme hat, die die Charaktere alsbald lösen müssen. Die Autorin hat hier sehr schöne Ideen eingebaut, die Entwicklung aufgebaut und den besonderen Ort sehr gut dargestellt. Ich konnte mir beim Lesen die Wesen Anicors sehr gut vorstellen und war beeindruckt, genau deshalb möchte ich zu gerne Illustrationen dazu sehen.

Liv ist ein sehr sympathischer und nahbarer Charakter, die ihre Krankheit akzeptiert und deshalb sehr stark ist. Gelegentlich empfand ich sie aber als zu perfekt in ihrer Einstellung, wobei sie manche Personen und Handlungen verurteilt, während sie Akzeptanz von anderen fordert. Sie erkennt später aber auch, dass es den anderen Charakteren trotz anderer Situation eben ganz genauso geht. Zu perfekt war mir auch Keylam in ihren Augen. Zugegeben, er sieht elegant aus und ist herzlich, da kann ich auch nur schwärmen, aber dass er bald eine engere Bezugsperson ist, weil Liv denkt, sie kann ihrer langjährigen Freundin und ihren Eltern nicht mehr trauen, fand ich unfair und sehr schade. Zumal die Liebesgeschichte, nachdem sich die beiden küssen, sehr schnell an Fahrt aufnimmt, während Keylam noch dachte, er möchte sich etwas Zeit lassen. Ein bisschen langsamer und emotionaler hätte ich schöner gefunden.

>>Von hier oben sah der Laden einfach toll aus, die Regale und die Bücher, dazwischen Sessel, alte Lampen, die uralte Landkarten an den Wandbereichen, an denen mal kein Regal stand, es war einfach ein Traum, mein Traum. Der perfekte Job für mich.<<, 19 %


Fazit:
„Anicor“ ist nicht nur eine tolle Geschichte, sondern auch eine faszinierende und wunderschöne Fantasywelt. Die Autorin hat hier eine beeindruckende und spannende Welt geschaffen. Auch wenn mich Kleinigkeiten gestört haben, hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen und es genossen.