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Veröffentlicht am 05.02.2025

Spannende Detektivgeschichte bei der Freundschaft im Fokus steht

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Zeichen der Fünf
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Im Jugendbuch „Baskerville Halle – Das Zeichen der Fünf“ der US-Amerikanerin Ali Standish kehrt der schottische Protagonist Arthur Doyle nach den Weihnachtsferien zurück in das titelgebende Internat. Auf ...

Im Jugendbuch „Baskerville Halle – Das Zeichen der Fünf“ der US-Amerikanerin Ali Standish kehrt der schottische Protagonist Arthur Doyle nach den Weihnachtsferien zurück in das titelgebende Internat. Auf seiner Hinreise wird er beschattet, denn sein Lehrer und Vorbild Sherlock Holmes sorgt sich um seine Sicherheit. Anlass dazu gibt die Einmischung von Arthur in die Machenschaften des Grünen Ritters über die man im ersten Band der Reihe „Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ lesen konnte.

Durch ein belauschtes Gespräch erfährt Arthur, dass der legendäre „Club des Kleeblatts“ wieder aufleben soll, deren Mitglieder ihm nicht wohlgesinnt sind. Aufgrund bestimmter Anzeichen beginnt er, seinem Freund und Zimmergenossen Jimmy zu misstrauen. Die folgende Zeit wird daher schwierig für ihn, denn er überlegt einmal mehr, mit wem er seine scharfsinnigen Beobachtungen teilen kann, die er mit detektivischem Spürsinn anstellt. Im Laufe der Geschichte erkennt er, wie wichtig Freundschaften für ihn sind. Sein eigenes Verhalten hinterfragt er, woraufhin er sich vornimmt, seinen Gefährten mehr Verantwortung zuzutrauen.

Für die Erstklässler, zu denen Arthur gehört, steht der Ideenwettbewerb der Schule an. Innerhalb weniger Wochen soll jede und jeder ein einzigartiges Projekt fertigstellen, das die Chance bietet, frühzeitig in einen der fünf Schulzirkel aufgenommen zu werden. Doch bevor Arthur dazu kommt, einen eigenen Beitrag zu entwickeln, geschieht etwas Unvorstellbares: Sherlock Holmes fällt aufgrund einer Vergiftung ins Koma. Bei der Suche nach dem Täter erweisen er und seine Freunde sich als tatkräftige Ermittler. Jedoch bleibt Sherlock Holmes nicht das einzige Opfer.

Bereits nach wenigen Seiten fühlte ich mich wieder in der Geschichte angekommen. Der Einstieg fiel mir leicht, auch weil mir die Hauptfiguren und die Örtlichkeiten des Internats durch den ersten Teil bekannt waren. Ali Standish versteht es, von Anfang an Spannung aufzubauen. Dadurch, dass Arthur observiert wird, wurde mir als Leserin deutlich, dass die Bedrohung, der Arthur vor den Ferien ausgesetzt war, längst nicht überwunden ist.

Auf dem Protagonisten lastet ein gewisser Druck, denn durch ein herausragendes Projekt und der vorzeitigen Einladung in einen der Schulzirkel könnte er seine Familie stolz machen. Aber zunehmend fühlt er sich einsam, denn seine Freundinnen und Freunde sind mit ihren eigenen Konzepten beschäftigt. Währenddessen versucht er die Identität des Grünen Ritters aufzudecken und hat bald eine Vermutung. Um an wichtige Informationen zu gelangen, handelt er nicht immer nach den Regeln der Schule.

Ali Standish lässt ganz im Stil der klassischen Sherlock-Holmes- Romane von Arthur Doyle, die für ihre Geschichte gestaltete junge Figur des Autors mehrfach durch logisches Denken Schlussfolgerungen ziehen, die entscheidende Hinweise zur Aufklärung von Verbrechen beitragen. Wie im ersten Band der Reihe wird es teilweise magisch und mysteriös. Einige der Figuren beschäftigen sich fasziniert mit dem Thema Unsterblichkeit, von denen eine schließlich in einer faszinierend geschilderten Szene das Leben verliert. Am Ende des Buchs findet sich ein Abriss über die eher unbekannten Seiten des Schriftstellers Arthur Conan Doyle, ergänzt um Fotos aus seinem Leben.

„Das Zeichen der Fünf“ ist der zweite Band der „Baskerville Hall“-Reihe von Ali Standish, der mir noch besser gefallen hat als der erste Teil. Neben einer spannenden Detektivgeschichte steht die Freundschaft des Protagonisten und seiner Gefährten im Vordergrund. Als Leserin war ich beeindruckt von den vorgestellten technischen Errungenschaften, die bereits im Jahr 1869 möglich waren. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung und freue mich auf die Fortsetzung, die im Frühjahr 2026 erscheinen soll. Vom Verlag wird das Buch für ein Lesealter ab 10 Jahren empfohlen.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Ein Spiel mit erzählerischen Perspektiven

Wackelkontakt
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Der Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wiener Wohnung auf den Elektriker, denn eine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Jetztzeit greift er zu seinem bereits begonnenen Buch, ...

Der Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wiener Wohnung auf den Elektriker, denn eine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Jetztzeit greift er zu seinem bereits begonnenen Buch, um das Warten mit Lesen zu überbrücken. Seit längerer Zeit nimmt er nur noch Geschichten zur Hand, in denen das organisierte Verbrechen agiert. Im aktuellen Roman sitzt der 22-jährige Protagonist Elio Russo im Jahr 2002 in Südkalabrien in einer Hochsicherheitszelle. Er wird bald ein neues Leben in einem Zeugenschutzprogramm beginnen. Es wird ihn über die Schweiz nach Duisburg und zu weiteren Städten führen. Von seinem Zellengenossen hat er ein Buch geschenkt bekommen, mit dem er sich die Zeit vertreibt. Es handelt von einer Person, die Escher heißt und auf den Elektriker wartet.

Wolf Haas hat mit „Wackelkontakt“ einen Roman geschrieben, der dem Titel alle Ehre macht. Die Geschichte bewegt sich auf zwei Erzählebenen ohne sichtbare Abgrenzungen hin und her. Sobald eine der Figuren zum Buch greift, wechselt das Szenario. Die Übergänge sind fließend, jedoch mit Cliffhangern. Mitunter erfolgen sie unerwartet und rasch. Die Benennung des Protagonisten Escher erfolgte mit Bezug auf den gleichnamigen niederländischen Künstler, der in seinen Bildern mit Perspektiven spielt. Bekannt wurde er beispielsweise für die Darstellung einer endlosen Treppe. Ähnlich kann sich der Lesende die Fiktion des Autors vorstellen.

Von Beginn an wird eine hintergründige Spannung in beiden Handlungssträngen aufgebaut. Einerseits durch ein Fehlverhalten, andererseits durch Familiengeheimnisse. Als Leserin hat mich die Erzählung fasziniert, sodass es mir schwerfiel, das Buch aus der Hand zu legen. Es untergliedert sich in die beiden Teile „Off“ und „On“. Der zweite Part beginnt, als eine Heimlichkeit aufgedeckt wird. Der Autor bedient sich einiger amüsanter Sprachspielereien. Escher ist einfühlsam, lebt aber recht zurückgezogen. Überlegungen beider Protagonisten zu ihrem früheren oder aktuellen Verhalten zu Familienangehörigen und ArbeitskollegInnen stimmen nachdenklich. Schuldgefühle wollen bewältigt werden. Es wirft sich die Frage auf, ob Fehlverhalten wieder gutzumachen ist.

In seinem Roman „Wackelkontakt“ spielt Wolf Haas mit erzählerischen Perspektiven und schafft dadurch ein einmaliges Werk. Er verwebt das Geschehen rund um zwei interessant gestalteten Protagonisten durch die Sollbruchstelle des Lesens. Einige unerwartete Wendungen sorgen für einen Lesesog, der zu einem Ende führt, das Fragen klärt und für einen überraschenden Abschluss sorgt. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Ein fröhliches, farbenfrohes Bilderbuch zum Mitmachen

Mein Schiebe-Mitmachbuch - Lieblingstiere
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„Mein Schiebe-Mitmachbuch“ Lieblingstiere hat dem Titel entsprechend Aufforderungscharakter. Der Verlag gibt vor, dass Kinder ab etwa 18 Monaten selbständig die Schiebeelemente im Buch bedienen können. ...

„Mein Schiebe-Mitmachbuch“ Lieblingstiere hat dem Titel entsprechend Aufforderungscharakter. Der Verlag gibt vor, dass Kinder ab etwa 18 Monaten selbständig die Schiebeelemente im Buch bedienen können. Nach eigener Einschätzung kann es aber auch jüngeren Kindern mit ein wenig Hilfe eines Erwachsenen gelingen. Auf zehn stabilen Pappseiten können Tiere auf dem Bauernhof, auf der Wiese, in den Bergen, am See und im Wald entdeckt werden. Pro Doppelseite gibt es einen passenden vierzeiligen Reim zum Vorlesen, den Bernd Penners getextet hat. Er hat einfache Worte gewählt, die Kleinkinder gut nachvollziehen können, aber eventuell auch ihren Wortschatz bereichern.
Die Seiten sind von Federica Iossa farbenfroh und liebevoll illustriert. Die Tiere verteilen sich über die gesamte Szene, mal sind es kleinere wie beispielsweise Schmetterlinge, Vögel und Bienen, mal größere wie Gämsen, Kühe oder ein Reh. Mit den Schiebern lassen sich auf jeder in jedem Bild jeweils zwei Tierarten gemeinsam verschieben. Bei den größeren Elementen hat die Pappe einen runden Ausschnitt, damit auch ein kleiner Finger es schafft, das Teil zu bewegen. Alles wirkt robust und langlebig. Insgesamt ein schön gestaltetes Papp-Bilderbuch, das ich empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Veränderungen jenseits selbst gesetzter Grenzen sind möglich

Rosa
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Der Titel „Rosa“ auf dem orangefarbigen Cover des gleichnamigen Buchs von Anne Cathrine Bomann überrascht. Es ist der Name des Oktopus, dessen Pflege die Protagonistin Vigga bei ihrem Beschäftigungsverhältnis ...

Der Titel „Rosa“ auf dem orangefarbigen Cover des gleichnamigen Buchs von Anne Cathrine Bomann überrascht. Es ist der Name des Oktopus, dessen Pflege die Protagonistin Vigga bei ihrem Beschäftigungsverhältnis im Ozeaneum in Kastrup, einem Stadtteil einer Vorstadt von Kopenhagen, übernimmt. Dementsprechend ziert ein blauer Krake den Buchdeckel.

Vigga hat bisher nur in Jobs gearbeitet, die das Jobcenter ihr zugewiesen hat. Diesmal ist es eine halbjährige Tätigkeit im Aquarium, die ihr angeboten wird. Bereits zu Beginn ihrer Arbeit stellt sie sich die Frage, wie lange es dauert, bis sie kündigt oder gekündigt wird. Schnell ist sie gelangweilt, findet aber nicht aus dem Kokon, den sie selbst um sich herum gesponnen hat. Sie sucht das Alleinsein, denn dann kann niemand sie mit Worten verletzten. Inzwischen kommt sie besser mit dem Gefühl emotionaler Taubheit zurecht, das sie seit ihrer Kindheit begleitet.

Erst vor wenigen Jahren hat sie Freundschaft mit der etwa gleichaltrigen Maiken geschlossen. Die beiden sind nicht immer einer Meinung, aber sie respektieren sich in besonderem Maße. Sie lachen gemeinsam, gehen zusammen auf Reisen und sie besuchen verschiedene Aktivitäten. Während sie im Ozeaneum arbeitet, wird ihre beste Freundin schwanger. Vigga muss sich auf zukünftige neue Verhältnisse in der vertrauensvollen Beziehung einstellen. Gleichzeitig wird ihr an ihrer Arbeitsstelle die Betreuung des Oktopus Rosa übertragen. Feinfühlig beschäftigt sie sich mit der Lebensform der Kraken und versucht sich in Rosa einzudenken. Sie hinterfragt die Art und Weise der Unterbringung im Aqauarium hinter Schaugläsern. Durch Viggas Recherchen zu Tintenfischen erfuhr auch ich als Leserin einige interessante Details über Oktopusse.

Anne Cathrine Bomann gelingt es auf sensible Weise die Eigenwilligkeit ihrer Hauptfigur herauszustellen. Vigga ist immer wieder zurückgewiesen worden und war zahlreichen Konflikten ausgesetzt. Daher beobachtet sie andere Menschen, um sich deren Verhalten anzueignen und es selbst in ähnlichen Situationen zu zeigen. Kraken sind Einzelgänger, daher glaubt sie in Rosa etwas von ihrem eigenen Charakter wiederzufinden. Statt sich anzupassen, zeigt der Kraken seinen eigenen Willen bis zum Schluss und lässt sich von außen nicht beeinflussen. Für Vigga wird Rosa zum Antrieb, Neues auszuprobieren.

Mit dem einfühlsam geschriebenen Roman „Rosa“ zeigt Anne Cathrine Bomann, dass eine Veränderung jenseits der selbst gesetzten Grenzen gelingen kann. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Unterhaltsame Rätsel für Logikfans

Murdle Volume 1
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Das Buch Murdle Vol. 1 enthält einhundert Rätsel, die mit Logik und Kombinationsgabe gelöst werden können. Sie wurden von dem US-amerikanischen Autor Greg T. Karber erdacht. Er arbeitet als Informatiker ...

Das Buch Murdle Vol. 1 enthält einhundert Rätsel, die mit Logik und Kombinationsgabe gelöst werden können. Sie wurden von dem US-amerikanischen Autor Greg T. Karber erdacht. Er arbeitet als Informatiker und besitzt einen Studienabschluss sowohl in Mathematik wie auch englischer Literatur. Seine beiden Leidenschaften hat er in die Denkspiele einfließen lassen. Die Rätsel sind unterteilt in vier Kategorien mit jeweils Denksportaufgaben. Von „Elementar“ über „Okkultes Medium“, „Schwer gefährlich“ bis zu „Unmöglich“ steigert sich beständig der Schwierigkeitsgrad.

Zu Beginn des Buchs gibt es eine ausführliche Anleitung mit einem konkreten Beispiel. Alle Rätsel sind anhand der Indizien und Hinweise lösbar. Manchmal enthalten auch Beschreibungen der Verdächtigen, der Orte oder Waffen des Falls hilfreiche Angaben. Auch die sogenannten Anlagen vor jedem neuen Schwierigkeitsgrad sind beim Lösen nützlich. Greg T. Karber hat sich für sein Buch eine durchgehende Geschichte ausgedacht, in deren Mittelpunkt Deduktiv Logico steht. Vor jeder Kategorie und vor jedem Fall wird die Erzählung weitergeführt. Das ist unterhaltsam und amüsant, aber für die jeweilige Mordaufklärung belanglos. Wichtig ist es, dass Logico bei jedem Rätsel eine Mörderin oder einen Mörder überführen muss.

Im ersten Schwierigkeitsgrad erhält der Lösende Fakten über die bereits erwähnten potenziellen Täterinnen und Täter sowie über Orte, die für den jeweiligen Mord in Frage kommen Außerdem sind mögliche Waffen aufgeführt, mit denen das Verbrechen begangen wurde. Ein Gitternetz hilft dabei, zum Ergebnis zu kommen. Um die Rätsel schwieriger zu gestalten, kommen in der zweiten Kategorie Aussagen der Verdächtigen hinzu. Dabei ist zu beachten, dass nur die Mörderin oder der Mörder lügt. Anhand der Indizien ist also zu prüfen, welche Behauptung als einzige ins Schema passt. Der Schwierigkeitsgrad steigt erneut durch die Hinzunahme von Motiven für die Tat, so dass aus einem 3x9 Lösungsraster eines mit 6x16 Kästchen wird. Die höchste Schwierigkeit wird durch die Hinzunahme von Aussagen erreicht, wie es bei der zweiten Kategorie bereits geübt werden konnte.

Wer bei einem der Denkspiele nicht weiterkommt, kann sich im Anhang einen Tipp holen. Außerdem enthält das Buch alle Lösungen. Die Murdles Volume 1 von G.T. Karber sorgen für etliche Stunden kniffligen Rätselvergnügens. Logisches Denkvermögen und Kombinationsgabe führen zur Beantwortung der Fragen: Wer hat die Tat begangen? Welche Waffe wurde benutzt? Und Wo war der Tatort?“ Ich mag solche Rätsel und kann sie jedem empfehlen.

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