Profilbild von Recensio

Recensio

Lesejury Star
offline

Recensio ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Recensio über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2025

Geht vorsichtiger mit euren persönlichen Daten um!

Deep Fake
0

Das Thema ist nichts Neues für das Leben in einer All-Round Social Media World. Kaum jemand hat heutzutage noch kein Smartphone, kaum jemand ist nicht aktiv in den sozialen Medien wie Instagram, X oder ...

Das Thema ist nichts Neues für das Leben in einer All-Round Social Media World. Kaum jemand hat heutzutage noch kein Smartphone, kaum jemand ist nicht aktiv in den sozialen Medien wie Instagram, X oder TikTok unterwegs. Der Eine gibt mehr von sich preis, der Andere eben weniger. Eine Welt, bestehend aus Influencern. Je digitaler wir werden, desto mehr offenbart es aber auch die Schattenseiten dieser Welt. Und genau das ist auch unserer Hauptprotagonistin Mira widerfahren. Ihr Körper und ihr Gesicht wurden genommen, bearbeitet und in ein bestehendes Nacktvideo geschnitten. Ein Fakevideo, hier Deep Fake genannt. Ihr Ruf ist innerhalb weniger Minuten ruiniert. Schuld daran ist ein Mensch, der ihr absichtlich schaden will. Natürlich versucht Mira zu retten, was zu retten ist. Dafür muss sie zurück in ihre Vergangenheit und sich dieser stellen.

Miras Charakter wurde von der Autorin sehr lebhaft und realistisch beschrieben. Mira ist ein glücklicher Mensch, hat einen tollen Job, liebt ihren Mann, ihre Familie. Sie war mir direkt sympathisch und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Doch ich hatte stets das Gefühl, dass ich bei ihrem Charakter nur an der Oberfläche schabe. Und so war dem auch. Im Laufe des Buches lernte ich auch Seiten an ihr kennen, die mich etwas verblüfft haben. Sie scheint zwei Seiten zu haben - und hat mit der einen eigentlich abgeschlossen. Doch sie muss sich erneut ihrem dunklen Ich widmen, um ihr Problem zu lösen. Ein überaus interessanter und vielseitiger Charakter.

Der Schreibstil ist gelungen, gut in Szene gesetzt und nahm mich mit in eine spannende und durch Lügen zerstörte Welt. Die Autorin hat es hiermit definitiv geschafft, Spannungsmomente zu erzeugen, die mich schier ans Buch gefesselt haben. Es gab viele überraschende Wendungen und Szenen, die ich so habe nicht kommen sehen. Natürlich habe ich mitgefiebert und auch mitgerätselt, lag jedoch völlig daneben.

Das Buch endete in einem eher mittelmäßigen Finale, weil man dort tatsächlich erahnen konnte, was gleich passieren wird. Es war dennoch eine gelungene Abrundung der gesamten Storyline.

Fazit: Mir hat das Buch gut gefallen. Es war interessant und vielseitig geschrieben. Mira ist ein großartig konzipierter Charakter, der einen durch die Geschichte leitet. Am besten mochte ich das doch äußerst wichtige Hauptthema der Geschichte. Vielleicht wird es den ein oder anderen Leser dazu anregen, weniger öffentlich im Netz mit seinem Privatleben bzw. seinen privaten Daten umzugehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2025

Eine sehr umfangreich konstruierte Story

Winternacht - Der Schnee begräbt alles. Nur die Lügen nicht
0

Olive ist erst seit sechs Monaten mit dem Parlamentsabgeordneten Michael Anderson verheiratet und bereits sehr unglücklich. Eigentlich will sie nur schnell etwas essen und dann in ihr Hotelzimmer, den ...

Olive ist erst seit sechs Monaten mit dem Parlamentsabgeordneten Michael Anderson verheiratet und bereits sehr unglücklich. Eigentlich will sie nur schnell etwas essen und dann in ihr Hotelzimmer, den Tag hinter sich lassen, als diese fremde Frau an ihrem Tisch sitzt und behauptet, ihre Frau zu sein. Aus Neugierde - vielleicht auch Einsamkeit, wer weiß das schon - lässt sie sich auf ein Spiel ein, das gefährlich wird.

Zitat S. 238:
"Die Nation war davon in Kenntnis gesetzt worden, dass Olive Anderson, die Gattin des amtierenden Parlamentsabgeordneten von Middlesbrough South and East Cleveland, seit fast achtundvierzig Stunden vermisst wurde."

Ich muss zugeben, dass ich auf den ersten Seiten große Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, was der Quatsch soll. Eine völlig Fremde, die so tut, als wäre man ihre Frau. Die Konsequenzen aus diesem Abendessen sind mehr als vorhersehbar und ich wollte das Buch schon zur Seite legen. Doch Bolton weiß, wie man den Leser wieder einfängt und neugierig macht.

Die Perspektiven wechseln in die Vergangenheit und die Handlung wird immer vielschichtiger. Gekonnt endet jedes Kapitel so spannend, dass man nicht aufhören kann weiterzulesen. Meine Meinung zu Täter und Opfer änderte sich mehrfach, da die Autorin mit einigen Geheimnissen um die Ecke kam.

Die Charaktere und ihre Motive sind gut ausgearbeitet und ich war über bestimmte Verbindungen doch sehr überrascht. Einige Charaktere, wie z.B. das Polizistenteam, waren mir auch sehr sympathisch.

Das Ende und alle Zusammenhänge sind doch sehr aufwendig konstruiert und es hatte bis zum Schluss gedauert, wirklich alles zu verstehen. Mir hat es sehr gut gefallen.

Fazit: Eine sehr umfangreich konstruierte Story, die einen (mit kleinen Startschwierigkeiten) vor Spannung nicht mehr loslässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2025

Erschütterndes Familiendrama, tiefenpsychologische Gespräche

Mutterlüge
0

Ruth ist seit über zwanzig Jahren mit Leib und Seele Therapeutin in der Traumatherapie. Sie hat eine ganz besondere Art, auf ihre schwer traumatisierten Patienten einzugehen und diese im besten Fall vor ...

Ruth ist seit über zwanzig Jahren mit Leib und Seele Therapeutin in der Traumatherapie. Sie hat eine ganz besondere Art, auf ihre schwer traumatisierten Patienten einzugehen und diese im besten Fall vor einem Suizid zu bewahren. Leider gelingt es ihr nicht, ihr Privatleben genauso aufrecht zu erhalten. Ihre Zwillinge sind mittlerweile 17 Jahre alt. Ihre Tochter Carolyn ist eigenständig und will die Welt entdecken. Ihr Sohn Tom ist seit gut einem Jahr spurlos verschwunden, was letztendlich auch zum Ende ihrer Ehe mit David geführt hat. Als mit Dan ein neuer Patient auftaucht, der Tom zum Verwechseln ähnelt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Obwohl es gegen ihren Kodex verstößt, behandelt Ruth ihn anders als andere Patienten. Voller Verzweiflung und Trauer um ihren verschwundenen Sohn begeht sie Handlungen, die sie noch bitter bereuen wird…

Zu Beginn der Story erfahren wir zunächst sehr viel über Ruth und ihre Familie. Die Geburt der Zwillinge, ihre starke Mutterliebe, die auch mit einer Art Abhängigkeit verbunden ist. Speziell zu ihrem Sohn Tom hat Ruth eine derart innige Verbindung, dass sie ihre therapeutischen Ansätze gerne mal außer Acht lässt und genau das tut, wovon sie ihren Patienten fachmännisch abraten würde. Deshalb fühlt sie sich auch zu Dan besonders hingezogen. Dieser hat wenig Liebe von seiner Familie erfahren und trifft Ruth damit mitten ins Herz. Für mich war es absolut nachvollziehbar, dass sie ihren Beruf vergisst und die Mutterrolle übernimmt. Gerade in ihrer aktuellen Lebenssituation ist sie gebrochen, hilflos und sehnt sich nach Nähe und Zuneigung.

Der Schreibstil von Bev Thomas ist mitreißend und voller Emotionen. Dabei spannt die Autorin ihre Leser ganz schön lange auf die Folter, bevor sie endlich mit den Geschehnissen rund um das Verschwinden von Tom herausrückt. Aber das empfand ich gar nicht schlimm, denn allein die Gespräche zwischen Ruth und ihren Patienten haben mich in einen solchen Sog gezogen, dass Tom damit fast zur Nebensache für mich geworden ist.

Mit dem Schlussteil war ich leider nicht so ganz zufrieden. Vom Inhalt her passend, aber bei mir blieben noch ein paar Fragen offen, die ich mir einfach beantwortet gewünscht hätte. Trotz allem rundet das Ende die Story prima ab und ich gebe zu, dass ich das Buch mit etwas Wehmut beendet habe.

Fazit: Mit „Mutterlüge“ erleben wir ein erschütterndes Familiendrama, das für allerlei Emotionen sorgt. Das bedrückende Setting des Therapiezimmers und beeindruckende tiefenpsychologische Gespräche sorgen hier für jede Menge Unterhaltung. Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2024

Mord, Intrigen und Geheimnisse

Nachtflut
0

Sämtliche Orte an der Ostsee werden evakuiert, während die Sturmflut droht. Elisa ist mittendrin. Doch das ist nicht die einzige Bedrohung.

Der Prolog schildert einen Segelausflug von Elisa, Max, Paul ...

Sämtliche Orte an der Ostsee werden evakuiert, während die Sturmflut droht. Elisa ist mittendrin. Doch das ist nicht die einzige Bedrohung.

Der Prolog schildert einen Segelausflug von Elisa, Max, Paul und Lizzy, und man ahnt bereits, dass dieses Erlebnis noch eine entscheidende Rolle in der Zukunft spielen wird. Denn die eigentliche Story beginnt erst einige Zeit später.

Abwechselnd wird aus verschiedenen Perspektiven der einzelnen Charaktere erzählt und nach und nach die Vorkommnisse seit dem Segelausflug dargestellt. Nun droht eine Jahrhundert-Sturmflut, deren beängstigende Atmosphäre zum Greifen nah ist. Als der Deich bricht, sind die Szenen unfassbar dramatisch. Gebannt verfolgt man, wie alle um ihr Leben kämpfen.

Zitat S. 42:
"Er fragte sich, ob sie die Sturmflut alle unbeschadet überstehen würden. Es wäre nicht um jeden schade."

Ebenfalls gibt es aber auch Abschnitte mit Tagebucheinträgen einer unbekannten Person, die zeitlich irgendwie nicht so richtig in die Geschichte zu passen scheinen. Alle Beteiligten haben Geheimnisse, und man wird der Wahrheit erst spät gewahr, als Westerkamp durch einige krasse Wendungen die Zusammenhänge aufklärt. Männer kommen in diesem Thriller nicht besonders gut weg und auch einige Frauen glänzen mit Naivität. Leider wahrscheinlich realistischer, als man denken mag.

Fazit: Ein zeitgemäßer Thriller mit beängstigend realistischer Klimabedrohung, der durch Mord, Intrigen und Geheimnissen zu einer spannenden Lektüre wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2024

Eine bedrückende Fortsetzung

Die Totgeglaubte (Haven 4)
0

Die Story wird wie in den Teilen zuvor auch wieder abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Ich liebe die Verbindung der beiden zueinander einfach! Jeder ist für den anderen da, ohne darum ...

Die Story wird wie in den Teilen zuvor auch wieder abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Ich liebe die Verbindung der beiden zueinander einfach! Jeder ist für den anderen da, ohne darum gebeten zu werden oder eine Gegenleistung zu erwarten. In der heutigen Zeit leider nicht selbstverständlich, daher haben diese beiden eine echte Vorzeigefreundschaft.

Robotham greift das Thema Migration in diesem Band bewusst auf und baut darum eine erschreckend reale Story. Ehrlich gesagt war mir diese direkte Konfrontation, überflutet von den Bildern aus den immer noch gegenwärtigen Nachrichten, hin und wieder echt zu viel. Für die Entwicklung von Evie und Cyrus ist die Geschichte allerdings unabdingbar.

Cyrus hat mir mal wieder sehr imponiert. Sein Beschützerinstinkt war ausgeprägter denn je, denn wenn es um Evies Wohlergehen geht, lässt er einfach alles stehen und liegen. Und Evie ist in diesem Teil tatsächlich sein großes Sorgenkind. So ist es nicht nur ihre körperliche Gesundheit, die Anlass zur Sorge bereitet, sondern vielmehr ihr lange unterdrücktes Kindheitstrauma. Im Laufe der Geschichte öffnet sie sich Stück für Stück und gibt Erlebnisse ihrer Kindheit preis. Zusammen mit Cyrus versucht sie, ihre damalige Flucht zu rekonstruieren und stößt dabei auf furchtbare Erinnerungen...

Der Schreibstil von Robotham ist mitreißend und gerade in diesem Teil sehr bedrückend. Ich hatte durchgehend ein flaues Gefühl im Magen, weil mich die Ereignisse so sehr berührt haben. Gewalttätige Schlepper, verzweifelte Migranten, gekenterte Boote, ertrunkene Menschen - all das hat der Autor so real verpackt, dass mir die Tränen in den Augen standen.

Fazit: Eine bedrückende Fortsetzung, emotional, mitreißend, authentisch. Wer Cyrus und Evie schon ins Herz geschlossen hat wie ich, der wird auch hier wieder voll begeistert sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere