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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2025

Schmutziges Geld

Der Teufel von Luzern
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Als Lisa, die in Australien lebende Schweizerin, nach Luzern zurückkommt, um das Erbe ihre Tante Vera anzutreten, weiß sie noch nicht, was sie genau erwartet. Denn neben einem Haus in bester Lage, einem ...

Als Lisa, die in Australien lebende Schweizerin, nach Luzern zurückkommt, um das Erbe ihre Tante Vera anzutreten, weiß sie noch nicht, was sie genau erwartet. Denn neben einem Haus in bester Lage, einem Sparbuch und Goldmünzen, entdeckt sie in einer alten Waschmaschine 2 Millionen Franken mit der kryptischen Nachricht „An diesem Geld klebt Blut“. Paavo Baumgartner, ein Polizist kann hier nicht helfen und verweist sie an den Privatermittler Armand Godel.

Gemeinsam versuchen sie dem Ursprung des Geldes auf die Spur zu kommen und Lisa kommt dabei nicht nur ihrer eigenen dunklen Familiengeschichte nahe, sondern auch einer Gruppe einflussreicher wie skrupelloser Männer und ihren kriminellen Machenschaften.

Meine Meinung:

Dieser Krimi gewährt uns Einblicke in die Geschäfte der Geldwäsche, in der auch zahlreiche (Privat)Banken der Schweiz verwickelt sind. Es wimmelt von Strohmännern, die wie die Marionetten auf dem Filmplakat des „Paten“ an den Fäden ihrer Hintermänner zappeln.

Die Handlung ist interessant, aber es dauert ein wenig, bis sie so richtig in Gang kommt. Beinahe wäre der Krimi ohne Leichen ausgekommen. Letztendlich gibt es dann doch zwei Tote.

Die Charaktere wie oder Armand haben so manche Ecke und Kante, die sie interessant und sympathisch machen. Das schweizerische Flair wird durch Streifzüge in der Stadt Luzern und die typischen Schweizer Ausdrücke wie parkieren und Gipfeli vermittelt- Schmunzeln musste ich über Armand Godel Auto, den Oldtimer De Soto, den er vor Jahren aus Kuba importiert hat.

Patrick Greiner räumt mit der Mär der ach so sauberen und gesetzestreuen Schweiz ziemlich auf. Überall dort, wo viel Geld zu lukrieren ist, ist das Verbrechen nicht weit. Der Autor weiß, worüber er schreibt, ist er doch Jurist und hat Erfahrung sowohl als Anwalt, Notar und Berater in der Finanzindustrie als auch als Untersuchungsrichter bei der Staatsanwaltschaft in Luzern.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Vom Erwachsen werden in der Baby-Boomer-Generation

Schwimmen im Glas
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Verlagstext:

„Lore ist zehn Jahre alt und wächst behütet auf dem Land auf. Ihr Vater ist Bürgermeister, ihre Mutter Sekretärin im Pfarramt, die beiden älteren Brüder interessieren sich hauptsächlich für ...

Verlagstext:

„Lore ist zehn Jahre alt und wächst behütet auf dem Land auf. Ihr Vater ist Bürgermeister, ihre Mutter Sekretärin im Pfarramt, die beiden älteren Brüder interessieren sich hauptsächlich für sich selbst. Lores engste Bezugspersonen sind die Großeltern. Und dann gibt es noch Tante Ursula. Die lebt in der Stadt, kommt nur zu Besuch aufs Land und sorgt mit ihren Ansichten regelmäßig für hitzige Diskussionen im Familienkreis. Außerdem erwartet sie ein Kind – dabei hat sie keinen Mann. Lore findet Ursula faszinierend und besucht sie regelmäßig in der Stadt, wo sie eine ganz neue Welt kennenlernt.

Die erwachsene Lore von heute steht mit beiden Beinen im Leben, als sie unerwartet mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird …“

Meine Meinung:

Eva Lugbauer hat mit diesem Roman die Kindheit der sogenannten Baby-Boomer-Generation trefflich beschrieben. Da ich selbst dazugehöre, habe ich die eine oder andere Situation ähnlich erlebt. Ich bin zwar in der Großstadt Wien aufgewachsen, aber viele der Stehsätze wie „Das verstehst du nicht“ usw. kommen mir sehr bekannt vor. Besonders die Sprachlosigkeit der Großväter, was den Krieg betrifft, ist vermutlich in jeder Familie anzutreffen. Großmütter, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen durften, sondern sich ausschließlich auf die drei Ks (Kinder, Küche, Kirche) jeweils in unterschiedlicher Ausprägung und Reihenfolge gekümmert haben.

Die Eltern der kleinen Lore sind im Dorf ein wenig privilegiert, da der Vater als Bürgermeister und die Mutter als Pfarramtssekretärin durchaus als Respektspersonen gelten. Allerdings macht das Stadt/Landgefälle wenig Unterschied in der patriarchalischen Ordnung in der überkommene Geschlechterrollen nach wie vor präsent sind.

Sehr gut hat mir Lore und ihre scheinbare Unsichtbarkeit gefallen. Sie hört und sieht viel mehr, als ihr die Erwachsenen zutrauen und zubilligen. Das trägt mitunter zu noch mehr Unsicherheit bei. Schade, dass sie sich nicht öfter mit Tante Ursula, dem Enfant Terrible der Familie treffen durfte. Die hätte ihr schon ein wenig mehr vom Leben erzählen können, als nur die neueste Nagellackfarbe.

„Schwimmen im Glas“ ist mein erstes Buch von Eva Lugbauer. Der Schreibstil ist unverkennbar und gefällt mir recht gut. Lores Geschichte rund um ihr Leben/Aufwachsen im Dorf inmitten ihrer Familie wechselt sich mit dem Mädchen und erwachsenen Frau ab.

Fazit:

Ein einfühlsames Buch vom Erwachsen werden in der Baby-Boomer-Generation, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 08.02.2025

Ginsterburg ist überall

Ginsterburg
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Autor Arno Frank schildert in seinem neuen Roman „Ginsterburg“ das Schicksal ausgewählter Bewohner in der fiktiven Stadt „Ginsterburg“ während der NS-Zeit. Die Geschichte ist in drei Zeitabschnitte - 1935, ...

Autor Arno Frank schildert in seinem neuen Roman „Ginsterburg“ das Schicksal ausgewählter Bewohner in der fiktiven Stadt „Ginsterburg“ während der NS-Zeit. Die Geschichte ist in drei Zeitabschnitte - 1935, 1940 und 1945 - gegliedert.

Arno Frank erzählt chronologisch die Entwicklung der Bewohner in dieser politisch eigentlich unbedeutenden Kleinstadt, die stellvertretend für reale Orte steht. Manche Personen gewinnt man recht schnell lieb, andere verhalten sich sehr bald verabscheuungswürdig.
Überhaupt mischt der Autor Fakten und Fiktion recht gekonnt. Allerdings fehlt mir persönlich ein Hinweis auf das Eine bzw. das Andere. Zwar werden durch Briefe oder Zeitungsausschnitte Bezüge zur realen Welt geknüpft, doch wäre ein Glossar am Ende des Romans oder ein Nachwort willkommen gewesen. So wird die Wunderwaffe „Natter“, die den wenigsten Lesern bekannt sein dürfte, mehrmals erwähnt.

Der Schreibstil ist ein wenig irritierend. Zahlreiche Ereignisse werden nur angerissen und der Fantasie der Leser überlassen. Für mich, die viele (Sach)Bücher über die Gräuel der NS-Diktatur gelesen hat, ist das kein Problem, sich hier zurecht zu finden. Auf andere Lesern kann dies verstörend wirken.

Fazit:

Diesem Roman, in dem Arno Frank aufzeigt, wie Menschen von einem Menschen verachtenden Regime belohnt, bestraft und korrumpiert worden sind, gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 29.01.2025

NIcht einfach zu lesen

Berauscht der Sinne beraubt
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Racha Kirakosian ist aktuell Professorin für Mediävistik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Bei ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Mittelalter traf und trifft sie ständig über Menschen, ...

Racha Kirakosian ist aktuell Professorin für Mediävistik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Bei ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Mittelalter traf und trifft sie ständig über Menschen, die mit und ohne substanzgebundene Stimulanzien in einen Rausch, Extase oder Furor fallen. In diesem Buch, das nicht grundlos ein psychedelisches Cover erhalten hat, geht sie den Gründen nach, warum Menschen in Extase fallen.

Diese fünf Kapitel sind:

Über den Wolken - Visionen und Flow
Im Moment des Aufpralls - Freude im Schmerz
Hinab ins Erdreich - Frauen und Extase
Vom Aufsteigen - Der Tanz in die Lüfte
Aufgehen im Ganzen - Einheitserfahrungen in der Masse

Dabei beleuchtet die Autorin sowohl die Gründe als auch individuelle Erfahrungen von Personen, die diesen Zustand des Rausches, sei es durch schier unerträgliche Schmerzen, überschießende Freude oder sei es durch das Phänomen der Massenpsychose erfahren haben.

Dafür hat sie penibel recherchiert und kann auf ihren reichen Schatz an Wissen über die Einflüsse von Religion, Medizin, Pharmokologie und „Menschenverführer“ zurückgreifen. Die Autorin geht im letzten Kapitel auf das „Aufgehen im Ganzen“, also jenem Phänomen der Massenhysterie wie man sie aus den Wochenschauberichten aus dem NS-Regimie kennt, ein. Diese Begeisterung der manipulierten Massen ist nach wie vor beängstigend.

Das Buch ist ob der wissenschaftlichen Sprache nicht einfach zu lesen, da es genaues Lesen und einige an Vorwissen erfordert. Die am Ende aufgelisteten Anmerkungen sowie das umfangreiche Verzeichnis der verwendeten Quellen und ein umfangreiches Personenregister, helfen dabei sich hier zurechtzufinden und zusätzliche Informationen einzuholen.

Fazit:

Wer sich nicht scheut, tief in die Phänomene, die einen die eigene Kontrolle über sich verlieren lassen könnte, einzutauchen, ist hier richtig. Gerne gebe ich diesem Buch, das nichts für Zwischendurch ist, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Der 19. Fall für AKK

Ostfriesennebel
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In ihrem 19. Fall wird Ann-Kathrin Klaasen mit einer schier unglaublichen Geschichte konfrontiert: Carina Oberdieck, Mutter zweier Söhne, glaubt, dass der Mann, der nach einer Urlaubsreise mit seinem Bruder ...

In ihrem 19. Fall wird Ann-Kathrin Klaasen mit einer schier unglaublichen Geschichte konfrontiert: Carina Oberdieck, Mutter zweier Söhne, glaubt, dass der Mann, der nach einer Urlaubsreise mit seinem Bruder ins traute Familienheim zurückgekehrt ist, nicht ihr Ehemann Florian sondern sein eineiiger Zwillingsbruder Fabian ist. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass ihr Ehemann nicht mehr lebt.

In ihrer langen Laufbahn als KHK sind Ann-Kathrin Klaasen schon zahlreich abstruse Geschichten untergekommen. Natürlich stößt die seltsame Geschichte von Carina Oberdieck bei der Polizei auf Misstrauen, zumal es ja keine Leiche gibt. Und keine Leiche bedeutet, keine Ermittlungen.

Doch bevor sie sich näher mit Familie Oberdieck beschäftigen kann, findet man die Leiche einer jungen Frau auf den Bahngleisen.

Hat der sogenannte Eisenbahnmörder, der eine blutige Spur durch Deutschland zieht, nun auch in Ostfriesland zugeschlagen? Der Schluss liegt nahe, denn KHK Wollenweber, Zielfahnder beim BKA, fordert Ann-Katrin Klaasen sowie deren Ehemann Frank Weller zur Unterstützung an.

Doch dann scheint so ziemlich alles aus dem Ruder zu laufen, denn die nächste junge Frau verschwindet ...

Meine Meinung:

Seit Erich Kästners „Doppeltes Lottchen“ spielen zahlreiche Autoren mit einem Rollentausch zwischen eineiigen Zwillingen in der Literatur. Was manchmal - wie bei Kästner - amüsant zu lesen ist, verarbeitet Klaus-Peter Wolf hier in ein perfides, kaltblütiges Spiel um die wahre Identität eines Menschen.

Ann-Kathrin Klaasens Team ist wieder ordentlich gefordert. Polizeichefin Elisabeth Schwarz macht wieder eine denkbar schlechte Figur, während Rupert mit seiner kumpelhaften Art männliche Verdächtige zu befragen, durchaus Erfolg hat.

Zielfahnder Wollenweber steht kurz vpr seiner Pensionierung und will den Eisenbahnmörder zur Strecke bringen. Dazu bedient er sich auch der Dienste von AKK und ihrem Team. Er selbst geht mit seinen Informationen sparsam um, und dass AKK ihm gleich einmal Nachlässigkeiten bei den Ermittlungen nachweisen, kratzt ziemlich an seinem Ego.

Wir erleben den Krimi aus unterschiedlichen Perspektiven: aus Tätersicht, aus Opfersicht und natürlich aus der Warte der Ermittler.

Der trockene Humor der Ostfriesen darf auch nicht fehlen, sowie Ruperts Wortkreationen.

Fazit:

Der 19. Fall ist wieder spannend, auch wenn die Zwillingsmasche schon ein wenig ausgelutscht ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.