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Veröffentlicht am 16.02.2025

Schlecht gealtert, passt nicht wirklich mehr in unsere Zeit

King Kong
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Inhalt (Klappentext):

"King Kong, der unsterbliche Riesengorilla liebt die blonde Schöne aus New York. King Kong lässt sich im Urwald fangen, um seine Schöne in der Stadt wiederzufinden. King Kong ...

Inhalt (Klappentext):

"King Kong, der unsterbliche Riesengorilla liebt die blonde Schöne aus New York. King Kong lässt sich im Urwald fangen, um seine Schöne in der Stadt wiederzufinden. King Kong sprengt Ketten und kämpft auf Wolkenkratzern. Delos W. Lovelace schrieb nach dem Drehbuch von Edgar Wallace und Merian C. Cooper den Roman "King Kong". Der Urvater aller Katastrophenfilme wurde zum berühmtesten Film von Edgar Wallace, ja zu einem der erfolgreichsten Streifen überhaupt, die in Hollywood produziert wurden. Noch heute ist King Kong einer der meistgesehenen Filme im Kino und Fernsehen. Die Verfolgung des schwarzen Gorillas King Kong und seine Sehnsucht nach der weißen Frau, der er bis in die Straßen New Yorks auf den Fersen bleibt, jagt Millionen Lesern und Filmbesuchern immer noch kalten Schauer über den Rücken. Mit seiner einzigartigen Mischung von Spannung, Abenteuer und Tragik ist King Kong, wie Tarzan, zu einer der bekanntesten Kultfiguren der Welt geworden."

Bewertung:

Jeder wird die Story von King Kong kennen und daher wissen, dass der Klappentext nicht korrekt ist. Von wegen unsterblich, von wegen "lässt sich fangen". Alle wissen, dass King Kong aus Gewinnsucht gefangen und nach New York verschleppt wurde. Im Roman zeichnet man zwar das Bild des tapferen, überlegenen Abenteurers. Gemessen an Worten und Taten erschienen mir die Figuren indes eher überheblich und unempathisch. So konnten sie bei mir wenig Sympathie gewinnen. Ann Darrow ist bei dem Unternehmen nur dabei, weil der Filmemacher Denham meint, für das Publikum sei "das Abenteuer so schal wie Spülwasser (...), wenn nicht von Zeit zu Zeit ein Schmollmündchen erscheint." Dementsprechend wurde in den unmöglichsten Momenten darauf hingewiesen, dass Anns Burst "prall" ist und Ann hier und da "wohlgerundet" und natürlich "goldhaarig" und "weiß" ist. Für Denham zählt nur sein Film und wenn er dabei z. B. einem Nashorn zu nahe kommt, wird das eben abgeknallt. Verkauft wird das als Wagemut und Selbstvertrauen eines Könners. Nur, dass der Könner mit seiner ungestümen Landung auf einer abgelegenen, unbekannten Insel mitten in eine Zeremonie hineinplatzt, ihm anschließend seine Hauptdarstellerin gestohlen wird und er ihr durch den Dschungel nachjagen muss. Ziemlich bald wird der erste Dinosaurier völlig unnötig getötet - man hatte ihn betäubt und dann wurde er kurzerhand erschossen. Man sieht sich einem lebenden Fossil gegenüber und es fällt einem nichts anderes dazu ein, als es kalt zu machen. Kurz danach gibt es die ersten beiden Toten und dann sind vom 14köpfigen Suchtrupp bald nur noch Denham und sein erster Offizier Driscoll übrig, der sich in Ann verliebt hat und sie aus Liebe und Verantwortungsgefühl retten möchte. Vorbei ist es erst einmal mit der Überlegenheit des weissen Mann, welche immer wieder in Bezug auf die schwarzen Inselbewohner geäussert wird. Diese werden als "Wilde" bezeichnet. Dann ist von einem "jungen Eingeborenenmädchen" die Rede, das "selbst für eine Südseeinsulanerin von seltener Anmut" ist. Und es heißt bezüglich des Priesters/"Hexenmeisters", "diese alten Hexenböcke haben gewöhnlich irgendwo einen ganzen Harem versteckt." Um die Überlegenheit des weissen Mannes zu stoppen, braucht es jedoch nach der Meinung von Edgar Wallace eine prähistorische Megafauna säbelzahnbewaffneter Monster. Zusammengefasst, das Buch ist an verschiedenen Stellen schlecht gealtert: Einstellung zu anderen Ethnien, zu Frauen, zur Natur. Ab und zu hatte ich den Verdacht, dass vielleicht doch etwas Anerkennung für die Inselbewohner, für Ann und die Natur, verkörpert von King Kong, zu spüren wäre. Aber der grundsätzliche Tenor war erdrückend. Was die Figuren betrifft, blieben die meisten ziemlich blass, und irgendwie fand ich sie alle zu sehr von sich selbst eingenommen. Bis auf Ann, deren Stärke darin besteht, sich durch das Abenteuer schleppen zu lassen. Als der Haudrauf Denham dann irgendwann zu philosophieren anfing und er dafür bewundert wurde, war es für mich endgültig vorbei mir der Glaubwürdigkeit der Figuren. Besonders Denham war mir zu widersprüchlich und seine positive Darstellung wirkte auf mich aufgesetzt. Was die Handlung betrifft, fand ich es nicht so gut, dass der größte Teil die Vorbreitung der Schiffsfahrt und die Fahrt selbst umfasst. Das Abenteuer im Dschungel war dann schnell erzählt. Es wurden rasch ein paar Echsen tot gemacht und ein paar Menschen gefressen. Dann hopplahopp der Riesenaffe eingefangen, und die Episode in New York ist auch sehr kurz. Der Schwerpunkt der Darstellung war für mich falsch gewählt. Die späteren Episoden hätten ausführlicher sein können. Sprachlich war die Geschichte ok. Teils schlängelte sich ein Satz etwas zu lange. Es gab auch recht viele Adjektive. Aber der Roman las sich flüssig. Insgesamt bewerte ich das Buch mit 3 Sternen

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Veröffentlicht am 09.02.2025

War nicht so mein Fall - die Illustrationen fand ich eher langweilig und die Geschichte hat mich auch nicht gecatcht

Wahre Helden
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Inhalt: Cohen der Barbar und seine Graue Horde haben die Nase voll vom Älterwerden. Nachdem sie das Achatene Reich erobert hatten und Cohen eine Zeitlang Kaiser war, wollen sie nicht eines Kriegers unwürdig ...

Inhalt: Cohen der Barbar und seine Graue Horde haben die Nase voll vom Älterwerden. Nachdem sie das Achatene Reich erobert hatten und Cohen eine Zeitlang Kaiser war, wollen sie nicht eines Kriegers unwürdig am Müßiggang sterben wie der alte Vicent, der sich vom Heldentum zurückgezogen hatte und dann an einer Gurke erstickte. Anschließend noch begraben zu werden, das ist der Horror für die uralten Helden. Und wer hat Schuld an ihrem Leid? Die Götter, die sie haben so lange leben und gebrechlich werden lassen. Wobei gebrechlich relativ ist - immer noch nimmt es die Graue Horde mit allem und jedem auf, auch mit den Göttern. Sie haben vor, dem Göttersitz Cori Celesti einen Besuch abzustatten und den Göttern das Feuer, das ihnen vor Äonen von den Menschen gestohlen wurde, zurückzubringen, mit Zinsen. Im Stadtstaat Ankh-Morpork wurde dieses Vorhaben, das die gesamte Scheibenwelt zerstören würde, offenbar. Lord Vetinari und die Zauberer der Unsichtbaren Universität suchen nach einem Weg, die Graue Horde, die einen gewaltigen Vorsprung hat, zu stoppen. Die Mission ist natürlich lebensgefährlich, und Rincewind, der unmagischste Zauberer der Welt, wird zusammen mit dem genialen Erfinder Leonard da Quirm und dem hünenhaften Polizei-Capitain Karotte geschickt, um den Weltuntergang zu verhindern. Der Roman wurde illustriert von Paul Kidby.

Bewertung: Eigentlich mag ich Terry Pratchett, die Scheibenwelt und die Cover-Bilder sehr gerne, aber das Buch war nicht wirklich mein Fall. Zunächst fielen natürlich die umfangreichen Illustrationen auf, die allerdings rasch eintötig und eher langweilig auf mich wirkten. Viele Bilder sind in einem Braunton gehalten, es fehlt Farbe und es fehlt Detail. Gerade bei den Doppelseiten fällt dies auf. Direkt nach dem Aufblättern hat man das Bild schon erfasst und ist fertig damit. Ein paar Doppelseiten haben zudem den Fehler, dass man das Motiv durch die Falz beeinträchtigt hat. Da fehlt dann zuviel oder Entscheidendes und das sieht blöd aus. Mich hat überdies die Gleichförmigkeit gestört. In der Grauen Horde sehen fast alle gleich aus. Der Helm ein bißchen anders, der Bart länger oder kürzer - ein echtes, persönliches Gesicht jedoch hat fast keiner. Auf einer Seite wurden verschiedene Arten von Sumpfdrachen dargestellt, darunter eine Beschreibung der einzelnen Arten. Und ich dachte nur: Neeeee, das lese ich jetzt nicht. Weil die eben fast alle gleich aussehen. Die entscheidenden Situationen der Story und ihre Figuren sind zwar abgebildet, aber viele Zeichnungen sagen wenig aus. Dabei hätte der Text Details geliefert beispielsweise für den Rand der Welt. Da ist ein Gully bei Regen fast interessanter. Ich mochte auch nicht, dass Ponder Stibbons wie Harry Potter aussieht.

Mit der Geschichte und dem Schreibstil bin ich auch nicht recht warm geworden. Eigentlich bewundere ich Terry Pratchett dafür, wie kreativ er gedacht hat. Er hat beispielsweise vielen Sprichworten eine neue Bedeutung gegeben und wusste zu überraschen, indem er mit seiner Geschichte unvermutet in eine ganz andere Richtung abbog. In diesem Buch kam es mir jedoch eher vor wie eine bewährte Masche, die man zu lange gestrickt hat. Ich war bald darauf eingestellt, dass meine Erwartung ständig über den Haufen geworfen werden, und deswegen hat bei mir die Überraschung dann nicht mehr so gut gezogen. Die Geschichte war durch die vielen Sprünge zwischen Personengruppen und Orten zu sehr zerrissen. Eine Szene im spannendsten Moment verlassen zu müssen, finde ich außerdem einen billigen Trick, um die Spannung hochzuhalten. Wenn ich dann zur Szene zurückkehrte nach dem Einschub, merkte ich, dass da keine Spannung war, wie es weitergeht. Die Figuren kennt man, wenn man die Scheibenwelt etwas kennt. Und darum hat man sie auch gern. Aber die Einfühlung war anderweitig schon einmal tiefer. Möglicherweise liegt es daran, dass es mir vorkommt, als wäre der Roman nach einem bewährten Muster hergestellt worden. Die Idee an sich, es den Göttern heimzuzahlen, war mir neu. Innovation finde ich gut. Aber insgesamt halte ich dieses Buch für einen der schwächeren Romane von der Scheibenwelt: ⭐️ ⭐️ ⭐️

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Veröffentlicht am 23.11.2024

Für mich kein Historien-Roman

Unentdeckte Schönheit
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Eine durchaus interessante, unterhaltsame auch anrührende Geschichte, allerdings mit einigen Schwächen: Ich fand die Story aufgebläht, sprachlich durch Wiederholung leicht monoton, und dem Anspruch, ein ...

Eine durchaus interessante, unterhaltsame auch anrührende Geschichte, allerdings mit einigen Schwächen: Ich fand die Story aufgebläht, sprachlich durch Wiederholung leicht monoton, und dem Anspruch, ein historischer Roman zu sein, genügte mir das Buch nicht.
Los geht es mit dem bekannten Zitat aus "Der Kleine Prinz". Für mich ist es recht abgenutzt, so dass seine Verwendung hier auf mich den ersten negativen Eindruck machte. Dann der Einstieg in die Geschichte - der liest sich zwar flüssig und geht sofort mitten hinein in den Amerikanischen Bürgerkrieg, wo sich Eleanor Braddock in der ersten Szene um einen sterbenden Soldaten kümmert, während die Kugeln ganz in der Nähe fliegen. Gefühl und Spannung sind dabei natürlich zu erwarten. Mich haben allerdings die Fülle der Adjektive und die Wiederholungen genervt, die die Szene statt emotional eher pathetisch wirken liessen. Mit der Zeit schien auch etwas nicht zu stimmen. Während etwas rasch geschieht, erfährt man eine große Menge Gedanken der Figur, die mengenmäßig gar nicht hineinpassen in den Moment und für die Figur eine riesige Ablenkung bedeutet hätten. Das fand ich unrealistisch. An anderen Stellen, z. B. wo Eleanor auf Kutschfahrt war, war ich verblüfft, dass sie noch nicht weiter gekommen war wegen der vielen Gedanken und Sachverhalte, die angesprochen wurden. So geht es dann bis zum Schluss weiter.
Mir hätte es besser gefallen, wenn die Handlung dichter erzählt worden wäre mit weniger Introspektion, welche sich dazu noch unmittelbar wiederholt. Der Wechsel zwischen den Perspektiven der beiden Protagonisten Eleanor Braddock und Markus Geoffery, die Einblicke in deren Seelenleben geben, war eine gute Idee und hat es tatsächlich irgendwo spannend gemacht, die beiden umeinander "herumschleichen" zu sehen. Aber es hat sich eben vieles wiederholt und die Darstellung wirkte auf mich arg in die Länge gezogen.
Auch die Wechsel von einem Kapitel ins nächste fand ich schlecht. An einem (kleineren) Höhepunkt wird eine Szene abgeschnitten. Z. B. jemand wird ärgerlich und es kommt der Cut. Man blättert um und es geht genau dort weiter. Das kam mir so sinnlos vor, an der Stelle ein neues Kapitel zu beginnen. Zumindest muss man sich nicht durch einen anderen Handlungsstrang lesen, bis es weitergeht.
Als auf Seite 24 enthüllt wird, wer Markus Geoffrey ist, dachte ich: Ging es nicht eine Nummer kleiner. Laut Klappentext ist er der Mann, in den sich Eleonor verliebt - "Doch Markus ist nicht der, der er zu sein vorgibt..." Einerseits ist es ja schön, wenn der Klappentext den Leser zum Beginn der Geschichte führt statt, wie es oft vorkommt, zu deren Ende. Andererseits fand ich es mehr als unrealistisch, dass Markus ein Erzherzog von Österreich und Dritter in der Thronfolge sein soll. Man hätte die Situation genauso ohne Anlehnung an die Historie konstruieren können und wäre dann nicht in Konflikt mit der Historie geraten. Z. B. sind Habsburger nicht gerade für ihr gutes Aussehen bekannt, anders als die Figur Markus. Es wurde auch behauptet, seine Mutter habe gern Apfelstrudel gebacken, was nach meiner Meinung überhaupt nicht mit der Etikette der damaligen Zeit zusammengeht. Die Figur Markus sagt ja selbst immer wieder, wie schön es wäre in Amerika abseits der Zwänge. Von den fantasierten Familienverhältnissen gar nicht zu sprechen. So fand ich die Geschichte gleich zu Beginn unstimmig, sie hat bei mir nicht gezogen. Im Schlußwort meinte die Autorin, sie habe sich hinsichtlich des Hauses Habsburg "einige künstlerische Freiheiten" genommen. Nach meiner Meinung hat sie sich lediglich des Namen bedient, weil die Historie dahinter total falsch ist. Gerade mal, dass Sisi und Franz verheiratet und den Thron innehatten und das der Bruder von Franz, Max, in Mexiko hingerichtet worden war, wird korrekt dargestellt. Der Rest (Personen, Zeitabläufe) ist alles erfunden. Man erfährt eigentlich auch nicht viel aus dem Leben in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika. Nach meinem Eindruck besteht die Historie aus Fakten, die man selbst weiß oder schnell zusammenlesen könnte: Krieg, Armut, ein paar Namen und Orte; aber kein tiefergehendes Wissen über die damalige Lebensweise.
Trotzdem liest sich der Text flüssig und es gibt auch etliche Passagen, die interessant sind wie die Begegnung zwischen Eleanor und Markus im Gewächshaus, die so ein bißchen abläuft wie zwischen Miss Bennet und Mr. Darcy in "Stolz und Vorurteil" oder zwischen Bridget Jones und Mark Darcy in "Schokolade zum Frühstück": man gibt sich stachelig, ist aber irgendwie auch voneinander angezogen. Beide Figuren sind mir sympathisch geworden, wenn ich auch Eleanor bei Weitem zahmer fand, als der Klappentext sie ankündigte.
Die Autorin hat mehrere christlichliche Schriftstellerpreise gewonnen und Christentum soll ein wichtiges Thema bei ihr sein. Im Roman war es weitgehend eher dezent. Zwar geht man immer wieder zur Kirche oder betet oder ähnliches. Das verliert sich jedoch größtenteils in der Geschichte, bis es zum Ende der Geschichte dann mehr wird und allmählich nervt. Man könnte noch argumentieren, dass die Sache zwischen Eleanor und Markus ein christliches Thema ist mit der Frau, die auf den Richtigen wartet, der ihre nicht offensichtliche Schönheit erkennt. Ich halte es eher für ein romantisches Klischee. Da gab es noch so manches, was allerdings nicht unbedingt schlecht gemacht war. Ich mochte allerdings nicht, dass Markus durch Eleanors abweisende Haltung herausgefordert wurde. Dass das was Tolles wäre, sollte man nach meiner Meinung nicht verbreiten.
Insgesamt gebe ich dem Roman 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.11.2024

Für mich ist die Geschichte falsch abgebogen

Eichhörnchenversprechen
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Auf der ersten Seite wird man auf die Spur geführt, es gehe um die erste partnerschaftliche Liebe: die Mutter beschreibt "Schmetterlinge im Bauch" mit verschiedenen körperlichen Reaktionen. Die allerdings ...

Auf der ersten Seite wird man auf die Spur geführt, es gehe um die erste partnerschaftliche Liebe: die Mutter beschreibt "Schmetterlinge im Bauch" mit verschiedenen körperlichen Reaktionen. Die allerdings genauso bei Angst auftreten. Daher finde ich diese Vereinfachung schon mal nicht so gut. Im weiteren Verlauf wird diese Antwort der Mutter mehrmals aufgegriffen und das ist zwar nett gemacht. Aber letztendlich weiß man gar nicht (und es fragt auch keiner danach), was der Junge Anto eigentlich meinte, wenn er nach der Liebe fragte. Am Ende stellte es sich für mich heraus, dass er eigentlich auf der Suche nach einem neuen Freund war und eine Möglichkeit fand, ein weiteres Stück seiner Trauer (Band 1) loszulassen, und dass es keine Rolle spielt, dass der neue Freund weiblich ist. Für mich ist die Geschichte daher falsch abgebogen oder vom falschen Start abgefahren. Ich mochte zudem nicht, dass die Geschichte Klischees über Geschlechterrollen bedient. Da nützt es auch nichts, dass Lili zwei Mütter hat, wenn Anto balzt wie in der Steinzeit: Er kann sich im Unterricht nicht mehr konzentrieren (Mädchen sind also schuld, dass Jungs in der Schule nicht aufpassen können) und versucht, Lili beim Sport und Klettern zu beeindrucken.

Was die Illustrationen betrifft, fangen sie zwar die Geschichte sehr gut ein. Aber sie bleiben hinter dem Cover oftmals zurück. Häufig wirken die Figuren deutlich plumper und einfacher; es fehlen die Lichtpunkte und die Details, und der Vordergrund geht teils in den Hintergrund über. Die Farbpalette mit Braun-, Grün- und Blautönen, ab und an aufgelockert durch einen hellen Hintergrund oder einen Farbtupfer in Form einer Blüte oä., finde ich an sich heimlig und hübsch. Aber irgendwie geht es im Buch auch um Herbst und da hätten sich die lebhafteren Gelb-, Orange- und Rottöne aufgedrängt, zumal es ja um Liebe gehen soll.

Insgesamt drei Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 05.10.2024

Vor allem wichtig in der Geschichte erscheinen die vielen Anspielungen und Witze, die ich nicht verstanden habe und bei mir nicht knallten.

Der Metzger gräbt um
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Inhalt: Der ist ausführlich bei "Buchdetails" dargestellt. Man kann noch ergänzen, dass dort eigentlich die ganze Handlung beschrieben wird, die der Metzger im Rahmen des Romans ermittelt. Der Beginn ...



Inhalt: Der ist ausführlich bei "Buchdetails" dargestellt. Man kann noch ergänzen, dass dort eigentlich die ganze Handlung beschrieben wird, die der Metzger im Rahmen des Romans ermittelt. Der Beginn des Buches ist ein Tod, der dazu führt, dass der Metzger in die Kleingartensiedlung einziehen kann. Kaum ist er da, gibt es den nächten Tod und während ihm bereits die ersten Details suspekt vorkommen, beeilt sich die Polizei, den Tod als natürlich abzutun. Das kann der Metzger natürlich nicht akzeptieren.


Bewertung: Den Einstieg in den Roman fand ich zwar sehr gut, richtig fein. Der war für mich ungewöhnlich durch die spielerische, kreative Sprache und weil es gleich mitten hinein ging. Die erste Leiche innerhalb der ersten drei Sätze. Dabei kam der Autor zunächst ohne aufmerksamkeitsheischende Schockeffekte aus. Grusel klang nur leicht an und der Leser wurde unmittelbar in die Atmosphäre der Kleingartensiedlung aus Tratsch und Gleichgültigkeit, welche seltsamerweise nicht miteinander im Konflikt stehen, geführt. Das hat mich sehr interessiert. Ich habe aber bereits bald gemerkt, dass ich den Text nicht flüssig lesen kann. Ständig bin ich über Anspielungen und Wortspiele gestolpert, die ich nicht verstanden habe; musste öfter zweimal lesen, um zu verstehen, wo ich um die Ecke denken muss. Oft gelang mir das nicht, weil mir einfach das Wissen, das mir den Witz erschlossen hätte, fehlt. Teils geht es um österreichische Ausdrücke und Örtlichkeiten. Wobei der Autor wohl auch Begriffe wie Servitutsweg verwendet, die selbst Österreichern nicht geläufig sind. Irgendwann fand ich den Stil bemüht, gewollt, verklausuliert, verstiegen, nervig. Mit der Zeit bemerkte ich, dass in diesem Jux-Wust die Handlung litt. Mir ist von der Handlung manches entgangen, was später Fragen aufwarf. Man hat auf jeden Fall mehr von diesem Buch, wenn man sich in Wien und in der österreichischen Sprache gut auskennt. Darüber hinaus weiß ich nicht, für wen das Buch besonders geeignet oder ungeeignet ist. Ich dachte, der Umfang meines Allgemeinwissens wäre normal. Aber zum Verständnis dieses Buches hat mir sehr viel gefehlt. Wenn ich dann einen Witz verstanden habe, war der nur so lala. Da würden mir wohl die anderen Dollereien, wenn ich sie verstehen würde, vermutlich genauso nicht gefallen. Mir hat jedoch gefallen, wie die Handlung geführt wurde. Die Übergänge zwischen den Kapiteln waren gut gemacht. Man musste nicht allzu lange warten, bis ein Knalleffekt am Ende eines Kapitels wieder aufgegriffen wurde. Das Hin und Her zwischen Personen und Situationen fand ich geschickt und es hatte ein gutes Timing. Der Mörder ist recht früh bekannt. Zunächst fand ich das gut, weil ich es mag zuzusehen, wie der Mörder mit anderen, denen er noch unverdächtig ist, interagiert. Aber leider kamen solche für mich spannende Situationen nicht vor. Positiv fand ich noch, dass der Rückgriff auf frühere Bände dezent war und auf mich nicht wie Werbung wirkte. Man bekam genauso viel Info um zu verstehen, was von der Lebensgeschichte des Metzgers gerade wichtig ist. Seine Figur gefällt mir. Ich kannte ihn aus den Filmen, in denen er auf mich gewirkt hat wie ein stilles, tiefes Wasser; wie einer, der gefährlicher ist, als er wirkt; ein lieber Kerl zwar, der aber dahin geht, wo er will. Das fand ich im Roman wieder. Auch seine Ehefrau Danjela war mir sympathisch. Große Klappe, zudem klug und weiß, wann man still sein sollte, und bei aller Ruppigkeit, die sie an den Tag legt, fürsorglich. Die übrigen Figuren fand ich auch durchaus interessant, auch wenn sich alle in dem Punkt ähnlich waren, dass sie gern Wortspiele und Witze mit Worten machen. Sie sind sich also alle irgendwo ein bißchen ähnlich und man merkt, dass sie von derselben Person erfunden wurden. Im Verlauf der Handlung wurde es dann auch blutiger und brutaler. Das fand ich überflüssig und etwas abstoßend. Das Ende war dann relativ rasch da und ich fand es konventionell und arg glatt. Der Zufall und die Realität wurden für mich zu sehr beansprucht. Insgesamt haben hier Leserin und Roman nicht harmoniert. Drei Sternchen von mir.

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