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Veröffentlicht am 03.03.2025

Wenn das schlimmste Grauen menschlicher Natur ist ...

Hex
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Black Spring ist ein beschauliches Städtchen inmitten der malerischen Idylle von Hudson Valley. Hier gibt es Wälder, ein natürliches Paradies, den Hudson River - und Katherine van Wyler, eine dreihundert ...

Black Spring ist ein beschauliches Städtchen inmitten der malerischen Idylle von Hudson Valley. Hier gibt es Wälder, ein natürliches Paradies, den Hudson River - und Katherine van Wyler, eine dreihundert Jahre alte Hexe. Sie wurde gefesselt und ihre Augen und der Mund zugenäht, um zu verhindern, dass sie ihre schreckliche Macht ausüben kann. Die Bewohner von Black Spring leben unter dem ständigen Druck, die Hexe und ihre unheimlichen Erscheinungen geheim zu halten. Um die Stadt und ihre Bewohner zu schützen, wurden strenge Regeln aufgestellt, die das Verhalten und die Interaktionen mit der Hexe betreffen. Zum Beispiel dürfen Einwohner nicht wegziehen und nicht mit Menschen außerhalb von Black Spring über Katherine sprechen. Diese Regeln sind notwendig, um die Hexe in Schach zu halten.

Eines Tages beschließt eine Gruppe von Jugendlichen, ebenjene Regeln zu brechen, die Hexe zu filmen und das Video ins Internet zu stellen, was zu unvorhersehbaren und schrecklichen Konsequenzen führt. Die Stadt versinkt rasch im Chaos und Dunkelheit macht sich breit, als Katherine Rache nimmt und die Menschen unter dem Einfluss der Hexe anfangen, grauenvolle Dinge zu tun. Der Roman thematisiert auf beunruhigende Weise die Angst vor dem Unbekannten und die dunklen Seiten der menschlichen Natur.

Der Einstieg ist relativ ruhig, denn Thomas Olde Heuvelt lässt sich Zeit, seinen Handlungsort und dessen Bewohner vorzustellen. Ich hatte mir auf Grund des Klappentextes eine verhunzelte Hexe in ihrem Häuschen vorgestellt, doch Katherine ist anders. Sie streift durch die Wälder und Häuser der Einwohner und taucht meist irgendwo auf, wo sie niemand gebrauchen kann. Die Vorstellung ist einerseits gruselig, andererseits hat sie mich zum Schmunzeln gebracht. Dabei gibt es moderne Mittel, um die Aufenthaltsorte der Hexe zu lokalisieren. Die Organisation Hex hat Überwachungskameras aufgebaut, und in einer App kann notiert werden, wo man Katherine zuletzt gesehen hat. Das Ganze funktioniert auch ganz gut, bis die Jugendlichen zu weit gehen und damit den Stein ins Rollen bringen. Man liest das Buch und versucht gleichzeitig, das Grauen zu verarbeiten.

In dem kontinuierlichen Stimmungswechsel zeigt sich eine von Heuvelts Stärken: das Heraufbeschwören einer dichten Atmosphäre. So wie Katherine Black Spring in ihrem Bann hält, werden auch die Leser immer mehr in den düsteren Sog gezogen. Die Charaktere sind authentisch, facettenreich und rufen die unterschiedlichsten Gefühle hervor. Hin und wieder ertappt man sich bei der Frage: Was würde ich jetzt tun? Insbesondere Katherines Schicksal ging mir nahe. In ihrer blinden Stummheit weckte sie bei mir weniger Horror und Angst, denn stilles Mitleid.

Fazit: „Hex“ ist nicht nur ein spannender Horrorroman, sondern auch ein tiefgründiges Psychodrama über Gemeinschaft, Angst und die Herausforderungen, die mit dem Erwachsenwerden verbunden sind. Mensch oder Hexe, wer ist hier das wahre Monster?

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Spannend wie ein Kino-Blockbuster!

Der zweite Verdächtige
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Es ist fast schon unheimlich, dass man bereits im Vorfeld weiß, wie begeistert man vom neuen Werk der Autoren sein würde. Tsokos und Schwiecker sind aus der Buchszene nicht mehr wegzudenken und mittlerweile ...

Es ist fast schon unheimlich, dass man bereits im Vorfeld weiß, wie begeistert man vom neuen Werk der Autoren sein würde. Tsokos und Schwiecker sind aus der Buchszene nicht mehr wegzudenken und mittlerweile Garanten für ausgeklügelte Plots und mordsmäßige Spannung. Sicher spielt dabei die Erfahrung mit rein, die beide mitbringen. Tsokos als Rechtsmediziner, Schwiecker als Strafverteidiger. Ein perfektes Duo, wie ich finde. In ihrem neuen Werk haben sie ein Thema aufgegriffen, das nach wie vor aktuell und ziemlich brisant ist.

Wie fühlt man sich, wenn man eines Mordes verdächtigt wird, den man nicht begangen hat? Und wenn alle Beweise gegen einen sprechen.

Ich habe mir diese Frage beim Lesen auch immer wieder gestellt und war glücklich, nicht in der Situation des Angeklagten zu stecken. Aber auch nicht in der von Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer und Strafverteidiger Rocco Eberhardt!

Zitat Seite 288/289:
"Rocco schüttelte den Kopf. Er wusste nicht, was er denken sollte. Immer dasselbe Hin und Her, war sein Mandant glaubwürdig oder nicht, sagte er die Wahrheit oder nicht, log er ihn an oder nicht ..."

Die Autoren führen uns direkt ins Geschehen ein, wir befinden uns in einer Männerkneipe mitten in Berlin-Schöneberg. Es ist Freitagmorgen und die kommende Hitze des Tages ist schon deutlich in den Räumlichkeiten zu spüren. Dort hat ein Angestellter in der hinteren Ecke des Darkrooms die Leiche eines Mannes entdeckt, den man hier als Erzengel kennt. Und schon ist man mittendrin, will unbedingt wissen, um wen es sich handelt und was diesem Mann passiert ist.

Sowieso lebt dieses Buch nicht nur von den einzelnen Figuren mit ihren Ecken und Kanten, ihrem Wortwitz und Know-how, sondern von der Atmosphäre, die einen ab Seite 1 verfolgt. Tsokos und Schwiecker gelingt es beinahe mühelos, einerseits Spannung einzubauen, andererseits ihrer Leserschaft interessante Fakten mit auf den Weg zu geben. So habe ich erfahren, was eine "Sofortbearbeitung" der Fachkommissariate ist, was genau Toxikologen bei ihrer Arbeit beachten müssen, ich war bei den Ermittlungen dabei, im Sektionssaal und im Schwurgerichtssaal. So war der Plot nicht nur unfassbar abwechslungsreich, sondern sorgte dafür, dass sich die Puzzleteile nach und nach zusammenfügten. Fast fühlte es sich wie ein kleines Erfolgserlebnis an.

PS: Googelt mal "Oszillationssäge". Kannte ich vorher auch noch nicht.

Ganz nebenbei räumen Tsokos und Schwiecker mit Klischees auf.

Zitat Seite 16:
"Und tatsächlich gab es dagegen auch kein wirksames Mittel. An mentholpaste, die man sich angeblich unter die Nase schmieren konnte und die besonders in TV-Krimis gern zum Einsatz kam, war auch nichts dran. [...] Denn wenn jeden Tag die minzhaltige Salbe auf der Oberlippe zum Einsatz käme, wäre diese in kurzer Zeit regelrecht weggeätzt."

Die Sprache der Autoren ist locker, zeitgemäß und pointiert. Oft konnte ich die Figuren selbst reden hören und musste dabei aufgrund ihrer Redeart schmunzeln. Manchmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich überlegt habe, wer eigentlich welchen Part geschrieben hat. Oder ob beide zusammen am Tisch saßen, um zu brainstormen (lustige Vorstellung, oder?).

Berlin als Setting hat mich vollkommen begeistert. Für mich als gebürtige Berlinerin ist es jedes Mal ein Highlight, wenn ich Orte in Büchern wiederfinde, die ich tatsächlich schon gesehen habe. Moabit, Charlottenburg, Schöneberg - überall bin ich selbst schon entlanggelaufen. Hier hätte ich mir dennoch mehr Beschreibungen der Örtlichkeiten gewünscht, um die Vorstellungskraft noch ein bisschen mehr anzukurbeln für diejenigen, die noch nie dort waren. Aber auch für mich, um in Erinnerungen zu schwelgen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

Die Auflösung der Mordfälle hat mich berührt, nachdenklich gestimmt, wütend gemacht und bis jetzt nicht losgelassen. Zwar konnte ich die Motive des Täters verstehen und empfand sogar etwas Mitleid mit ihm. Allerdings rechtfertigen seine Beweggründe nicht, was er getan hat. Mord ist und bleibt nun mal Mord.

Und dann passierte doch echt noch auf der allerletzten Seite etwas, was eine Kinoszene aus einem hochkarätigen Blockbuster hätte sein können. Geil! Ein cleverer Schachzug der Autoren, um nochmal ordentlich Wumms zu machen. Schade, dass ich mit dem Buch schon durch bin. Wenn du es noch vor dir hast: du Glückspilz! Viel Spaß beim Ermitteln!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Krass, krasser, Thiesler!

Leb wohl, Schwester
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Eine kleine Info vorweg: Hierbei handelt es sich eigentlich um einen Stand-Alone. Eigentlich deshalb, weil die Bücher nicht als Reihe geführt werden, die Figuren jedoch immer wieder vorkommen. Daher kannte ...


Eine kleine Info vorweg: Hierbei handelt es sich eigentlich um einen Stand-Alone. Eigentlich deshalb, weil die Bücher nicht als Reihe geführt werden, die Figuren jedoch immer wieder vorkommen. Daher kannte ich sie (als Thiesler-Fan der ersten Stunde) natürlich schon.

Die Schocknachricht kommt direkt zu Beginn: Neri Donato will in Rente gehen! Ah! Panikattacke! Und seine Nachfolgerin steht auch schon in den Startlöchern. Das musste ich erstmal verdauen, was mir aber leichtfiel, denn Romina ist eine so tolle Person. Und dazu sehr gut ausgebildet, wie auch Neri sehr schnell feststellt. Die beiden fungieren super zusammen und haben mit dem Pärchenmörder alle Hände voll zu tun. Zudem mischt Neris Frau Gabriella wieder im Hintergrund mit und ist diesmal ein wenig eifersüchtig auf Romina. Natürlich völlig unbegründet, denn die beiden führen eine echte Vorzeigeehe. Ich persönlich fand diese kleine Eifersuchtsszenen wirklich sehr süß und sie hat nochmal mehr bewiesen, was für ein tolles Ehepaar die beiden sind.

Die Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, was ich richtig toll fand. Während wir Neri und Romina bei ihren akribischen Ermittlungen begleiten, erfahren wir andererseits auch einiges von der Mörderin selbst. Gerade ihre Kapitel haben mich fasziniert und zeitgleich erschüttert. Es war deutlich zu spüren, welches Unheil auf ihrer kranken Seele lastet und wie sie ihren Hass auf verliebte Pärchen auszuleben plant. Dabei schreckt sie vor nichts zurück, denn wenn sie nicht glücklich sein kann, soll es kein anderer sein…

„Unentwegt dachte sie an die beiden, und sie hasste sie. Konnte nicht anders. Am liebsten hätte sie ihre unfassbare Wut in den Himmel geschrien. Die beiden hatten dieses Glück nicht verdient. Aber sie konnten es jetzt noch ein, zwei Stunden genießen. Konnten sich lieben und sich auf ihr Leben freuen, das es nicht mehr geben würde. Denn bald würde sie kommen.“
(Zitat Kap. 47)

Der Schreibstil von Thiesler ist flüssig, bildgewaltig und facettenreich. Sie greift die eigentlich entspannte Atmosphäre der wunderschönen Toskana auf und lässt dort blutige Morde geschehen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Vor allem der letzte Mord ging mir sehr nah und ich habe so sehr gehofft, dass dieses Pärchen verschont bleibt. Thiesler ist schonungslos zu ihren Lesern und wirbelt damit unsere Gefühle ganz schön durcheinander.

Der Schlussteil ist der Autorin grandios gelungen. Es passiert hier in kurzer Zeit so viel, dass ich nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist. Schlag auf Schlag hielt Thiesler mich in Atem und gönnte mir bis zum Ende keine Verschnaufpause. Einfach genial, welch krasse Story hier ein unerwartetes Ende nimmt.

Fazit: Krass, krasser, Thiesler! Diese facettenreiche Story hat alles, was ein perfekter Thriller braucht. Die über 600 Seiten hab ich im Nullkommanix weginhaliert. Und obendrein konnte ich noch ein paar Brocken Italienisch lernen. Va bene und Ciao Neri - bis hoffentlich zum nächsten Mal!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Vor Gericht skrupellos, privat hochemotional

Die Komplizin – Ihr Mann ist ein Serienkiller. Was ist sie – Täterin oder Opfer?
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Eddie Flynn und sein Team sind mal wieder gefordert. Daniel Miller – oder auch „Der Sandmann“ genannt - treibt sein Unwesen und ermordet unschuldige Menschen. Durch das Blut eines Opfers an ihrer Bluse, ...

Eddie Flynn und sein Team sind mal wieder gefordert. Daniel Miller – oder auch „Der Sandmann“ genannt - treibt sein Unwesen und ermordet unschuldige Menschen. Durch das Blut eines Opfers an ihrer Bluse, gerät Millers Frau Carrie selbst ins Visier der Polizei. Sie soll von den grausamen Taten ihres Mannes wissen bzw. ihn decken oder sogar selbst involviert sein. Doch kurz vor Prozessbeginn verschwindet Carrie. Als ob das nicht schon schlimm genug für den Ausgang des Falles ist, wird auch noch Eddies rechte Hand Kate vom Sandmann entführt. Seine Forderung: Ein Freispruch für seine Frau Carrie oder Kate stirbt! Eddie gerät an seine Grenzen, muss jedoch einen kühlen Kopf bewahren, um Kate zu retten.

Mit diesem siebten Band oute ich mich jetzt einfach mal als Eddie Flynns größter Fan. Er hat's einfach drauf. Ich würde mich nur von ihm verteidigen lassen, sollte ich mal anwaltlichen Beistand brauchen. Seine lockere Art bewundere ich schon lange, und Eddie schafft es trotzdem immer wieder, mich zu überraschen. Dass es diesmal seiner geschätzten Kollegin Kate an den Kragen geht, trifft Eddie wirklich hart. Die Angst um Kate zehrt an seinem Nervenkostüm und seine Gefühlsoffenheit hat ihn für mich nochmal authentischer gemacht.

Der Schreibstil von Cavanagh ist rasant und mitreißend. Allein die Tatsache, dass der Leser um das Leben von Kate bangen muss, sorgt für ordentlich Tempo. Nicht nur Eddie und sein Team haben gebangt, auch ich war körperlich total angespannt. Cavanagh weiß einfach, wie er seine Leser an die Handlung fesselt.

Der Schlussteil hat mich völlig aus den Socken gehauen. Denn als ich schon dachte: "Puh, das war's jetzt aber", kommt Cavanagh nochmal mit einer unerwarteten Wendung ums Eck. Großartig konstruiert und somit der perfekte Abschluss dieses rasanten, emotionalen und durchweg spannenden Thrillers.

Fazit: Vor Gericht skrupellos, privat hochemotional – so erleben wir Eddie in diesem Band. Cavanagh zählt längst zu meinen Lieblingsautoren und ist jede Empfehlung wert.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Sein bisher bestes Werk

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Nachdem ich „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ von Turton verschlungen habe, war ich gespannt darauf, wie der Autor aus Hertfordshire sein Talent, fesselnde Charaktere ...

Nachdem ich „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ von Turton verschlungen habe, war ich gespannt darauf, wie der Autor aus Hertfordshire sein Talent, fesselnde Charaktere und aufregende Wendungen zu erschaffen, auf eine Science-Fiction-Dystopie anwenden würde. Das Ergebnis ist ein unvergesslicher Krimalroman, der mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen hat.

„Der letzte Mord am Ende der Welt“ spielt in einer postapokalyptischen Zukunft auf einer winzigen griechischen Insel, auf der ein giftiger Nebel für die Auslöschung der Menschheit gesorgt hat. Es gibt nur noch wenige Überlebende, die jedoch unter sehr strengen Regeln leben müssen. So werden sie von einer in ihr Bewusstsein eingebetteten KI-Stimme überwacht und gesteuert. Als einer der drei Wissenschaftler ermordet aufgefunden wird, ist es die wichtige Aufgabe der Überlebenden, das Verbrechen aufzuklären, bevor ihre Schutzsysteme völlig versagen und der Nebel sie alle töten wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und damit ein Kampf ums Überleben.

Turton hat hier eine Mischung aus Wissenschaft, Technologie und Kriminalroman erschaffen. Eine Geschichte, die aufgrund ihrer vielen Wendungen ein Labyrinth voller Geheimnisse ist. Menschen sind hier überflüssig – mit Ausnahme einer Insel mit 122 Dorfbewohnern und drei Wissenschaftlern. Die Tatsache, dass ebenjene Überlebende nur einen bestimmten Zeitraum für die Aufklärung des Mordes zur Verfügung haben, heizt die Stimmung enorm an. Ich habe selbst den gewaltigen Druck, der auf den Protagonisten lastet, spüren können und mit ihnen mitgefiebert. Fest steht: Wenn es ihnen nicht gelingt, die Identität des Mörders aufzudecken, werden sie alle sterben. Allein dieser Gedanke treibt mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper.

Die Protagonistin Emory ist jemand, mit dem man gut klarkommt. Sie ist unabhängig, selbstbewusst und eine Außenseiterin in ihrer Welt. Sie ist aber auch sehr nahbar und wird für den Leser dadurch greifbar. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, wenngleich ich nicht mit ihr tauschen wollte. Irgendwie ist sie das schlagende Herz dieses Romans. Ich habe mit ihr gelacht, mit ihr geweint und schockiert nach Luft geschnappt, als es zu dramatischen Ereignissen kam. Bis zuletzt habe ich nie ganz erraten, wer der Mörder war, da Turton mich dazu gebracht hat, meine eigenen Verdächtigen zu hinterfragen – sie ist schuldig, nein, er ist es, nein, doch sie … uffz! In diese Geschichte sind Fragen eingebettet, wie zum Beispiel ob Mord jemals gerechtfertigt ist. Zudem geht es um künstliche Intelligenz, Klimawandel, Isolation, Zukunft, Loyalität und so weiter. Man bekommt hier eine Menge Stoff geboten, den man auch erst einmal verarbeiten muss.

Turtons Weltenbau und Charakterisierung in diesem Roman sind beispiellos. Allein das Plotten solcher komplexen Handlungen muss enorme geistige Fähigkeiten erfordert haben. Sein Schreibstil ist dabei so filmisch und lebendig, dass jeder einzelne Winkel der Insel leicht vorstellbar ist – so sehr, dass sich die Insel selbst manchmal wie ein eigener Charakter anfühlt. Insbesondere die (zugegeben recht komplizierten) Rätsel sorgen immer wieder für frischen Wind und machen die Geschichte von Anfang bis Ende extrem unterhaltsam.

Fazit: Ein raffinierter Krimi, der mit einem coolen postapokalyptischen Setting daherkommt und aufgrund der Vielzahl an anspruchsvollen Themen oft zum Nachdenken anregt. Aufregend, knifflig und durchweg spannend. Sein bisher bestes Werk.

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