Es gibt bessere Romane für diese Zeitepoche
FrühjahrskollektionIch muss gestehen, dass ich etwas brauchte, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Es lag am Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Erst nach den ersten hundert Seiten hat ...
Ich muss gestehen, dass ich etwas brauchte, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Es lag am Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Erst nach den ersten hundert Seiten hat mich die Geschichte doch noch überzeugen können.
Lilo ist eine geschäftstüchtige Frau mit eigenem kleinen Modeunternehmen, die mit ihrem "kleinen Schwarzen" vor einiger Zeit für große Furore gesorgt hat. Nun möchte sie mit ihrer neuen elastischen Bademode für die reife Frau genauso durchstarten. In einem Interview bewirbt sie ihr neues Label "LiLoBa" und erzählt von ihren Anfängen. Auch der Termin für die große Gala steht bereits fest. Doch kurz vor der Präsentation wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt...denn Lilo und Harry sind kein unbescholtenes Paar. Ihre Verbindung reicht bis ins Ghetto nach Litzmannstadt, dem heutigen Lodz.
Harry kutschiert Kriegswitwen zu den Gräbern ihrer gefallen Familienmitglieder, doch seine Lilo ist ehrgeizig und verschafft ihm - nicht ohne Hintergedanken - einen Job bei Neckermann. Sie möchte ihre neue Badekollektion in den neuen Neckermann Katalog bringen. Dazu ist ihr jedes Mittel recht.
Tochter Reni ist Mannequin und mit Fred liiert, der für die Norddeutsche Modenschaugesellschaft unterwegs ist und Mode der deutschen Konfektionshäuser vorführt. Renis träumt davon als Model in Amerika groß heraus zukommen, obwohl sie eigentlich zu klein ist.
Die Familie lebt das neue deutsche Wirtschaftswunder. Während Lilo die Vergangenheit hinter sich gelassen hat und weiterhin über die Zeit während des Zweiten Weltkrieges schweigt, wie die meisten Menschen dieser Generation, erfährt Reni nach und nach mehr darüber. Sie möchte die Konventionen abstreifen und endlich frei sein.
Als Leser blicken wir mittels der Bekleidungsindustrie hinter die Kulissen und entdecken ehemalige Nazi-Größen, die mit neuem Namen und vertuschten Vergangenheiten weiter erfolgreich in Deutschland unternehmerisch unterwegs sind.
Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonisten erzählt. Die Kapitel sind mit Namen, Ort und Datum gekennzeichnet. Somit weiß man immer, wer gerade im Mittelpunkt steht.
Christine Koschmieder erzählt sehr ausschweifend mit vielen Details. Es gibt jede Menge Zeitgeschichte und eine Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit.
Ihr Schreibstil war mir neben der detaillierten und wiederholenden Erzählweise zu distanziert. Mit den Charakteren konnte ich mich nicht wirklich anfreunden.
Zweimal bin ich über verschiedene Darstellungen im Text gestolpert. Einmal hieß es im Text im Englischen heißen Models Mannequins, was mich verwirrt hat und mich die Zeile nochmals lesen ließ. Etwas später stand es genau umgekehrt, was auch richtig ist. Außerdem wurde das Auto von Fred als himmelblauer Simca beschrieben, später als dunkelblau.
Außerdem gab es doch so einige Wiederholungen, was wahrscheinlich daraus geschuldet ist, dass die drei Hauptprotagonisten immer aus ihrer Sicht und manchmal eben dasselbe erzählen.
Die Bücher aus den Kanon Verlag haben eine sehr interessante Covergestaltung. Der Schutzumschlag bedeckt nur nur cirka 4/5 des Buches. Dahinter verbirgt sich ein hochwertig bedruckter Leineneinband und ergibt damit das Gesamtbild. Sehr schön!
Fazit:
Zum Thema Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges gibt es - Gott sei Dank - immer mehr Romane. Obwohl der Hintergrund rund um die Modewelt sehr interessant ist, hat mir der Schreibstil nicht zugesagt. "Frühjahrskollektion" gehört leider nicht zu den Büchern dieses Themas, die ich weiterempfehle.