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Veröffentlicht am 19.04.2025

Kein Schauerroman

The Deep - Spuk auf der Titanic
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Der Klappentext war vielversprechend. Erwartet haben wir uns einen spannenden Schauerroman, der auf der Titanic spielt. Bekommen haben wir ein historisches Drama auf zwei Zeitebenen. Horror und Grusel ...

Der Klappentext war vielversprechend. Erwartet haben wir uns einen spannenden Schauerroman, der auf der Titanic spielt. Bekommen haben wir ein historisches Drama auf zwei Zeitebenen. Horror und Grusel hat fast komplett gefehlt, was sehr schade ist. Trotzdem hat Alma Katsu dieses Unheilvolle auf der Titanic sehr gut eingefangen.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und springt zwischen 1912 und 1916 hin und her.
Annie Hebbley, unsere Hauptprotagonistin, erlebt die Jungfernfahrt der Titanic mit. Sie soll sich als Stewardess um die Gäste aus der 1. Klasse kümmern. Ihr zugeteilt ist auch das junge Ehepaar Mark und Caroline Fletcher und ihr Baby Odine.
Die illustren Gäste der Oberschicht sind so bekannte Namen wie die Astors, Benjamin Guggenheim, die Modeschöpferin Lady Lucille Duff-Gordon und ihr Mann Cosmo, sowie der Journalist und Spiritist W.T. Stead.
Bereits in den ersten Tagen stirbt der Dienstjunge Teddy der Familie Astor, während einer Séance, die zu dieser Zeit in der Oberschicht sehr beliebt war. Die sonderbaren Ereignisse auf dem Schiff häufen sich und die Menschen an Bord glauben, dass sich etwas Übernatürliches an Bord befindet. Auch die abergläubische Annie sieht immer wieder den einen oder anderen Schatten und fühlt sich vom Meer angezogen.
Trotzdem geht es hier auf und unter dem Deck der Titanic größtenteils um die Beschreibung der verschiedenen Charaktere und dessen Tagesabläufe.

Aber wir sind nicht nur auf der Titanic, sondern auch auf dem Schwesternschiff, der Britannic und zwar vier Jahre später. Annie Hebbley, die den Untergang der Titanic überlebt hat und danach einige Zeit in einer Nervenheilanstalt in Liverpool verbracht hat, arbeitet als Krankenschwester auf dem Lazarettschiff. Der erste Weltkrieg fordert viele Verletzte, die auf der Britannic versorgt werden. Abbie erkennt unter den Verwundeten Mark Fletcher, den sie und seine Frau, sowie Baby Odine versorgt hat. Sie dachte der Mann sei beim Untergang der Titanic ertrunken. Die Verbindung zu diesem Soldaten ist etwas seltsam.

Natürlich weiß man, was mit der Titanic passiert und wartet auf den Untergang, der ziemlich spät bei den insgesamt 560 Seiten startet.
Leider fand ich auch zu Annie nicht wirklich Zugang. Sie bleibt blass, distanziert und wirkt unnahbar. Außerdem wird nicht wirklich aufgeklärt, ob Annies Wahnvorstellungen ernst zu nehmen sind oder nicht. Auch den Rest der Figuren fehlte es an Charaktertiefe. Der Schreibstil ist sehr detailverliebt und beschreibend.
Die Atmosphäre und die Darstellung der beiden Schiffe fand ich allerdings gelungen und sehr bildhaft. Die Längen - vor allem im Mittelteil - konnten diese Beschreibungen jedoch auch nicht richtig auffüllen. Das Übernatürlich und Gruselige vermisste ich gleichfalls.
Das Ende ließ mich eher etwas unzufrieden zurück und trotzdem war das Buch nicht so schlecht, wie es sich jetzt anhört. Es war ganz einfach anders, als ich es mir erwartet hatte.

Mein Senf dazu: Eigentlich wäre die Geschichte um Violet Jessop, der Freundin von Annie, viel interessanter gewesen. Während Annie eine fiktive Figur im Roman ist, hat Violet wirklich gelebt. Ihre Lebensgeschichte ist außerordentlich! Sie hat 1911 den Zusammenstoß der Olympic mit dem britischen Kreuzer Hawke miterlebt. Danach war sie 1912 auf der Titanic und 1916 ebenfalls auf der Britannic, dessen Untergang sie ebenfalls überlebte. Eine wahre Geschichte, die grandioser Stoff wäre. Violet Jessop starb 1971 als 83jährige an Herzinsuffizienz.

Fazit:
Leider nicht die erwartete Schauergeschichte, sondern eher ein Drama mit vielen Längen und zum Ende hin einigen Ungereimtheiten. Der Grusel blieb ebenfalls aus. Hier wäre so viel rauszuholen gewesen, was die Autorin schlicht versäumt hat. Trotzdem ist es kein schlechtes Buch und ich gebe noch 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Es gibt bessere Romane für diese Zeitepoche

Frühjahrskollektion
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Ich muss gestehen, dass ich etwas brauchte, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Es lag am Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Erst nach den ersten hundert Seiten hat ...

Ich muss gestehen, dass ich etwas brauchte, bis ich in die Geschichte gefunden habe. Es lag am Schreibstil der Autorin, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Erst nach den ersten hundert Seiten hat mich die Geschichte doch noch überzeugen können.

Lilo ist eine geschäftstüchtige Frau mit eigenem kleinen Modeunternehmen, die mit ihrem "kleinen Schwarzen" vor einiger Zeit für große Furore gesorgt hat. Nun möchte sie mit ihrer neuen elastischen Bademode für die reife Frau genauso durchstarten. In einem Interview bewirbt sie ihr neues Label "LiLoBa" und erzählt von ihren Anfängen. Auch der Termin für die große Gala steht bereits fest. Doch kurz vor der Präsentation wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt...denn Lilo und Harry sind kein unbescholtenes Paar. Ihre Verbindung reicht bis ins Ghetto nach Litzmannstadt, dem heutigen Lodz.

Harry kutschiert Kriegswitwen zu den Gräbern ihrer gefallen Familienmitglieder, doch seine Lilo ist ehrgeizig und verschafft ihm - nicht ohne Hintergedanken - einen Job bei Neckermann. Sie möchte ihre neue Badekollektion in den neuen Neckermann Katalog bringen. Dazu ist ihr jedes Mittel recht.
Tochter Reni ist Mannequin und mit Fred liiert, der für die Norddeutsche Modenschaugesellschaft unterwegs ist und Mode der deutschen Konfektionshäuser vorführt. Renis träumt davon als Model in Amerika groß heraus zukommen, obwohl sie eigentlich zu klein ist.

Die Familie lebt das neue deutsche Wirtschaftswunder. Während Lilo die Vergangenheit hinter sich gelassen hat und weiterhin über die Zeit während des Zweiten Weltkrieges schweigt, wie die meisten Menschen dieser Generation, erfährt Reni nach und nach mehr darüber. Sie möchte die Konventionen abstreifen und endlich frei sein.
Als Leser blicken wir mittels der Bekleidungsindustrie hinter die Kulissen und entdecken ehemalige Nazi-Größen, die mit neuem Namen und vertuschten Vergangenheiten weiter erfolgreich in Deutschland unternehmerisch unterwegs sind.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonisten erzählt. Die Kapitel sind mit Namen, Ort und Datum gekennzeichnet. Somit weiß man immer, wer gerade im Mittelpunkt steht.
Christine Koschmieder erzählt sehr ausschweifend mit vielen Details. Es gibt jede Menge Zeitgeschichte und eine Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit.
Ihr Schreibstil war mir neben der detaillierten und wiederholenden Erzählweise zu distanziert. Mit den Charakteren konnte ich mich nicht wirklich anfreunden.

Zweimal bin ich über verschiedene Darstellungen im Text gestolpert. Einmal hieß es im Text im Englischen heißen Models Mannequins, was mich verwirrt hat und mich die Zeile nochmals lesen ließ. Etwas später stand es genau umgekehrt, was auch richtig ist. Außerdem wurde das Auto von Fred als himmelblauer Simca beschrieben, später als dunkelblau.

Außerdem gab es doch so einige Wiederholungen, was wahrscheinlich daraus geschuldet ist, dass die drei Hauptprotagonisten immer aus ihrer Sicht und manchmal eben dasselbe erzählen.

Die Bücher aus den Kanon Verlag haben eine sehr interessante Covergestaltung. Der Schutzumschlag bedeckt nur nur cirka 4/5 des Buches. Dahinter verbirgt sich ein hochwertig bedruckter Leineneinband und ergibt damit das Gesamtbild. Sehr schön!

Fazit:
Zum Thema Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges gibt es - Gott sei Dank - immer mehr Romane. Obwohl der Hintergrund rund um die Modewelt sehr interessant ist, hat mir der Schreibstil nicht zugesagt. "Frühjahrskollektion" gehört leider nicht zu den Büchern dieses Themas, die ich weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Kein 5 Sterne Menü, sondern Durchschnitt

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Der Einstieg ist gelungen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen. Die Handlung wird in der Gegenwart mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt.
Nach fünf Jahren treffen sich die ehemaligen Freunde ...

Der Einstieg ist gelungen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen. Die Handlung wird in der Gegenwart mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt.
Nach fünf Jahren treffen sich die ehemaligen Freunde Hanna, Jonathan, Lotta, Tristan und Kiano in einem abgelegenen Restaurant in der Eifel. Jonathan ist der Gastgeber und Chefkoch im Restaurant und lädt zum Krimi-Dinner, bevor seine Schwester Hanna nach Brasilien aufbricht. Ein Platz am Tisch bleibt jedoch leer. Es ist der von Maria, die vor fünf Jahren gemeinsam mit der Clique bei einem Festival unterwegs war und spurlos verschwand. Während draußen ein Sturm aufzieht, wird es langsam auch im Restaurant ungemütlich. Denn das Krimi-Dinner weist immer mehr Parallelen zum damaligen Wochenende auf und auch die Spieler erkennen diese früher oder später. Schon bald scheint der Abend zu eskalieren.....

Auch ich habe mir die Frage gestellt, warum sich diese ehemaligen Freunde überhaupt treffen. Sie sind derart unterschiedlich und nicht wirklich Sympathieträger. Hatten sie jemals Gemeinsamkeiten? Und welche Rolle spielen die jeweiligen Charaktere? Welche Geheimnisse verbergen sie?
Während Jonathan als Gastgeber etwas blasiert und kontrolliert wirkt, ist seine Schwester Hanna das komplette Gegenteil. Sie ist Künstlerin, sehr exaltiert und hat das Verschwinden ihrer Freundin Maria scheinbar bis heute nicht richtig verkraftet. Hanna möchte unbedingt wissen, was damals passiert ist und erhofft sich an diesem Abend eine Antwort.
Lotta, Jonathans Verlobte ist Psychologin und wirkt auf der einen Seite unscheinbar, erkennt aber als Erste die Parallelen des Spieles zu den damaligen Vorkommnissen. Bald liegen ihre Nerven blank...
Tristan ist der Weiberheld der Runde und der Exfreund von Hanna. Einige seiner Aussagen sind mir richtig aufgestoßen. Er wirkt sehr selbstverliebt und scheint etwas dümmlicher, als der Rest. Oder gibt er sich nur so?
Kiano ist wohl der Außenseiter der Runde, der sich von seinem damaligen Freunden abgegrenzt hat. Warum ist er diesmal zum gemeinsamen Treffen gekommen ist, ist eine weitere Frage, die ich mir gestellt habe.

Während die Vorspeise und das Hauptgericht serviert wurde, habe ich noch richtig mit gefiebert. Leider verliert sich die Spannung nach dem starken Beginn sehr schnell, denn mit mehreren Rückblicken in die Vergangenheit nimmt Emily Konrad die Spannung leider ziemlich raus. Die Zeitsprünge und die wiederkehrenden Wiederholungen beim Perspektivwechsel unterbrechen den Lesefluss. Wir gehen zwar dem Verschwinden von Maria und der Verfremdung der Freunde auf den Grund, jedoch hat mich dieser Abschnitt nicht richtig packen können. Es dreht sich vieles im Kreis und wiederholt sich. Zusätzlich erkennt man als geübter Thrillerleser bald, in welche Richtung es gehen wird.
Obwohl der Thriller bereits nach dem ersten Drittel sehr absackt, kann die Autorin zum Ende hin nochmals mit einer unerwartenden Wendung und einer finalen Auflösung punkten. Für mich war das aber zu spät und konnte mich nicht mehr wirklich überzeugen.

Der Schreibstil war einfach, was perfekt zu einem Thriller passt. Trotzdem war er mir manchmal etwas zu plump und auch zu vulgär und irgendwie verlor sich das eigentliche Dinner im Laufe der Handlung.

Dieses Gericht konnte man leider ab der Mitte nur mehr lauwarm genießen. Obwohl das Dessert kurz den Gaumen gekitzelt hat, war der Gesamteindruck des Krimi-Dinners eher schal.

Fazit:
Der Thriller beginnt stark, lässt aber rasant nach und hinterlässt bei mir eher einen enttäuschenden Eindruck. Kein 5 Sterne-Menü, sondern eine durchschnittliche Speisefolge mit einem schmackhaften Dessert als Abrundung. Kann man lesen, muss man aber nicht...

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Leider nur mittelmäßig

Nachtwald
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Ich liebe Thriller mit einer begrenzten Personenzahl, die in einer abgeschiedenen Umgebung oder überhaupt abgeschnitten von der Welt, um ihr Überleben kämpfen müssen.
Schauplatz ist diesmal "Butler Hall", ...

Ich liebe Thriller mit einer begrenzten Personenzahl, die in einer abgeschiedenen Umgebung oder überhaupt abgeschnitten von der Welt, um ihr Überleben kämpfen müssen.
Schauplatz ist diesmal "Butler Hall", ein altes Herrenhaus in Irland, umgeben von dunklen Wäldern und nur zu Fuß erreichbar. Handyempfang gibt es ebenfalls kaum.
Lizzie hat gerade eine sechsmonatige Therapie hinter sich und versucht sich langsam wieder ihrer Mutter und ihrem Bruder Liam anzunähern. Sie ist zu einem Familienzusammentreffen in Butlers Hall eingeladen, nachdem ihre Mutter überraschend geheiratet hat. Das teilrenovierte Herrenhaus gehört ihrem frisch angetrauten Ehemann George, den Lizzie zum ersten Mal treffen soll. Unverhofft taucht auch Georges Tochter Freya mit ihrem Ehemann Hudson auf. Doch Freya und Hudson sind nicht die einzigen Überraschungsgäste, denn am Abend taucht plötzlich ein ungebetener Gast auf mit dem niemand gerechnet hat. Am nächsten Morgen wird eine Leiche gefunden und jeder wird verdächtigt den Mord begangen zu haben....

Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive von Lizzie. Ihr Charakter steht im Mittelpunkt der Handlung und als Leser sind wir auf ihre Sichtweise angewiesen. Man weiß deswegen nicht, ob sie eine zuverlässige Erzählerin ist.
Trotzdem erfährt man als Leser am meisten über sie und ihren Charakter, der von der Autorin sehr lebendig beschrieben wird. Die anderen Figuren bleiben hingegen teilweise eher blass.
Lizzie hat von Beginn an ein ungutes Gefühl und vertraut der überschwänglichen Fröhlichkeit und Freundlichkeit nicht. Diese wechselt auch kaum, nachdem die Leiche gefunden wird und man versucht, diese irgendwie loszuwerden. Erst als sich die Bewohner des Hauses langsam gegenseitig mehr beobachten und verdächtigen, wird die Atmosphäre zusätzlich beklemmend. Als Leser versucht man herauszufinden, wer die Wahrheit spricht oder wer etwas vertuschen möchte.
Leider fand ich die Entwicklung der Handlung etwas an den Haaren herbeigezogen - vor allem das Benehmen der anderen Familienmitglieder war teilweise befremdlich. Einzig Lizzies Gefühlsregungen und Ängste konnte ich richtig nachvollziehen. Sie war für mich auch der Charakter, der als Einziger rational handelte und Mut und Stärke bewies.

Gefallen haben mir die Naturbeschreibungen und die kleinen Einblicke in die Pflanzenkunde. Der Garten hinter "Butler Hall" verbirgt nämlich auch giftige Pflanzen. Außerdem fühlte man in jeder Zeile die Abgeschiedenheit des Hauses und die dunklen, undurchdringlichen Wälder.
Vieles fand ich zu jedoch zu konstruiert und unglaubwürdig, auch wenn die Handlung spannend erzählt wird.


Fazit:
Ein Thriller mit Stärken und Schwächen. Atmosphärisch top, aber mit kleinen Längen, einigen unglaubwürdigen Handlungen und Eigenheiten, die mir zu konstruiert waren. So richtig überzeugen konnte mich Tríona Walsh mit "Nachtwald" nicht.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Schwächer als der erste Teil

Die Brandung – Leichenfischer
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Der zweite Band der deutsch-dänischen Krimireihe um Kommissar Ohlsen Ohlsen und der Archäologin und ehemaligen Polizistin Fria Svensson spielt wieder im Grenzgebiet.
Während archäologischen Ausgrabungen ...

Der zweite Band der deutsch-dänischen Krimireihe um Kommissar Ohlsen Ohlsen und der Archäologin und ehemaligen Polizistin Fria Svensson spielt wieder im Grenzgebiet.
Während archäologischen Ausgrabungen stößt ein Baggerfahrer auf eine weibliche Leiche. Das Grab der Frau ist mit senkrechtstehenden Pfählen in einer Art Schiffform angelegt worden. Zusätzlich liegen noch Grabbeigaben bei, die jedoch in einem Billigladen in der Gegenwart gekauft worden sind. Fria erkennt auf den ersten Blick, dass die Leichen nach einem alten Wikinger Ritual bestattet wurden.
Frias Bruder Troels leitet die Ermittlungen in Dänemark, als auf der deutschen Seite ebenfalls eine weibliche Leiche in einem ähnlichen Grab gefunden wird. Kommissar Ohlsen bindet Fria mit ein und erhofft sich weitere Einblicke in die archäologischen Funde.
Doch wie hängen all die Figuren aus den verschiedenen Kapiteln zusammen? Und was inspiriert den Täter?

Für mich ist "Leichenfischer" der zweite Teil der Reihe, der jedoch auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Trotzdem haben mich die ersten und teilweise sehr kurzen Kapitel leicht verwirrt. Es wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt: einem Stalker, einer Frau, die gefangen gehalten wird, ein einsam gelegenes Haus, wo eine junge und geistig behinderte Frau mit ihrem Kind bei einem Mann lebt, der sich seltsam verhält. Man hat also mehr als genug Fragezeichen im Kopf und hat keine Ahnung wohin uns die Autorin führen will. Dabei gab es diesmal leider auch einige Längen und die Fälle konnten mich nicht so packen, wie im ersten Teil.

Frias Familienumfeld finde ich sehr spannend. Sie stammt aus einer Polizistenfamilie und hat selbst ihre Karriere dort ad acta gelegt, um sich der Archäologie zu widmen. In der Zwischenzeit ist sie die Leiterin des dänischen Museums für Archäologie in Ørerup. Trotzdem kommt aber doch immer wieder ihr Ermittler-Gen durch. Sowohl auf deutscher, als auch auf dänischer Seite versucht sie mit zu ermitteln, was nicht immer gut ankommt.
Frias WG-Mitbewohner Marten ist ein sehr schräger Charakter und der dreibeinige Hund Bølle ein richtig Süßer.
Kommissar Ohlen ist ein typischer Ermittler des Genres: alleinstehend mit Fernbeziehung, ein Workaholic ohne Privatleben.
Die Autorin versteht es wieder meisterhaft falsche Spuren zu legen. Der Schreibstil ist dialoglastig und lässt sich gut lesen.
Die sehr kurzen Kapitel sollen mehr Spannung aufbauen, lassen aber kein intensives Eintauchen zu und so blieben die Figuren oftmals blass. Die Beschreibung der Gegend, die sehr unterschiedlich zu meinem eigenen Zuhause ist, finde ich wieder sehr interessant dargestellt. Lokalkolorit ist auf jeden Fall vorhanden.

Die Auflösung finde ich zwar schlüssig, aber irgendwie konstruiert. Mir hat der erste Band der neuen deutsch-dänischen Krimreihe besser gefallen und ich bin noch am überlegen, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Fazit:
Der zweite Teil des deutsch-dänischen Grenzkrimis hatte für mich zu viele Längen und verwirrte zu Beginn mit sehr sprunghaften kurzen Kapiteln und zu vielen Figuren. Es war jedoch schön Fria und Ohlsen wieder zu begegnen. Ob ich den nächsten Band lesen werde, weiß ich allerdings noch nicht.

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