Kein 5 Sterne Menü, sondern Durchschnitt
Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?Der Einstieg ist gelungen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen. Die Handlung wird in der Gegenwart mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt.
Nach fünf Jahren treffen sich die ehemaligen Freunde ...
Der Einstieg ist gelungen und ich war sehr schnell mitten im Geschehen. Die Handlung wird in der Gegenwart mit Rückblicken in die Vergangenheit erzählt.
Nach fünf Jahren treffen sich die ehemaligen Freunde Hanna, Jonathan, Lotta, Tristan und Kiano in einem abgelegenen Restaurant in der Eifel. Jonathan ist der Gastgeber und Chefkoch im Restaurant und lädt zum Krimi-Dinner, bevor seine Schwester Hanna nach Brasilien aufbricht. Ein Platz am Tisch bleibt jedoch leer. Es ist der von Maria, die vor fünf Jahren gemeinsam mit der Clique bei einem Festival unterwegs war und spurlos verschwand. Während draußen ein Sturm aufzieht, wird es langsam auch im Restaurant ungemütlich. Denn das Krimi-Dinner weist immer mehr Parallelen zum damaligen Wochenende auf und auch die Spieler erkennen diese früher oder später. Schon bald scheint der Abend zu eskalieren.....
Auch ich habe mir die Frage gestellt, warum sich diese ehemaligen Freunde überhaupt treffen. Sie sind derart unterschiedlich und nicht wirklich Sympathieträger. Hatten sie jemals Gemeinsamkeiten? Und welche Rolle spielen die jeweiligen Charaktere? Welche Geheimnisse verbergen sie?
Während Jonathan als Gastgeber etwas blasiert und kontrolliert wirkt, ist seine Schwester Hanna das komplette Gegenteil. Sie ist Künstlerin, sehr exaltiert und hat das Verschwinden ihrer Freundin Maria scheinbar bis heute nicht richtig verkraftet. Hanna möchte unbedingt wissen, was damals passiert ist und erhofft sich an diesem Abend eine Antwort.
Lotta, Jonathans Verlobte ist Psychologin und wirkt auf der einen Seite unscheinbar, erkennt aber als Erste die Parallelen des Spieles zu den damaligen Vorkommnissen. Bald liegen ihre Nerven blank...
Tristan ist der Weiberheld der Runde und der Exfreund von Hanna. Einige seiner Aussagen sind mir richtig aufgestoßen. Er wirkt sehr selbstverliebt und scheint etwas dümmlicher, als der Rest. Oder gibt er sich nur so?
Kiano ist wohl der Außenseiter der Runde, der sich von seinem damaligen Freunden abgegrenzt hat. Warum ist er diesmal zum gemeinsamen Treffen gekommen ist, ist eine weitere Frage, die ich mir gestellt habe.
Während die Vorspeise und das Hauptgericht serviert wurde, habe ich noch richtig mit gefiebert. Leider verliert sich die Spannung nach dem starken Beginn sehr schnell, denn mit mehreren Rückblicken in die Vergangenheit nimmt Emily Konrad die Spannung leider ziemlich raus. Die Zeitsprünge und die wiederkehrenden Wiederholungen beim Perspektivwechsel unterbrechen den Lesefluss. Wir gehen zwar dem Verschwinden von Maria und der Verfremdung der Freunde auf den Grund, jedoch hat mich dieser Abschnitt nicht richtig packen können. Es dreht sich vieles im Kreis und wiederholt sich. Zusätzlich erkennt man als geübter Thrillerleser bald, in welche Richtung es gehen wird.
Obwohl der Thriller bereits nach dem ersten Drittel sehr absackt, kann die Autorin zum Ende hin nochmals mit einer unerwartenden Wendung und einer finalen Auflösung punkten. Für mich war das aber zu spät und konnte mich nicht mehr wirklich überzeugen.
Der Schreibstil war einfach, was perfekt zu einem Thriller passt. Trotzdem war er mir manchmal etwas zu plump und auch zu vulgär und irgendwie verlor sich das eigentliche Dinner im Laufe der Handlung.
Dieses Gericht konnte man leider ab der Mitte nur mehr lauwarm genießen. Obwohl das Dessert kurz den Gaumen gekitzelt hat, war der Gesamteindruck des Krimi-Dinners eher schal.
Fazit:
Der Thriller beginnt stark, lässt aber rasant nach und hinterlässt bei mir eher einen enttäuschenden Eindruck. Kein 5 Sterne-Menü, sondern eine durchschnittliche Speisefolge mit einem schmackhaften Dessert als Abrundung. Kann man lesen, muss man aber nicht...