Herausforderungen und deren Wirkungen
Die erste halbe Stunde im ParadiesAnne und ihr Bruder Kai werden sehr frühzeitig, im Kindes- beziehungsweise Jungendalter, mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose ihrer Mutter konfrontiert. Aufopferungsvoll und äußerst fürsorglich ...
Anne und ihr Bruder Kai werden sehr frühzeitig, im Kindes- beziehungsweise Jungendalter, mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose ihrer Mutter konfrontiert. Aufopferungsvoll und äußerst fürsorglich kümmern sich beide um die Schwerkranke, deren gesundheitlicher Zustand sich sehr schnell verschlechtert. Mit viel Respekt versuchen sie die Würde der Mutter zu bewahren, stoßen dabei immer wieder an Grenzen, die auch die Mutter zunehmend mental herausfordert, sie zu unkontrollierten Wutausbrüchen verleitet. Mit zunehmendem Alter werden bei den Kindern natürlich verstärkt eigene Interessen und Bedürfnisse wach, die tragischerweise zu ausufernden Konflikten führen.
Janine Adomeit führt uns Leser mit ihrem Roman 'Die erste halbe Stunde im Paradies' in eine Welt der starken Gefühle, die durch Drogen oder emotionale Verweigerung gesteuert werden. Während die vererbte Schuld, eine nicht näher beschriebene Ablehnung der beiden Väter durch die Mutter, eine expressive Notlage zwischen Wunsch und übertragener Pflicht auslöst, nehmen unheilbringende Ereignisse ihren Lauf, deren schmerzliche Aufarbeitung tiefe seelische Wunden hinterlassen. Das kluge Konzept fantastisch gesetzter Rückblenden, die poetischen Einbauten verursachen eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Mich hat die Geschichte mit ihren mannigfaltig ineinander verstrickten Aspekten der tragenden Rolle einer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Individuum Mensch, sowohl traurig als auch nachdenklich gestimmt.
Ich möchte sehr gern dieses berührende, intelligente, mutige und anspruchsvolle Buch weiterempfehlen.