Wien, Nachkriegszeit – Nach den Jahren der Zerstörung und des Hungers werden die ersten Siegergestalten des Wiederaufbaus an die Oberfläche gespült. Es sind einheimische und zugewanderte Schieber, Schwarzhändler und Unterweltler, die Dor und Federmann in ihrem packenden Roman vorführen, und die atemlos dem schnellen Geld nachjagen. Sie sind es, die sich im noch unsicheren System der Besatzungszeit im aufgeteilten Wien am besten zurechtfinden, die sofort erfassen, mit welcher Besatzungsmacht sich welche Geschäfte abwickeln lassen. Vom Handel mit und dem Schmuggel von Zigaretten geraten sie so fast zwangsläufig in das Spiel der Spionage und schließlich des Menschenraubs. Die sowjetischen Besatzer helfen aktiv bei der Beschaffung des Schmuggelgutes: die erwartete Gegenleistung ist die Auslieferung von 'Feinden der Sowjetunion', die sich in nicht-sowjetischen Sektoren aufhalten.Dors und Federmanns negative Helden, die sich ohne Skrupel und Bedenken an dem Spiel im Wien des Dritten Mannes beteiligen, geraten allerdings bald selbst in das von ihnen ersonnene Netz, in dem sie sich verfangen und an dem sie zugrunde gehen.
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Die Handlung dieses Romans beruht auf Berichten, die im Jahr 1950 in der österreichischen "Arbeiter-Zeitung" erschienen sind.
Wien ist von den Alliierten besetzt, wobei der 1. Bezirk zur interallierten ...
Die Handlung dieses Romans beruht auf Berichten, die im Jahr 1950 in der österreichischen "Arbeiter-Zeitung" erschienen sind.
Wien ist von den Alliierten besetzt, wobei der 1. Bezirk zur interallierten Zone wird. Jetzt, in der Nachkriegszeit, jagt die Unterwelt dem schnellen Geld nach. Sich mit den Besatzern gutzustellen, ist von gewaltigem Vorteil. Und so ist der Zigarettenschmuggel an der Tagesordnung. Aber auch Entführungen und Menschenraub im Auftrag der sowjetischen Besatzer sind keine Seltenheit. Der Leser begegnet dem durch Beziehungen vorzeitig aus der Haft entlassenen Tierarzt Boris Kostaff, der mit allen Mitteln versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Dabei schwenkt die Handlung in die Vergangenheit und berichtet von den Geschehen, die sich kurz vor seiner Verhaftung ereigneten und schließlich zu seiner Festnahme führten. Personen, ohne jeglichen Skrupel, haben ein breites Netz geknüpft, in dem sie sich letztendlich jedoch selber verfangen werden.
Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, sodass ich eine breite Sichtweise erhielt. Es ist erschreckend, wie kaltblütig, rücksichtslos und unerbittlich doch Menschen sein können, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.
Dieser außergewöhnliche und packende Roman von dem Autorenduo Milo Dor (1923-2005) und Reinhard Federmann (1923-1976) gibt Einblick in Ereignisse, die weithin unbekannt sind. Er hat mir fesselnde und unterhaltsame Lesestunden bereitet. 5 klare Sterne und eine absolute Leseempfehlung.
Der 1984 gegründet Picus Verlag bringt jedes Jahr ca. 35 Bücher heraus. Dabei sind auch einige Neuausgaben wie dieses gemeinsam Buch von Milo Dor (1923 - 2005) & Reinhard Federmann (1923 - 1976) „Internationale ...
Der 1984 gegründet Picus Verlag bringt jedes Jahr ca. 35 Bücher heraus. Dabei sind auch einige Neuausgaben wie dieses gemeinsam Buch von Milo Dor (1923 - 2005) & Reinhard Federmann (1923 - 1976) „Internationale Zone“, dabei. Der Roman ist in gediegener Aufmachung in Leinen und Lesebändchen wieder auf dem Markt gebracht werden.
Das Autoren-Duo hat einen fesselnden Roman verfasst, dessen Story sich so, oder so ähnlich im Wien von 1950 abgespielt haben kann.
Die ersten Jahre des blühenden Schwarzmarktes sind vorbei. Schieber, Straßenhändler und Profiteure der Nachkriegs(un)ordnung müssen sich nach anderen Einnahmequellen umsehen. Da kommen ihnen die unterschiedlichen Eigeninteressen der vier Besatzungsmächte gerade recht.
Nur, was ist nur die aktuell interessante Ware? Nun zuerst einmal Informationen, denn die Alliierten trauen einander nicht über den Weg. In weiterer Folge ist Menschenhandel im Auftrag einer der vier Besatzungsmächte ein lukrativer Job. Passieren darf allerdings nichts, sonst ist das gefährliche Geschäft hinfällig. Das müssen auch die Protagonisten leidvoll lernen, als ihnen eine für die Russen gesuchte Person unterwegs stirbt.
Wer sich nun von Klappentext und Cover an den „Dritten Mann“ von Graham Greene und den gleichnamigen Film erinnert fühlt, liegt richtig. Das Wien von 1950 ist, wie der Rest von Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt, und im ersten Bezirk, der „Interalliierten oder Interantionalen Zone“, fahren die „Vier im Jeep“ gemeinsam Streife.
Der Schreibstil erinnert an amerikanische Hard Boild-Krimis. Kurze Sätze, schneller Szenenwechsel - im Film als „harter Schnitt“ bezeichnet.
Fazit:
Mir hat dieser Roman aus dem Nachkriegs-Wien sehr gut gefallen. Die eine oder andere diesbezügliche Andeutung haben meine Großeltern fallen lassen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband ...
Der Picus Verlag hat sich richtig ins Zeug gelegt und eine wunderschöne Neuausgabe von Milo Dors und Reinhard Federmanns „Internationale Zone“ auf dem Markt gebracht. Das Büchlein kommt im Leineneinband und mit einem Lesebändchen daher. Garniert wird das ganze durch ein Nachwort das den Roman historisch einordnet.
Das Buch entstand in den 50er Jahren, also ca. zur Zeit als die Geschichte spielt. Trotz seines Alters ist der Roman alles andere als angestaubt. Dafür sorgt ein harter, schneller Erzählstil. Der Roman orientiert sich an den amerikanischen Hard Boiled Krimis. Tiefgreifende Figurenzeichnungen darf man natürlich nicht erwarten. Aber allzu einseitig sind die Figuren auch nicht, sie hätten oft auch die Möglichkeit gehabt Entscheidungen anders zu treffen.
Das das Buch so alt ist, ist ein Plus für mich. Historische Romane die erst in den letzten Jahren oder Jahrzehnten spielen betrachten die Dinge oftmals aus heutiger Sicht und/oder verklärt.
Für Fans vom dritten Mann, hard boiled Krimis und Lesern die gerne einen authentischen Krimi der in der Wiener Nachkriegszeit spielt, lesen ein Muss.
MEINE MEINUNG
In ihrem bemerkenswerten, bereits 1953 erschienenen Roman „Internationale Zone“ zeichnen die beiden Autoren Milo Dor und Reinhard Federmann ein packendes Portrait des Nachkriegs-Wiens. Wir ...
MEINE MEINUNG
In ihrem bemerkenswerten, bereits 1953 erschienenen Roman „Internationale Zone“ zeichnen die beiden Autoren Milo Dor und Reinhard Federmann ein packendes Portrait des Nachkriegs-Wiens. Wir erhalten spannende und wenig bekannte Einblicke in eine noch von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs gezeichnete, massiv zerstörte Stadt, die von 1945 bis 1955 stark unter dem Einfluss der internationalen Besatzungsmächte stand. Der Alltag der Bevölkerung, die mit Lebensmittelknappheit und anderen Mangelerscheinungen zu kämpfen hatte, wurde durch die Aufteilung in vier streng voneinander getrennte Besatzungszonen erheblich erschwert.
Der vielschichtige Roman ist ganz im Stil amerikanischer "hard-boiled"-Literatur a la Raymond Chandler verfasst, die sich durch eine desillusionierte, düstere Atmosphäre auszeichnen und in urbanen Großstadtmilieus spielen, die von sozialem Verfall, Gewalt und Kriminalität durchzogen sind. In dieser verkommenen, moralisch ambivalenten Welt gibt es keine klaren Grenzen zwischen Gut und Böse, sondern viele Graubereiche. Auch wenn wir in „Internationale Zone“ keinem zynischen Privatdetektive wie Philip Marlowe begegnen, der ein Verbrechen am Rande der Legalität aufklärt, so treffen wir doch auf einige moralisch fragwürdige Antihelden.
In der Tradition von Chandlers Romanen verknüpfen die Autoren gekonnt eine fesselnde Handlung mit scharfsinniger Gesellschaftskritik und enthüllen dabei ungeschönt die politischen Machenschaften und sozialen Verwerfungen der Besatzungszeit in Wien. Durch detaillierte Beschreibungen tauchen wir allmählich in eine turbulente und herausfordernde Epoche ein, in der chaotische Verhältnisse, Korruption, Kriminalität und moralische Abgründe ihren Höhepunkt erreichten.
Durch diesen ungeschminkten Einblick in die Nachkriegsrealität gelingt es ihnen, nicht nur zu unterhalten, sondern auch ein eindringliches und authentisches Zeitporträt zu zeichnen, das zum Nachdenken anregt.
Die in der sogenannten "Internationalen Zone" im Herzen Wiens angesiedelte Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern wechselt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitenebenen und Perspektiven.
Im Mittelpunkt steht der ehemalige Tierarzt und Kleinkriminelle Boris Kostoff, der nach seiner Haftentlassung versucht, seine alten, zwielichtigen Kontakte in Wien aufzuspüren. In Rückblicken erfahren wir allmählich mehr über seine Verstrickung in allerlei illegale Geschäfte, in deren Fokus der rumänische Schwarzhändler Georges Maine steht, der vom Zigarettenschmuggel bis hin zum Menschenhandel involviert war.
In dieser von den alliierten Amerikanern, Briten, Franzosen und Sowjets besetzten Stadt nutzen gerissene Opportunisten die chaotischen Umstände während des Wiederaufbaus, um sich zu bereichern. Skrupellose Schwarzmarkthändler, Unterweltler und Spione lavieren geschickt zwischen den Interessenskonflikten der verschiedenen Besatzungsmächte und verstricken sich dabei zunehmend in ein undurchsichtiges Netz aus illegalen Aktivitäten und Spionage. Auch die westlichen Alliierten und die sowjetischen Truppen sind in die korrupten und kriminellen Machenschaften verwickelt und schlagen Profit aus den illegalen Geschäften. Unglaublich packend ist es mitzuverfolgen, wie das skrupellose Vorgehen der Gruppe zwielichtiger Akteure schließlich zum Verhängnis wird, sie sich in ihren eigenen Intrigen verfangen und schließlich zu Opfern ihrer eigenen Machenschaften und moralischen Verkommenheit werden.
Die Autoren erschaffen ein lebendiges, ungeschöntes Bild von Wien, so dass man sich beinahe körperlich in die zerstörte Stadt und den desolaten Alltag versetzt fühlt.
Die fesselnde Kraft des Romans entfaltet sich vor allem in seiner eindrucksvollen Schilderung der düsteren, beklemmenden Stimmung der Nachkriegszeit; insbesondere die schonungslos realistische Darstellung des Lebens in seiner ganzen Härte und Unbarmherzigkeit ist äußerst glaubwürdig und geht mit seiner Intensität unter die Haut.
Die komplexe und teils zerfaserte Erzählstruktur erschwert es mitunter, der Handlung vollständig zu folgen. Zwar mangelt es den Figuren an emotionaler Tiefe, doch die Autoren nutzen ihre Hintergrundgeschichten geschickt, um die moralischen Herausforderungen in einer Zeit des bloßen Überlebenskampfes eindringlich darzustellen. Allerdings bleibt die Charakterzeichnung etwas schablonenhaft, was es schwierig macht, sich wirklich in die inneren Konflikte der Figuren hineinzuversetzen.
Abgerundet wird der Roman durch ein sehr lesenswertes Nachwort von Günther Stocker, in dem er ausführlich eine interessante historische Einordnung vornimmt und zudem Bezug auf Graham Greenes Der dritte Mann nimmt.
FAZIT
Ein vielschichtiger Roman, der ein düsteres, atmosphärisch dichtes Bild des Nachkriegs-Wiens zeichnet. Mit Anleihen an die „hard-boiled“-Literatur gelingt den Autoren eine spannende Verbindung aus packender Handlung und scharfsinniger Gesellschaftskritik. Die realistische Darstellung von Korruption, Kriminalität und moralischen Abgründen macht den Roman zu einem eindringlichen Zeitporträt, das zum Nachdenken anregt und auch heute noch lesenswert ist.
Das Cover finde ich nicht so ganz passend zum Buch, aber optisch gefällt es mir dennoch.
Der Roman, welche von Autoren stammt, die noch Zeitzeugen sind, spielt in den 1950-er Jahren in Wien. ...
Das Cover finde ich nicht so ganz passend zum Buch, aber optisch gefällt es mir dennoch.
Der Roman, welche von Autoren stammt, die noch Zeitzeugen sind, spielt in den 1950-er Jahren in Wien. Die damalige Situation wird gut eingefangen, die Folgen der verschiedenen Besatzungszonen, den Problemen die daraus entstanden sind.
Eine Stadt im Wandel, die mit den tagtäglichen Problemen kämpft: Schwarzhandel mit Zigaretten und Spirituosen, Menschenhandel und Prostitution.
Die Protagonisten sind zwielichtige Personen, teilweise aus Gefangenschaft geflohen.
Das Thema mit den Kommunisten wurde im Buch nicht gut herausgearbeitet - zumindest für mich, mir fehlen in diesem Bereich aber sicher auch Detail-Basiswissen. Also ohne Kenntnisse dazu, hat man sich etwas schwer getan beim Lesen.