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Veröffentlicht am 07.03.2025

Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Ginsterburg
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1935. Wir befinden uns in Ginsterburg, einer kleinen verschlafenen Stadt mitten in Deutschland. Nach und nach lernen wir die Einwohner kennen und staunen mit den Kindern über den gerade gastierenden Jahrmarkt. ...

1935. Wir befinden uns in Ginsterburg, einer kleinen verschlafenen Stadt mitten in Deutschland. Nach und nach lernen wir die Einwohner kennen und staunen mit den Kindern über den gerade gastierenden Jahrmarkt. Alles wirkt friedlich, beschaulich, freundlich. Aber die Idylle trügt bereits. Warum sonst denkt die Buchhändlerin Merle, eine überzeugte Sozialdemokratin, beim Anblick ihres Nachbarn, dem alten Smolka, „und hoffentlich redete er dabei nichts Falsches“?
Der alte Verleger Dr. Landauer begeht Selbstmord nach Erscheinen der Nürnberger Rassengesetze und seine Frau verlässt Hals über Kopf die Stadt. Auch Löfingers Lampenladen bleibt verwaist zurück. Luise von Wieland ärgert sich, dass sie deshalb einen Umweg in Kauf nehmen muss. Warum jemand seinen florierenden Laden überstürzt verlässt, kümmert sie nicht.

Auch die Jugendlichen verändern sich. Bruno und Knut, die dreizehnjährigen Zwillinge des Kreisleiters, tragen stolz die Uniform der Hitlerjugend. Ungestraft terrorisieren sie Lolo, Merles Sohn und andere. Gesine, Lothars Freundin, saugt das neue Gedankengut auf wie ein Schwamm.
Derweil quält sich Merle durch Werke von Oswald Spengler und Kuni Tremmel-Eggert, weil sie kennen möchte, was sie ihren Kunden anbieten soll. Die Zahl der erlaubten Bücher schrumpft beständig.

Das Leben in Ginsterburg geht derweil weiter. Vom Haus der Kreisleitung flattern fröhlich die Hakenkreuzfahnen im Wind.

1940 datiert die zweite Momentaufnahme. Deutschland und damit Ginsterburg ist Sieges trunken und wähnt sich nur noch Tage, maximal aber Wochen vom Endsieg entfernt.
Gesine hat es nach Berlin geschafft und dient im BDM als Schaffnerin. Sie ist stolz auf sich, als sie eine jüdische Familie aus der Straßenbahn weist, bedauert nur, nicht strenger gewesen zu sein. Über ihrem Bett hängt jetzt eine Rassentafel.
In Ginsterburg profitieren Kreisleiter Gürckel und Fabrikant Jungheinrich vom System, während Merle gelernt hat, Briefe vom Bund Reichsdeutscher Buchhändler und der Bundesschriftkammer zu fürchten. Außerdem hat sie Angst um Lothar, der jetzt ein hochdekorierter Kampfpilot ist, während Eugen und Bruno bei der Infanterie, Knut bei den U-Booten und der katholische Pfarrer als Militärgeistlicher dienen.

1945. Ginsterburg steht der erste Bombenangriff bevor. Alle Euphorie ist verschwunden. „Opfer müssen gebracht werden“. Diese Phrase wird jetzt auch für die Täter Realität.

Cela va faire mal, das wusste schon der alte Gaukler Jean.

Arno Frank schreibt bildhaft und mitreißend. Ihm gelingt es mühelos, die Atmosphäre und das Ambiente der damaligen Zeit einzufangen. Sein Roman beschreibt das Leben der „normalen“ Leute im Tausendjährigen Reich und fängt die ganze Bandbreite der Gesellschaft ein. Vom schwulen Kinobetreiber, der in Angst lebt bis hin zum Papierfabrikanten, der früher gern Papier für Eichendorffs Gedichte produzierte. Jetzt führt er sich als erfolgreicher Leiter eines kriegswichtigen Betriebs auf. Oder der SS-Arzt Hansemann, der fatal an einen Mengele erinnert. Eingestreute zeitgenössische Dokumente, Gesetze und Erlasse ergänzen die Erzählung.

Noch ein Roman über die SS Zeit und den Zweiten Weltkrieg? Interessiert mich das? Diese Frage kann ich rundum mit Ja!beantworten. Mir gefällt der ruhige, unaufgeregte Stil Arno Franks. Beiläufig erzählt er die Ereignisse, mitunter verbirgt sich das Grauen in einem halben Satz. Da wir alle die Materie kennen, reichen diese Andeutungen völlig aus. Seine Charaktere haben mich weitgehend überzeugt. Ein komplexes Beispiel ist Eugen von Wieland, Redakteur beim Ginsterburger Anzeiger, Sohn eines Helden der Kriege von 1866 und 1871. Teilnehmer des Ersten Weltkriegs. Einst träumte er davon in der „Weltbühne“ Carl von Ossietzkys zu veröffentlichen, später tritt er für eine Villa und einen guten Posten in die Partei ein. Er biedert sich bei den Machthabern an („vernegerte“ französische Armee) und hofft, dass seine frühen Spitzen gegen Goebbels („Humpelstilzchen“) folgenlos bleiben. An seinen jüdischen Schwager Theo verschwendet er kaum einen Gedanken.

Überhaupt zieht sich die negative Haltung gegenüber Juden und Zigeunern durch den Roman. Von glühendem Hass bis zur Gleichgültigkeit sind alle Abstufungen vorhanden. Ein gemeinsamer Sündenbock war schon immer ein gutes Mittel, die Menschen hinter einem starken Anführer zu einen.
Leider fehlt ein Nachwort, das Fakten und Fiktion trennt. Der Pilot Lothar Sieber bspw. hat wirklich gelebt. Sein Grab befindet sich nur ca. 20 km von meinem Wohnort entfernt.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, da er aufzeigt, wie das Böse schleichend Raum gewinnt. Wann ist der Point of no Return erreicht? Was hätten die Ginsterburger 1935 noch unternehmen können, ohne Leib und Leben zu riskieren? Angesichts der aktuellen Nachrichten verspürt man da nicht selbst manchmal den Wunsch nach Rückzug in die eigene kleine Welt? Wie schnell die Lage kippen kann, wie fragil Freiheit und Demokratie sind, daran erinnert uns dieses Buch.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Unschuldiges Justizopfer oder skrupelloser Killer?

Der Gourmet
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Für DS Washington Poe wird ein Alptraum wahr. Ein von ihm überführter und in einem spektakulären Indizienprozess als Mörder verurteilter Starkoch entpuppt sich als Justizopfer. Die angeblich von ihm ermordete ...

Für DS Washington Poe wird ein Alptraum wahr. Ein von ihm überführter und in einem spektakulären Indizienprozess als Mörder verurteilter Starkoch entpuppt sich als Justizopfer. Die angeblich von ihm ermordete Tochter taucht sechs Jahre nach seiner Verhaftung quicklebendig wieder auf. Eine DNA-Analyse beweist ihre Identität. Und DNA kann nicht lügen oder doch?

„Der Gourmet“ ist der zweite Band der Washington Poe – Reihe des britischen Schriftstellers M.W. Craven, der mehrfach, u. a. mit dem Gold Dagger Award, ausgezeichnet wurde. Für mich war es das erste Buch des Autors.

Im Krimi „Der Gourmet“ stellt sich uns folgende Frage: ist der charismatische Starkoch Jared Keaton ein Opfer der Justiz und des hartnäckigen Ermittlers DS Poe? Ist er tatsächlich unschuldig?
Die Beweislage der Verteidiger wirkt überzeugend. Das Wiederaufnahmeverfahren scheint nur noch eine Formalität und Keatons Freilassung eine Sache von Tagen zu sein. DS Poe befindet sich dagegen in einer schwierigen Situation. Er hat einen Unschuldigen hinter Gitter gebracht und soll nun für seinen Fehler büßen.

Und trotzdem. Als erfahrene Krimileserin war ich mir von Beginn an sicher, dass Poe richtig lag und der charismatische Psychopath Keaton schuldig ist. Aber alle Beweise sprechen dagegen. Wie kann eine Tote leben?

M. W. Craven hat einen packenden Krimi geschrieben, der mich schnell gefesselt hat. Die Spannung beginnt im ersten Kapitel und steigert sich bis zum Ende. Unerwartete Wendungen und neue Indizien lassen zu keiner Zeit Langeweile aufkommen. Der Autor schreibt sehr bildhaft, ich sah Poes Hütte im Norden Cumbrias direkt vor mir. Die Protagonisten überzeugen, egal ob Hauptfiguren oder in Nebenrollen.

Washington Poe ist kein einfacher Mensch. Ein Familiengeheimnis hat ihn jahrelang gequält. Mit seiner spröden Art hat er sich wenig Freunde gemacht. Aber Unterstützung benötigt er gerade jetzt dringend. Da trifft es sich gut, dass er sich der Loyalität zweier Koryphäen sicher sein kann. Da ist zunächst die brillante, aber exzentrische forensische Pathologin Estelle Doyle. Sie entdeckt die Substanz im Blut der wieder aufgetauchten Elizabeth, die Poes Team auf die richtige Spur bringen wird. Später kann sie eine Leiche identifizieren, die sich in einem ungewöhnlichen Zustand befindet. Die zweite Koryphäe ist die geniale Datenanalystin Tilly Bradshaw, die Asperger-Züge aufweist, was die Zusammenarbeit mit ihr nicht einfach macht. Poe denkt an einer Stelle über sie „Streiten hatte keinen Sinn. Bradshaw war so logisch, dass sie jedes Mal gewann, sogar wenn sie falschlag.“ Aber die beiden arbeiten erstaunlich gut zusammen und sind ein sympathisches Team. Auch ein paar Kollegen, wie seine direkte Vorgesetzte DI Stephanie Flynn, vertrauen Poe, während ein karrieregeiler DCI ihn unbedingt abschießen will.

Fasziniert hat mich, was ich beim Lesen dieses Krimis alles gelernt habe. Über Reiterdenkmäler, englische Bunker, Laborzentrifugen oder die Reform des britischen Gesetzes im Zusammenhang mit Doppelbestrafung. Ich behaupte schon immer, dass Krimilesen bildet. Craven bestätigt mich.

Fazit

Eine tierquälerische gruselige Szene im ersten Kapitel hat mich kurz zögern lassen, doch wollte ich dem Krimi eine Chance geben. Zum Glück! Für mich ist der Autor eine Neuentdeckung. Er hat das Potenzial, zu einem meiner Favoriten aufzusteigen. Zwar hätte ich auf einige grausame Szenen verzichten können, da sie tatsächlich für den Tathergang wichtig sind, kann ich aber darüber hinwegsehen. Cravens Schreibstil, der britische Humor, seine Charakterzeichnung, der originelle Plot und die vollständige Auflösung haben mich überzeugt. Ich werde mir die beiden anderen in Deutsch erschienen Bände besorgen und mich auf weitere freuen.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Wer frei von Schuld ist ...

Nacht der Ruinen
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März 1945. Köln ist eine geteilte Stadt. Der Rhein bildet die Front, nachdem alle Brücken gesprengt wurden. Während die US Army ihren Teil der Stadt besetzt, geht jenseits des Flusses der Krieg unverändert ...

März 1945. Köln ist eine geteilte Stadt. Der Rhein bildet die Front, nachdem alle Brücken gesprengt wurden. Während die US Army ihren Teil der Stadt besetzt, geht jenseits des Flusses der Krieg unverändert weiter. Lieutenant Joe Salmon wird nach Köln abkommandiert, wo er vor 24 Jahren als Joseph Salomon geboren wurde. Colonel Patterson erteilt ihm einen Geheimauftrag. Joe soll herausfinden, wer den vor einer Woche mit einem Fallschirm abgesprungenen Bomberpiloten Rohrer ermordet hat. Ein nahezu aussichtsloses und gefährliches Unterfangen. Doch der Lieutenant folgt insgeheim seiner eigenen Agenda.

Cay Rademacher hat neben seiner erfolgreichen Provence-Reihe mit Capitaine Roger Blanc als Ermittler, bereits mehrere historische Kriminalromane geschrieben. Nach Méjean, Hamburg und dem Ozeanliner Champollion ist dieses Mal Köln der Schauplatz der Ermittlungen.

Wie viele andere junge Emigranten aus Deutschland und Österreich (insgesamt ca. 9000), hat Lieutenant Salmon eine Spezialausbildung in Camp Ritchie, Maryland, absolviert, die ihn auf den Einsatz in Europa vorbereitet hat. Wir begleiten Joe, der meist mit dem englischen Kriegsreporter Eric Arthur Blair, später berühmt als George Orwell, unterwegs ist und sehen die zerstörte Stadt durch seine Augen.Obwohl er wütend auf die „Jerrys“ ist, die das Vermögen seines Vaters gestohlen und so viel Leid über ihn und die Seinen gebracht haben, kann er sich dem herrschenden Elend nicht ganz entziehen. Von Köln und seiner Bevölkerung ist nur wenig übrig. Zweieinhalb Wochen wird seine Suche dauern, die ihn nachhaltig verändern wird.

Cay Rademacher schreibt flüssig und bildhaft. Er lässt vor den Augen seiner Leser das zerstörte Köln wieder erstehen. Die düstere bedrückende Atmosphäre, die der damaligen Zeit angepasste Sprache und die Beobachtungen des Lieutenants schaffen ein Ambiente, das fesselt. Die umfangreiche Recherchearbeit des Autors ist in jedem Kapitel spürbar. Auftritte bekannter Zeitgenossen wie Hans Habe, ebenso ein „Ritchie Boy“ wie Joe Salmon, Konrad Adenauer, der vor und nach dem Tausendjährigen Reich, Kölns Oberbürgermeister war oder die Schriftstellerin Irmgard Keun, lassen den Roman noch authentischer wirken. Eine besondere Rolle kommt George Orwell zu, der, obwohl seit dem Spanischen Bürgerkrieg gesundheitlich schwer angeschlagen, seine Tätigkeit als Kriegsreporter nicht aufgeben will. „Kriege sind eine Aneinanderreihung schäbiger Kompromisse“ resümiert er seine Beobachtungen.

Rademachers Charaktere sind glaubwürdig und spannend. Ob Joe, der zwischen Vergangenheit und Gegenwart gefangen, erfahren muss, dass nicht alles entweder Schwarz oder Weiß ist, Hilda, die kühle Schönheit, schwer durchschaubar nicht nur für Joe, Jakub, der vielseitig begabt, einmal zu oft auf seine „Chuzpe“ vertraut hat oder Irmgard Keun, eine unangepasste Überlebenskünstlerin, die scheinbar allen Widrigkeiten trotzt.

Das Erzähltempo ist eher gemächlich, die Spannung baut sich allmählich auf, aber gegen Ende des Romans, mochte ich nicht mehr mit dem Lesen aufhören.

Ich habe diesen Roman gern gelesen.Er hat mir diese Zeit näher gebracht, vor allem das Leben der Zivilbevölkerung, das mich besonders interessiert hat. Ihre Hoffnungen, Erfahrungen, Ängste, ihre pragmatischen Lösungen (Treibstoffbeschaffung), der alles bezwingende Überlebenswille.

Einiges war mir neu, wie die Ritchie Boys oder der Tunnel unter dem Rhein. Ich durfte den Fotografen Hermann Claasen kennenlernen und habe, neben anderen, auch sein historisches Foto der Madonna von St. Kolumba gefunden, die eine Rolle im Roman spielt.

Historische Ereignisse, raffiniert in eine fiktive spannende Ermittlung verpackt, dieses Konzept ist Cay Rademacher mit diesem Roman vortrefflich gelungen. Einmal mehr fand ich meine Meinung bestätigt, dass gut recherchierte Romane über die Kriegszeiten, zur besten Friedenspropaganda gehören.

Meine Leseempfehlung geht an alle, im Besonderen an die, die sich für Geschichte interessieren.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Mord und Dolce Vita

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 6: Der süße Klang von Rache
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Anna genießt mit Loris, Tameo und Hündchen Peppo einen schönen Tag am Meer. Die Musik eines Strandsängers, der dort fehl am Platz zu sein scheint, fasziniert sie. Als Anna den Musiker später im Promenadencafé ...

Anna genießt mit Loris, Tameo und Hündchen Peppo einen schönen Tag am Meer. Die Musik eines Strandsängers, der dort fehl am Platz zu sein scheint, fasziniert sie. Als Anna den Musiker später im Promenadencafé wieder trifft, lädt sie ihn spontan zu einem Auftritt im Restaurant ihrer Freundin Giovanna ein. Sie ahnt freilich nicht, wen sie einlädt und was da auf Fontenaia zukommt ...

„Der süße Klang von Rache“ ist bereits der sechste Teil der Reihe „Vino, Mord und Bella Italia!“ von Christian Homma und Elisabeth Frank. Auch Neueinsteiger können problemlos mit diesem Band starten. Ich habe es seinerzeit so gemacht und nicht bereut.

Der Musiker entpuppt sich als Mauro Moschella, ein vor Jahren sehr populärer Sänger in Italien. Das Konzert wird ein voller Erfolg und Giovannas Restaurant besuchen so viele Gäste wie schon lange nicht mehr. Leider kommt es nach dem musikalischen Event zu einem schweren Unfall mit Todesfolge. War es Mord?

Zahlreiche Verdächtige, überraschende Wendungen und ein motiviertes Ermittlerteam sorgen für Spannung. Sogar den gefürchteten Bürgermeister Fontenaias Massimo Franco kann Commissario Vico mit einem strategischen Kniff für die Ermittlung einspannen. Trotz gemächlichen Tempos und Dolce Vita ist die Tätersuche spannend, denn die Autoren haben sich ein paar clevere Finten ausgedacht.

Mir gefällt die klare, bildhafte Sprache des Autorenteams. Ich war sofort wieder mittendrin in der Geschichte. Die Atmosphäre, das Ambiente, Land und Leute, alles passt. Die Charaktere wirken glaubwürdig, allen voran die sympathische, patente Anna und das liebenswürdige Gespann Tameo und Peppo. Mir gefällt, dass sich die Charaktere weiter entwickeln. Hat uns Annas Journalistenkollege Adriano Rossi beim letzten Fall positiv überrascht hat, so toppt ihn Commissario Vico dieses Mal. Mit einer längst überfälligen Gardinenpredigt hat ihn seine Schwester, Giuliana, dazu verdonnert, die Stärken seines Teams zu fördern, statt seine Untergebenen immer nur zu kritisieren. Vico beschließt, sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen und verunsichert damit sein Team gewaltig. Erst allmählich gewöhnen sich Flavia, Marco und Anna an den „neuen“ Commissario. Doch das Team arbeitet jetzt noch effizienter, was dem aktuellen kniffligen Fall zugutekommt.

Mein Fazit

Jeder, der Cosy Crime schätzt, ist hier richtig. Dolce Vita in der Toskana, gewürzt mit einem Kriminalfall, das liest sich sehr vergnüglich. Dabei kommt die Spannung nicht zu kurz. Fontenaia ist weiterhin ein gemütliches italienisches Dorf, in dem der abenteuerlichste Klatsch gedeiht und Veränderungen nur langsam Fuß fassen. Immerhin wird Annas Pool endlich fertig.
Der „neue“ Commissario gefällt mir ausgezeichnet. Nun wird eine Romanze zwischen ihm und Anna wesentlich wahrscheinlicher. Zumal Vico sich allmählich in Fontenaia heimisch fühlt. Oder macht doch der fesche Loris das Rennen, der gerade seine künstlerische Seite offenbart hat? Es bleibt spannend. Ich warte schon auf die Fortsetzung.

Ich habe den Ausflug in die Toskana sehr genossen und vergebe 5 Sterne mit einer Leseempfehlung an alle Fans von Dolce Vita und Cosy Crime.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Das Abenteuer geht weiter ...

Die magische Bibliothek der Buks 2: Das verfluchte Medaillon
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"Die magische Bibliothek der Buks – Das verfluchte Medaillon" ist der zweite Band der Reihe von Nina George und Jens J. Kramer. Er schließt nahtlos an Band eins an. Da auf einen Rückblick verzichtet wird, ...

"Die magische Bibliothek der Buks – Das verfluchte Medaillon" ist der zweite Band der Reihe von Nina George und Jens J. Kramer. Er schließt nahtlos an Band eins an. Da auf einen Rückblick verzichtet wird, empfehle ich dringend, mit Band eins „Das verrückte Orakel“ zu beginnen. Nur so kann man das zweite Abenteuer mit den Buks, kleinen Buchschutzgeistern, in vollem Umfang genießen.

Die Ausgangssituation ist folgende: Nola befindet sich im Buch „Die abenteuerliche Reise des Quentin Tauros“, um Geraldine zu suchen, die versehentlich in dieser Geschichte gelandet ist. Finn wiederum ist seiner Zwillingsschwester gefolgt, sodass sich jetzt alle drei im selben Buch, aber getrennt voneinander, befinden. Ihre Freunde Mira und Thommy wiederum sind in ihr Zuhause zurückgekehrt, um sich dort schwierigen Befragungen zu stellen. Sie verschweigen die Wahrheit und halten ihr Versprechen, die Existenz der Geheimen Bibliothek und der Buks nicht zu verraten. Inzwischen spitzt sich die Lage zu. Immer mehr Bücher werden von der schrecklichen Bleichkrankheit befallen und der Buchmeister, Geraldines Vater, der ein Heilmittel sucht, bleibt verschollen. Um die Bücher zu retten, sehen sich die Buks zu einem unvorstellbaren Schritt gezwungen: Sie schicken Attila, Sherlokko und Rebella Buk ins Draußen!

Immer wieder werden, glücklicherweise, Geschichten geschrieben, die mit überschäumender Fantasie, großer Kreativität und überraschenden Wendungen ihre Leser fesseln. Wir finden uns hier in einer Welt wieder, in der Bücher unbekannt sind, Fantasie abgelehnt wird und Träumen als suspekt gilt. Alle befolgen starre Regeln und werden ständig überwacht, da das Mitführen von Handys für Kinder Pflicht ist. Was als praktisch und der Sicherheit dienend verkauft wird, dient tatsächlich der totalen Kontrolle des Ministeriums über die Menschen.

Das Autorenteam schreibt bildhaft und versteht es, eine magische Atmosphäre zu schaffen. In der Geschichte stecken viele Weisheiten, die ganz ohne belehrenden Ton daherkommen. Immer wieder werden andere Bücher und Autoren erwähnt oder zitiert. Das hat mir gut gefallen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz: Ich sage nur Hugo Viktor. Die Protagonisten sind durchweg glaubhaft gezeichnet, ob der freche Finn, der nachdenkliche Thommy, die empathische Mira oder Thommys freundliche Großeltern. Die einzelnen Buks sind jeder für sich liebenswert und in ihrer Vielfalt und Diversität beeindruckend.Ich liebe ihre Diskussionen untereinander.

Das bezaubernde Cover und die liebevolle Ausstattung mit Lesebändchen, den hübschen in den Text eingestreuten kleinen Zeichnungen und Porträts der Buks auf den Innenseiten des Einbands lassen das Buch hochwertig wirken.

Ich habe dieses neue Abenteuer mit den Buks sehr genossen. Das rundum stimmige Ende und der Ausblick aufs „Danach“ haben mir sehr gut gefallen. Für mich scheint die Geschichte damit abgeschlossen, aber vielleicht haben die Autoren doch noch eine magische Idee für eine Fortsetzung? Ich wäre sofort dabei oder wie Reimling Buk vielleicht sagen würde: Großes Freuen mit neuen Abenteuern?

Ich vergebe die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle Buchliebhaber mit Fantasie von 10 bis 100.

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