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Veröffentlicht am 28.02.2025

Die Düppeler Schanzen waren Schauplatz des Krieges

1864
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Immer wieder gab es Scharmützel zwischen Dänen und Preußen. Was mir auffiel: Europäer hielten zusammen und kämpften gemeinsam gegen einen vermeintlichen Feind. Selbst der Zar wollte den seiner Meinung ...

Immer wieder gab es Scharmützel zwischen Dänen und Preußen. Was mir auffiel: Europäer hielten zusammen und kämpften gemeinsam gegen einen vermeintlichen Feind. Selbst der Zar wollte den seiner Meinung nach zu Unrecht überfallenen Dänen zur Seite stehen. Und die Schweden, die dauernd mit ihren Nachbarn stritten? Auch sie stellten sich auf ihre Seite. Diese Fakten spielten aber leider keine Rolle. Am 01.Februar 1864 wurde das vollendet, was bereits um Weihnachten 1863 begann. Die Truppen der Preußen und Österreicher marschierten in Dänemark ein.

Es gäbe keinen Krieg, wenn die Verantwortlichen selbst in die Schlacht gehen müssten. Das galt damals und bis heute hat sich daran nichts geändert. Es sind stets Männer, die als „Kanonenfutter“ missbraucht werden. Kein Putin und kein Trump sind bereit, für ihr Vaterland zu kämpfen. Der Autor des Buches #1864 zeichnet auf, wie es zum Krieg zwischen Dänemark und Preußen kam. Otto von Bismarck sah es als Errungenschaft an, sich gegen das kleine Land durchzusetzen.

Der Autor Klaus Jürgen-Bremm war Offizier der Bundeswehr und das zeigt sich deutlich in diesem Buch. Er hat Ahnung von den Geschehen. Aus diesem Grund ist es zuweilen schwierig, seinen Ausführungen zu folgen. Oft musste ich Passagen noch einmal nachlesen, um sie tatsächlich zu verstehen. Es ist ein Sachbuch, das vornehmlich für Kenner der Materie geschrieben wurde. Mir gefiel es gut und meine Leseempfehlung gilt ohne Abstriche.

Im Anhang gibt es Anmerkungen zu den Fußnoten und in der Bibliographie Quellensammlungen in Form von Verweisen auf aktuelle Literatur. Die Originalfotos zeigen, welchen Schaden die kriegerischen Auseinandersetzungen an den Düppeler Schanzen anrichteten.

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Veröffentlicht am 24.02.2025

Spannende Jagd nach einem Sadisten

Niemand hört dich (Grenzland 1)
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Mads Lindstroem freut sich. Er ist auf dem Weg zum Flughafen. Sein Flieger geht in einer halben Stunde und schon bald kann er seine Schwester in die Arme schließen. Wenn, ja wenn es nicht seinen nervenden ...

Mads Lindstroem freut sich. Er ist auf dem Weg zum Flughafen. Sein Flieger geht in einer halben Stunde und schon bald kann er seine Schwester in die Arme schließen. Wenn, ja wenn es nicht seinen nervenden Chef gäbe. Der bittet nicht um Verschiebung des Urlaubs. Nein, er b e f i e h l t, dass Mads sofort umkehrt und im Büro der Ermittlungsbehörde erscheint. Der Grund ist ein ungeklärter Todesfall. Es handelt sich dabei um ein Kind, das nicht nur ermordet sondern auf brutale Weise gequält wurde. Mads ist wütend, hört aber auf seinen Chef und kehrt um.

Erst die Obduktion zeigt, welche Verletzungen zum Tod des Kindes führten. Und das wiederum zeigt, dass die Ermittler es mit einem Sadisten zu tun haben. Wer Kinder auf diese Weise misshandelt, ist kein Mensch mehr. Er ist ein Satan in Menschengestalt.
"Niemand hört dich" ist also nichts für Zartbesaitete.

Es gibt etliche falsche Spuren, denen zwar nachgegangen wird, die aber nicht zum Erfolg führen. Die Spannung ist gleichbleibend hoch und für mich immer wieder nachzuvollziehen, wo der Krimi gerade spielt. Die Orte kannte ich und konnte mir die Gegend immer bildhaft vorstellen. Sehr gut gefiel mir auch der Erzähler. Er hat seine Stimme den Personen angepasst, um die es gerade ging. Dass erst kurz vor dem Ende des Buches klar wurde, wer Täter/in war, das gefiel mit ebenfalls. Also, unbedingt hören.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Ohne Frauen gäbe es keine Demokratie

Im Wind der Freiheit
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17 Jahre alt war Louise als ihre Eltern starben. Erst die Mutter und nur vier Monate später der Vater. Bei der Testamentseröffnung traute sie ihren Ohren nicht. Julius Dennhardt als Vormund? Niemals. Auch ...

17 Jahre alt war Louise als ihre Eltern starben. Erst die Mutter und nur vier Monate später der Vater. Bei der Testamentseröffnung traute sie ihren Ohren nicht. Julius Dennhardt als Vormund? Niemals. Auch wenn er der Verlobte ihrer Schwester war. In ihren Augen war er unehrlich und wollte nur das Vermögen seiner Zukünftigen an sich bringen.

Die zweite Hauptperson des Buches "Im Wind der Freiheit" ist Susanne. Eine junge Frau, die zusammen mit ihrer Mutter bei einem Lehrer lebt. Die Einwohner der kleinen Gemeinde glauben, dass beide es sehr gut getroffen haben. Ein warmes Bett und täglich gutes Essen, das Glück hatte nicht jeder. Wie sehr sie sich bei ihren Vermutungen täuschten, wussten nur Susanne und ihre Mutter. Nach dem Tod des Lehrers fanden beide eine Anstellung in der Weberei. Das bedeutete gleichzeitig viel Arbeit unter schlechten Bedingungen.

Beide Frauen spielen in dem Buch eine Rolle. Die eine ist reich und möchte als Autorin ihren Weg machen. Die andere stammt aus ärmlichen Verhältnissen und fühlt sich für die kranke Mutter verantwortlich. Bei ihrem Kampf für ein geeintes Deutschland spielen aber Stand und/oder Geld keine Rolle. Hier geht es um den Kampf gegen Ungerechtigkeit und für Demokratie. Es gibt leider immer noch Menschen, denen nicht bewusst ist, wie wichtig die Frauen bei diesem Kampf waren.

Tanja Kinkel schrieb bereits etliche historische Romane und alle zeichnen sich durch akribische Recherche aus. Nur aus diesem Grund mag ich ihre Bücher sehr. Dass Geschichtsunterricht so unterhaltsam sein kann, hätte ich niemals gedacht. Ein Zitat schreibe ich hier und denke, dass es perfekt in das momentane Zeitgeschehen passt.

„Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei.“ Das Zitat stammt aus dem Grundrechtskatalog des Jahres 1848. Was hat sich seither verändert und warum gilt es nicht mehr für alle „Unfreie“, die in Deutschland Zuflucht suchen?

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Ein Highlight meines Lesejahres 2025

Stromlinien
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Seit 12 Jahren kommen sie regelmäßig auf die Insel Hahnöfersand. Oma Ehmi und ihre beiden Enkelinnen Enna und Jale. Die beiden Kinder sind Zwillinge und die Töchter von Alea. Die lebt sei vielen Jahren ...

Seit 12 Jahren kommen sie regelmäßig auf die Insel Hahnöfersand. Oma Ehmi und ihre beiden Enkelinnen Enna und Jale. Die beiden Kinder sind Zwillinge und die Töchter von Alea. Die lebt sei vielen Jahren auf der Insel. Im Gefängnis. Als es dann endlich so weit ist und ihre Mutter entlassen wird, beginnt für Enna eine Zeit der Unsicherheit und des Schreckens. Alea ist nicht am verabredeten Ort und Jale spurlos verschwunden. Was hat sich in den letzten Stunden ereignet? Wo sind die beiden und geht es ihnen gut? Es beginnt nicht nur die Frage nach dem Verbleib von Mutter und Schwester. Gleichzeitig kommt es zu Antworten etlicher Fragen, die seit Jahrzehnten das Familienleben belasteten.

Für mich war "Stromlinien" eine Familiengeschichte der außergewöhnlichen Art. So viele Geheimnisse, die förmlich nach Klarstellung riefen. Zu lange war das Schweigen in dieser Familie normal und schadete allen Beteiligten. Aber nicht nur das faszinierte mich an dem Buch. Auch diese lebhaften Beschreibungen der Natur an Elbe und ihrem Nebenfluss. Hier gibt es seltene Vogelarten zu bestaunen und auch die Kritik an Umweltschädigungen sind durchaus berechtigt.

Die Autorin beschreibt abwechselnd das Geschehen der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Zeitsprünge sind gut erkennbar und verwirren den Leser nicht. Auch der Lesefluss leidet zu keinem Zeitpunkt. Die Wendungen lassen sich nachvollziehen und tragen zur Spannung bei. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung ohne Abstriche.

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Veröffentlicht am 17.02.2025

Ein Buch über das Unfassbare

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
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Am 02.09.2024 begann in Frankreich ein Prozess, wie es ihn zuvor noch nie gab. Ein Mann wurde angeklagt. Er soll seine Frau über 10 Jahre lang unter Drogen gesetzt haben. Er bot sie auf diversen Plattformen ...

Am 02.09.2024 begann in Frankreich ein Prozess, wie es ihn zuvor noch nie gab. Ein Mann wurde angeklagt. Er soll seine Frau über 10 Jahre lang unter Drogen gesetzt haben. Er bot sie auf diversen Plattformen an und ließ sie von Fremden vergewaltigen. 52 Angeklagte wurden nacheinander zu dem Fall verhört. Der Hauptangeklagte war der Vater Carolines, der Autorin von "Und ich werde dich nie wieder Papa nennen". Sie will durchsetzen, dass die „chemische Unterwerfung“ eine Tat ist, die angemessen zu bestrafen ist. Nein, hier geht es nicht um K.o.Tropfen. Es sind oft Medikamente, die es in fast jedem Haushalt gibt.

Es triggert ungemein, dieses autobiographische Buch über Erniedrigung und Misshandlung. Wer es lesen möchte, sollte sich dessen bewusst sein. Die Tochter des Angeklagten Pelicot schreibt nicht nur über ihr Entsetzen. Sie gesteht ebenfalls ihr Schwanken zwischen Verachtung und Mitleid. Der Zwiespalt ist so zermürbend, dass sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Was sie dort erlebt, lässt sie auch nach Jahren noch schaudern. So wenig Empathie und Verständnis, das hätte sie nie erwartet. Sie will dafür kämpfen, dass Menschen mit diesen Traumata besser geschützt und von guten Therapeuten begleitet werden.

Achtsam sein und selbst das Unerklärbare ins Auge fassen. Das behalte ich nach dem Lesen dieses Buches für mich. Es ist ein ganz wichtiges Werk. Gerade für Mütter, die das Unfassbare nicht wahrhaben wollen.

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