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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2025

Sehr gefühlvoll!

Wie du mich ansiehst
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WIE DU MICH ANSIEHST
Eva Lohmann

Die 40-jährige Johanna fühlt sich unsichtbar - oder besser gesagt: übersehen. Schon lange hat kein Mann mehr einen Blick auf sie geworfen. Nicht, dass sie Bestätigung ...


WIE DU MICH ANSIEHST
Eva Lohmann

Die 40-jährige Johanna fühlt sich unsichtbar - oder besser gesagt: übersehen. Schon lange hat kein Mann mehr einen Blick auf sie geworfen. Nicht, dass sie Bestätigung bräuchte, schließlich ist sie glücklich mit Hendrik verheiratet. Doch einmal wieder dieses gewisse Funkeln in fremden Augen zu sehen, das wäre schön.
Als ihre Angestellte sie auf die Zornesfalte zwischen ihren Augen aufmerksam macht, wird Johanna nachdenklich. War die schon immer da? Vielleicht hat sie sie von ihrem kürzlich verstorbenen Vater Karl geerbt? Doch warum grämt sie sich überhaupt? Ihr Leben läuft doch gut - ihr Blumenladen floriert, die neue Angestellte Ruby bringt frischen Wind in den Laden und mit ihrer 15-jährigen Tochter Rosa versteht sie sich prächtig. Woher also kommt diese Falte?
Kurzerhand vereinbart Johanna einen Termin in einer Ästhetik-Praxis für eine kleine Botox-Behandlung. Das Ergebnis ist fantastisch - die Falte ist verschwunden! Doch warum scheint sie die Einzige zu sein, die das bemerkt? Weder Hendrik noch ihre Tochter nehmen die Veränderung wahr. Vielleicht braucht es eine weitere Behandlung …

„Wie du mich ansiehst“ ist die Geschichte einer modernen Frau, die sich zwischen Familie, Beruf und eigenen Bedürfnissen wiederfinden muss. Johanna, eine selbstständige Floristin, jongliert zwischen Alltagspflichten und Selbstzweifeln, während ihr Mann Hendrik als Marinekapitän meist abwesend ist. Sie will ihrer Tochter gute Werte mitgeben, erkennt jedoch, dass es manchmal notwendig ist, Regeln neu zu definieren.

Der Roman thematisiert Trauerbewältigung, das Älterwerden, die Herausforderungen von Mutterschaft und Ehe sowie den Balanceakt zwischen Beruf und Familie.

Eva Lohmanns leichter, flüssiger Schreibstil ließ mich durch die Seiten fliegen, und ich konnte intensiv mit Johanna mitfühlen.
Unbedingt lesen!
4½/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2025

Skurill und fesselnd!

Charly Broms Dilemma
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CHARLY BROMS DILEMMA
Lukas Linder

Charly Broms Leben gerät völlig aus den Fugen, als er einen Anruf erhält. Eigentlich hatte er seit jenem schlimmen Tag jahrelang auf diesen Anruf gewartet - doch als ...

CHARLY BROMS DILEMMA
Lukas Linder

Charly Broms Leben gerät völlig aus den Fugen, als er einen Anruf erhält. Eigentlich hatte er seit jenem schlimmen Tag jahrelang auf diesen Anruf gewartet - doch als er ausblieb, entspannte er sich allmählich und versuchte, seine Schuld zu verdrängen.
Doch so richtig gelang ihm das nie. Es war ihm nicht möglich, sich voll und ganz auf sein eigenes Leben zu konzentrieren. Ja, er mochte seinen Beruf als Kriminalromanautor und mit seiner Frau und seinem Sohn war sein Leben in Ordnung. Doch er achtete stets darauf, keine allzu tiefen Gefühle für sie zuzulassen.

Jetzt aber, nach diesem einen Anruf, der ihn schlagartig in seine Jugend und zur verdrängten Schuld zurückkatapultiert, gibt es kein Zurück mehr. Er muss sich endlich der Vergangenheit stellen.
Also macht er sich auf den Weg zu seiner Mutter, die seit dem Tod seines Vaters mit der Großmutter unter einem Dach lebt.
Ein herzlicher Empfang bleibt jedoch aus, denn Mutter und Großmutter sind viel zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.
Wie es weitergeht? Das kann ich euch nicht erzählen - sonst verrate ich zu viel. Findet es doch einfach selbst heraus …

Eine skurrile, fesselnde Geschichte! Mit feinem, trockenem Humor erleben wir Charly Broms Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Ich fühlte mich bestens unterhalten und habe das Buch in einem Rutsch verschlungen.
Klare Leseempfehlung:
4½/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.01.2025

Gute Spannung!

Zugspitzgeist
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ZUGSPITZGEIST
Anna Tröber

Der Innsbrucker Bezirksanwalt Clemens Hugo wird in Ehrwald bei überhöhter Geschwindigkeit geblitzt und muss seinen Führerschein noch vor Ort abgeben. Notgedrungen legt er einen ...


ZUGSPITZGEIST
Anna Tröber

Der Innsbrucker Bezirksanwalt Clemens Hugo wird in Ehrwald bei überhöhter Geschwindigkeit geblitzt und muss seinen Führerschein noch vor Ort abgeben. Notgedrungen legt er einen längeren „Zwischenstopp“ im Hotel Gamslechner ein.
Dort verbringt er den Jahreswechsel - doch am frühen Neujahrsmorgen stolpert er buchstäblich über eine Leiche. Die Polizei geht von einem tragischen Unfall aus und verzichtet darauf, Spuren zu sichern oder die Leiche genauer zu untersuchen. Der normale Skibetrieb wird schnell wieder aufgenommen.

Doch Hugo zweifelt an der Unfalltheorie. Gemeinsam mit der Journalistin Kerstin Schlegel beginnt er, nach dem wahren Täter zu suchen.

Anna Tröber erzählt in ihrem neuesten Kriminalroman auf zwei Zeitebenen und integriert dabei geschickt die Geschichte der Tiroler Zugspitzbahn. Sie lässt uns eintauchen in ein Stück österreichischer Geschichte: vom meisterlichen Bau der Bahn zwischen 1924 und 1926, über den Finanzskandal bis hin zum Brand der Kammstation und dem verheerenden Feuer in der Talstation. Diese Rückblicke geben uns nicht nur Einblicke in die Vergangenheit, sondern auch in die Geschichte der Familie Gamslechner, wodurch die Motive der Protagonisten immer klarer hervortreten.

Für mich war dies bereits der zweite Kriminalroman der Autorin, und auch diesmal hat mich ihr spannender Regionalkrimi begeistert. Anna Tröber versteht es hervorragend, historische Ereignisse mit fiktiven Elementen zu verweben, ohne dabei die Spannung zu verlieren.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses tolle Buch!
4½/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2025

Berührend!

Der Bademeister ohne Himmel
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"Mit 12 denkt man, schlimmer kann es nicht werden, und man wird größer, und es kommt schlimmer.“ (Kapitel 58)

DER BADEMEISTER OHNE HIMMEL
Petra Pellini
Die 15-jährige Linda möchte ihrem Leben ein Ende ...

"Mit 12 denkt man, schlimmer kann es nicht werden, und man wird größer, und es kommt schlimmer.“ (Kapitel 58)

DER BADEMEISTER OHNE HIMMEL
Petra Pellini
Die 15-jährige Linda möchte ihrem Leben ein Ende setzen. Sie weiß nur noch nicht, wo und wann – nur das Wie steht fest: Sie will sich vor ein Auto stürzen.
Mit ihrer Mutter streitet sie oft. Ihr Vater, der die Familie verlassen hat, fehlt ihr sehr. Ihre einzigen Bezugspersonen sind Kevin und Hubert – zwei Menschen, die sie noch an das Leben binden. Kevin ist ein Weltverbesserer im gleichen Alter wie sie, aber wenig an anderen Menschen interessiert. Hubert, der 86-jährige Nachbar und ehemalige Bademeister im Ruhestand, leidet an Demenz. Trotz seiner Krankheit erzählt er immer wieder, dass bei ihm nie ein Kind ertrunken sei. Und er sucht unaufhörlich nach seiner Frau Rosalie - obwohl sie bereits vor sieben Jahren verstorben ist.

Linda verbringt viel Zeit bei Hubert, weil sie bei ihm Ruhe findet. Er gibt ihr das Gefühl von Geborgenheit und tankt sie mit Zuversicht auf. Bei ihm kann sie einfach sie selbst sein. Doch als Huberts Krankheit fortschreitet, ändert sich ihre Rolle: Linda beginnt ihm seine Geschichten immer wieder zu erzählen, um seine Erinnerungen zu wecken und ihn in der Welt zu halten.

Petra Pellini hat ein tief berührendes und einfühlsames Buch geschrieben, das mich sehr bewegt hat. Ich habe die Geschichte sowohl gelesen als auch gehört und dabei mehrfach Gänsehaut verspürt.

Besonders beeindruckend ist, wie Linda mit dem demenzkranken Hubert umgeht. Ihre Geduld und ihr Mitgefühl werfen die Frage auf, ob so ein Verhalten für eine so junge Frau nicht fast schon außergewöhnlich ist. Ich glaube, ich habe viel von ihr lernen können.

Neben dem Buch habe ich auch das Hörbuch genossen, das durch die besondere Stimme von Marie-Isabel Walke eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Sie hat es wunderbar verstanden, die Emotionen und Stimmungen der Geschichte einzufangen und mit Akzenten zu versehen. Dadurch wird das Hörbuch zu einem echten Hörerlebnis.

Fazit:
Ein sehr berührendes und gutes Buch, dass ich gerne gelesen habe.
4½/ 5

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Gute Fortsetzung!

Sonnenwende
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SONNENWENDE
Anja Jonuleit

Im vergangenen April las ich den ersten Teil der Dilogie „Kaiserwald". Anja Jonuleit erzählte in zwei Zeitsträngen von Rebecca Maiwald, die 1998 aus Riga spurlos verschwand. ...

SONNENWENDE
Anja Jonuleit

Im vergangenen April las ich den ersten Teil der Dilogie „Kaiserwald". Anja Jonuleit erzählte in zwei Zeitsträngen von Rebecca Maiwald, die 1998 aus Riga spurlos verschwand. Die Polizei ging damals von einem Gewaltverbrechen aus, doch Rebecca wurde nie gefunden.
Die erwachsene Tochter Penelope machte sich, nachdem sie einen anonymen Hinweis erhalten hatte, auf die Suche nach ihrer Mutter. Diese Spur führte sie zur Familie von Prokhoff. Um den Sohn der Familie kennenzulernen, fuhr sie mit ihrem Auto in seines hinein.

„Sonnenwende", der zweite Teil, knüpft fast genau hier an: Mittlerweile lebt Penelope unter falschem Namen - als Mathilda - und ist mit Falk von Prokhoff verheiratet.
Sie findet heraus, dass Falks Vater einst der Geliebte ihrer Mutter war und fast zeitgleich mit dem Verschwinden ihrer Mutter vor 25 Jahren überstürzt in die USA abreiste.

Ihr Schwiegervater drängt sie, die Vorstandsvorsitzende der Prokhoffschen Stiftung zu werden. Diese Stiftung unterstützt kleine autarke Ökodörfer, die über ganz Europa verteilt sind - eines davon liegt in der Nähe von Riga.

Falk hat derweil eigene Sorgen: Nachdem eine Mitarbeiterin herausgefunden hat, dass Gelder der Stiftung veruntreut wurden, landet diese im Krankenhaus. Ist sie das Opfer eines Verbrechens geworden?


Wie all diese Dinge miteinander verknüpft sind, müsst ihr allerdings selbst lesen.

Anja Jonuleit hat es erneut perfekt verstanden, historische Tatsachen mit fiktiven Personen zu verweben und dabei auch noch den Nerv der Zeit trifft.
Der Schreibstil ist unglaublich flüssig und fesselnd; jedoch sollte man wissen, dass es ein paar Kapitel braucht, um sich einzulesen. Wer sich diese Zeit nimmt, wird mit einer spannenden Geschichte belohnt. Ich konnte zum Ende hin gar nicht mehr aufhören zu lesen. Allerdings empfehle ich euch, zuvor den ersten Band „Kaiserwald" zu lesen, da es ansonsten schwer werden könnte, der Geschichte zu folgen.

Leseempfehlung
4½/ 5

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