Ergreifender Schicksalsroman, mitreißend und schonungslos
Nachdem ihr Bruder nach Vietnam in den Krieg gezogen ist, verpflichtet sich auch die junge Frankie McGrath als Krankenschwester, um ihre Familie stolz zu machen und Leben zu retten. Doch was sie erwartet, ...
Nachdem ihr Bruder nach Vietnam in den Krieg gezogen ist, verpflichtet sich auch die junge Frankie McGrath als Krankenschwester, um ihre Familie stolz zu machen und Leben zu retten. Doch was sie erwartet, ist eine Hölle aus Blut und Tod, aus gestohlenen Momenten des Glücks und der schwindenden Hoffnung, dass das sinnlose Sterben junger Männer und Frauen eines Tages endet. Frankie verliebt sich, findet Freundschaften fürs Leben, scheitert, erlebt Verlust und kehrt eines Tages in ihre Heimat zurück, doch Amerika ist nicht mehr das, was es war, als die junge Krankenschwester es verlassen hat. Kriegsveteranen werden nicht gefeiert, Frauen schon gar nicht und niemand will hören, was Frankie im Krieg erlebt und erlitten hat. Sie leidet still, verliert die Kontrolle über ihr Leben und muss sich ganz neu erfinden.
„Die Frauen jenseits des Flusses“ ist eine erschütternde und herzzerreißende Geschichte, die den Männern, aber vor allem den kaum beachteten Frauen in einem schrecklichen und sinnlosen Krieg eine Stimme gibt. 1965 und auch in den Folgejahren des Krieges, waren psychische Erkrankungen wie die posttraumatische Belastungsstörung kaum erforscht, wodurch eine entsetzlich hohe Anzahl von traumatisierten Menschen allein und hilflos gegen ihre inneren Dämonen kämpfen mussten. Immer wieder muss Frankie sich anhören, es hätte keine Frauen im Krieg gegeben, obwohl sie selbst dort gewesen und die Grausamkeit jeden Tag gesehen und erlebt hatte. Ich habe unglaublich mit der jungen, selbstbewussten, aber schwer traumatisierten Frau gelitten.
Frankies Weg ist hart, doch sie gibt nicht auf und hat mich dadurch tief beeindruckt. Ihr Schicksal mag fiktiv sein, doch ihre Geschichte ist so oder so ähnlich sicher kein Einzelfall gewesen. Ich finde es unheimlich mutig und faszinierend, wie Autorin Kristin Hannah ein so düsteres und trauriges Kapitel Amerikas mit ihrem mitreißenden und inspirierenden Buch aufarbeitet und aus dem Schatten des Vergessens befreit. Ihr Schreibstil ist packend, berührend und eindringlich. Ich habe jede Seite mit Spannung gelesen und obwohl ich einen Teil der Handlung vorhersagen konnte, war das Buch ein bittersüßer Genuss. Vielleicht auch gerade deswegen.