Klappentext leider irreführend. Wenig Cozyness, stattdessen deutlich ernster als erwartet
Der verschwundene BuchladenVom Klappentext her habe ich definitiv etwas anderes erwartet. Und zwar ein gemütliches Wohlfühlbuch voller Magie und Bücherliebe. Das Buch ist zwar mysteriös und übernatürlich angehaucht, es geht auch ...
Vom Klappentext her habe ich definitiv etwas anderes erwartet. Und zwar ein gemütliches Wohlfühlbuch voller Magie und Bücherliebe. Das Buch ist zwar mysteriös und übernatürlich angehaucht, es geht auch theoretisch um einen Buchladen - beziehungsweise die Suche nach demselbigen - und zumindest zwei der drei Protagonist:innen lieben Bücher. Dennoch ist die Geschichte viel ernster als gedacht und es stehen eigentlich eher andere Themen im Vordergrund.
🤔
Wir lernen Opaline kennen, die gleich zwei Weltkriege miterlebt hat. Ihr Bruder versucht sie in eine Zwangsehe zu bugsieren, denn seiner Meinung nach besteht der einzige Sinn ihres Lebens darin zu heiraten und Kinder zu gebären. Doch sie wünscht sich ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit. Und so lässt sie alles hinter sich, um sich diesen Traum zu erfüllen. Im Verlauf erfahren wir, was ihr widerfahren ist und das ist wirklich heftig. Das Frauenbild und auch ihre Rechte waren damals ganz anders, das zeigt sich hier deutlich. Haarsträubend und herzzerreißend.
😱
Auch Marthas Geschichte ist schrecklich. Sie hat es endlich geschafft ihrem gewalttätigen Ehemann zu entkommen und findet Zuflucht bei Madame Bowden, einer älteren Dame, die sich letztendlich zu meinem Lieblingscharakter entwickelt hat. Dort arbeitet sie als Haushälterin. Plötzlich geschehen in dem Haus allerdings einige sehr merkwürdige Dinge.
🫣
Henry folgt den Spuren eines verschollenen Manuskripts. Das Problem: der Buchladen, wo es sein könnte, ist ebenfalls verschwunden. An der angegebenen Adresse befindet sich lediglich ein leeres Grundstück. Gemeinsam mit Martha begibt er sich auf die Suche nach beiden.
🧐
In der Gegenwart erleben wir die Ereignisse aus Marthas und Henrys Perspektiven, tauchen jedoch immer wieder in die Vergangenheit ein, in der wir Opalines Weg begleiten. Die Verknüpfung ihrer tragischen Schicksale fand ich sehr spannend. Da geht es um häusliche Gewalt, toxische Männlichkeit, Sucht, Selbstbestimmung, Freiheit und Selbstzweifel. Man merkt: alles eher ernüchternd. Trotzdem dreht sich alles irgendwie um den Buchladen und das besagte verschwundene Manuskript. Das Mysterium, welches von ihm ausgeht, zieht direkt in seinen Bann.
😟
Leider wirkt einiges in der Handlung unglaubwürdig, Lösungen kommen manchmal zu einfach daher und es gibt ein paar Zeitsprünge, die einem das Gefühl geben etwas verpasst zu haben. Und wie gesagt: der Klappentext ist ebenfalls irreführend. Cozy Vibes gibt es hier wirklich wenig.
🫢