Ein historischer Roman über die schillernde Peggy Guggenheim - das klang spannend!
Anfangs habe ich das Buch auch sehr gern gelesen, speziell die Kindheit von Peggy war interessant geschildert, ich habe ...
Ein historischer Roman über die schillernde Peggy Guggenheim - das klang spannend!
Anfangs habe ich das Buch auch sehr gern gelesen, speziell die Kindheit von Peggy war interessant geschildert, ich habe mich der Figur gleich nahe gefühlt, mit ihr um ihren beim Untergang der Titanic verschollenen Vater getrauert und gut nachfühlen können, dass sie sich immer anders gefühlt hat und mehr wollte als ihre reiche, ihr aber oberflächlich und immer auf den äußeren Schein bedachte Familie.
Eine Schlüsselszene dazu: Peggy arbeitet als junge Frau, um Erfahrungen zu sammeln - das Geld braucht sie nicht und bekommt auch nicht wirklich einen Lohn ausbezahlt - aushilfsweise in einer Buchhandlung. Ihre ebenfalls reichen Tanten kommen ins Geschäft und möchten 5 Regalmeter Bücher kaufen, egal welche. Der Inhalt interessiert sie nicht, es geht rein um Bücher als Dekoration, wichtig sind die harmonische Farbe und Gestaltung der Buchrücken.
So möchte Peggy nicht sein, sie möchte sich mit Menschen umgeben, die tatsächlich Bücher wegen ihres Inhalts schätzen. Ähnlich geht es ihr mit der Kunst: in den schwerreichen Kreisen, in denen sie sich bewegt, sammeln einige Menschen Kunstwerke, um sie wegzusperren. Peggy liebt Kunst, ihr Interesse dafür wurde schon in ihrer Kindheit durch ihren Vater geweckt, und sie findet, Kunst sollte an Orten ausgestellt werden, an denen viele Menschen sie genießen können.
Also: eine sehr interessante Person und eine sehr interessante Zeit. Man hätte aus diesem Buch viel machen können.
Aber: leider hat das Buch kaum einen Spannungsbogen und ist über weite Strecken einfach nur langweilig. Es geht um gesellschaftliche Events, Bälle, belanglose Unterhaltungen zwischen verschiedenen Personen, die aber nicht wirklich zu irgendetwas Interessantem führen. Ich hatte das Gefühl, je weiter ich mit der Lektüre gekommen bin, desto langweiliger wurde das Buch, und desto mehr habe ich auch den Bezug zu der in diesem Roman portraitierten Peggy verloren... als sie etwa Ehefrau und Mutter wurde, konnte ich überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie es ihr damit überhaupt wirklich ging als Freigeist, der sie war.
Ich muss also leider sagen, dass dieses Buch meine hohen Erwartungen nicht erfüllt. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir dadurch die echte Peggy Guggenheim wirklich nahegekommen ist, und eine spannende Unterhaltung war es auch nicht. Deshalb drei Sterne für ein grundsätzlich spannendes Porträt einer sehr interessanten Frau, das streckenweise interessant ist.
Mir fällt es schwer, eine Rezension über "Lebensschlenker" von Nova Meierhenrich zu schreiben. Das liegt darin, dass ich in meiner Beurteilung zwiegespalten bin. Einerseits habe ich großen Respekt vor ...
Mir fällt es schwer, eine Rezension über "Lebensschlenker" von Nova Meierhenrich zu schreiben. Das liegt darin, dass ich in meiner Beurteilung zwiegespalten bin. Einerseits habe ich großen Respekt vor allen, die so wie die Autorin mutig ihre eigene Geschichte teilen. Ihr Leben war in vielem nicht leicht, nicht nur hat sich ihr Kinderwunsch am Ende nicht erfüllt, sie hatte auch einen depressiven Vater, der sich am Ende das Leben genommen hat. Dafür hat sie mein Mitgefühl. Andererseits kann ich das Buch selbst nur teilweise empfehlen und insbesondere Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch würde ich eher zu anderen Büchern raten.
Die bekannte Schauspielerin und Moderatorin Nova Meierhenrich teilt in diesem Buch ihren sehr persönlichen Kinderwunschweg. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllt hat... auch mit allen Mitteln der modernen Kinderwunschmedizin konnte sie am Ende nicht Mutter werden und musste mit dem Thema abschließen.
Wir lernen schon ganz am Anfang des Buches eine sehr disziplinierte, planungs- und zielorientierte Frau kennen, die meint, im Leben alles kontrollieren und steuern zu können. Nova weiß, sie will Mutter werden, und zwar am besten von einer Tochter, die sie "Luka" nennen will, nach dem Lied von Suzanne Vega. Diese Vision von ihrem Leben trägt sie seit ihrer Jugend jahrzehntelang in sich: "Und wie an allen anderen Plänen meines persönlichen Lebens-Moodboards hatte ich auch keinerlei Zweifel daran, dass irgendwann Luka zu meinem Leben gehören würde." (S. 13) Was wäre eigentlich, wenn sie mit einem Sohn schwanger geworden wäre? Wäre sie dann eine der Frauen gewesen, die beklagen, wie sehr sie unter "Gender Disappointment" leiden?
Auch ist sie bereit, diesen Weg, wenn nötig, ohne einen Partner an ihrer Seite zu gehen. "Es mag befremdlich klingen, aber ich habe schon in meinen Zwanzigern gewusst: Im Zweifel mache ich es allein. Mein Kind und ich." (S. 20). Doch noch nicht "jetzt", jetzt ist erst einmal die berufliche Karriere dran, reisen, feiern, Selbstverwirklichung. In dem Weltbild der Autorin sollte Kinder-Kriegen kein Problem sein, solange alle biologischen Parameter stimmen.
Um das sicherzustellen, lässt sie schon ab ihren frühen 30ern regelmäßig gynäkologisch ihren Anti-Müller-Hormon-Wert bestimmen. Dieser ist bei ihr ausgezeichnet, sie habe die Werte einer 10 Jahre jüngeren Frau, meinen die Ärzte, deshalb wiegt sie sich in Sicherheit, noch sehr lange problemlos Kinder bekommen zu können. Sie wartet bis zum reifen Alter von 42 Jahren, bis sie überhaupt ihre Kinderwunschreise startet, mangels passenden Partners an ihrer Seite als Solo-Mutter und mit Samenspende in Dänemark, da dieser Weg zu dieser Zeit in Deutschland rechtlich noch nicht erlaubt ist.
Sie wählt aus der riesigen Samenspenderbank den ihr am idealsten erscheinenden Spender aus, "Gordon", und unternimmt mit dessen Samen mehrere Versuche, erst einmal einer Insemination, in der Kinderwunschklinik. Schwanger wird sie nicht. Zwischenzeitlich muss sie weitere Samenhalme besorgen, doch jener von "Gordon" ist ausverkauft, was sie erst einmal in eine Krise stürzt, da sie sich innerlich schon so auf "Gordon" eingestellt hat. Doch schließlich entscheidet sie sich für einen weiteren Spender, und später noch einen weiteren, da auch dieser ausverkauft ist, und weitere Versuche. Irgendwann probiert sie dann IVF und ICSI aus, das klappt aber auch alles nicht, bis sie dann schließlich mit Mitte 40 bei einer Reise zum Nordkap mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch abschließt.
Das macht drei Viertel des Buches aus. Danach folgen noch ein paar kurze Beiträge anderer Frauen - meist aus dem beruflichen und privaten Umfeld der Autorin - und Statements zu deren Leben als freiwillig Kinderfreie, nach einer Fehlgeburt oder als lesbische Frau im Co-Parenting mit einem schwulen Mann. Das soll die Vielfalt der möglichen Wege in Bezug auf das Kinder-Thema aufzeigen. Insgesamt plädiert die Autorin für einen toleranteren, freieren Umgang mit dem Thema und für mehr Sensibilität in Bezug auf ungefragte Kommentare und Nachfragen dazu.
Ich muss ehrlich sagen, sonderlich sympathisch war mir die Autorin in diesem Buch nicht. Sie hat einen gewissen Humor und einen lockeren, frischen Schreibstil, wirkt aber wenig reflektiert und nicht sehr zugänglich. Sie ist sehr überzeugt davon, dass die Selbstbestimmung der Frau über ihr Leben über allem steht - zweifellos ein wichtiger Wert, aber sie wirkt auf mich wie eine recht einsame Frau, die insbesondere die Perspektive des Kindes zu wenig in Betracht zieht (aber zumindest will sie sich für eine offene Spende entscheiden, damit das Kind mit 18 die Möglichkeit hat, seine Abstammung zu erfahren).
Von ihrem Kinderwunschweg erzählt sie außer ihrer Mutter und einer einzigen Freundin jahrelang niemanden. Stürzt sich währenddessen in Partyleben und unverbindliche Dates und sucht dabei bewusst nur nach Männern ohne Kinderwunsch, diesen will sie ja alleine verwirklichen: Mit einem Partner gemeinsam hätte sie nur ein Kind bekommen, wenn sie den absolut perfekten Partner dafür gefunden hätte, was ihr - wie so gut wie allen Menschen mit diesen Vorstellungen - natürlich nicht gelungen ist.
Was mich aber am meisten geärgert hat an dem Buch, weil es Lesende, die sich noch nicht viel mit dem Thema auseinandergesetzt haben, in die Irre führen könnte, ist der geringe Wissensstand der Autorin über den Faktor Alter beim Kinderwunsch. Nicht nur am Anfang ihrer Kinderwunschreise, sondern auch noch beim Verfassen des Buches. So ist es ihr bis heute unerklärlich, warum sie letztlich kinderlos geblieben ist, obwohl sie erst mit 42 gestartet ist (in einem Alter, in dem statistisch auch mit Unterstützung von Kinderwunschkliniken die Erfolgschancen schon sehr gering sind).
Der gute AMH-Wert lässt sie daran glauben, viel länger als andere Zeit zu haben mit dem Kinder-Kriegen. Dabei lässt sie außer acht, dass dieser nur wenig über die (mit dem Alter meist stark abnehmende) Qualität der Eizellen aussagt, sondern nur über die Quantität, und auch stark schwanken kann. Dieses Thema wird im Buch überhaupt nicht behandelt oder kritisch reflektiert, stattdessen meint sie, an "idiopathischer", unerklärter Sterilität zu leiden (daran würden sehr viele leiden, wenn diese dadurch definiert wäre, dass man erst mit 42 zum ersten Mal versucht, schwanger zu werden, und es dann nicht mehr klappt).
Hoffnungslos naiv war schon der Beginn der Kinderwunschreise: selbst, als sie schon den Entschluss dazu gefasst hatte, hat sie noch weitere zwei Jahre gewartet (gerade zwischen 40 und 42 gibt es statistisch einen enormen Fruchtbarkeitsabfall), um alles medizinisch und finanziell genau zu planen, bevor sie dann mit 42 überhaupt den ersten Versuch unternimmt, schwanger zu werden. Traurig genug, dass niemand die Autorin genauer über diesen Faktor Alter aufgeklärt hat, als sie mit ihrem Weg begonnen hat (oder sie es nicht hören wollte? Das klingt auch immer wieder im Buch durch). Mich als Leserin macht es ärgerlich, dass sie es auch in der Reflexion in diesem Buch nicht mehr betont und sich nicht erklären kann, warum es nicht mehr geklappt hat.
Sprachlich ist das Buch sehr umgangssprachlich geschrieben, so schreibt die Autorin beispielsweise immer wieder vom "Loslaufen", wenn es um den Start ihrer Kinderwunschreise geht: "Und so stießen wir an Weihnachten 2015 gemeinsam an, als ich ihr erzählte, dass ich losgelaufen bin. 2016 sollte DAS Jahr werden. Ich war bereit." (die Autorin ist Jahrgang 1973).
Auch inhaltlich ist es keine Offenbarung... wir lesen über den Weg der Autorin und eingestreut, sowie in den Geschichten am Ende, leidenschaftliche Plädoyers dafür, dass jede Frau ihren eigenen Weg auf der Kinderwunschreise gehen und dabei gesellschaftlich unterstützt werden sollte. Kritisch betrachtet wird kaum etwas, auch nicht das Thema der Solo-Mutterschaft, zu dem nur angemerkt wird, es gäbe erste Studien, dass das Kindern nicht schaden würde (dem eine Vielzahl an Studien zu den gesundheitlichen und sonstigen Risiken, denen Kinder, die vaterlos aufwachsen, ausgesetzt sind, gegenüberstehen - das erwähnt sie aber nicht). Fundierte medizinische Informationen über die Kinderwunschreise oder auch nur wissenschaftliche Quellenangaben sucht man vergebens.
In meinem Umfeld habe ich viele Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Diesen empfehle ich dieses Buch ausdrücklich nicht, denn sie könnten sich über einige der erwähnten Themen und die mangelnde Selbstreflexion der Autorin sehr ärgern, vor allem aber auf nicht hinterfragte Fehlinformationen stoßen, so wie die Autorin selbst. Ich wüsste auch nicht wirklich, wie dieses Buch jemanden mit unerfülltem Kinderwunsch abgesehen von Binsenweisheiten unterstützen könnte. Somit empfehle ich das Buch nur jenen, die sich insbesondere für Nova Meierhenrich und ihr Leben interessieren, aber von dem Thema persönlich nicht sonderlich betroffen sind.
"Zeit der Fliegen", das neue Buch von Claudia Pineiro, knüpft lose an ihr vor etwa zwei Jahrzehnten erschienenes Werk "Ganz die Deine" an, in dem Inés die Geliebte ihres Mannes ermordet und dafür für 15 ...
"Zeit der Fliegen", das neue Buch von Claudia Pineiro, knüpft lose an ihr vor etwa zwei Jahrzehnten erschienenes Werk "Ganz die Deine" an, in dem Inés die Geliebte ihres Mannes ermordet und dafür für 15 Jahre ins Gefängnis kommt. Nun ist Inés wieder aus dem Gefängnis draußen und hat gemeinsam mit ihrer Freundin Manca, die sie dort kennen gelernt hat, das Unternehmen FFF - Frauen, Fliegen, Finale - gegründet. Tatsächlich handelt es sich dabei eher um zwei lose verbundene Einzelunternehmen, die wenig miteinander zu tun haben, da es sich um komplett verschiedene Geschäftsbereiche handelt: Manca betreibt eine Detektei, während sich Inés mit Ungeziefervernichtung beschäftigt.
Dann bekommt Inés ein verlockendes, aber unmoralisches Angebot von einer Kundin. Diese bittet sie, ihr ein hochwirksames Gift zu besorgen, denn auch sie möchte jemanden ermorden. Es sieht so aus, als würde es sich um eine ähnliche Geschichte handeln wie die mit Inés' untreuem Ehemann und seiner Geliebten. Für sowas hat Inés Verständnis und könnte das Geld gut brauchen...
Soweit zum Inhalt, ohne an dieser Stelle spoilern oder mehr verraten zu wollen. Liest sich ja ganz spannend und hätte ein sehr interessanter Thriller werden können. "Ganz die Deine" mochte ich sehr, das war ein unterhaltsames Buch mit tiefschwarzem Humor und kurzen Kapiteln auf knapp 200 Seiten. Hohen literarischen Anspruch musste man daran nicht legen, aber das passte zum Genre.
Aber "Die Zeit der Fliegen", was soll denn das nun für ein Buch sein? Von Aufmachung und Umfang (mehr als 300 Seiten) kommt es als ein Buch mit mehr Anspruch daher. Aber die Figuren sind ziemlich flach gezeichnet und haben kaum nachvollziehbare Entwicklung. Inés ist in weiten Teilen äußerst unsympathisch, sie lehnt sowohl ihre Mutter als auch ihre Tochter ab, obwohl insbesondere letztere ihr nichts getan hat, außer sie aus nachvollziehbaren Gründen nur einmal im Gefängnis zu besuchen. Immer und immer wieder muss man die Bezeichnung "die Frau, die ich auf die Welt gepresst habe" lesen, wenn es um ihre Tochter geht. Diesen Ausdruck und ihre immerwährende Wiederholung empfand ich als abstoßend und in seiner Häufigkeit unnötig. Auch den Mord an der Geliebten ihres Mannes bereut sie keineswegs und ist überhaupt kaum selbstreflektiert.
Dazwischen finden sich im Buch sehr theoretisch klingende Exkurse über Feminismus & Queerness. Aus welcher Perspektive diese erzählt sind, blieb für mich beim Lesen unklar - Inés traue ich dieses Niveau an Bildung und Reflexionsvermögen nicht zu. Somit stehen diese Teile weitgehend unverbunden im Buch, und das gilt umso mehr für die Passagen eines Chores zu Medea, dessen Bedeutung sich höchstens ganz am Ende teilweise als Metapher zeigt, aber insgesamt nicht sehr passend ins Buch eingebettet ist.
Ich weiß nicht, ob die Feminismus-Exkurse interessant sein könnten für Menschen, die davon noch nichts gehört haben (vermute aber, für diese sind sie wiederum nicht anschlussfähig genug): für mich war nichts Neues dabei, ich habe diese Exkurse überwiegend als uninteressant und langatmig empfunden und sie haben immer wieder ansonsten spannende Stellen unterbrochen. Wobei es sicher bis zur Hälfte des Buches gebraucht hat, bis überhaupt irgendeine Spannung aufgekommen ist.
Wäre das nicht schon genug der Genrevermischung zwischen banaler Latino-Telenovela-Tragödie und dem Versuch, das Lesepublikum feministisch zu bilden, gibt es auch noch die Exkurse über die Fliegen. Seitenweise erfahren wir über deren Lebeweise und Verhalten. Bezug zum Buch - abseits des Titels - besteht nur sehr am Rande, wir lernen etwa, dass Inés sich ihr Wissen über Fliegen durch Lektüre im Gefängnis angeeignet hat, und sie vergleicht die vielen ihr verhassten Frauen in ihrem Leben mit diversen Fliegenarten, auch für ihre ungeliebte Tochter hat sie einen bösen Vergleich. Am Ende gibt es einen eher banalen Vergleich zur angeblichen Zeitwahrnehmung der Fliegen. Ansonsten sind diese Exkurse aber für alle, die keine große Leidenschaft für Fliegen haben, eher langweilig und unterbrechen oft ansonsten spannende Stellen.
Würde man also die feministischen und die Fliegenexkurse streichen und auch sonst das Buch von der Handlung her deutlich straffen, hätte es ein interessanter Thriller werden können, ein bisschen ähnlich wie "Ganz die Deine". Für ein literarisch hochwertiges Buch bräuchte es deutlich mehr Figuren- und Charakterentwicklung und einen glaubwürdigeren Plot - speziell am Ende wird alles hollywoodreif in letzter Minute actionmäßig aufgelöst.
3 Sterne für das Bemühen, verschiedene Genres miteinander zu verbinden und dabei eine spannende Geschichte zu erzählen, auch wenn das nur streckenweise gelungen ist. Und als Anerkennung dafür, dass die erwähnten feministischen Diskurse in Lateinamerika möglicherweise neuer sind als hierzulande, und dementsprechend mit der Kenntnis dieses kulturellen Hintergrundes lehrreicher und etwas anders zu bewerten sein könnten. Empfehlen kann ich das Buch insgesamt leider nicht.
Selten war ich bei einem Ratgeber so zwiegespalten in der Beurteilung wie bei diesem. Wunderschön ist die Aufmachung, schon das Titelbild des aus dem Wasser springenden Pinguins ist total inspirierend ...
Selten war ich bei einem Ratgeber so zwiegespalten in der Beurteilung wie bei diesem. Wunderschön ist die Aufmachung, schon das Titelbild des aus dem Wasser springenden Pinguins ist total inspirierend und macht Freude beim Ansehen. So geht es auch im Buch weiter, es gibt viele traumhaft schöne Bilder von Pinguinen, diese stammen von dem deutschen Naturfotografen Stefan Christmann. Diese Bücher anzusehen macht viel Freude! Interessant sind auch die eingestreuten Informationen über die Lebensweise der Pinguine, über ihr Paarungsverhalten, die gemeinsame Fürsorge beider Elternteile für die Jungen, aber auch über die Bedrohung ihres Lebensraumes durch den fortschreitenden Klimawandel. Was das angeht, habe ich also aus diesem Buch so einiges gelernt und diese Ebene würde 5 Sterne verdienen.
Die andere Ebene allerdings, der persönliche Ratgeber, ist für mich eine glatte Enttäuschung. Ich habe schon andere Bücher von Eckart von Hirschhausen gelesen, etwa sein Buch über Glück oder "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben". Immer habe ich darin die fundierten Informationen, die praxisnah und humorvoll an ein breites Publikum vermittelt wurden, sehr geschätzt.
Aber hier, in diesem Pinguinbuch, was gibt es auf dieser Ebene Neues? Leider kaum etwas. Die altbekannte Pinguingeschichte, die der Autor schon an vielen anderen Stellen erwähnt hat und die für sich gesehen durchaus inspirierend ist, wird am Anfang kurz erwähnt. Klar, es ist wichtig, dass wir die richtige Umgebung für uns finden... soooo eine neue Botschaft ist das aber auch nicht mehr und es gibt schon genug andere und deutlich fundiertere und ausführlichere Bücher zu diesem Thema.
Ansonsten bewegt sich der Ratgeber aber auf einem absoluten Anfängerniveau für Menschen, die sich absolut noch nie mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt haben. Alle anderen werden dort kaum etwas Neues finden. Die Lesenden werden aufgerufen, eine Standortanalyse zu machen, also sich zu fragen, wo sie sich gerade befinden in ihrem Leben. Fundiertere Übungen oder Anleitungen dazu gibt es aber nicht. Dann geht es um Themen wie "Was macht dir Freude?" oder "Wer ist dir wichtig?", aber auch diese eigentlich sehr essenziellen Fragen werden nur ganz kurz auf oberflächliche Art und Weise abgehandelt. Immer wieder wird zu banalsten Erkenntnissen abgeschweift, z.B. dazu, dass man beim Beobachten zweier sich datender Menschen im Café schnell an der Körpersprache erkennt, ob die beiden eine gemeinsame Basis haben. Verweise auf Studien oder Quellen sucht man übrigens im ganzen Buch vergebens.
Weiter geht es mit dem Kapitel "Wann haben andere Freude mit dir?", hier wird so gut wie gar nicht auf die gestellte Frage eingegangen und es werden gleich irgendwelche Anekdoten über Pinguine erzählt. Ganz nette Informationen, aber auf den Transfer in die Welt der Menschen wurde vergessen. Danach fordert das Buch natürlich - wie tausende andere Selbsthilferatgeber auch - zum "Sprung ins kalte Wasser" auf. Natürlich, und nichts Neues, und auch hier kaum weitere Informationen oder gar eine kritische Reflexion dieses Themas - als ob die Welt so eindimensional wäre und Mut das einzige, was allen fehlen würde (braucht nicht gerade in diesen Zeiten voll impulsiver Trumps, Musks und Co die Welt mehr Menschen mit Bedacht, die etwas länger nachdenken und nachspüren, bevor sie springen, und ob sie überhaupt springen möchten?).
Am Ende gibt es noch kurze "Pinguingeschichten" von Menschen, die unzufrieden mit ihrem Leben waren, etwas geändert haben und jetzt zufriedener sind. Auch die Geschichten nach diesem Strickmuster finden sich in der Selbsthilfeliteratur zuhauf.
Für den Persönlichkeitsentwicklungsteil gebe ich also nur einen Stern, hier habe ich absolut nichts Neues gefunden und hätte mir gewünscht, der Autor hätte sich etwas mehr Mühe gegeben, die doch interessanten Erkenntnisse zu den Pinguinen mit neuen, wissenschaftlich fundierten und auf nachweisbaren Quellen basierenden, Ergebnissen zu Persönlichkeitsentwicklung zu verbinden, doch leider Fehlanzeige. Mir kommt es vor, hier war es für jemanden mal wieder an der Zeit, ein Buch rauszubringen, doch es fehlte an Zeit, Energie und Liebe, sich diesem wirklich ausführlich zu widmen, schade.
Empfehlen kann ich das Buch also nicht wirklich, die wunderschönen Pinguinbilder alleine rechtfertigen für mich den Preis nicht, denn wer nur an diesen interessiert ist, ist besser beraten, sich gleich ein Buch mit ausschließlich Naturfotografien zu kaufen.
Michelle, genannt "Mickey", und Charlotte, genannt "Arlo" sind Halbschwestern, die sich nicht kennen. Mickey ist die ältere, sie hat mit ihrer Mutter und ihrem Vater einige schöne und viele schlimme Momente ...
Michelle, genannt "Mickey", und Charlotte, genannt "Arlo" sind Halbschwestern, die sich nicht kennen. Mickey ist die ältere, sie hat mit ihrer Mutter und ihrem Vater einige schöne und viele schlimme Momente erlebt - denn der Vater ist Alkoholiker und unter Alkoholeinfluss zeigt er ein anderes Gesicht und wird zum "Angry Dad", der Frau und Tochter demütigt und beschimpft. Als Mickey etwa sieben Jahre alt war, hat der Vater die beiden von heute auf morgen für immer verlassen und ihnen dabei einen Riesenberg Schulden hinterlassen. Mickey und ihre Mutter haben alles verloren, nie wieder vom Vater gehört und ihnen wurde fast alles aus der Wohnung gepfändet und weggenommen, selbst Mickeys Kinderbett. Das hat Mickey bis heute traumatisiert. Sie versucht zwar, ihr Leben einigermaßen zusammenzuhalten, hat einen Job als Vorschullehrerin, den sie liebt (Kinder mag sie, während sie Erwachsenen nicht über den Weg traut und sie für böse und nicht vertrauenswürdig hält), aber keinen Partner, keine Kinder, kaum Freunde und ein Problem mit Alkohol, das sie sich nicht eingestehen will. Jeden Tag zählt sie die Stunden, bis es 17 Uhr ist, ihre Verpflichtung als Lehrerin beendet ist und sie aus dem mitgebrachten Flachmann auf der Toilette Wodka trinken kann.
Der verschwundene Vater hat eine neue Frau gefunden und mit ihr wieder eine Familie gegründet. Zwar hatte er sein Alkoholproblem sein Leben lang, doch insgesamt hat er nun sein Leben deutlich mehr auf die Reihe gebracht, ist zu viel Wohlstand gekommen und hatte zu seiner zweiten Tochter Arlo, die er über alles geliebt hat, eine wesentlich liebevollere Beziehung. Diese ist somit weitaus behüteter aufgewachsen als ihre ältere Halbschwester Mickey. Insbesondere Geld war kein Thema: Arlo konnte an einer renommierten Uni Psychologie studieren und arbeitet nun als Psychologin. Ihre Mutter kleidet sich in Designerware und führt auch sonst einen gehobenen Lebensstil.
Nun ist der Vater verstorben, Arlo hat ihn in seinem letzten Lebensjahr aufopfernd gepflegt und ist zutiefst bestürzt über den Verlust. Noch größer wird ihr Schock, als sie erfahren muss, dass der Vater ihr nichts vererbt hat: er hat all sein Geld seiner ersten Tochter, ihrer unbekannten Halbschwester Michelle, vererbt.
Auch Mickey hätte nie mit so einer Entwicklung gerechnet und weiß gar nicht so recht, was sie damit anfangen soll, dass der Vater, der nie wieder etwas von ihr wissen wollte, sie in seinem Testament bedacht haben soll. Noch dazu ist die Auszahlung des Geldes an eine Bedingung geknüpft: Mickey muss sieben Therapiestunden in Anspruch nehmen, und zwar bei einem vom Vater ausgewählten und vorab bezahlten Therapieinstitut. Da sie das Geld dringend brauchen kann und aufgrund einer Verfehlung gerade auf unbestimmte Zeit von ihrer Tätigkeit als Vorschullehrerin beurlaubt ist, lässt Mickey sich darauf ein... und landet ausgerechnet bei Arlo, ihrer unbekannten Halbschwester, als Therapeutin.
Anfangs wissen beide Frauen nicht, wen sie da jeweils vor sich haben. Dann findet Arlo es heraus, verschweigt es aber ihrer Halbschwester/Klientin und behandelt diese weiter. Auch in der Hoffnung, sie zu überzeugen, das Erbe nicht in Anspruch zu nehmen... so eine verkrachte Existenz wie Mickey würde das Geld eh nur sinnlos durchbringen, ist Arlo überzeugt.
Doch auch Arlos Leben ist bei weitem nicht perfekt, innerlich verfolgt sie nach wie vor der Fall einer Klientin, die unmittelbar nach der Therapiestunde bei ihr Suizid begangen hat. Zwar wurde sie vor Gericht freigesprochen, doch selbst kann sie es sich nicht verzeihen. Und auch ihre Kindheit und Jugend war weit weniger perfekt, als es auf den ersten Blick scheint.
Von der Themenkonstruktion her handelt es sich also um ein sehr spannendes Buch, das abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Halbschwestern geschildert ist. Dennoch hätte ich mir aufgrund der Beschreibung und der Leseprobe mehr erwartet.
Es tat beim Lesen fast weh, immer und immer wieder mitzukriegen, auf wie vielen Ebenen Mickey völlig kaputt ist und vor kaum etwas zurückschreckt in ihrer Sucht und ihrem problembehafteten Leben, in dem sie sich immer weiter in Schwierigkeiten verstrickt. Dennoch war Mickey für mich noch der glaubwürdigere und facettenreichere Charakter. Arlo wirkte auf mich seltsam blass, perfektionistisch und nicht wirklich erreichbar und ich habe mich bis zum Ende des Buches kaum in sie einfühlen können.
Grundsätzlich also ein ganz nettes Buch zu einer interessanten Idee, das man lesen kann, aber nicht unbedingt muss.