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Veröffentlicht am 05.04.2025

Sehr gekonnter Mix aus Geheimnissen, Spannung und Romantik.

Kodiak Echoes – Hide me
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Nachdem die Software-Entwicklerin Brynn Callahan ein schweres Verbrechen aufgedeckt hat, taucht sie im Zeugenschutzprogramm unter. Ihre neue Identität führt sie nach Kodiak Island, Alaska. Genauer gesagt ...

Nachdem die Software-Entwicklerin Brynn Callahan ein schweres Verbrechen aufgedeckt hat, taucht sie im Zeugenschutzprogramm unter. Ihre neue Identität führt sie nach Kodiak Island, Alaska. Genauer gesagt in die beschauliche und äußerst gemütlich wirkende Kleinstadt Echo Cove. Doch was so soft und ruhig anmutet, entpuppt sich bald als Ort mit einer grauen Vergangenheit, voller menschlicher Abgründe.

Mit „Kodiak Echoes – Hide Me“ gelang Julia Pauss ein mitreißender Roman, in dem sich Romantik und Spannung angenehm die Waage halten. Während wir in die atmosphärische Kulisse eintauchen, dringen wir tiefer in die Geschichte von Echo Cove und in die Geheimnisse der BewohnerInnen ein.

Brynn, ihre Zweifel und inneren Kämpfe, wurden authentisch und nahbar dargelegt – die IT-lerin ist weder besonders mutig noch tapfer, ringt mit ihren Überzeugungen und ihren Gefühlen, sehnt sich danach, die Kontrolle über sich und ihr Leben zurückzugewinnen. Dafür schwillt in ihr ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der sie auch in ihrem neuem zu Hause nicht loslässt.
Archer Flint, der seit einem Vorfall, der ein Jahrzehnt zurückliegt, von den eigenwilligen Einheimischen gemieden wird, ist ein verschlossener Wildhüter, einsam und nicht gewillt, Vorurteile und Gerüchte an sich heranzulassen. Beide kämpfen mit dem, was ihnen widerfahren ist, und vielleicht ist es das, was sie zueinander führt …

Brynn und Archer lernen sich langsam kennen, aus ihren Begegnungen entwickelt sich eine echte Dynamik, die von Respekt und Verständnis, von (Für)Sorge und Vertrauen geprägt wird. Nach und nach sieht sich Brynn in der Pflicht, den damaligen Ereignissen nachzugehen, für Archer. Für den Mann, den sie in ihm sieht. Doch die Erforschung dieses Cold Cases bietet allerhand Gefahren und Risiken, gibt es zu viele Menschen, die diesen Fall nicht erneut aufrollen wollen …

Pauss baut Stück für Stück Spannung auf, die sich wunderbar in die Wildnis Alaskas, in das starre, verschwiegene Echo Cove schmiegt. Neue Erkenntnisse und Entdeckungen sind sinnvoll platziert und Reaktionen und Konsequenzen nachvollziehbar inszeniert. Etliche Wendungen sorgen für Überraschungen, während die Autorin die LeserInnen gekonnt mit Hinweisen ködert, sie voll und ganz in die Story und das Netz aus Lügen zieht. Misstrauen und eine unterschwellige Gefahr, eine bedrohliche Stimmung begleiten das Geschehen, in dem die Romance authentisch mit fließt, ohne überdramatisiert und konstruiert zu wirken. Ebenso hervorragend gelang die Charakterzeichnung und die individuelle wie zwischenmenschliche Entwicklung. Dass einzelne Nebenfiguren samt deren Eigenheiten stärker herausgearbeitet wurden, gibt der Handlung, wie auch die aufgedeckten Geheimnisse, Griffigkeit.

Fazit: Ein spannender, durchdachter Roman, der mit Abwechslung und einer wunderschönen Kulisse, nahbaren Figuren und einer Fülle an Emotionen überzeugen kann.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Intrigen, Spaß und Spannung samt einer mitreißenden Romance

Game of Hearts – No Rules (St. Gloria College 1)
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Ein Elite-College in der Schweiz.
Zwei rivalisierende Studentenverbindungen.
Und eine Liebe, die inmitten von Intrigen, Geheimnissen und Missgunst nicht erblühen kann.

Endlich öffnet Yvonne Westphal die ...

Ein Elite-College in der Schweiz.
Zwei rivalisierende Studentenverbindungen.
Und eine Liebe, die inmitten von Intrigen, Geheimnissen und Missgunst nicht erblühen kann.

Endlich öffnet Yvonne Westphal die Tore des St. Gloria Colleges, führt uns in prunkvolle Räumlichkeiten, auf elegante Partys und zwischen die Häuser Alpha und Omega, zwischen die Fronten von Felicia de Vries und Valentin Knight. Macht euch bereit: Denn von manchen Schlachtfeldern geht niemand als GewinnerIn.

Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht der 21-jährigen Alpha-Präsidentin, die sich ihren Posten hart erarbeitet hat. Ihre Aufgabe – das Ziel – ist es, innerhalb ihres Senior-Jahres das „Gloria cum laude“ zu erhalten. Denn mit diesem stehen den Studierenden die Wege der Zukunft offen.
Dass der amtierende Präsident von Omega ein ernstzunehmender Konkurrent und hervorragend in den intriganten Spielchen der Reichen und Schönen ist, ist allseits bekannt. Doch davon lässt sich Felicia nicht einschüchtern. Zu viel steht für sie auf dem Spiel. Schon bald noch mehr als die Wahl ihrer Universität und ihr exzellenter Ruf …

Yvonne Westphals Stil ist wie gewohnt sehr schön zu lesen, authentisch, schnörkellos und dem noblen Setting entsprechend. Gekonnt führt uns die Autorin durch die Story, stellt uns die Protagonisten, ihr Wesen und ihre Intentionen vor und spickt den Verlauf mit den originellen Regeln, Abläufen und Hierarchien des St. Gloria Colleges.
Felicia, aufgrund ihrer Herkunft deutlich demütiger in ihrem Auftreten, verkörpert die besonnene, ambitionierte Vorzeigeschülerin. Bis sich alles ändert und gerade Valentin dazu imstande scheint, Felicias Impulsivität hervorzukitzeln, ihre Wahrheit. Denn hinter sanft und pastellig versteckt sich eine leidenschaftliche junge Frau, eine Kämpferin – die es versteht, die Regeln der Elite zu erlernen.
Zwar kommt der Knight-Sprössling hier und da auch zu Wort, lässt uns teilhaben an seinen widersprüchlichen Empfindungen, an seinem Drang, die Präsidentin der Alphas aus der Reserve zu locken, sie herauszufordern, kann aber den mysteriösen, unnahbaren Mantel nie ganz ablegen. Und doch zeigt sich eine unerwartete Verletzlichkeit unter seiner Härte, gut versteckte Selbstlosigkeit.
Welch Intensität zwischen ihm und ihr entsteht … damit konnte wohl niemand rechnen.

Nach einem eher verhaltenen Einstieg entpuppt sich „Heart of Games: No Rules“ rasch als spannend, wendungsreich und emotional. Unterhaltsame Gossip-Girl-Vibes steuert das Morning Glory bei, während Hazel, Nikoley und Anastasia die Storyline mit individuellen Eigenschaften und Problemen bereichern. Auch das Geplänkel und der spritzige, oft anzügliche Schlagabtausch zwischen de Vries und Knight sorgen für Witz. Die Hauptfiguren wurden charmant, mit Hintergründen und nachvollziehbaren, echten Struggeln gezeichnet. Zu keiner Zeit gingen das pompöse Ambiente oder der Status der Studierenden verloren. Die gänzlich verschiedenen Familien beider waren interessant eingebunden, ebenso wie Raum für andere CollegestudentInnen geschaffen wurde, die teilweise vor nichts zurückzuschrecken scheinen.
Westphal kreierte eine Atmosphäre, die von Misstrauen, einen Verlauf, der von Hinterhältigkeiten durchzogen ist, von der Frage, wer wirklich Verbündete/r, wer FreundIn ist – denn im Kampf der konkurrierenden Häuser zählen vor allem Einfluss und Macht.

Die expliziten Szenen waren geschmackvoll und passend inszeniert, viele Momente laden zum Mitfiebern - und fühlen ein, steigern das Tempo und die Aufregung. Das Streben nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Perfektion wird ebenso thematisiert wie die zu hohen Erwartungen an das erste Mal, (Leistungs)Druck und das Leben in der Öffentlichkeit, wo jede Belanglosigkeit ein Fehler werden kann.
Ein wenig untergegangen ist der Unterricht selbst. Felicias Entwicklung geschah mir ein wenig zu abrupt und so manch' Missverständnis und Konflikt hätten durch klare Worte und Zuhören weitaus schneller beseitigt werden können.

„Heart of Games: No Rules“ endet rund und macht zeitgleich Lust auf Bianchis Geschichte – und auf noch mehr Gossip.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Runder, gelungener Abschluss.

Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz
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„Empire of Sins and Souls“ – eine düstere Serie, die Höhen und Tiefen brachte …

„Das zerrissene Herz“ markiert das Finale der Dark-Romantasy-Trilogie von Beril Kehribar und führt die Geschehnisse des ...

„Empire of Sins and Souls“ – eine düstere Serie, die Höhen und Tiefen brachte …

„Das zerrissene Herz“ markiert das Finale der Dark-Romantasy-Trilogie von Beril Kehribar und führt die Geschehnisse des Vorgängers nahtlos weiter.
Nach Kaspars Verrat und der folgenschweren Entscheidung, die Zoé Durand treffen musste, um nicht in die Höllenfeuer zu driften, sind Wut, Rachegelüste und Blutdurst äußerst präsent. Die Gräfin sieht sich nun nicht nur mit ihren Begierden konfrontiert, sondern auch mit einer neuen Bürde und höfischen Pflichten, während sie vehement versucht, den Stich in ihrem Inneren zu ignorieren und Alexei zu lieben. Doch das Herz will, was es will …

Habe ich zu Beginn dieser Reise das mangelnde Worldbuilding und in Band zwei die romantische Fokussierung kritisiert, komme ich jetzt nicht umhin zu sagen, dass dieser dritte Teil eine informative und abwechslungsreiche, spannende und emotionale Story beinhaltet. Xanthia, die Entstehung dieses Reiches samt der Mythologie und den Mysterien der gesuchten Relikte bekamen endlich Kontur, Lücken wurden geschlossen, sodass es leichter fiel, das dunkle Setting, die hiesige Gesellschaft zu greifen. Der Mix aus royalen und historischen Vibes, die Kombination aus Politik und perfiden Plänen kam der Atmosphäre durchweg zugute, während die Protagonisten sowie deren unberechenbare Reaktionen und verborgene Seiten die Handlung tragen.
Kehribars Ton ist den Gegebenheiten – ob rau, herrschaftlich oder anzüglich, im spritzigen Schlagabtausch oder voller Gefühl – zu jeder Zeit angemessen. Die bedrückende, schwere Stimmung lichtet sich nur in seltenen Momenten, und weder Zweifel noch Schuld, nicht der Wunsch nach Vergeltung lassen gänzlich von der einstigen Hure ab.

Zoé, Alexei und Kaspar – die das Hauptaugenmerk auf sich ziehen – stehen in einer ambivalenten Beziehung. Hierbei wurde Durand – ihr klaffender Zwiespalt und die in ihr wütenden Emotionen – am nahbarsten gezeichnet, während Graf und Prinz lange auf ihre eigenen Vorteile bedacht schienen, stets bereit, Blut zu vergießen und jeden zu verraten – für ein Ziel, welches nicht immer klar ist. Ja, beiden Xathyres brachte ich durchweg ein gewisses Misstrauen entgegen. Zoé hingegen ist trotz ihrer zwielichtigen Vergangenheit und ihrem nicht ausschließlich selbstlosen Weg eine von den Guten. Eine Frau, die nie mehr wollte als eine zweite Chance und Vergebung. Rückblickend empfand ich ihre innere Entwicklung nicht sonderlich groß, war sie doch von Anfang an eine Frau mit eigenem Willen, mit Feuer und Trotz. Eigenschaften, die sie selbst in Angesicht von Schmerz und der ihr entgegengebrachten Niedertracht nicht ablegte. Doch mit ihren Entscheidungen, ihrer Liebe und ihrem Mut hat sie sich langsam, Stück für Stück tiefer in dem politischen Netz des Reiches, in den Intrigen der Obigen verheddert. Nun, mit ihren ungestümen Empfindungen, ihrem verletzten Herzen, ihrem wunden Inneren und ihren erstarkenden Kräften ist sie den dunklen Hoheiten, ist sie Kas und Alexei, ebenbürtig. Gefährlich …

In der kompletten Handlung von „Empire of Sins and Souls“ lernen wir einige Nebenfiguren kennen, von denen so manche mit unerwarteter Wärme und verbissener Hilfe im Kontrast zu dem kühlen Setting steht. Nicht alle bleiben bis zum Ende, und diese ungeahnten Verluste sorgen für anhaltendes Interesse und treiben den Verlauf genauso an wie die aufschlussreichen, klärenden Gespräche, interessante Entdeckungen und heiße, gewagte Szenen! Dass diese Romantasy-Story von Schuld und Vergebung – auch der eigenen – erzählt, von fragwürdigen Intentionen und Fehlern, vor denen weder Mensch noch Dämon bewahrt wird, von tiefer Liebe und purer Leidenschaft, der Bereitschaft, Opfer zu bringen, alles zu geben und zu versuchen, gibt der Trilogie etwas Tieferes. Etwas, das innehalten und sich der Abgründe der Geschichte – des Einzelnen – gewahr werden lässt.

Fazit: Trotz Schwächen und Kritik kann ich 𝐄𝐦𝐩𝐢𝐫𝐞 𝐨𝐟 𝐒𝐢𝐧𝐬 𝐚𝐧𝐝 𝐒𝐨𝐮𝐥𝐬 empfehlen. Am besten alle drei Teile nacheinander genießen.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Gesellschaftskritisch, feministisch, kreativ.

How To Kill a Guy in Ten Ways
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„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.

Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ...

„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.

Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, gründet Millie „Message M“ – einen 1-Frau-Service, bei dem sie so oft wie möglich dem weiblichen Geschlecht aus brenzligen Situationen verhilft. Denn Millie kann die Überzeugung, gerade bei dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben versagt zu haben, nicht abschütteln.
Eines Nachts gerät ein „Einsatz“ außer Kontrolle – von da an verändert sich etwas in ihr, in ihrem Denken unwiderruflich …

Wie ein Buch bewerten, das von Selbstjustiz und moralischer Verwerflichkeit in den schwärzesten, humoristischsten Zügen erzählt?
Nun, ganz einfach: Ich fand diese Story – inkl. der aufgegriffenen Themen und deren origineller Umsetzung – wirklich sehr gut.
Eve Kellman bedient sich skurrilen, ernsten und bekannten Situationen – von Belästigung, Stalking, s*xuellen Übergriffen und Missbrauch bis hin zu anzüglichem, respektlosem – eben „männlichem“ – Verhalten und greift als Reaktion nicht einzig Gedanken und Fantasien auf, solche, die wahrscheinlich häufiger in den Köpfen von Frauen umherschwirren, sondern geht um einiges weiter.
Auch die fehlenden Kapazitäten der Justiz, um derartige Fälle zu ahnden, und der Mangel an echter Hilfe für (potenzielle) Opfer wurden eingeflochten – zielgenau.

Mit viel Sarkasmus und Charme lernen wir die Protagonistin, ihren Alltag und ihre weit zurückreichenden Motivationen, ihr eigenes Trauma kennen, begleiten sie in ebenso verfänglichen, adrenalingeladenen wie alltäglichen Szenarien. Die Autorin spricht die LeserInnen quasi direkt an, bindet uns ein, nimmt uns mit. Dies schafft mitsamt des direkten, natürlichen Tons und der offensichtlichen Ironie eine persönliche Ebene.
Millies Liebe – zu ihrer Schwester und zu ihrer Freundin Nina – wurde überraschend intensiv inszeniert. Denn Millie ist kein schlechter Mensch. Sie hat einfach nur die Nase voll von Gottkomplexen und Übergriffen, von dem Gefühl, machtlos zu sein. Ihr Wunsch, Frauen und Mädchen zu helfen, sie zu schützen, lag trotz des bitteren Beigeschmacks von Verfehlung, von „zu einfach“, über allem. Aber obgleich der unterhaltsamen Umsetzung schwangen Hilflosigkeit und Verzweiflung, die eigene Verletzlichkeit so eindringlich mit, dass ich’s spüren konnte. Und verstand.

Abgesehen von der griffigen, nahbaren Hauptakteurin, die in die Rolle der „aus Versehen Serienkıllerin“ gerät, bestückt Kellman ihre Story mit detailreich ausgearbeiteten, manchmal blutigen Ereignissen, deutlicher Kritik an der Gesellschaft und unserem System sowie mit Nebenfiguren, die für Amüsement, Konflikte oder herzerwärmende, innige Augenblicke sorgen, Hass schüren. Gerade Nina nimmt einen wichtigen Part ein und offenbart unerwartete Facetten. Hingegen rutscht die Mutter der Schwestern in eine Schublade, der ich kaum mehr als eine Prise Abscheu entgegen brachte.
Meiner Meinung nach war Millies Entwicklung sehr authentisch, zeigt diese in aller Deutlichkeit, dass Skrupel abnehmen, dann, wenn wir unsere moralischen Grenzen erst einmal übertreten oder ausgeweitet haben. Wozu wärst du selbst fähig, wenn der Antrieb stimmt?
Der Verlauf ist turbulent, aber nachvollziehbar aufgebaut, voller perfider Pläne und Twists. Millies Wagemut, ihre Wut und ihre Impulsivität tragen signifikant zur Spannung bei. Genau wie ihre Suche, die sie letztlich zu ungeahnten, unangenehmen Wahrheiten führt… Die Frage, wann die ambitionierte Frau einen Fehler begeht, sich endgültig in der Rache verliert, fesselt ungemein an die Handlung. Und als James immer häufiger mitmischt, steigen Tempo und Gefahr ...
Mein einziger Kritikpunkt besteht darin, dass sich in den eingebundenen „Erinnerungen/Rückblenden“ Wiederholungen tummeln.

„How To Kill a Guy in Ten Ways“ ist auf mehreren Ebenen real, regt gekonnt zum Nachdenken an und bewegt auf eine ganz eigene Art.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Mutig, intensiv, echt.

Tausend Splitter zu dir – Based on Lena's True Story
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»Ich war so glücklich mit dir, dass es unheimlich war. Also dachte ich, ich müsste dir mein Herz wegnehmen, bevor es irgendwann beschließt, ohne dich nicht mehr schlagen zu können.«

In „Tausend Splitter ...

»Ich war so glücklich mit dir, dass es unheimlich war. Also dachte ich, ich müsste dir mein Herz wegnehmen, bevor es irgendwann beschließt, ohne dich nicht mehr schlagen zu können.«

In „Tausend Splitter zu dir“ erzählt Antonia Wesseling eine Geschichte, die einerseits unvorstellbar tragisch ist, andererseits auf den echten Erfahrungen von Lena, einer Kämpferin, basiert.

Dieser Roman wurde in zwei Teile gegliedert – zuerst lernen wir Ellie als 17-Jährige kennen, kurz vor ihrem Abitur, gefangen in der Depression. Die Beziehung ihrer Eltern ist brüchig und das Befinden ihrer jüngeren Schwester fragil – Dinge, die auch auf Elena selbst zutreffen.
Durch erschütternde Einblicke in das „Damals“ werden ihre Empfindungen und Reaktionen greifbar; ihre Dämonen real. Ursache und Ausmaß ihres Traumas gehen nah. Sehr nah. Treffen tief. Sorgen für Gänsehaut, enge in der Brust, Mitgefühl.
Bis Louis in Ellies Zimmer, ihrem Safe Space, auftaucht, hätte sie niemals damit gerechnet, dass sie einen Menschen in ihr Leben, in ihr Herz lassen, die Wahrheit aussprechen, so viel Liebe und Vertrauen empfinden kann.
Da wir das Geschehen aus wechselnder Perspektive verfolgen, lernen wir auch Louis und seine Situation kennen – der zunehmende Druck, die Verpflichtungen und Erwartungen, mit denen er täglich ringt. Aber alles, wofür er so hart gearbeitet, gelernt, trainiert hat, rückt in den Hintergrund, wenn er Ellie-Ellie nur lieben darf …

»(...) wir sind vielleicht kein für immer gewesen, aber wir waren dennoch echt.«

Neun Jahre später …
Elena Sommers Wunsch, als Journalistin zu arbeiten, ist wahr geworden. Nachdem sie ihre Stelle bei einer erfolgreichen Zeitschrift verloren hat, arbeitet sie nun für ein kleines Magazin und tippt stumpfsinnige Texte. Bis ihr Vorgesetzter sie heimlich auf eine Story ansetzt, die ebenso riskant wie gefährlich werden und erneut jede Menge Ärger bedeuten könnte. Louis hat sich seiner Arbeit als Investmentbanker verschrieben und hofft, durch einen gelungenen Pitch bei Amrum Financial Group seiner Karriere einen Aufschwung zu verschaffen. Dass er hier ausgerechnet auf Ellie, sein fehlendes Puzzleteil trifft, und es sich anfühlt, als wäre nicht fast ein Jahrzehnt vergangen, damit hat wohl keiner der beiden gerechnet.

Antonias Stil ist modern und ausdrucksstark. Einfühlsam, authentisch und vorstellbar, manchmal mit einer Prise Witz, hier und da mit prickelnder Anziehung, aufrichtiger Liebe, doch oft auch mit Schwermut unterlegt, zieht der Verlauf rasch in seinen Bann. Die harten Themen und die Tatsache, dass dieser Roman im Kern keine Fiktion ist, geben dem Geschehen extra viel Gewicht.
Im Vergleich zu der Teenagerin wirkt die erwachsene Elena zwar gefestigt und selbstbewusst, doch keineswegs frei von ihrer Vergangenheit, den Erinnerungen und der Angst. Sommer hält ihre Empfindungen hinter einer Mauer geschützt, ist stark und arbeitet engagiert, wenn es um die Wahrheit geht, darum, die Täter zu entlarven, Opfern eine Stimme zu geben. Wenn ihr Auftrag und die Recherche weniger Raum einnimmt als erwartet, braucht die Welt genau solche JournalistInnen. Jene, die unbequeme Themen auf den Tisch bringen, allen Risiken zum Trotz.
Louis ist noch immer so sanft, so rücksichtsvoll und aufmerksam wie zu Schulzeiten. Auch seine Abneigung gegen Lügen hat sich ebenso wenig verändert wie das, was Ellie-Ellie in ihm entfacht. Aber wie viel ist diese bereit für die Chance auf Gerechtigkeit zu opfern?

Vor allem der erst Teil hat durch die Kombination aus der süßen, besonderen Jugendliebe und dem vergangenen Schrecken, den Schmerz, das Potenzial zu fesseln, Emotionen zu entlocken. Hoffnungslosigkeit, Ungerechtigkeit und Verzweiflung lasten schwer. Der nachfolgende Verlauf, inkl. der charakterlichen Entwicklungen, ist ohne Frage interessant, jedoch fehlte mir hier ein bisschen mehr Tiefe an relevanter Stelle, mehr Tempo und Spannung, scheint die Handlung eher in eine „typische“ Richtung gedriftet zu sein. Zudem gab es Szenen, die nicht ganz stimmig sind. Wesseling bestückt ihre Geschichte mit einigen Nebenfiguren, die Schwestern der Protagonisten und Carla sind bspw. wunderbar integriert, Atmosphäre und Orte wurden lebendig beschrieben und auch der Romance-Aspekt war einfach schön.
Am Ende wartet ein vorhersehbarer Schluss und zwei lesenswerte, wichtige Nachworte.

„Tausend Splitter zu dir“ ist mehr als ein Second-Chance-Liebesroman. Antonia Wesseling und Lena geben Menschen, die Grausames erlebten, eine Stimme. Mit einer Mischung aus Einfühlungsvermögen und Authentizität generieren die zwei Frauen Aufmerksamkeit für unbequeme, tabuisierte Themen und Missstände. Diese intensive Geschichte versichert Betroffenen: Du bist nicht allein, macht Mut.

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