Von Freundschaft und Rivalität
Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten IdeenIn seinem Jugendbuch “Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” hat der bekannte Autor Herman van de Wijdeven eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen elfjährigen Schülern verfasst, ...
In seinem Jugendbuch “Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” hat der bekannte Autor Herman van de Wijdeven eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen elfjährigen Schülern verfasst, die vor allem Eltern und andere Personen, die Verantwortung für Kinder tragen, nachdenklich stimmen sollte. Das gelungene Hardcover macht es sowohl für Jugendliche wie Erwachsene interessant, diesen Roman zur Hand zu nehmen.
Bent und Juri sind beste Freunde, die miteinander Mutproben aushecken und einander immer wieder zu teils gefährlichen Aktionen herausfordern. Dabei sind die Beiden grundverschieden: Bent ist ein Junge, der Angst vor der Angst hat, der überall das Unheil kommen sieht und dessen Phantasien wie selbst erfüllende Prophezeiungen wirken. Dadurch zieht er immer wieder Missgeschicke auf sich, bei denen er sich ausmalt, wie seine Mutter wohl reagieren wird, auf seine Verletzungen, auf seine verschmutzte Kleidung. Zur Mutter hat er wohl eine Bindung, aber der Vater fehlt. Und so äußert sich Bents Trauer und Unsicherheit auch in einem körperlichen Symptom, seinem größten Geheimnis. Doch seinem besten Freund Jury, der darüber zu schweigen verspricht, erzählt er davon.
Jury wieder nimmt das Leben leicht, auch wenn er Bents bester Freund ist, scheint es keine besonders tiefe Bindung zu geben. Denn sobald in der Klasse ein Neuer, Finn, auftaucht, wendet sich Jury ihm zu. Bent kommt sich ausgeschlossen vor; um dazu zu gehören, beteiligt er sich an Unternehmungen, die er selbst für die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen hält. Und letztlich fordert er Jury zu einem Wagnis heraus, denn Jury hat Finn wahrscheinlich Bents größtes Geheimnis verraten.
In seinem Jugendbuch für die Zielgruppe ab elf Jahren hat Herman van de Wijdeven einen Roman vorgelegt, der in die Abgründe der Seele eines Jungen blicken lässt, der Treue hinterfragt und zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem bitteren Stachel des Verrats changiert. Der Autor zeichnet ein Bild jugendlicher Unsicherheit und jugendlichen Übermutes gleichermaßen, seine Geschichte angesiedelt in einem kleinen Dorf, wo die Möglichkeiten, Leben zu erleben, knapp bemessen sind.
In eindringlicher Sprache, die es ermöglicht, in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen und ihre Handlungsweisen zu verstehen, schildert der Autor die schwierige Entscheidung zwischen Loyalität und Rivalität. Getragen wird der Roman durch einprägsame jugendliche Charaktere, die für die jugendlichen Lesenden durchaus eine Herausforderung darstellen können. Dieses Buch ist ein Stück ungewöhnliche Jugendliteratur, das sicher eine bereits gefestigte Persönlichkeit bei den jungen Lesenden voraussetzt. Und doch schließt dieser Roman positiv, denn am Ende wird alles gut.
“Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” ist ein lesenswerter, teilweise tiefgründiger und psychologisch interessanter Jugendroman, den ich mit vier Sternen bewerte.