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Veröffentlicht am 12.08.2025

Alte Schuld- neue Liebe

Der Sommer am Ende der Welt
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Mit “Der Sommer am Ende der Welt” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Eva Völler einen Unterhaltungsroman, der tief in die Vergangenheit blickt, vorgelegt. Inspiriert wurde die Autorin durch die Erlebnisse ...

Mit “Der Sommer am Ende der Welt” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Eva Völler einen Unterhaltungsroman, der tief in die Vergangenheit blickt, vorgelegt. Inspiriert wurde die Autorin durch die Erlebnisse ihrer Geschwister, die als Verschickungskinder traumatische Erfahrungen machen mussten. Daher wird in dieser fiktiven Geschichte auf wahre Begebenheiten Bezug genommen und die Leiden und Demütigungen dieser Kinder thematisiert. Schon das stimmige Cover zeigt ein Kind, das mit gesenktem Kopf das Wasser betrachtet und in sein Schicksal ergeben scheint.

Die Journalistin Hanna ist mit ihrer sechzehn Jahre alten Tochter Katie auf dem Weg nach Borkum. Sie will einen Artikel über das Schicksal der Verschickungskinder schreiben. Nicht nur auf Borkum gab es viele Heime, es waren tausende Kinder betroffen. Dieser Aufenthalt sollte die Gesundheit der Kinder bessern, sie wurden jedoch von den Betreuern zu Nummern gemacht, gequält, geschlagen und verspottet. Hanna erhält bei ihrer Recherche unerwartete Hilfe durch ein geheimnisvolles Tagebuch einer früheren Betreuerin, vor allem die Zeitzeugin Sabine bietet wertvolle Informationen, auf die Hanna mit tiefem Mitgefühl reagiert.

Doch neben diesem düsteren Kapitel hat die Autorin zwei interessante Liebesgeschichten in die Handlung verwoben. Eine betrifft Hanna, die sich in den Arzt Ole verliebt und auch dazu beiträgt, dass Oles Familiengeschichte mit entsetzlichen Geheimnissen ans Licht kommt. Katie verliebt sich in Bengt, den Sohn der Hoteleigentümerin, die alles daran setzt, dass Hanna ihren Artikel nicht veröffentlicht, denn auch das Hotel war in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein übel beleumdetes Kinderheim.

Mit “Der Sommer am Ende der Welt” schlägt Eva Völler eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Aufdeckung vergangener Verbrechen, die Lieblosigkeit, die die Kinder erleiden mussten, Traumata, die auch in den Nachkommen fortwirken sind oft bestürzende Themen, denen sich der Roman widmet. Auch Hanna hat unerwartet mit Krankheit zu kämpfen. Dennoch bleibt sie optimistisch und bemüht sich sehr um ihre Tochter Katie, die in Bengt ihre erste Liebe gefunden hat. Haben die Beziehungen von Hanna und Katie eine Chance? Und wird Hanna wirklich ihren Artikel schreiben oder aus Rücksicht auf Oles Familie davon Abstand nehmen?

In ihren Roman bietet die Autorin ein breites Spektrum an Themen, sodass die Lesenden selbst entscheiden können, auf welchen Handlungsstrang sie ihr Hauptaugenmerk richten wollen. Manchmal scheint der Sprung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu groß, denn das Schicksal der Verschickungskinder steht gleichrangig mit gegenwärtigen Ereignissen, was einige Lesende vielleicht irritieren könnte. Dem Grauen der Nazi-Zeit und den damals begangenen Verbrechen sowie den erschütternden Kinderschicksalen stehen eine nicht ganz einfache Mutter-Kind Beziehung und eine gefühlvolle Liebesgeschichte gegenüber, deren Ausgang die Autorin erst in ihrem Epilog verrät.

Eva Völler besticht in ihrem Roman durch eine gelungene Zeichnung einprägsamer Charaktere. Der Roman, der sich gut und flüssig liest, lässt immer wieder Mitleid und auch Abscheu vor den Ereignissen der Vergangenheit aufkommen, wobei in der Gegenwart positive Entwicklungen, aber auch Probleme in diesem Buch thematisiert werden. Viele Handlungsstränge bringen Abwechslung. Der Autorin ist hoch anzurechnen, dass sie den damals gepeinigten Kindern eine Stimme gibt. Eva Völler bietet in ihrem Buch eine große Themenvielfalt, für Lesende, die zeitgeschichtlich interessiert sind und auch Liebesgeschichten mögen, kann ich das Buch gerne empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Bitter ans sweet: An deiner Seite

Wohin du auch gehst
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Mit ihrem Debütroman “Wohin du auch gehst” hat die Autorin Christina Fonthes, die bereits den Writers Award und weitere Preise gewonnen hat, ein bemerkenswertes Buch über die Schicksale von zwei Frauen ...

Mit ihrem Debütroman “Wohin du auch gehst” hat die Autorin Christina Fonthes, die bereits den Writers Award und weitere Preise gewonnen hat, ein bemerkenswertes Buch über die Schicksale von zwei Frauen vorgelegt, die ihre Heimat, die heutige Demokratische Republik Kongo, verlassen haben.

Die Geschichte von Mira beginnt im Jahr 1974 in Gombe und Kinshasa. Mira ist damals neun Jahre alt und wächst als Kind einer zu Reichtum und politischem Einfluss gekommenen Familie auf, doch den Konventionen will sie sich nicht beugen. Als Jugendliche geht sie in Klubs und verliebt sich in einen jungen Musiker. Als sie zur Strafe in das Haus ihrer älteren Schwester Eugenie geschickt wird, um dort den Haushalt zu führen, stellt sich heraus, dass sie schwanger ist. Mira will dieses Kind nicht und die nächsten Lebensjahre verbringt sie unter wechselnden Umständen in Europa. Ihre Berufung findet sie in ihrem Glauben.

Am 3. März 1982 wird Bijoux in Mbandaka geboren. Als Kind wird sie aus ihrem Heimatland nach London gebracht, um bei Tantine Mira zu leben. In der Beziehung dominiert das Unausgesprochene und die Religion. Als Bijoux erklärt, lesbisch zu sein, wird sie durch Mira und die Kirche unter Druck gesetzt, zu heiraten- eine unglückliche Ehe. Doch Bijoux bricht aus der Beziehung aus, sie möchte sich und ihre Freundin nicht mehr verstecken. Wird es ihr gelingen, ein erfülltes Leben mit ihrer Partnerin zu führen und sich mit ihrer Familie auszusöhnen?

Christina Fonthes hat ihren Roman in mehreren Zeitebenen aufgebaut, die zeigen, wie sich die Schicksale der beiden Frauen ineinander verschränken. Die einzelnen Kapitel sind jeweils einer Protagonistin- Mira oder Bijoux- zugeordnet, die die Handlung in Ich-Form erzählen. Die Sprache der Autorin ist lebendig und bildhaft, allerdings ist es notwendig, manchmal zurückzublättern, um die Zusammenhänge besser zu erkennen. Zwischen den beiden Frauen ist Schweigen vorherrschend, und erst spät werden die Lesenden erfahren, worauf sich dieses Schweigen gründet. So bietet das Buch am Ende noch einmal eine völlig neue Sicht auf das Geschehen.

Die Handlung wird authentisch bereichert durch Sätze in Lingala, einer Sprache, die in weiten Teilen der Demokratischen Republik Kongo und in den umliegenden afrikanischen Ländern gesprochen wird. Zum besseren Verständnis ist dem Buch am Ende ein Glossar angeschlossen, das die Ausdrücke erklärt.

Dieser Roman ist keine leichte Lesekost, obwohl er sich angenehm und flüssig liest. Die behandelten Probleme sind vielfältig: Migration und Diskriminierung aufgrund der Herkunft, schwierige Lebensbedingungen in einem Land, das nicht die Heimat ist, frühe Schwangerschaft, Krankheit und Tod. Dazu tragen auch die Wertvorstellungen und Sitten aus dem Herkunftsland bei, die die Sichtweise auf das Verhalten der Protagonistinnen bestimmen. Entgegen allen religiösen Regeln, die das Leben einschränken, wird vor allem das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe behandelt, wobei die beiden Partnerinnen sehr lange Ablehnung erfahren und Vorurteilen sowie falschen Vorstellungen ausgesetzt sind. Wird es Bijoux und ihrer Partnerin Chancey gelingen, ihre Liebe offen zu leben?

“Wohin du auch gehst” ist interessant und lesenswert, vielleicht braucht man ein wenig Zeit, um sich in die Situation der beiden Frauen zu versetzen, doch je mehr die Handlung voranschreitet, desto besser gelingt es. Vor allem Lesende, die anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen sind, werden hier eine interessantes Buch vorfinden. Allerdings hätte ich mir eine klarere Zeitstruktur gewünscht. Ich kann diesen Roman gerne empfehlen und bewerte ihn mit vier Sternen.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Schweigen und Schuld/ Trauma und Lust

Wie sehr ich dich finde
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“Wie sehr ich Dich finde” der Autorin Lea Söhner ist ein nachdenklich machender Roman, der verdient, dass sich die Lesenden Zeit zur Reflexion nehmen. Er umfasst nicht nur drei Generationen und ihre teils ...

“Wie sehr ich Dich finde” der Autorin Lea Söhner ist ein nachdenklich machender Roman, der verdient, dass sich die Lesenden Zeit zur Reflexion nehmen. Er umfasst nicht nur drei Generationen und ihre teils furchtbaren Schicksale, sondern stellt dem Glauben und dem Hadern mit Gott immer wieder das weibliche Prinzip der Mutter und Geliebten gegenüber, in deren warmen Armen die Protagonisten des Buches Zuflucht suchen.

Die Handlung wird getragen von zwei Stammelternpaaren, die beide den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben, einem Elternpaar und deren Tochter, die langsam ihren Wurzeln auf den Grund gehen:

Das erste Stammelternpaar: Paul und Helene/ Sohn: Wolfgang
Das Buch beleuchtet das Schicksal von Helene, einem halbjüdischen Mädchen, das im Jahr 1942 gerade noch vor den Nazis in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden kann. Doch die Eltern kommen nicht wie versprochen nach, die Sechsjährige, versehen mit neuer Schweizer Identität, verstummt. Ihr Schicksal wendet sich erst, als sie zu singen beginnt, ihr Traum, Opernsängerin zu werden, geht in Erfüllung. Auch ihre Ehe mit Paul, einem Arzt und dem gemeinsamen Sohn Wolfgang scheint glücklich, doch Paul kennt ihre wahre Identität nicht. Helene öffnet sich erstmals, findet Briefe der Eltern, doch das Schicksal erlaubt keine Bewältigung.
Wolfgang leidet unter dem Tod der Mutter und liebt seine Großeltern. Doch hier gibt es dunkle Verbrechen, die Paul seinen Eltern entfremden. Erst spät wird Paul Wolfgang über die Gräueltaten seines Opas aufklären,

Das zweite Stammelternpaar: Hanna und Hans/ Tochter: Bettina
Hans hat die Gräueltaten des Krieges und die Brutalität seines Vaters erlebt. Ihm ist klar geworden, dass für ihn Gewalt und Lust eng verbunden sind. Doch gibt er Gott das Versprechen, nie jemandem zu schaden. Er heiratet Hannah, die tief gläubig ihr Leben und ihre lang ersehnte Tochter Bettina Gott weiht.

Das Elternpaar: Bettina und Wolfgang/ Tochter: Sarah
Bettina, eine Mathematikerin, aber eher schüchtern und farblos, heiratet Wolfgang, den Frauenhelden und bekannten Pianisten. Ihre Ehe ist geprägt von den Seitensprüngen Wolfgangs. Die gemeinsame Tochter Sarah leidet darunter, dass sich die Mutter der Familie immer wieder entzieht. Trotz schwerer Schicksalsschläge scheint die Beziehung zwischen Wolfgang und Bettina unverbrüchlich. Tochter Sarah, angehende Dirigentin, jedoch hadert lange mit ihrem Schicksal, besonders mit der Mutter, und erkennt erst durch Yvonne, dass jeder selbst für sein Liebesleben verantwortlich ist.

Versöhnlich und als Prinzip des Weiblichen wird Yvonne beschrieben, eine ehemalige Edelprostituierte, die Wolfgang zum Mann und Paul zum Ehemann gemacht hat. Yvonnes Klugheit und Gespür für menschliche Abgründe ermöglichen langsam Heilung.

Dieser von der Kriegszeit bis in die Gegenwart reichende Roman zeichnet Lebenswege und Schicksalsschläge nach, die als Traumata in den Figuren bis in die Jetztzeit fortwirken. Der Widerstreit zwischen Glauben und Lust ist ebenso Thema wie Inzest, sexuelle und psychische Gewalt und das schnelle Entstehen von Liebe und Beziehungen. “Wie sehr ich dich finde” ist ein kluger und menschlicher Roman. Auch wenn die Schicksale der Protagonisten einander gleichen, muss jeder die Frage nach individueller Schuld stellen. Doch steht am Ende Versöhnung und Verzeihen.

Der Schreibstil von Lea Söhner ist manchmal poetisch, manchmal unerwartet und direkt, immer jedoch lebendig und gut lesbar. Dazu trägt auch das Personenverzeichnis am Buchanfang bei. Außerdem steht am Beginn jedes Kapitels, das einer Person zugeordnet ist, ein Schlagwort, das den Inhalt des Geschriebenen charakterisiert. Auch wenn das Buch menschliche Abgründe behandelt, bietet es doch einen positiven Schluss. Lesenden, die Interesse an Zeitgeschichte und dem Nachwirken des Lebens der Vorfahren in der eigenen Geschichte haben, möchte ich dieses Buch besonders empfehlen. Oft sind es, wie in der Musik, die leisen Töne, die überzeugen.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Todeszone Sylt

Höllische Küste
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Im neunten Band ihrer Krimireihe über die Ermittlerin Liv Lammers hat die bekannte Autorin Sabine Weiss mit “Höllische Küste” einen spannenden Roman geschrieben, dessen Schauplatz wieder die Insel Sylt ...

Im neunten Band ihrer Krimireihe über die Ermittlerin Liv Lammers hat die bekannte Autorin Sabine Weiss mit “Höllische Küste” einen spannenden Roman geschrieben, dessen Schauplatz wieder die Insel Sylt ist.

Jaline Amundsen, eine lebenslustige Hochzeitsplanerin, die auf der Insel lebt, sucht den Kick. Diesmal mit einem Tandem- Fallschirmsprung, dem sie entgegenfiebert. Doch der Fallschirm öffnet sich nicht, Jaline stirbt, ihr Begleiter ist schwer verletzt. Liv Lammers von der Mordkommission Flensburg, die zufällig auf der Insel ist, beginnt sofort mit den Ermittlungen. Doch dieser Todesfall soll nicht der letzte bleiben.

Obwohl Liv gerade andere Sorgen hat, denn sie ist verlobt, dennoch- die Idee, zu heiraten, flößt ihr auch Furcht ein. In ihrer Vergangenheit hat sie schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht, und obwohl sie ihren Verlobten Sebastian liebt, schiebt sie die Hochzeitsvorbereitungen vor sich her. Jedoch häufen sich plötzlich die Unglücksfälle auf der Insel und weitere Personen kommen unter mysteriösen Umständen zu Tode. Liv sucht die Verbindung zwischen den einzelnen Fällen, doch als sie diese findet, bietet sich ein entsetzliches Bild aus Rache, Wut und Enttäuschung. Niemand hätte vermutet, dass die Taten aus einem so einzigartigen Motiv verübt werden könnten.

Auch in Livs Team läuft während der Ermittlungen nicht alles rund. Es gibt Streitigkeiten um die Nachfolge der Leitung der Inspektion in Sylt, ein neuer und besserwisserischer Kollege behindert die Ermittlungen oft mehr, als er hilft. Und Verdächtige gibt es zu Beginn genug. Da ist die Schwester von Jaline, die sich höchst merkwürdig benimmt und die eine andere Vorstellung von der Entwicklung der gemeinsamen Firma hat als die Verstorbene. Jalines Ex- Freud ist zwar ein begnadeter Konditor, hat Jaline aber gestalkt und geschlagen. Und auf der Insel der Reichen und Schönen wird eine Promihochzeit durch einen Giftanschlag überschattet. Dass Liv und ihr Team hier die Party crashen, dient auch nicht zur Beruhigung der Inselbewohner und Touristen, die Sylt bereits fluchtartig verlassen.

Mit “Höllische Küste” zeigt Sabine Weiss ein etwas anderes Sylt. Hier existiert Armut neben Reichtum, die Mieten sind unerschwinglich und Partyspaß für die vielen Touristen ein Muss, natürlich zur Freude der Geschäftsleute. Dass daneben auch Not existiert, wird häufig übersehen. Die Schattenseiten des Glamour wie Drogensucht, Neid und Missgunst bleiben daher nicht aus.

Dieser sehr flott geschriebene, gut lesbare Roman beschreibt eine kompetente und kluge Kommissarin, die einerseits konsequent die Falllösung vorantreibt, andererseits aber durchaus auch einfühlsam und rücksichtsvoll agiert. Die Spannungskurve wird bis zum Schluss gehalten, die originelle Lösung dieses Kriminalfalles wird vielleicht einige Lesende überraschen. Denn die Täter und ihre Motive bleiben lange im Dunkeln.

Die detaillierte Beschreibung der Schauplätze macht es leicht, sich das Geschehen zu vergegenwärtigen, ebenso sind die Charaktere der Protagonisten gut ausgearbeitet. Immer wieder drängen neben der Professionalität der Ermittler auch menschliche Problemstellungen in den Vordergrund. Mehr als ein Mal kann man den Zwiespalt von Liv zwischen ihren persönlichen Zukunftsplänen und ihren Bedenken, ihre Selbständigkeit aufzugeben, gut nachvollziehen. Doch nicht einmal die erfahrene Kriminalistin hätte anfangs geglaubt, zu welchen Taten Menschen aus Verzweiflung und Kränkung fähig sind.

So hat Sabine Weiss einen vielschichtigen Kriminalroman über menschliche Abgründe, aber auch ein Loblied auf die schöne Insel Sylt vorgelegt. Daher kann ich diese gelungene Geschichte allen Liebhabern von atmosphärischen Krimis gerne empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Von Freundschaft und Rivalität

Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen
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In seinem Jugendbuch “Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” hat der bekannte Autor Herman van de Wijdeven eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen elfjährigen Schülern verfasst, ...

In seinem Jugendbuch “Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” hat der bekannte Autor Herman van de Wijdeven eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen elfjährigen Schülern verfasst, die vor allem Eltern und andere Personen, die Verantwortung für Kinder tragen, nachdenklich stimmen sollte. Das gelungene Hardcover macht es sowohl für Jugendliche wie Erwachsene interessant, diesen Roman zur Hand zu nehmen.

Bent und Juri sind beste Freunde, die miteinander Mutproben aushecken und einander immer wieder zu teils gefährlichen Aktionen herausfordern. Dabei sind die Beiden grundverschieden: Bent ist ein Junge, der Angst vor der Angst hat, der überall das Unheil kommen sieht und dessen Phantasien wie selbst erfüllende Prophezeiungen wirken. Dadurch zieht er immer wieder Missgeschicke auf sich, bei denen er sich ausmalt, wie seine Mutter wohl reagieren wird, auf seine Verletzungen, auf seine verschmutzte Kleidung. Zur Mutter hat er wohl eine Bindung, aber der Vater fehlt. Und so äußert sich Bents Trauer und Unsicherheit auch in einem körperlichen Symptom, seinem größten Geheimnis. Doch seinem besten Freund Jury, der darüber zu schweigen verspricht, erzählt er davon.

Jury wieder nimmt das Leben leicht, auch wenn er Bents bester Freund ist, scheint es keine besonders tiefe Bindung zu geben. Denn sobald in der Klasse ein Neuer, Finn, auftaucht, wendet sich Jury ihm zu. Bent kommt sich ausgeschlossen vor; um dazu zu gehören, beteiligt er sich an Unternehmungen, die er selbst für die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen hält. Und letztlich fordert er Jury zu einem Wagnis heraus, denn Jury hat Finn wahrscheinlich Bents größtes Geheimnis verraten.

In seinem Jugendbuch für die Zielgruppe ab elf Jahren hat Herman van de Wijdeven einen Roman vorgelegt, der in die Abgründe der Seele eines Jungen blicken lässt, der Treue hinterfragt und zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem bitteren Stachel des Verrats changiert. Der Autor zeichnet ein Bild jugendlicher Unsicherheit und jugendlichen Übermutes gleichermaßen, seine Geschichte angesiedelt in einem kleinen Dorf, wo die Möglichkeiten, Leben zu erleben, knapp bemessen sind.

In eindringlicher Sprache, die es ermöglicht, in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen und ihre Handlungsweisen zu verstehen, schildert der Autor die schwierige Entscheidung zwischen Loyalität und Rivalität. Getragen wird der Roman durch einprägsame jugendliche Charaktere, die für die jugendlichen Lesenden durchaus eine Herausforderung darstellen können. Dieses Buch ist ein Stück ungewöhnliche Jugendliteratur, das sicher eine bereits gefestigte Persönlichkeit bei den jungen Lesenden voraussetzt. Und doch schließt dieser Roman positiv, denn am Ende wird alles gut.

“Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” ist ein lesenswerter, teilweise tiefgründiger und psychologisch interessanter Jugendroman, den ich mit vier Sternen bewerte.

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